Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

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Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

"Man schrieb das Jahr 2011 ...

fintone und ein Holzplankenhals ... das hielt ich bisher für undenkbar.

Aber diesen einen speziellen Eierschneider-Sound bekomme ich nicht wirklich mehr aus dem Kopf ... "


Aber lassen wir das, die Geschichte kann man ja hier nachlesen.


Ich bin auch nach wie vor mit der Tele soweit zufrieden, tolle Parts, tolle Optik guter Klang ...
Nur da ist was, was mir unterschwellig immer wieder mißfiel. Einige Zeit brauchte ich um herauszufinden, was genau das war...

Der Tele-Twäng wirkte immer irgendwie einen Hauch "gedeckt" (ich weiß nicht wie ich es anders beschreiben soll) und irgendwie starb der Ton auch relativ abrupt ab.
Ursache scheint mir tatsächlich der Paulownia-Body zu sein, der Knüppel von Hals ist im meinen Augen erst mal steif genug.

Auch die zur Hilfe aufgesuchten Kraushaarschen Werkstätten zu Bürboslar-Downtown wußten erst mal keine großartig andere Erklärung.


Resümee: Ich versuche es mal mit massivem Holz.

Zuhause lungern seit Jahren die zwei Reststücke Riegelahorn (3cm Bohlen) von meiner SICK-Nathalie (Body komplett Riegelahorn) rum. Die sollen als Body-Grundlage dienen, mußte also nur noch was gefunden werden, was als Aufbaumaterial vorn oder hinten aufgeleimt werden kann um auf die erforderliche bzw. übliche Bodystärke zu kommen.
Und nun kam mir wieder eine ältere Sache in den Sinn, welches hier vor ein paar Jahren mal Thema war - Telebodies aus altem witterungsgezeichnetem Holz.
Auf der Suche nach etwas Passendem fiel mir dann in des Meisters Werkstätten eine uralte Bohle in die Finger, deren unbearbeitete Oberflächen vieles verbarg aber auch einiges erahnen ließ. Als mir der Meister dann noch offenbarte, daß es sich hier um Rüster (Ulme) handelt also einer Baumart, der in Mitteleuropa aufgrund des Ulmensterbens (Pilzerkrankung) nahezu ausgerottet ist war klar: dieses besondere Holz soll es nun sein. Ich hatte noch keine Ahnung was mich letzendlich wirklich erwartete aber dieses Holz und mein Riegelahorn kommen in die Wärmekammer zum aklimatisieren.

Einige Wochen später geht es los.

Es folgt stundenlages Ausschleifen der Bohlen am Plattenschleifer um glatte und saubere Oberflächen zu bekommen.
Dass das Riegelahorn gut aussieht war klar - ist ja der Rest von Nathalie, aber die Rüster war der Hammer. Das Brett weist eine großflächige Verwachsung auf.

Bestandsaufnahme:
Stärke der Rüsterbohle plus Stärke Riegelahorn fast 6cm => geht nicht, Runterschleifen schon mal gar nicht.
Ulme als Aufleimer aufschneiden und spiegeln - auf keinen Fall, das nimmt ihr die Urwüchsigkeit. Also bleibt nur Reduzierung des Body-Hauptmaterials - dem Riegelahorn.
Gesagt, getan (Kurzform): Aufgeschnitten, Spiegelhälften ausgeschliffen, Mist - zu dünn!, Tausch gegen Material aus des Meisters Schatzkammer.

Fazit:
Body-Basis bildet gespiegelt verleimtes Riegelahorn mit knapp 2cm Stärke, darauf wird ein dezentes Rüster-Furnier mit knapp 3cm Stärke geleimt - das paßt. (Endstärke nach allen Bearbeitungsstufen letztendlich 4,6cm).

Gewicht des Rohbodies: 3,2kg :-|

Es folgen die üblichen Fräs- und Bohrarbeiten.






Zum Schluß geht es ans "aging" des Holzes.
Eine Stahlbürste in Faserrichtung übers Holz geführt sorgt für Materialabtrag (Auswascheffekt). Das kann man natürlich "per Hand" machen, ich habe dafür eine rotierende Bürste in der Bohrmaschine genommen.
Danach wurde die Oberfläche vorsichtig geflammt um kleinste Fasern wegzusengen und eine dezente 3D-Grund-"Färbung" in die Struktur zu bringen. Die ganze Prozedur wurde aber nur "vorn" gemacht

Beize bringt dann weitere Tiefenwirkung, insbesondere bei dem Riegelahorn. Hier wurde ein bisschen experiementiert - es ist mir letzendlich ein kleiner Tick zuviel gelb drin, sepia wäre eher der richtige Ton gewesen. Ich hätte erst ein Probestück inkl. abschließender Ölung machen sollen. Nun gut ... zu spät!
Trotzdem bin ich mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.






Alle Anwesenden in der Stätte des Schaffens fanden das Ergebnis gut.
Nur dem Meister grummelt es permanent im Magen, was ich mit seinem "schönsten Holz ever" so veranstalte - er ließ mich sein Unbehagen zu jeder Zeit phonetisch und durch affektive Gestik spüren.
Und daß ich sein "schönstes Riegelahorn ever" als Body-Back verwendet habe, wird er mir Zeit meines Lebens nie verzeihen und immer unter die Nase reiben ... so seine Prophezeihung.
Nun, mit diesem Makel muß ich wohl leben lernen


Der Body hängt nun zuhause zum Ablüften der Ölung, am WE wird dann die Oberfläche gewachst.

Die Optik ist auf jeden Fall schon mal gelungen - bleibt anzuwarten, welche klanglichen Eigenschaften sich nun ergeben.

Ich werde weiter berichten ...


Zuletzt bearbeitet von finetone am 01.03.2016, insgesamt 13-mal bearbeitet
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Re: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Sieht gut aus, besonders die gebürstete Optik find ich stark.

finetone schrieb:
Gewicht des Rohbodies: 3,2kg :-|


Was sprach dagegen, den Body neben dem Saitenverlauf großzügig hohl zu fräsen? Ich mein, wenn du schon ein Sandwich machst.. :D

finetone schrieb:
Hier wurde ein bisschen experiementiert - es ist mir letzendlich ein kleiner Tick zuviel gelb drin, sepia wäre eher der richtige Ton gewesen. Ich hätte erst ein Probestück inkl. abschließender Ölung machen sollen. Nun gut ... zu spät!


Genau das gleiche ist mir auch passiert -_- Vorher auf den Punkt gebeizt, exakt wie ichs haben wollte nach den Probestücken. Dann nach dem Ölen wurds schön gelb und hell.



Die Ulme ist wirklich schön, ich finde das ist eins der schönsten einheimischen Hölzer. Zeig doch auch mal die Rückseite des Bodys.

Gruß
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Re: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

kola schrieb:
Was sprach dagegen, den Body neben dem Saitenverlauf großzügig hohl zu fräsen? Ich mein, wenn du schon ein Sandwich machst..


Dagegen sprach, dass ich keine Hohlkörper-Tele haben will
Um wirklich deutlich Gewicht runter zu nehmen, muss großflächig und tief gefräst werden!

Zeig doch auch mal die Rückseite des Bodys.

Gruß


Ich mache noch mal Fotos von allen Seiten, wenn sie fertig gewachst und zusammengebaut ist.
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Sooo, bitte schön! Ein erster Eindruck!









Das ehemals vorhandene Leder-Pickguard habe ich weggelassen, daß paßt jetzt absolut nicht mehr dazu.

Ob es mir so auf Dauer gefällt weiß ich noch nicht. Einerseits kommt so das gesamte Brett gut zur Geltung, andererseits ... ein bisschen zu schlicht?
Ich habe aber auch noch keine andere Idee.

Und der Ton?

Hammer - hat gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Instrument zu tun.
stramm frisch, hell, lange ausklingend - so wie ich es wollte.
Gesamtgewicht der Tele: 4,26kg (geht ja noch für einen 4,65cm dicken Massiv-Korpus)


Tante EDIT:

Ach so - nach wie vor:

Hals-PU: Leosound (revers)
Steg-PU: Lollar
3-way-switch
Volumepoti
Tonepoti mit Push/Pull (Steg-PU drehen für out-of-phase in Mittelstellung)


Zuletzt bearbeitet von finetone am 09.02.2016, insgesamt einmal bearbeitet
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Sieht klasse aus: Bin ja kein Fan dieser gravierten Dinger, aber der Kontrast zum rustikalen Holz ist klasse.

Auf GAR keinen Fall ein Schlagbrett draufmachen.

Und SCHLICHT finde ich ja als Beschreibung im Zusammenhang mit diesem Brett sehr amüsant ...
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

auge schrieb:
Der Christian Jablonski kennt eine guten Bauernmalerin damit du die Gitarre aufhübschen kannst...und auch drauf Jausnen kannst....


Ohhh, ich glaub das mit der Malerei ist nicht so meins. Das kenne ich schon von früher, gefiel mir noch nie. Trotzdem Danke für den Tip.
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

auge schrieb:
...und auch drauf Jausnen kannst....


Ein schöner Bauernkäse, eine ahle Worscht und ein nettes Brotmesser würden sich da wirklich gut drauf machen! :p
 
"Any organized sound I consider to be music. Could be music if it was well organized, depends on the organizer."
(Malcolm Cecil)

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(John Cleese)
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Thorgeir schrieb:
auge schrieb:
...und auch drauf Jausnen kannst....


Ein schöner Bauernkäse, eine ahle Worscht und ein nettes Brotmesser würden sich da wirklich gut drauf machen! :p


Och Ihr seid plöd








obwohl
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Ich finde den Korpus incl. der Hardware sehr gelungen. Mag diesen rustikalen Naturholzlook.

Finde aber, der gelbe Hals passt nicht wirklich dazu. Zumindest auf den Fotos. Vielleicht ein Palisanderhals???!
 
"Wir essen jetzt Opa!" - Interpunktion rettet Leben!
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

uwich schrieb:
Ich finde den Korpus incl. der Hardware sehr gelungen. Mag diesen rustikalen Naturholzlook.

Finde aber, der gelbe Hals passt nicht wirklich dazu. Zumindest auf den Fotos. Vielleicht ein Palisanderhals???!


Doch, der Hals ist mit bernsteinfarbenen Nitro lackiert. Damals hat das ja auch so zum puddingcremefarbenen Body gepaßt.
Ich habe versucht die Farben auf Fotos hier einigermaßen realisisch hinzubiegen im Photoshop.
Dunkles Griffbrett => nein. Ich weiß momentan noch nicht ...
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Moin.
Geiles Gerät. Der Hals ist optisch noch nicht abgrockt genug, aber das kommt auch mit Spielzeit.
Ich würde sowas ja zu einer Galaband mitnehmen. Oder zu Country Punk.
Gute Arbeit.
Gruß
Ugorr
 
Status Series 1 5Saiter sucht ein neues Heim.
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Ein Auszubildender prägte den Satz, als er nach fünf Wochen Berufschul-Block zurück kam: "Booh - erst mal abreagiern und am Wochenende eine Tele bauen!"
Da macht man keinen Schickimicki ..

UND RIEGELAHORN AUF DEN BODEN !!!
 
Gruß

Walter


http://www.facebook.com/der-gitarrenbauer

Kunst ist schön - macht aber viel Arbeit
Karl Valentin
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

W°° schrieb:
... Da macht man keinen Schickimicki ..

UND RIEGELAHORN AUF DEN BODEN !!!


Ja Meister

aber irgendwo mußte ich doch hin mit dem Zeuch! War halt da und mußte weg ... sieht doch keiner wo es jetzt ist! Nur ICH weiß, daß es da ist.
Oder hätte ich es besser deckend überlackieren sollen - z.B. in aprico oder mattschwarz-sparkle?



Zuletzt bearbeitet von finetone am 10.02.2016, insgesamt einmal bearbeitet
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Bitte schön! Ein ein neuer/anderer Eindruck mit anderen Hintergründen:

Habe extra meine Ehegattin vom Fell vor dem Kamin verjagen müssen um selbiges (das Fell !!!) für die Foto-Session zu entführen


Also hier noch mal im "Fell":



Und hier noch mal eine nettes Detail im Holz:



und noch einmal in Rot:



Also ICH finde das bei weitem nicht SOO dramatisch!
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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RE: Rüster geriegelt und die Ungnade des Meisters

Wow! Das ist natürlich immer Geschmacksache. Und wenn es dann noch gut klingt, warum nicht.

Aber beim Bohren der Löcher für die Saiten war doch Alkohol im Spiel, stimmt's?
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