Eigener Stil - whatever that is - sein Erhalt & Erweiterung

Ha!
groby schrieb:
Ist Bildung in irgendeinem Sinne ĂŒberhaupt notwendig um Musik zu machen?

Nimm mal SĂ€nger. Ich will niemanden beleidigen, aber ich glaube, wenn das hier ein SĂ€ngerforum wĂ€re, wĂŒrde die Frage nach irgendeiner Art von "Bildung" kaum gestellt werden.

Oder Schlagzeuger.

Oder Bassisten. (Ok, das war jetzt vielleicht doch etwas beleidigend....)

Was ich sagen wollte: Je grĂ¶ĂŸer der Abstand zwischen dem Körper und dem Ton ist (bzw. je technisierter der musikalische Vorgang), desto eher kann man auf die Idee kommen, so etwas wie Bildung ĂŒberhaupt nötig zu haben. Das heißt nicht, dass ein bisschen musikalische Bildung dem einen oder anderen SĂ€nger nicht vielleicht mal ganz gut tun wĂŒrde, aber ich hab, ganz ehrlich, bislang wenige erlegt erlebt, fĂŒr die das auch nur im Ansatz ein Thema gewesen wĂ€re. "Bildung" hört da meistens ungefĂ€hr bei "Stimmbildung" auf. Und Al Jarreau ist ja auch schon gestorben.

M.
 
Jetzt sind wir aber doch vom Thema abgekommen, und ich trage meinen Teil Verantwortung dafĂŒr - es ging um Eigener Stil - whatever that is - sein Erhalt & Erweiterung, und jetzt geht es auf einmal um Kunst und Bildung.

Beide Begriffe sind relevant, weil man die Erweiterung des eigenen Stils - whatever that is - mit dem Vehikel "Bildung" betreiben kann, wobei "Kunst" eins der möglichen Ziele ist.

Wir sind uns aber wohl einig, dass weder die Ramones noch die Stooges noch die Sex Pistols auf eine ĂŒber Rudimente hinausgehende musikalische Bildung zurĂŒckgreifen mussten, um einen durchaus eigenen STIL (back to topic) zu entwickeln oder zu erhalten. Weitere Beispiele ließen sich anfĂŒhren. Somit ist die Antwort auf jacuzzis bzw grobys Frage

Ist Bildung in irgendeinem Sinne ĂŒberhaupt notwendig um Musik zu machen?

Eindeutig NEIN. Auch wenn die Musik Allan Holdsworths kaum ohne viel viel Bildung denkbar gewesen wĂ€re, sind die Musiken der zuvor genannten durchaus ebenfalls von eigenem Stil geprĂ€gt und auch irgendwie Kunst. Wenn auch andere. Irgendwie. Ab wann bzw aufgrund welcher Merkmale genau genĂŒgend Kriterien fĂŒr das PrĂ€dikat "Kunst" erfĂŒllt sind, diese Diskussion sollten wir aussparen (und nicht nur aus dem Grunde, dass ich Kunst fĂŒr ein Ereignis halte, an dem der Rezipient an der Kommunikation mittels musikalisch gesendeter Information maßgeblich beteiligt ist).

Ich schlage vor, das PrĂ€dikat "eigen" fĂŒr Stile zu verleihen, die einen gewissen Wiedererkennungswert haben. Andersherum: wenn jeder genau so spielen kann, ist der Stil eben nicht "eigen". Okay, Ramones und Stooges klingt erstmal einfach und simpel, aber so richtig mit 100% Originalfeeling kriegen das dann doch nur sehr sehr wenige hin. Hm - vielleicht ist die Idee mit dem Wiedererkennungswert als Kriterium fĂŒr das "Eigene" des Stils doch kacke. Was meint ihr?

Wenn wir allerdings dabei blieben, könnten wir a) uns fragen, wie es zur Entstehung dieses "Eigenen" des Stils kam und b) erörtern, wie man dieses PhĂ€nomen erhĂ€lt oder entwickelt. Damit wĂ€ren wir bei der ursprĂŒngichen Fragestellung (auf höherem Niveau als zu beginn latĂŒrnich, Spiralcurriculum und so). Zur Entwicklung ist "Bildung" nur einer der möglichen Wege, nicht mehr.
 
groby schrieb:
Ist Bildung in irgendeinem Sinne ĂŒberhaupt notwendig um Musik zu machen?

Pauschal wĂŒrde ich sagen, nein.

Pauschal wĂŒrd ich sagen: Nein, aber es erleichtert die Sache ungemein.
Als ausgebildeter Musiker ist es sehr schwer bei der rationellen Zusammenarbeit mit Kollegen die "nur ausm Bauch" spielen/singen.
Beispiel:
Chorstimmen werden vereinbart: "..sing doch da am Besten die Terz...", versuch mal auf die letzte 16tel vorzuziehen gemeinsam mit...

Weiter gehts mit dem AkkordverstÀndnis, dem HarmonieverstÀndnis, der Möglichkeit etwas zu Notieren, dass auch ein Substitut noch lesen kann usw. bzw. zu substituieren und musikalische Aufzeichnungen "halbwegs vom Blatt" umsetzen zu können.

Ich fĂ€nde es sehr einschrĂ€nkend nicht zu wissen was sich musiktheoretisch grade abspielt, auch/oder gerade bei improvisierter Musik. Weiters finde ich es ungemein erleichternd mir nicht alles merken zu mĂŒssen weil ich vom Blatt singen/spielen kann und somit auch mal etwas vergessen darf.

Wenn ich in der Begleitung die musiktheoretische Rolle meines Instrumentes und auch das der anderen nicht verstehe kann ich sehr wohl coole Musik machen aber es dauert wohl etwas lÀnger. Und warum sollte man auf "Wissen" verzichten wenn es doch schon existiert. Ich behaupte: Aus Faulheit/Bequemlichkeit die im Nachhinein dann mit Argumenten wie "aus dem Bauch" usw. gerechtfertigt wird.

Die "Sprache der Musik" bedarf halt einer gewissen Bildung. Noten, Theorie, ...
und das bietet eine Jazzuni & Co auf wirklich hohem Niveau.

Und auch im kreativen Kontext (Songwriting) ist es hilfreich auch zu verstehen was passiert. Auch um es nachvollziehbar/wiederholbar zu machen und nicht dem Zufall ĂŒberlassen zu bleiben. (10% Inspriation, 90% Transpiration)...

LG
Auge
 
Hallo,

natĂŒrlich hilft Bildung und selbstverstĂ€ndlich sind "skills" am Instrument kein Hindernis, um einen "Stil" zu entwickeln.

Wahrscheinlich ist das hier OT aber die Reihenfolge, in der Dinge gelernt werden, finde ich bei Gitarristen hĂ€ufig merkwĂŒrdig.

Da "sweepen" und "shreddern" die Leute, wann immer sie ein Instrument in der Hand haben und sind nicht in der Lage, einen satten und tighten Rhythmuspart zu spielen. Da wird ĂŒber myxophrygische Skalen gefaselt und man schaut in erstaunte oder entsetzte Gesichter, wenn der Song statt in G-Dur in D-Dur gespielt werden soll und darf dann die Akkorde aufschreiben, weil die Transponier-App im Bunker ohne W-Lan nicht lĂ€uft. Davon mal abgesehen ist es fĂŒr viele Raketentechnologie, die Akkorde eines strunznormalen Pop-Song zu erkennen, womöglich sogar "on the fly".

Sorry fĂŒr den GefĂŒhlsausbruch und die vielen englischen Begriffe. Aber es musste mal raus.

Gruß

erniecaster
 
erniecaster schrieb:
die Reihenfolge, in der Dinge gelernt werden, finde ich bei Gitarristen hĂ€ufig merkwĂŒrdig.

Da hast du recht. Als Menschen haben Gitarristen und Musiker eine eigene Biographie, und die ist dann eben so.

HĂ€tte mir mit 12 jemand gezeigt, dass die Gitarre mehr kann, als Liedbegleitung damit zu klampfen, hĂ€tte ich nach diesem "Gitarrenkurs" nicht sofort das Interesse fĂŒr fast zehn Jahre verloren.

Guter Unterricht, der Schicht fĂŒr Schicht praxisbezogen Harmonielehre aufbaut, ist sinnvoll (fĂŒr einige musikalische Ziele jedenfalls).

Aber unnötig fĂŒr eigenen Stil.

Ramones, The Stooges, AC/DC, John Lee Hooker und andere, die eindeutig eigenen Stil haben oder hatten, sind gut ohne ausgekommen.
 
Naja.

mmmmh.....

Nun hĂ€tte in der AufzĂ€hlung auch Joe Satriani stehen können oder BB King, der Notenlesen und Harmonielehre ĂŒberraschenderweise sehr wichtig fand.

Und "nötig fĂŒr den eigenen Stil" ist eine vage Angelegenheit. Ich glaube nicht, dass automatisch die Eigenwilligkeit oder der eigene Stil leidet unter mehr Bildung oder Können.

Die meisten Songbegleitungen oder ĂŒberhaupt die Gitarre mit ihrer simplen Bedienung (hier hauen, da drĂŒcken) macht es einem auch derart einfach, dass man sich schon mit geringem Können zufrieden geben oder sich zur Not seine Ignoranz schönreden kann.


So war ich frĂŒher auch. Mit geheuchelter Bescheidenheit habe ich mich gerne als Autodidakt geoutet und mich gefreut an meinem Image als Naturtalent. Ich hatte auch glaube ich ein gewisses Geschick dazu, aber ausgebaut habe ich nichts davon.
Und irgendwann traf man dann außerhalb des eigenen Abiturjahrganges auf Leute, die einem dann zeigten, was echtes Beherrschen seines Instrumentes sein könnte und dann wurde das aufgeblasene Ego hĂŒbsch zurecht gestutzt.

Ich glaube eigener Ausruck oder wiedererkennbarer Stil hat weniger mit dem technischen Können zu tun als vielmehr mit den GrĂŒnden, warum man ĂŒberhaupt Musik macht. Musik an sich gibt es ja eigentlich schon genug. Man mĂŒsste sie nicht selber machen.

Es gibt da aber anscheinend irgendein BedĂŒrfnis oder Antrieb.

Vielleicht ist dass der Ursprung von musikalischer IndividualitÀt. Und damit auch das Zentrum von dem aus sich so etwas wie Stil ausbreitet.
 
Moin Robert, moin allerseits (hoch interessante Diskussion ĂŒbrigens!),

groby schrieb:
... Es gibt da aber anscheinend irgendein BedĂŒrfnis oder Antrieb ... Vielleicht ist das der Ursprung von musikalischer IndividualitĂ€t. Und damit auch das Zentrum von dem aus sich so etwas wie Stil ausbreitet.

diese Erkenntnis ist meiner Meinung nach die wichtigste ĂŒberhaupt. NatĂŒrlich wurde (fast) alles schon mal von irgendjemanden gemacht, und oftmals (leider) auch besser, als man das selber jemals hinbekommt.

Warum einen 8000 Meter hohen Berg besteigen? Warum Gitarre spielen bzw. ĂŒberhaupt Musik machen? Wenn die persönliche Antwort darauf ohne ein Synonym von "innerem Drang" auskommt, wĂ€re es womöglich besser, in der kostbaren Freizeit Angeln, Kegeln oder Saufen zu gehen. Wenn nicht, dann muss man sich wenig Gedanken ĂŒber persönlichen Stil machen. Denn in diesem Fall wird man ihn einfach haben, ob man will oder nicht, und dabei kommt es keinen Deut auf irgendeine "musikalische Bildung" an – wenn das Herz genug fĂŒr die Sache brennt (Wobei ich es persönlich recht gerne mit B.B. Kings Zitat vom "lieber wissen, auch wenn man es nicht braucht ... usw" halte, aber das muss und will ich nicht auf andere ĂŒbertragen).

Ach ja, ich schließe hier natĂŒrlich ĂŒberwiegend ganz frech von mir auf andere und erwarte nicht, dass das alle so sehen.

GrĂŒĂŸe, Andreas
 
andi-o schrieb:
Moin Robert, moin allerseits (hoch interessante Diskussion ĂŒbrigens!),

groby schrieb:
... Es gibt da aber anscheinend irgendein BedĂŒrfnis oder Antrieb ... Vielleicht ist das der Ursprung von musikalischer IndividualitĂ€t. Und damit auch das Zentrum von dem aus sich so etwas wie Stil ausbreitet.

...und dabei kommt es keinen Deut auf irgendeine "musikalische Bildung" an – wenn das Herz genug fĂŒr die Sache brennt (Wobei ich es persönlich recht gerne mit B.B. Kings Zitat vom "lieber wissen, auch wenn man es nicht braucht ... usw" halte, aber das muss und will ich nicht auf andere ĂŒbertragen).

...

..Es kommt eben nicht auf die "musikalische Bildung" an aber es kann die Sache sehr erleichtern. Man kann sich einfach besser ausdrĂŒcken wenn das Repertoire an Ausdrucksformen grösser ist. Mit gutem Wortzschatz kann ich interessant erzĂ€hlen. Muss nicht. Aber kann...
Vor allem gilt aus meiner Sicht der Umkehrschluss nicht. Musikalische Bildung verhindert Stil o.Ă€. nicht.
 
Moin Auge,

auge schrieb:
Vor allem gilt aus meiner Sicht der Umkehrschluss nicht. Musikalische Bildung verhindert Stil o.Ă€. nicht.

ich sehe das genauso, und oute mich persönlich auch als Fan von "musikalischer Bildung" - allerdings gibt es auch genug bekannte/berĂŒhmte/erfolgreiche Musiker, die auch ohne selbige zum eigenen Stil gefunden haben (zumindest erzĂ€hlen das viele :))

GrĂŒĂŸe, Andreas
 
Tja, das Zitat von Miles sagt ja eigentlich alles. Wenn man sich mit dem beschĂ€ftigt, was man spielen möchte, bedeutet das ja nicht, dass sich das mit musikalischer Bildung ausschließt - ganz im Gegenteil.
Selbst bei einem Genie wie ihm ist nicht alles "vom Himmel gefallen" und er hat sich stÀndig entwickelt / weiter gebildet, nur war ihm das Thema Entwicklung / Bildung wohl völlig egal, weil es einfach passiert ist und dann wohl auch etwas schneller ging als bei einem Otto-Normalmusiker.

Damit kommt man auch sofort zum wesentlichen Punkt beim Thema eigener Stil.
Die einfachste Möglichkeit herauszufinden, ob man einen hat oder nicht, ist sich die Frage zu stellen, ob man sich damit beschÀftigt.

Tut man es hat man mit maximal hoher Wahrscheinlichkeit keinen.

Meine das jetzt völlig ohne Wertung. Macht nĂ€mlich ĂŒberhaupt nichts keinen eigenen Stil zu haben.
Z. B.. fĂŒr einen Orchestermusiker wĂ€re der auch kontraproduktiv, da sind ganz andere Dinge gefragt.

Das ganze "Konstruierende" kann maximal zu einer inhaltsleeren Illusion von eigenem Stil fĂŒhren, die man sich ersparen sollte.

In die LĂŒcke zwischen Stililluision und eigener Persönlichkeit könnten sich so ein paar unangenehme Nebenwirkungen einnisten...
 
Swompty schrieb:
Die einfachste Möglichkeit herauszufinden, ob man einen hat oder nicht, ist sich die Frage zu stellen, ob man sich damit beschÀftigt.

Tut man es hat man mit maximal hoher Wahrscheinlichkeit keinen.

Ich sehe da ĂŒberhaupt keinen Zusammenhang ... Bewusstsein und Existenz sind doch völlig verschiedene TatbestĂ€nde?
 
Hallo,

Stevie Ray Vaughn wollte iirc so tief wie möglich in den Blues abtauchen - das ist eine Stilentscheidung und er hatte seinen Stil. The Edge wollte sich so weit wie möglich vom Blues absetzen - das ist eine Stilentscheidung und er hat seinen Stil.

Zwei glasklare Gegenbeispiele.

Gruß

erniecaster
 
ferdi schrieb:
Swompty schrieb:
Die einfachste Möglichkeit herauszufinden, ob man einen hat oder nicht, ist sich die Frage zu stellen, ob man sich damit beschÀftigt.

Tut man es hat man mit maximal hoher Wahrscheinlichkeit keinen.

Ich sehe da ĂŒberhaupt keinen Zusammenhang ...

Geht dann - mal als Vergleich - die eigene, unverwechselbare Stimme (mit Wortwahl, Register, Tonlage, Satzmelodie) plötzlich verloren wenn man mal sie reflektiert?

WĂ€re die Tatsache, dass ich mich mit meinem eigenen Spiel auseinandersetze, der Beweis dafĂŒr, dass ich keinen eigenen Stil habe?

Finde ich nicht.

Das finde ich etwas romantisierend, dieses "Nicht nachdenken, einfach machen".
Ich finde zwischendurch auch einfach ruhig mal nachdenken eine super Sache.
 
groby schrieb:
...
Geht dann - mal als Vergleich - die eigene, unverwechselbare Stimme (mit Wortwahl, Register, Tonlage, Satzmelodie) plötzlich verloren wenn man mal sie reflektiert?

WĂ€re die Tatsache, dass ich mich mit meinem eigenen Spiel auseinandersetze, der Beweis dafĂŒr, dass ich keinen eigenen Stil habe?
...

Beides mal nein, hab ich auch nicht geschrieben. :roll:

Man kann ĂŒber sein Stimme soviel reflektieren wie man will, man wird sie nicht substantiell verĂ€ndern.

Man kann auch so viel ĂŒben wie man will, Stil wird man dadurch nicht finden. Man wird halt "lediglich" besser auf seinem Instrument.
Einige kommen damit ihrem Stil nÀher, andere werden einfach schneller, lernen Noten anderer zu lesen, können sich sicher im harmonischen Kontext bewegen, ist aber halt sehr individuell.

Wie gesagt, Miles hat es IMO auf den Punkt gebracht, Zitat hattest du ja rausgesucht...
 
Hallo Swompty,

ich hÀtte ja nicht gedacht, dass das in diesem Leben noch einmal passiert, aber in diesem Fall bin ich 100%ig bei dir! :)

Gruß Martin
 
Ist Stil lernbar?

Nicht: Stil im Sinne von "Musikstile" sondern Stil im Sinne von "individuelle Eigenheiten"?

Oder lĂ€uft das unweigerlich darauf hinaus, dass man sich dann nur zwanghafte Marotten anzĂŒchtet?


(Ist mehr so eine philosophische Frage. Ich selber fĂŒrchte, ich habe bereits einen Stil, akzeptiere das ungefĂ€hr so wie mein Gesicht, bemerke diese Festgefahrenheit wenn mich wieder mal mein eigenes Solo beim Spielen langweilt aber rede mir es als "schĂŒtzenswert individuell" schön wenn ich wieder zuhause bin und ja auch mal was dazulernen könnte, was aber dann Arbeit wĂ€re.)
 
Swompty schrieb:
Tja, das Zitat von Miles sagt ja eigentlich alles. Wenn man sich mit dem beschĂ€ftigt, was man spielen möchte, bedeutet das ja nicht, dass sich das mit musikalischer Bildung ausschließt - ganz im Gegenteil.
Selbst bei einem Genie wie ihm ist nicht alles "vom Himmel gefallen" und er hat sich stÀndig entwickelt / weiter gebildet, nur war ihm das Thema Entwicklung / Bildung wohl völlig egal, weil es einfach passiert ist und dann wohl auch etwas schneller ging als bei einem Otto-Normalmusiker.

Falls es hier um Miles Davis gehen sollte und um das Zitat mit dem Vergessen von Theorie (ich finde das Zitat hier im Thread nicht), dann muss ich widerspechen.
Miles Davis ist ganz bewusst ein "Big Styler" gewesen.
Und er hat ganz bewusst Dinge anders gemacht, als andere.

Ein Teil der Verwirrung rĂŒhrt, glaube ich daher, dass Musik machen etwas Proaktives ist, Stil sich dagegen in der Retrospektive zeigt.

Viele GrĂŒĂŸe,
woody
 
Beim Erlernen von Sprachen - ist Musik nicht eine? - unterscheiden wir vor allem zwei Arten der Nichtbewusstheit - 1 und 4:

1. unbewusste Inkompetenz - zB der Gitarrist, der mit seinen paar Lagerfeuerakkorden und wenigen Licks "die irgendwie passen" rundum zufrieden ist und denkt, er könne "eigentlich alles"

2. bewusste Inkompetenez - Löcher im KĂ€se im abrufbaren Repertoire / skills / Wissen / WTF sind erkannt, man merkt, dass man eben nicht "alles kann". Meist entzĂŒndet sich hier eine Motivation zum Lernen

3. bewusste Kompetenz - zB der Gitarrist, der sich denkt "jaaaa, und jetzt, da das StĂŒck ja in A-dur ist und jetzt ja der Akkord der IV. Stufe kommt, muss also D lydisch passen, allllso kann ich jetzt die #11 und die maj7 spielen

4. unbewusste Kompetenz - kein (bewusstes) drĂŒber Nachdenken mehr wie bei 3, sondern nur noch spielen.



Der Weg in den 4. Stock fĂŒhrt, so denke (und hoffe) ich, aus dem Parterre in den ersten und zweiten, dann ĂŒber den dritten Stock, und es gibt keinen Fahrstuhl. Man muss die Treppe nehmen. Oder bleibt eben auf dem bisherigen Stockwerk, auch ok.

Das alles (Bewusstsein / Unbewusstsein, Kompetenz / Inkompetenz) hat nur mit Stil nichts zu tun - gar nichts. Ist mMn ne völlig andere Diskussion.
 
groby schrieb:
Kernfrage in Kurzform:

Was ist - und wie entwickelt sich - ein eigener Stil?
Und wie stabil ist er? ....


Wer hat da Meinungen oder Erfahrungen zu?

Hi, vieles in Deinem ersten Beitrag bezog sich wohl nur auf den "Spielstil" oder?
Ich lese da jetzt nichts von Komposition, Arranging etc.

FĂŒr mich gehört das alles zuammen. Und zu den von Dir bereits erwĂ€hnten Punkten [Kopieren, Aneigenen, Nach-Machen, Neu-Kombinieren, eigenen Ideen und AblĂ€ufen etc.] wĂŒrde ich sowas wie Hörgewohnheiten/Hörreife und musikalische Bildung (Harmonie- und Kompositionslehre) in den Ring werfen. Bei mir wurde letzteres erst vor ca. 10 Jahren wichtiger. Vorher als reiner "Elektriker" habe ich mich eher mit irgendwelchen hippen Skalen rumgeschlagen, wĂ€hrend ich heute mehr in Harmonien, Songs oder an den Gesamtausdruck denke.

Was meinen solistischen Spielstil angeht, gerade der auf der E-Gitarre, habe ich schon einen Wiederkennungswert. Sowohl im Positiven wie im Negativen. Ich mochte schon immer Musik mit viel Ausdruck und Emotion. Deswegen habe ich dann viel an Phrasierung gearbeitet. Leider habe ich erst recht spĂ€t gelernt komplexere harmonische ZusammenhĂ€nge zu verstehen. Ich empfinde das noch heute als großes Manko. Viele EinflĂŒsse haben bestimmt einiges dazugetan, aber im Grunde klingt vieles noch so wie vor 20 Jahren. Das gehts mir wie Martin.

Was Improvisation und Soloarbeit betrifft, fliegt alles, was sich fĂŒr mich nicht singbar anfĂŒhlt, raus. Ich mag es technisch versierten Gitarristen wie z.B. Michael (Jacuzzi), Henderson, Holdsworth, Wayne Krantz etc zuzuhören, vor allem live. Aber tief berĂŒhrt mich das meist nicht. War aber frĂŒher anders, da wollte ich sowas auch können und ich fand so Zeugs sehr geil. Hat sich geĂ€ndert. Das liegt wohl daran, dass ich nicht mehr erreichen will, was ich nicht erreichen kann. Mein Stil hat sich also in fast allen Dingen "vereinfacht". Im Gegensatz dazu hat sich mein persönlicher Stil auf der Akustischen Gitarre schön weiterentwickelt. Man wohl immer noch meine Zeit als E-Gitarristen durchscheinen und das ist dann auch ein Teil des akustischen Spielstils geworden.
Ich empfinde das Erlernen von neuen Spieltechniken oder Konzepten (egal ob Rhythmik, Begleitung, Solo, Harmonie) sehr befriedigend, bereichernd und es trÀgt zur Weiterentwicklung des Stils bei. Aber so eine Grundhandschrift bleibt immer erkennbar.
 
mr_335 schrieb:
Hi, vieles in Deinem ersten Beitrag bezog sich wohl nur auf den "Spielstil" oder?
Ich lese da jetzt nichts von Komposition, Arranging etc.
Das ist eine schöne, weiterfĂŒhrende Frage.
Ich ging zunÀchst von einem Spielstil aus. So, dass man z.B. dich von mir oder martin oder wem auch immer unterscheiden könnte wenn ihr in demselben Song z.B. ein Solo spielt.
Ich wĂŒrde von mir sagen, dass ich selber da einen Stil hĂ€tte. Zum guten oder schlechten ist jetzt mal egal.

Was Songwriting angeht, weiß ich das nicht. Mein Musikgeschmack ist sehr entschieden und punktuell aber nicht einem Genre zuzuordnen. Ich mag bestimmte Metalbands, bestimmte Folkbands, bestimmte moderne Jazzbands, bestimmte AkustikkĂŒnstler. Aber bei allem davon oft schon den KĂŒnstler oder die Band direkt daneben ĂŒberhaupt nicht. Ich könnte also nicht mal prĂ€gnant zusammenfassen, was mein Geschmack ĂŒberhaupt ist.

Was ich selber schreibe ("verzapfen" wĂ€re hier der bessere Ausdruck) sind dann unterschiedliche Dinge. Das eine ist mit Akutikgitarre zuhause und das andere ist eine parallele aber völlig unverwandte E-Gitarren-Schiene und die Ă€ndert sich mit der Band fĂŒr die es gedacht ist.

Ich wĂŒrde sagen dass ich einen Solo-Stil hĂ€tte, aber keinen vergleichbar ausgeprĂ€gten Kompositions-Stil.

Obwohl ich dir zustimmen wĂŒrde, dass das zusammengehört.
Oder zusammengehören kann.
 
groby schrieb:
Ist Stil lernbar?

Nicht: Stil im Sinne von "Musikstile" sondern Stil im Sinne von "individuelle Eigenheiten"?


Ehrlich gesagt mMn nein.

Denn bei mir war das in groben GrundzĂŒgen, von Anfang an irgentwie angelegt gewesen.
Das wusste ich damals natĂŒrlich gar nicht. Aber wenn ich, was ich sehr selten mache,
mal ganz alten Kram von mir anhöre, dann ist vieles zu hören, was heute noch in meinem
Spiel vorkommt. NatĂŒrlich hört man meine Schwierigkeiten mit Timing, Groove und Technik
usw usw aber man hört mich. Sicher ist das nicht so prÀgnant wie z.B. JJ Cale oder Clapton
aber hey das bin ich. Unglaublich befreiend das anzunehmen, damit zufrieden zu sein
(was weiteres Dazulernen natĂŒrlich in keinster Weise ausschliesst).


Daraus folgere ich das der persönliche Stil eigentlich sowieso bei jedem vorhanden ist.
Der zeigt sich irgentwann automatisch, solange man seine Augen und Ohren offen hÀlt,
und nicht versucht alles zu ĂŒberanalysieren. Oder andere Musiker/Vorbilder
eben zu stark zu kopieren versucht.
 
Dr.Dulle schrieb:
groby schrieb:
Ist Stil lernbar?

Nicht: Stil im Sinne von "Musikstile" sondern Stil im Sinne von "individuelle Eigenheiten"?


Ehrlich gesagt mMn nein.

Denn bei mir war das in groben GrundzĂŒgen, von Anfang an irgentwie angelegt gewesen.
Das wusste ich damals natĂŒrlich gar nicht. Aber wenn ich, was ich sehr selten mache,
mal ganz alten Kram von mir anhöre, dann ist vieles zu hören, was heute noch in meinem
Spiel vorkommt. NatĂŒrlich hört man meine Schwierigkeiten mit Timing, Groove und Technik
usw usw aber man hört mich. Sicher ist das nicht so prÀgnant wie z.B. JJ Cale oder Clapton
aber hey das bin ich. Unglaublich befreiend das anzunehmen, damit zufrieden zu sein
(was weiteres Dazulernen natĂŒrlich in keinster Weise ausschliesst).


Daraus folgere ich das der persönliche Stil eigentlich sowieso bei jedem vorhanden ist.
Der zeigt sich irgentwann automatisch, solange man seine Augen und Ohren offen hÀlt,
und nicht versucht alles zu ĂŒberanalysieren. Oder andere Musiker/Vorbilder
eben zu stark zu kopieren versucht.

Also Du meinst der Stil liegt in den Genen und nicht daran, dass man beeinflusst wird und auch z.B. an diversen Dingen arbeitet, diese verfeinert, verinnerlicht und sich zu eigen macht?
Dann versteh ich nur nicht warum man Augen und OHren offen halten sollte (bin zwar auch dieser Meinung, aber weil ich glaube, dass alles extremen Einfluss auf die Bildung des (Spiel)-Stils haben kann).

Dann hĂ€tte also auch ein blutiger AnfĂ€nger, der gerade ein paar Wochen auf dem Holz rumdöngelt bereits einen eigenen Stil? Mhhhh....ich habe da meine Zweifel. Ich glaube, dass sich Stil dann bildet, wenn man sich auf sehr individuelle Art sehr intensiv mit der Musik und dem eigenen Spiel auseinandersetzt oder man ist vielleicht wirklich hypertalentiert und es wurde in die Wiege gelegt. DafĂŒr spricht aber die große Vielzahl an Musikern mit eigenem Stil.
 
"Stil" geht fĂŒr mich am Anfang hervor aus dem Umsetzen von eigenen Hörvorlieben. Danach kommt dann eine dynamische Entwicklung auf dem Instrument, wo viele Ă€ußere EinflĂŒsse verarbeitet werden. MMn ist das etwas, was sich ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum herausbildet, und dann ab einem gewissen Punkt in eine spezielle Richtung intensiviert wird.

"Stil" kann auch aus einem gewissen Grad aus "Unvermögen (im virtuosen Sinne)" entstehen, in dem man durch limitierte spielerische Möglichkeiten gewisse Spielarten (oder auch equipmentbezogene Besonderheiten - The Edge>Delay) intensiv forciert.

Mir fÀllt auf, dass gerade aus der Limitierung heraus (z.B. bei vielen Autodidakten) oft eher eine eigene Handschrift erkennbar ist, als bei den (gelernten/ausgebildeten) Virtuosen. Das soll um Gottes Willen kein Argument gegen didaktisches Lernen, eine solide Ausbildung auf dem Instrument ist toll, aber fragt mal den klassischen Cellisten aus dem Orchester oder den Trompeter der örtlichen Blaskapelle, er soll bei Euch im Folkquartett spontan einsteigen; Da kommt mitunter nur ein entsetzter Blick, aber keine Musik!
 
gitarrenruebe schrieb:
Mir fÀllt auf, dass gerade aus der Limitierung heraus (z.B. bei vielen Autodidakten) oft eher eine eigene Handschrift erkennbar ist, als bei den (gelernten/ausgebildeten) Virtuosen. Das soll um Gottes Willen kein Argument gegen didaktisches Lernen, eine solide Ausbildung auf dem Instrument ist toll, aber fragt mal den klassischen Cellisten aus dem Orchester oder den Trompeter der örtlichen Blaskapelle, er soll bei Euch im Folkquartett spontan einsteigen; Da kommt mitunter nur ein entsetzter Blick, aber keine Musik!

Huhu, ja aber das liegt ja nicht an der Ausbildung, sondern dass sich diese Musiker nicht in der Welt des Ragg nroll, Folk oder der Popmusik bewegen. Es gibt ganz viele Klassiker die in allen Welten eine gute Figur machen. Und andererseit setze mal den meisten von uns eine Paritur von Bach oder eine schnelle Polka von Seppl Huberschwarte und die Krachenden Schinkenklopfer vor die Nase und da wird man meist nix zu hören bekommen :)

Aber ich weiß, glaube ich, was Du meinst und das PhĂ€nomen kann ich teils bestĂ€tigen.

Noch ein Gegenbeispiel. Du warst doch mal bei uns zum Konzert von Daniel Stelter und Fola Dada oder? Hat mit 8 Jahren klassische Gitarre gelernt, wurde dann - das ist glaube ich prÀgend und wichtig - vom Bruder musikalisch sozialisiert im Jazz, Rock und Pop. Und den Daniel erkenne ich an nur einem Ton. Dann kenn ich einen Haufen Musiker z.B. von der Pop Aka im Mannheim. Toll ausgebildet und alle mit eigenem Stil. MIr fallen da immer meine beiden Kinne runter. Nicht wegen der Chops sonder wegen der Reife und Eigenheit.

Hier mal mein Lieblings-Stelter :)
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=pamKgkn5vjQ[/youtube]

oder mal was jazzigeres
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=ifSu42N13uQ[/youtube]
 
mr_335 schrieb:
Also Du meinst der Stil liegt in den Genen und nicht daran, dass man beeinflusst wird
und auch z.B. an diversen Dingen arbeitet, diese verfeinert, verinnerlicht und sich zu eigen macht?

Soweit will ich das nicht runterbrechen.
Aber mMn ist Stil eine Kombination

a) deiner Persönlichkeit
b) deines Geschmackes
c) deiner Einstellung zur Musik (was mag ich und was nicht)
d) deiner musikalischen Entwicklung und EinflĂŒssen von aussen


Da Punkt a) am Anfang deiner Musikalischen Entwicklung schon vorhanden
war, ist das eben auch der Kern deines musikalischen Stils.
Der Rest sind Wachstum und EinflĂŒsse, auf dem Weg zu deinem musikalischen Ich.


=> “Sometimes you have to play a long time to be able to play like yourself.”
Miles Davis
 

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