Digitech FREQOUT - Feedback - Generator

Doc Line6forum

Power-User
19 Aug 2007
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Hamburg
Bisher gab es (mir unverstÀndlicherweise) nur wenige Versuche, Feedback- Generatoren zu bauen.
Jeder kennt den Fernandes Sustainer und auch den E-Bow, wo die Saite mit einem Magnetfeld angeregt wird. Diese Systeme sind aber entweder an Gitarrenmodifikationen gebunden (Sustainer) oder mit einer nicht unerheblichen Umstellung bei der Spielweise verknĂŒpft (E-Bow)

Vor ein paar Jahren gab es von Fender schon mal das Runaway- Pedal, das aber leider nur in den USA erhĂ€ltlich war und den Sprung ĂŒber den großen Teich nicht geschafft hat. Das Runaway klang schon gut (ĂŒber YT- Videos, ich selbst konnte es nie spielen), ist aber nichts im Vergleich zu dem, was das Digitech Freqout kann, um das es hier heute gehen soll.
Das FREQOUT wurde auf der Namm im Januar angekĂŒndigt und jetzt, 4 Konate spĂ€ter ist es endlich da!
Der Freqout ist wie gesagt kein Sustainer, der einen Sound generiert, indem die Saite zum Schwingen angeregt wird. Die Saite muß schon schwingen. Dann aber wird aus den Schwingungsinformationen ein Feedback generiert, das so lange dauert, wie die Saite auch nur ein bisschen schwingt. Muted man die Saite, stoppt auch das Feedback (es sei denn, man hat Gain maximal hoch gedreht, das ist dann so, als wĂŒrde man vor einem voll aufgerissenen Stack stehen - die geringste ErschĂŒtterung der Gitarre lĂ€sst die Feedback- Orgie beginnen. :) )

Ich habe es seit gestern, und hier ist mein erster Honeymoon- Eindruck:

Das Pedal ist schwer, Vollmetall und sehr gut verarbeitet, wie immer bei Digitech. Ein Netzteil ist nicht dabei, jedes qualitativ hochwertige 9V- Netzteil tut es aber.

Es gibt einen True- Bypass- Switch, einen Minischalter, der bestimmt, ob der Switch permanent oder nur momentary ist, sowie einen weiteren Minischalter, der das trockene Signal aus dem Signalweg nimmt (dann hört man nur noch Feedbacks).
Dann gibt es ein Doppelpoti namens 'RANGE': der innere Ring nennt sich FEEDBACK und bestimmt, wie leicht das Feedback nach einem Attack entsteht. Im ĂŒbertragenen Sinn also, wie stark ich um das Feedback kĂ€mpfen muß, z.B. mit Fingervibrato.

Der Ă€ußere Ring nennt sich 'ONSET' und bestimmt, wie schnell nach einem Attack das Feedback kommt.
Zu schnelle Einstellungen machen aus einer Gitarre fast schon einen Synthi, erst recht, wenn man dann das Dry- Signal noch rausnimmt. Dann sind Flöten- und Mellotron- Sounds möglich (und meinen E-bow werde ich wohl nie wieder brauchen...). Das wird aber nicht meine Hauptanwendung sein...

Aber weiter: Das untere Poti namens 'TYPE' regelt die Intervalle der Feedbacks:
1. Sub: Klingt wie ein Bass- Octaver, wenn das Feedback kommt.
2. 1st: Feedback kommt in gleicher Frequenz wie der Originalton.
3. 2nd: Feedback kommt 1 Oktave höher
4. 3rd: Feedback kommt 1 Quinte höher
5. 5th: feedback kommt 11 Halbtöne höher, also eine Terz ĂŒber der Oktave.
6. Nat Low: Steht fĂŒr Natural. Macht ein Feedback, das nicht vollstĂ€ndig vorhersehbar ist, so wie wenn man vor dem Amp steht und den Sweet Spot erst noch finden muß. Sehr reizvoll.
7. Nat High: Das gleiche, aber in höheren Registern.

Die SoundqualitĂ€t ist aus meiner Sicht sensationell. Das Dry- Signal wird ĂŒberhaupt nicht beeinflußt, und das Feedback klingt völlig natĂŒrlich/organisch und nicht nach irgendetwas KĂŒnstlichem. Unglaublich.
Wenn man die Einstellungen richtig auf die verwendete Gitarre abstimmt, kann das GerÀt ohne weiteres die ganze Zeit auch an sein, und stört beim Rhythmus- und Akkordspiel nicht.
Und wenn man dann Chords und Töne hÀlt, kommt erst das Feedback ins Spiel. Sehr schön.

Ich habe einen Dropbox- Ordner freigegeben, in dem ich die einzelnen Modi kurz vorstelle.
Außerdem habe ich in BIAB einen kleinen Song gebastelt und dann einfach mal ohne viel Sinn und Verstand drĂŒber gedudelt. :)

Meine Einstellungen waren folgende:
Meine Gitarre (Strat) ging in das Freqout, hier waren die Einstellungen: Dry On, Momentary Off, Gain auf 12:00, Onset 14:00, Type war fĂŒr den Song die ganze Zeit auf 3rd eingestellt.
Vom Freqout gings in den Kemper, da wars ein Morgan AC 20- Profile, das ging dann in die DAW.
Und wie gesagt, das Freqout ist die ganze Zeit an, das Entstehen der Feedbacks wird hier durch meine Spielweise gesteuert.

Ich glaube, ich hatte lange nicht so viel Spaß mit einem Effekt!!
Wobei mir das Freqout eher wie ein Enhancer der Möglichkeiten einer Gitarre vorkommt denn als plumper Effekt.
Ich bin völlig begeistert von dem Teil!

https://www.dropbox.com/sh/3m42spw8aeud2cd/AADw0_A5Gd6VZieGGoj7-pf9a?dl=0
 
Liest sich interessant, Doc .
Und so hört es sich an:
Error (4xx)
We can't find the page you're looking for.

Schade.
 
Schönes Review.

Mich wĂŒrde aber - und ich bin da extrem pingelig - das Bypass-Signal interessieren.
Digitech macht ja auch den Ricochet und sonstige Tonhöhen-Verbieger und da gibt es Einstellungen, die auch das Bypass-Signal beeinflussen.

Vermutlich weil das GerÀt auch in diesen Einstellungen digital (ersetzend oder parallel zum Original) umwandelt um bei BetÀtigung schnellstmöglich zu sein. Das ist aber nur eine Vermutung. Jedenfalls ist dort der Bypass leider nicht, oder nicht immer, wirklich beeinflussungsfrei.
 
groby schrieb:
Schönes Review.

Mich wĂŒrde aber - und ich bin da extrem pingelig - das Bypass-Signal interessieren.
Digitech macht ja auch den Ricochet und sonstige Tonhöhen-Verbieger und da gibt es Einstellungen, die auch das Bypass-Signal beeinflussen.

Vermutlich weil das GerÀt auch in diesen Einstellungen digital (ersetzend oder parallel zum Original) umwandelt um bei BetÀtigung schnellstmöglich zu sein. Das ist aber nur eine Vermutung. Jedenfalls ist dort der Bypass leider nicht, oder nicht immer, wirklich beeinflussungsfrei.

Danke Robert.

Ein Clip im Dropbox- Ordner ist der Klang der Strat durch das ausgeschaltete Freqout.
Und der klingt genau so, als ob ich direkt in den Kemper gehen wĂŒrde.
Ich bin auch sehr pingelig, habe hier aber absolut nichts zu meckern.
 
Hallo,

danke fĂŒr den tollen Bericht. FĂŒr D.I.-Spieler könnte das GerĂ€t das Problem lösen, dass es kein natĂŒrliches Feedback gibt.

Nur mal so rein aus Neugierde: Wenn die Gitarre nicht D.I. in die P.A. geht sondern an einen Amp im Raum und es ohne das Ding natĂŒrliches Feedback gibt, was passiert dann, wenn man das GerĂ€t einschaltet?

Gruß

erniecaster
 
Sehr interessant! Vielen Dank auch fĂŒr die Klangbeispiele!

Noch zwei Fragen: Was passiert mit dem Feedback, wenn man einen Ton ganz bis zum Ende ausklingen lĂ€sst? Kann das Ding auch polyphon arbeiten, oder was passiert, wenn man es mit Akkorden fĂŒttert?
 
erniecaster schrieb:
Hallo,

danke fĂŒr den tollen Bericht. FĂŒr D.I.-Spieler könnte das GerĂ€t das Problem lösen, dass es kein natĂŒrliches Feedback gibt.

Nur mal so rein aus Neugierde: Wenn die Gitarre nicht D.I. in die P.A. geht sondern an einen Amp im Raum und es ohne das Ding natĂŒrliches Feedback gibt, was passiert dann, wenn man das GerĂ€t einschaltet?

Gruß

erniecaster

Ich habe das gerade einmal ausprobiert. Wenn ich ein Setting mit viel natĂŒrlichem Feedback habe und ich das GerĂ€t einschalte, bekomme ich dieses 'voll aufgerissenes Stack- Syndrom'. :)
Dem kann man dann aber ganz leicht dadurch begegnen, dass man am Freqout selbst den Gain- Regler zurĂŒck dreht.
Aber natĂŒrlich liegt der Einsatzzweck des Freqout ganz klar eher im Bereich von leichten bis maximal moderaten Gainsettings an deiner Gitarrenanlage.
 
Nashorn schrieb:
Sehr interessant! Vielen Dank auch fĂŒr die Klangbeispiele!

Noch zwei Fragen: Was passiert mit dem Feedback, wenn man einen Ton ganz bis zum Ende ausklingen lĂ€sst? Kann das Ding auch polyphon arbeiten, oder was passiert, wenn man es mit Akkorden fĂŒttert?

Polyphon arbeitet das Teil nicht.
Wenn man einen Akkord spielt, sucht sich das GerÀt einen akkorddominanten Ton aus und erzeugt ein Feedback.
Das hÀngt ein bisschen vom gewÀhlten Type- Setting ab.
Meistens kommt dann die Root, Quinte, oder Oktave als Feedback hervor.

Zur anderen Frage: wenn das Feedback erst einmal steht, dauert es so lange, wie die Saite auch nur ein bisschen noch nachschwingt, und das kann sehr lang sein.
Es endet sofort, wenn die Seite abgestoppt wird.
 
Hallo!

Doc Line6forum schrieb:
Ich habe das gerade einmal ausprobiert. Wenn ich ein Setting mit viel natĂŒrlichem Feedback habe und ich das GerĂ€t einschalte, bekomme ich dieses 'voll aufgerissenes Stack- Syndrom'. :)
Dem kann man dann aber ganz leicht dadurch begegnen, dass man am Freqout selbst den Gain- Regler zurĂŒck dreht.

Hallo,

mit einer reinen Hollowbody hÀtte man dann dieses "voll aufgerissene Stack-Syndrom" dann schon bei sehr moderaten LautstÀrken...

Ich mag das ja, am besten verbunden mit Delay. Zwei, drei Töne eines Akkords und dann wird es schon spannend, ohne das man eine ernsthafte musikalische Idee brÀuchte.

;-)

Gruß

erniecaster
 
Schließe mich Doc an, das Teil macht richtig Spaß!

Hab' auch lange auf das Teil gewartet und die Antertons waren wieder
mal schneller als alle anderen.

Ich wĂŒrde es jedem, der in diese Richtung (Feedbacken) schonmal gedacht hat,
unbedingt zum Testen empfehlen.

Wenn es ĂŒberhaupt etwas zu meckern gibt, ist es die nichtvorhandene
Möglichkeit das Pedal mit Batterien zu betreiben oder auch das Nichtvorhandensein
eines Netzteils.
 

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