Plexi, Gina, Riverside und Blackbirds .... eine Reise am Ende ?

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Plexi, Gina, Riverside und Blackbirds .... eine Reise am Ende ?

Warum ein Vierfach-Review ? In dieser Konstellation wird ja niemand außer mir sich so ein Rig zusammenstellen können, weil manche Komponenten sehr speziell sind.
Aber es kann durchaus Anregung und Idee für manchen Suchenden hier sein. Für mich ist es wahrscheinlich das Ende einer Reise. Mehrerer Reisen. ?Ich war immer schon angefixt von einem guten klassischen Marshall Sound, Free, ACDC, Gary Moore, alles, mit was man als Jahrgang 68 so aufgewachsen ist. Ich hatte schon diverse Marshalls, aber eben nur neueres Zeug. Und da ist der Funke nie so übergesprungen. Auch mit Soldano, Bogner und Konsorten war nie das Gefühl da, angekommen zu sein.
Zweite Reise: Sich selber eine Gitarre maßgeschneidert bauen zu lassen. Habe ich mich nie getraut, aus zwei Gründen. Man kann sie vorher nicht anspielen und man müsste erst man genau wissen, was man eigentlich genau will.

Es geht um 2HB Gitarre mit Plexi und Verzerrer an einer AlNiCo Box. Classic Rock von Clean bis Brett in erträglicher Lautstärke.?Oder: Dynamik, vokale Mitten, Cello, Auflösung, Volume Poti, stabile Bässe, Response, glockige Höhen, Obertöne, hab ich was vergessen ?

Die Gitarre:
Strats und Teles sind für mich austauschbar. Da hatte ich schon viele gute Gitarren, finde immer wieder gute Teile, auch zu günstigen Preisen. Bei Les Pauls und ES-Gitarren hatten die, die mir gefielen unverschämte Preisschilder und mit der kurzen Mensur ist das so eine Sache, für mich nicht das, was ich will. PRS hat mich auch nie komplett gekriegt, klanglich wie preislich. Von der Bespielbarkeit und den Features waren für mich die Musicman Luke 3 Gitarren die Heimat. Aber klanglich und optisch ging da noch was.
Fasziniert haben mich schon immer die Kraushaar Gitarren. Ich besitze eine Lisette, habe die Flow von Jan und dann nach und nach die ganzen Ginas von Rolf in der Hand und/oder am Amp gehabt. Walter baut vor allem ganz spezielle Hälse. Die sorgen für schnelle Ansprache, hohe Auflösung, langes Ausklingen und viele Obertöne. Und das schon fast erschreckend direkt, wenn man es nicht gewohnt ist. Aber wenn man sich drauf einlässt, liebt man es !
So nach und nach wurde mir also klar, wie ich meine Gitarre will.
Nach einigen sehr lauschigen Telefonaten und Mails mit Walter wurde dann eine schwarze, gecrackelte Gina mit worn copper hardware von Schaller mit dem 2000er tremolo, mit swamp ash body, mahagony/padouk set neck und DiMarzio Lukather PUs draus. Der Hals bekam wegen meiner Musicmanhaptikvorliebe ein V-Shape und was soll ich sagen; Ansage war eine Rockgitarre mit unter 3,5 Kilo, die ein obertonreiches starkes Mittenspektrum hat, bassseitig klar und stabil bleibt mit einer Holznote, in den Höhen präsent aber nicht klingelig ist.
Walter und Mario haben 100% geliefert !!!!
3,3 Kilo, und klingt wie gefordert, Ansprache und Auflösung, Ausgewogenheit über das gesamte Griffbrett sensationell. Ich bin immer noch fasziniert, wie Walter und Mario das hinbekommen haben. Und das Ganze zu einem unverschämt guten Preis, weit unter Huber/PRS/Gibson/Fender/Hartung/sonstwas-Niveau !
Ich kann jedem nur raten, wenn du weisst, was du willst, ein guter Gitarrenbauer macht dir das. das Problem ist, dass man selber wissen muss, was man will. Ich war lange nicht reif dafür, sehr lange sogar. But finally i found my home, heißt es dann wohl in R'n'R Texten.

Der Verzerrer :
Ich fand Strymon Effekte von Anfang an immer schon sehr gut, hatte sehr bald einige davon. Für mich war allerdings mit meiner Band über die letzten 10 Jahre der Line6 DT mit HD500 einfach einfacher im Handling und auch im DI Sound. Ein Flint und ein DIG sind allerdings geblieben und bleiben auch. Als dann Strymon mit Verzerrern herauskam, musste ich natürlich probieren. Die Damage Control Sachen waren ja auch schon gut. Also bei ebay gebraucht ein Riverside zum guten Kurs gekauft und hoppla, wow, das Ding kann echt was. So ein Pedal hatte ich noch nie. Normal haben Verzerrer einen Sound, den sie wirklich gut können, die Kenner reden von sweet spot. Aber links und rechts davon geht nicht mehr so viel. Der Riverside ist tendenziell eher ein amp-like pedal, kann aber crispy, crunch und Brett richtig gut ! Ich war echt überrascht. Damit kitzelt man alles an Marshall in verschiedensten Gainstufen aus einem Plexi.
Ich schätze mal, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Sunset bei mir aufschlägt.
Ach ja, ich habe noch weitere 15-20 OD- und Dist-Pedale und schon sicher 100 andere Pedale der zerrenden Gilde besessen. Empirisch sicher nicht, aber schon Erfahrung.

Die Box :
Da verkaufe ich also einen Valvetech Head und dann kommt ein richtig guter Typ und klasse Gitarrist aus dem Allgäu vorbei, bringt Les Paul, Tele und 2x12er zum Anspielen mit. Mein Musikzimmer ist gerade noch groß genug für das ganze Geraffel. Angestöpselt, vorgeglüht und los: Oooops, was ist das ? An der Box klingt der Amp so groß und gierig, dass ich ihn fast nicht mehr verkauft hätte. Aha, eine Tonehunter Box mit zwei alten Silver Bells aus den 60ern. Fuck, wie geil. Der Kerl nimmt den Amp und ( leider ) auch die Box wieder mit. Nach einem viertel Jahr und intensiven eBay-Abenden steht also auch in meinem Musikzimmer eine 2x12er Tonehunter mit zwei alten SilverBells . Und noch eine Tonehunter 2x12er mit 2 Jensen Blackbirds. Hmmm, scheiß auf vintage mojo, die Blackbird klingen für mich klarer und stabiler und vertragen mehr Pfund. Die SilberBell Box habe ich dann so gut verkaufen können, dass die Blackbird box fast mitbezahlt war. Niederlage nach Punkten für die vintage-soul in mir...
Ach so, 2x 8 Ohm seriell, für die tech-geaks.

Der Amp:
Da kommt doch unerwartet an einem ruhigen Abend nach getaner Arbeit eine Mail von einem sehr lieben und geschätzten Freund an, in der er mir einen Amp nahelegt. Den hat er im Nachbarkaff probegespielt, für sehr gut befunden, aber nicht in sein Beuteschema passend. In meines aber sehr wohl.
Ein Twinsound JTA, also ein JTM 45 Nachbau, der an und für sich schon gut ist aber noch mal richtig gepimpt wurde mit anderem Ausgangsübertrager, NOS-Röhren, Caps etc.
Er konnte ihn gegen einen 64er und 66er Marshall Plexi spielen und hörte ihn auf gleicher Höhe mit den Originalen.
Mittlerweile ist der Amp bei mir und ausgiebig getestet. Er wird von mir gebrückt betrieben, relativ leise, also ohne eigene Verzerrung. Aber was dieser Scheißkerl an pedal-Basis bietet ist so was von groß. Clean etwas unspektakulär, aber im Band-Kontext voll da, mit dem BMT El Jefe ( ein low gain Pedal ) gibt es Goldkante, aber alles wunderbar mit dem Anschlag steuerbar. Mit dem Strymon gibt es dann alles an mehr Zerre. Immer sehr dynamisch und seeeehr musikalisch. Der Amp ist nicht nur Lautmacher sondern wirklich aktives Musikinstrument.

Conclusio :
Dieses Quartett ist eine rockende Quadriga, das passt sehr gut zusammen und das interessante daran ist, dass ich das Gefühl habe, dass sich speziell diese vier Komponenten zu einem Ganzen zusammengefunden haben, das so vielleicht auch gar nicht planbar ist, aber eben passiert. Amp, Box und Zerrer passen auch mit Strat und Tele und ES, aber nicht so zwingend , nicht so verschmelzend wie mit der Gina. Da hat sich mein Seelenfrieden in Sachen Marshall Big Rock gefunden. ( Erst mal jedenfalls )
 
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Gruß
Stefan
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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RE: Plexi, Gina, Riverside und Blackbirds .... eine Reise am Ende ?

Schöner Bericht...!
Macht Lust auf eigene neue Experimente...
Danke!
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RE: Plexi, Gina, Riverside und Blackbirds .... eine Reise am Ende ?

Wirklich Gutes bleibt meist.

Man muss nur erstmal - und "erstmal" kann durchaus Jahrzehnte dauern - wissen, was genau das Richtige für einen ist. Ich wollte zB viele Jahre lang AlNiCo-Speaker mögen, aber geblieben ist dann doch keiner. Ich wollte auch unbedingt wenigstens eine Gibson-artige Gitarre haben, aber geblieben ist keine. Ich habe vier total durchgepimpte Strats, spielen tu ich aber doch immer die dieselben zwei. Ich habe Blackface, Tweed- und Plexi-Amps, alle sind anders, aber hauptsächlich spielen tu ich doch den Princeton Reverb und den 18W TMB. Bei Effekten ändern sich auch nur Nuancen.

Übrigens finde ich serielle Verdrahtung zweier Speaker auch eindeutig besser, dynamischer, knalliger, "loser". Manche merken da gar keinen Unterschied.
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RE: Plexi, Gina, Riverside und Blackbirds .... eine Reise am Ende ?

It‘ s a long way to the top ...

Geschmäcker verändern sich, und die Suche nach dem Gral führt durch viele dunkle Täler - viel Spaß mit dem Rig!

Deine Gina ist übrigens ein weiterer Kracher dieser Linie, jede einzelne (die ich kenne) Top, jede anders im Detail, aber mit vielen Gemeinsamkeiten - hach, ich muss mal bzgl. No4 in mich gehen ... Green-Sparkle fehlt noch, ebenso Black-Sparkle ... hui, das sind ja schon zwei
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
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RE: Plexi, Gina, Riverside und Blackbirds .... eine Reise am Ende ?

Ja ....... schön zu lesen.
Baut Walter jetzt die Ginas doch nicht nur für Rolf?











Aber, vielleicht hab ich das auch falsch in Erinnerung.....?
 
Gruß HaWe und .... allzeit schöne Töne!
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