Eigener Stil - whatever that is - sein Erhalt & Erweiterung

groby

Power-User
21 Nov 2005
2.230
2
14
Kernfrage in Kurzform:

Was ist - und wie entwickelt sich - ein eigener Stil?
Und wie stabil ist er?

In Langversion:
Meine These die nur f√ľr mich selber und mein Spiel gilt:

Ich denke ich habe - im guten wie im schlechten - einen eigenen Stil. Entwickelt hat er sich aus Kopieren, Aneigenen, Nach-Machen, Neu-Kombinieren, eigenen Ideen und Abläufen, den eigenen motorischen Gewohnheiten (hier steckt ein Aspekt drin auf den ich unten noch zu sprechen komme) und spontanen Einfällen die sich dann neu festsetzen zum Repertoire. Selten ist dort eine bewusste Entscheidung wie z.B. "Ich will aber diese mir noch fremde Art Lick jetzt aber auch können." Was neu hinzukommt ist eher logische Erweiterung desselben, keine radikal isolierte Insel von Neuland.

Und ich bediene mich an Tonmaterial mit dem was ich passend und interessant finde (zum Beispiel finde ich Pentatonik zwar schön aussage-stark aber auch etwas farblos und neige zum Betonen von tonleiter-spezifischen Tönen, das ist keine bewusste Entscheidung, sondern etwas, was ich nur im Nachhinein von außen betrachtet erkenne.

Und es gibt Sachen, die mir motorisch einfach fantastisch "unter die Finger" fallen. Nicht nur bestimmte konkrete kopierte Läufe sondern einfach Ablaufmuster an Fingern, unabhängig von Saiten oder Intervallen oder Ablaufrichtung.

Schmeißt man all das zusammen kommt man an der Aussage nicht vorbei, dass der eigene Stil auch etwas ist, was durch eigene Unzulänglichkeiten definiert und geformt wird.

Also mein Stil ist irgendwo auch die Summe meiner Schwächen.

Oder hat da jemand f√ľr sich andere Ansicht oder Erfahrungen?

In wie weit verblasst diese Wiedererkennbarkeit ...(dass mich musikalisch keine Sau kennt, geschweige denn wiedererkennt, ist jetzt mal ein Detail dass ich ego-schonend √ľbersehe)....

Also in wie weit verblasst diese Wiedererkennbarkeit wenn ich mich weiterentwickle? Wenn ich Schw√§chen nach und nach √ľberwinde, wenn ich meine Grenzen weiter hinaus schiebe. Grenzen, die sozusagen mein Spiel behindert haben aber ihm auch Charakter gegeben haben?

Könnte ich spielen wie Guthrie Govan (also fast schon obszön vielseitig in eigentlich jeder modernen Stilrichtung der E-Gitarre), was wäre ich an diesem Spiel?

(Motivationsspr√ľche zum Thema "√ľben" gibt es ja genug. Ich denke aber auch an Gegenentw√ľrfe von Miles Davis der sagte, man soll nichts √ľben was einem fremd ist, weil man dann versucht, es v√∂llig unpassend einzubauen weil man das Ge√ľbt-Haben davon irgendwie rechtfertigen will.)

Wer hat da Meinungen oder Erfahrungen zu?
 
Ich glaube, der eigene Stil definiert sich auch √ľber die Musik die man h√∂rt. So eine Art latentes ETWAS, das sich unbewusst mit in das pers√∂nliche Spiel einnistet.
Ich h√∂re z.B. viel Satriani, Kotzen und fr√ľher war ich gro√üer Anh√§nger von Gary Moore und Santana. Das h√∂rt man immer noch. Ohne das ich bewusst nach letzterem klingen m√∂chte, h√∂rt man es doch gut wenn ich einfach drauf los jamme. Und wennn ich mir dan die Sachen anh√∂re, die ich gespeilt habe, dann h√∂re ich auch viel Sachen der erstgenannten. √Ąhnliche Phrasierungen, Licks, etc.
 
Yeah,

da gab's mal ein Interview mit Wayne Krantz (der nicht nur gut Gitarre spielt, sondern nebenbei auch ziemlich schlau ist), wo er, nach seinen Vorbildern gefragt, sinngem√§√ü antwortet: "I'm only trying to play more like myself". Das hat mich ziemlich beeindruckt, weil darin, zumindest meiner Wahrnehmung nach, eine Absage an jegliche Art von gitarristischem Standard enthalten ist, und das m√∂glicherweise zugunsten von so etwas wie Wiedererkennbarkeit. Das beinhaltet dann vielleicht auch, dass man die eigenen Schw√§chen nicht zu √ľberwinden sucht, sondern sogar kultiviert. Etwas weiter hergeholt: Frodo muss ja auch durch diesen dunklen Gang nach Mordor, weil das gro√üe Tor von zu vielen beobachtet wird, und in diesem Gang wartet diese Spinne auf ihn, als seine pers√∂nliche Herausforderung, so eine Art Nemesis, an der er ja dann auch prompt scheitert. So √§hnlich ist es f√ľr mich mit dem Gitarrespielen: Vielleicht √ľberinterpretiere ich den Wayne Krantz bisschen, aber seit ich dieses Interview gesehen habe (das ich leider auf die Schnelle jetzt nicht mehr gefunden habe - es war aus einem franz√∂sischen Programm, l√§ngere Dokumentation), versuche ich verst√§rkt, mich eher "tiefer" in mein eigenes Gitarrenspiel einzugraben und daf√ľr weniger "in der Breite" an skills zu arbeiten, die ich ohnehin nicht wirklich habe. Das hat √ľbrigens musikalische und technische Aspekte: In musikalischer Hinsicht versuche ich mich, wenn es um Stilistiken geht, in erster Linie f√ľr meine *eigene* (immer noch zu entwickelnde) Stilistik zu interessieren, und in technischer Hinsicht habe ich zB akzeptiert, dass ich immer Probleme mit der rechten Hand haben werde, weswegen ich genau daran nicht mehr √ľbe, sondern mehr mit der linken mache, weil mir das eben leichter f√§llt. Und dann sind es eben irgendwann die ganzen Defizite, die zu so etwas √§hnlichem wie "Wiedererkennbarkeit" f√ľhren k√∂nnten.
Yeah,
M.
 
Hallo in die Runde,

also ich habe neulich mal eine Live-Aufnahme von mir geh√∂rt, die inzwischen 30 Jahre alt ist. Die Gitarre und der Amp waren anders als heute, und inzwischen habe ich 30 Jahre lang ge√ľbt und mich neugierig mit vielen Aspekten von Musik besch√§ftigt.

Tja, was soll ich sagen, die Aufnahme von vor 30 Jahren klingt im Grunde genommen schon genauso wie ich heute klinge und spiele. Die gleichen Bendings, das gleiche Vibrato, die gleiche Art Melodien und Sequenzen zu bilden...

Ich frage mich wirklich, warum ich so lange und so intensiv ge√ľbt habe, so furchtbar viel hat das jetzt nicht gebracht!

Ich war nie jemand, der viel Wert darauf gelegt hat, unbedingt nach sich selbst zu klingen. Ich wollte viel lieber nach Clapton, Steve Vai, Lee Ritenour, Larry Carlton uns. klingen. Aber am Ende klang es halt immer nach mir (ohne dass ich mir das jetzt gew√ľnscht h√§tte).

Inzwischen ist mir das alles egal. Ich spiele und freue mich √ľber jeden Gig und jede Mucke, ich spiele einfach gerne mit anderen Musikern zusammen und versuche, √ľberall m√∂glichst gut vorbereitet aufzuschlagen. Und der Rest passiert irgendwie ohne mein Zutun.

Gruß Martin
 
Hallo,

die meisten von uns sind sicherlich technisch irgendwo limitiert - ich jedenfalls bin das. Nat√ľrlich k√∂nnen wir nicht spielen, was wir nicht spielen k√∂nnen. Und wenn ich den ganzen Tag beispielsweise Oktavspr√ľnge oder chromatische Speedorgien √ľbe, werde ich diese Bewegungen abends im Bunker auch wiederholen.

Ich rate deshalb gerne dazu, in einem musikalischen Kontext zu √ľben. Wenn ich irgendwo Sweepinglicks brauche, dann √ľbe ich eben diesen Song mit Sweeping. Brauche ich kein Sweeping, sweepe ich auch nicht. Damit vermeide ich, irgendwo zu sweepen, wo es fehl am Platz ist. Diese Herangehensweise hat mir sehr geholfen, besser zu werden. Oder sagen wir lieber "weniger schlecht".

Wenn wir in die klassische Musik r√ľberschielen, ist das dort weniger ein Thema. Was gespielt wird, steht in den Noten. Und dennoch h√∂rt man unterschiedliche Geiger beispielsweise sehr gut heraus. Ich denke nicht, dass das damit zu tun hat, dass sie es nicht anders k√∂nnen.

Thomas Mann wird immer wieder als Beispiel f√ľr lange S√§tze herangezogen. Ich denke nicht, dass er nicht in der Lage war, kurze S√§tze zu formulieren. Hemingway hat nach meiner Erinnerung gerne auf Adjektive verzichtet aber sicherlich nicht, weil er keine in seinem Wortschatz hatte.

Ich versuche, den jeweiligen Song in der gerade anstehenden Situation so gut zu spielen, wie ich kann und ihm und der Band das zu geben, was sie meiner Meinung nach brauchen. Vermutlich habe ich da auch Vorlieben und betone sie dann unbewusst immer wieder. Kann nat√ľrlich auch schief gehen...

"Der betont ja immer die 1 und die 3 beim Backbeat!"
"Jo, das ist halt sein Stil."

Gruß

erniecaster
 
Hm

Also ich habe sehr viel ge√ľbt / gelernt in den letzten, na, sechs Jahrren. Ob "besser" oder "weniger schlecht" ist Ansichtssache, aber vielseitiger bin ich auf jeden Fall geworden.

Allerdings hat mich diese Reise - zun√§chst das Lernen von allerlei "Licks", dann das das mehr oder weniger systematische Erarbeiten von hamonieltheoretischen Zusammenh√§ngen - nicht an einen Ort gef√ľhrt, den ich vorher als Ziel gesteckt h√§tte, sondern an einen mir fr√ľher unbekannten.

Ich h√§tte zB damals eher erwartet, dass ich meine Solof√§higkeiten weiter und weiter ausbaue - daran habe ich jedoch mehr und mehr die Lust verloren. Stattdessen haben sich meine H√∂rgewohnheiten deutlich ver√§ndert: was ich fr√ľher "schr√§g" oder "zu schr√§g" oder als "nach Aufl√∂sung schreiend" empfand, darin kann ich heute minutenlang sitzen. Zur maj7 oder #11 hatte ich fr√ľher zB ein v√∂llig anderes Verh√§ltnis, √§hnliches gilt f√ľr Harmonisch Moll, Lydisch, 9, sus2, 11er-Akkorde, Halb-Ganzton-Skalen, Licks in Sexten, die liebe ich ganz besonders - das ist das, was heute aus mir herausquillt, wenn ich die Gitarre zu Hause in die hand nehme. Klar, auch immer noch Hendrix- und Trower-Blues-Licks.

Die √ľblichen Pop- Dur- oder Molldreikl√§nge und -kadenzen ("Lagerfeuerakkorde") k√∂nnen ihren Reiz haben, klar, manche machen damit tolle Musik, aber ich bin au√üerstande, damit tolle Musik zu machen - oder welche, die ICH toll finde. Ist auch (m)ein Defizit. Powerchords finde ich √ľberwiegend megag√§hn und sog. "Riffrock" tue ich weder gern h√∂ren noch gern spielen. Hier und da geh√∂ren Powerchords hin, ok, aber ... andere k√∂nnen das besser. Wir haben hier in der Stadt ne astreine ACDC-Coverbamd, die sind megatight und machen gute Musik, aber - ich k√∂nnte das nicht. Ist nicht mein Stil. Eine Kapelle, die √ľberwiegend 12-Takt-Blues spielt - n√§h, nix f√ľr mich. Meine eigene Musik vor 15 Jahren empfinde ich als uninteressant. W√ľrde ich nicht angucken gehen. Das, was unsere Band macht, empfinde ich auch nur als "gut", "solide" und "okay". Macht echt Spa√ü, funktioniert gut, kommt auch gut an, im Grunde aber unterfordert sie mein Harmonieempfinden. Aber es geht in Bands ja nicht um einzelne. Ist von daher okay.
Ich kann zu Hause durchaus √ľber ganze Kandenzen wilde Ganzton-Licks spielen, die allermeisten ertragen das nur einen einzelnen Takt, gerne zB im vierten Takt eines 12-taktigen Bluesschemas, dann wird es ihnen zu schr√§g und sie empfinden "das passt nicht". Ich bin da mittlerweile anders. Wenn es zu sehr passt, dann tendiert es gegen g√§hn.

Diese Idee hier zB passt in keine einzelne Skala, so muss es f√ľr meinen (und wohl nur meinen) Geschmack schon sein, damit das Gef√ľhl habe, dass das "ich" bin.



Ich bin kein Liebhaber von Wayne Krantz, aber wie Michael ihn zitiert ("I'm only trying to play more like myself"), damit kann ich mich gut identifizieren. Mein Weg dorthin f√ľhrt √ľber Harmonielehre und Einsicht. Derzeit mache ich einen Kurs von Pat Martino und der f√ľhrt mich zu neuen und v√∂llig verbl√ľffenden Erkenntnissen. Ich hoffe, dass er mir weiter erleichtern wird, so zu spielen wie ich. Das Erlernen der Licks anderer ist f√ľr mich der falsche Weg.
 
martin schrieb:
Ich war nie jemand, der viel Wert darauf gelegt hat, unbedingt nach sich selbst zu klingen. Ich wollte viel lieber nach Clapton, Steve Vai, Lee Ritenour, Larry Carlton uns. klingen. Aber am Ende klang es halt immer nach mir (ohne dass ich mir das jetzt gew√ľnscht h√§tte).

So ähnlich sehe ich das auch. In guten Momenten (meist allein zuhaus) klinge ich nach Gary Moore. Aber leider klinge ich meistens nur nach mir selbst ;-)

Ich lese das dauernd: Sei Du selbst. Das ist eine Floskel. Erstens ist jeder Mensch viele und zweitens kann sich niemand von seinen Einfl√ľssen frei machen. Ohne die ist man nur ein Haufen Zellen.

Sicher ist die Kombination von Einfl√ľssen und eigenen Bio-Vorgaben individuell. Aber irgendwie doch auch immer wieder mal anders.

Ich meine: Die großen Fragen der Menschheit: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin geht es?
Da ist die "Lösung" "sei Du selbst" ein komplettes Placebo.
 
groby schrieb:
Entwickelt hat er sich aus Kopieren, Aneigenen, Nach-Machen, Neu-Kombinieren, eigenen Ideen und Abläufen, den eigenen motorischen Gewohnheiten.

Ich denke das wird bei fast allen Musikern der Fall gewesen sein. Ich hab jedenfalls auch so gelernt.

groby schrieb:
Also mein Stil ist irgendwo auch die Summe meiner Schwächen.
Gebe ich Dir auch Recht.

groby schrieb:
Ich denke aber auch an Gegenentw√ľrfe von Miles Davis der sagte, man soll nichts √ľben was einem fremd ist, weil man dann versucht, es v√∂llig unpassend einzubauen weil man das Ge√ľbt-Haben davon irgendwie rechtfertigen will.

Deshalb versuche ich auch nur das zu spielen, was ich höre bzw. hören will. Ich habe mir mal ein paar Sweeping Licks draufgeschafft, die ich allerdings noch nie live verwendet habe, da diese in meinen Ohren
- nicht zur Musik passen
- nicht gut klingen
Und wer will schon nach "blub Blub - fritt fritt" klingen - ich nicht
:shrug:
 
Hallo,

ich musste vor einiger Zeit "More than words" bei einer Hochzeit von jemandem aus dem Bandumfeld spielen. Es waren jede Menge Leute da, die uns als Band gut kennen. Was tun? Ich habe trotz längeren Versuchen keine Gitarrenbegleitung gefunden, die mir musikalisch so gut gefallen hat wie das Original. Also habe ich das erste Mal im Leben einen Part so 1:1 gespielt, wie ich es konnte. (Nein, das wilde Solo mit Tapping am Ende haben wir so nicht gespielt.)

Hinterher haben mir mehrere Leute ungefragt gesagt, dass ich extrem (Wortspiel) anders geklungen hätte als Nuno Bettencourt. Das sei erkennbar ich gewesen. "Dich hört man eh immer irgendwie raus", war ein gängiger Tenor.

Ich fand das spannend, hat mich ja auch gebauchpinselt.

Ist das jetzt ein eigener Stil? Ich denke nicht dar√ľber nach, ich versuche nur besser zu werden. Was immer das auch bedeuten mag.

Gruß

erniecaster
 
Ich weiss gar nicht ob man √ľber den eigenenStil gut reflektieren kann.
Irgendwie hat man seine manuellen, emotionellen und geistigen Vorgaben die dann umgesetzt werden. Ob das Stil, Handwerk oder beides oder keines von beiden ist kann man selber schwer beurteilen. So empfinde ich das.

Ich "höre" keinen Stil bei mir.

Ob den jemand anderer hört weiss ich nicht.
LG
Auge
 
Moin allerseits,

interessantes Thema.

Ich w√ľrde "eigener Stil" vielleicht √ľbersetzen mit "eigene Handschrift".

Man kann dasselbe schreiben (spielen) wie andere, aber es sieht (bzw hört sich) anders aus als bei den Anderen.

Ich habe vor Jahren mal eine Doku gesehen √ľber Tom Petty; da ging es um die Phase in den 90ern wo sie einen neuen Drummer gesucht hatten (wurde dann ja Steve Ferrone). Sie hatten diverse Drummer eingeladen und Probeaufnahmen gemacht; Tom Petty meinte nur "what a huge difference a drummer makes".

Dabei hatten alle die gleichen Vorgaben / gleichen Songs gespielt, aber die Betonungen, Anschlagdynamiken, dadurch individuellen Sounds und Grooves war dann wohl die jeweilige Handschrift.

So ähnlich ist das ja auch bei uns Gitarristen.

Vor Jahren hatten wir in unserer Band (2 Gitarristen) Angels von Robbie gespielt; in einer Probe fehlte der Gitarristenkollege und ich hatte seine Parts spasseshalber gespielt. Zb im Refrain die vollen Zerrakkorde. Also nix wo man eigentlich gross unterscheiden w√ľrde.

Hinterher unterhielten sich Drummer und Sänger und meinten "unfassbar wie unterschiedlich das klingt wenn er (also ich) das spielt". Es ging da auch nicht um besser oder schlechter, es war anders. Dabei waren das nur 3, 4 Akkorde, einmal angeschlagen und stehenlassen. Soundeinstellung sehr ähnlich.

Ob das jetzt Wiedererkennungswert hat weiss ich nicht; aber ich denke wenn man selbst immer auf dieselbe Art anschägt, spielt, phrasiert, betont usw, dann entwickelt man einen Wiedererkennungseffekt. Und der ist m.M.n. wiederum sehr eng verwandt mit eigenem Stil / Handschrift.

Gruss

Michael
 
groby schrieb:
Was ist - und wie entwickelt sich - ein eigener Stil?
Und wie stabil ist er?

Kurze Antworten:
Machen! und
Ja!

So ein bisschen ist die Frage nach der Stabilität des eigenen Stils ja eine andere Formulierung der Behauptung, dass Theorie die Imspiration(TM) kaputt macht.

Kein Autor käme auf die Idee, man könne zu viel lesen oder schreiben, und wäre danach als Autor nicht mehr erkennbar.
Kein Bildhauer meint, er k√∂nnen zu viel lernen √ľber sein Fach.
Aber Gitarristen feiern mal wieder den naiven Idioten...
;-)


Viele Gr√ľ√üe,
woody
 
juergen2 schrieb:
Ich habe vor Jahren mal eine Doku gesehen √ľber Tom Petty; da ging es um die Phase in den 90ern wo sie einen neuen Drummer gesucht hatten (wurde dann ja Steve Ferrone). Sie hatten diverse Drummer eingeladen und Probeaufnahmen gemacht; Tom Petty meinte nur "what a huge difference a drummer makes".

Dabei hatten alle die gleichen Vorgaben / gleichen Songs gespielt, aber die Betonungen, Anschlagdynamiken, dadurch individuellen Sounds und Grooves war dann wohl die jeweilige Handschrift.

Hallo,

das erinnert mich an die Videos, in denen Dream Theater einen neuen Drummer gesucht haben. Die fand ich sehr spannend, obwohl ich DT √ľberhaupt nichts abgewinnen kann.

Gruß

erniecaster
 
Woody schrieb:
So ein bisschen ist die Frage nach der Stabilität des eigenen Stils ja eine andere Formulierung der Behauptung, dass Theorie die Imspiration(TM) kaputt macht.

Kein Autor käme auf die Idee, man könne zu viel lesen oder schreiben, und wäre danach als Autor nicht mehr erkennbar.
Kein Bildhauer meint, er k√∂nnen zu viel lernen √ľber sein Fach.
Aber Gitarristen feiern mal wieder den naiven Idioten...


Ich bin (musikalisch) am zufriedensten, wenn ich neues Baumaterial f√ľr "meinen eigenen Stil" finde und einbauen kann. Derzeit neueste Erkenntnis:

Von jedem √ľberm√§√üigen Dreiklang komme ich durch Senken eines beliebigen der drei T√∂ne zu einem Dur-Dreiklang, und durch Erh√∂hen zu einem Moll-Dreiklang.

Bei verminderten Vierklängen (min7b5) ergibt sich durch das Senken eines der vier Töne ein Dominant-Sept-Akkord, und durch Erhöhen ein Moll7-b5. Und zwar vollkommen egal, wo auf dem Griffbrett und in welcher Umkehrung.

Gelernt in diesem Kurs hier:



Dieses ganze harmonisch einfachere Zeug (Rock, Blues, Funk) arbeite ich ja in der B√§nd ab, privat - so f√ľr mich - bin ich am zufriedensten, wenn ich neues Musikwissen aufsauuuuuugen (oder an Sounds t√ľfteln) kann. Ist so eine Art angewandter Denksport f√ľr mich. Ich langweile mich wirklich furchtbar schnell, ist eine meiner gr√∂√üten Schw√§chen - und das geht mir mit Musik manchmal auch so. Wenn es die eigene iost, die langweilt, das tut dann weh. Mir jedenfalls. Deshalb muss sich "mein Stil" (in "", weil es ja darum gehen soll hier) sich weiterentwickeln, und das hei√üt f√ľr mich vor allem , harmonische Zusammh√§nge schnallen.

H√∂ren will das √ľbrigens keiner. "Die Leute" sind mit I - IV - V in Dur oder Moll doch vollends zufrieden, schon (der √ľberwiegend dorische) Funk fordert die H√∂rbewohnheiten vieler doch schon sehr heraus. Es ist also eher ein privates Hobby, so, wie ich auch quasi st√§ndig √ľberiwegend philosophische B√ľcher lese, deren Inhalt auch niemanden gro√ü interessiert. Aber es geht ja um den eigenen Stil und wie man ihn entwickelt in diesem Thread ... ich habe Wurzeln (Hendrix, Sabbath, British Blues), Einfl√ľsse (Ron Spielman, Michael Landau, Scott Henderson, Hanno Busch, div. Funk-Gitarristen, u.a. John Frusciante, den ich dazu z√§hle)und Interessen (Gitarrenkurse, die der vertieften harmonietheoretischen Erkenntnis dienen (sollen). Wenn daraus eines Tages etwas wird, das man "Stil" nennen kann, w√§re das super.
 
Woody schrieb:
groby schrieb:
Was ist - und wie entwickelt sich - ein eigener Stil?
Und wie stabil ist er?

Kurze Antworten:
Machen! und
Ja!

So ein bisschen ist die Frage nach der Stabilität des eigenen Stils ja eine andere Formulierung der Behauptung, dass Theorie die Imspiration(TM) kaputt macht.

Kein Autor käme auf die Idee, man könne zu viel lesen oder schreiben, und wäre danach als Autor nicht mehr erkennbar.
Kein Bildhauer meint, er k√∂nnen zu viel lernen √ľber sein Fach.
Aber Gitarristen feiern mal wieder den naiven Idioten...

Bei Malern gibt es √ľbrigens zu verschiedenen Zeiten durchaus eine Kontroverse √ľber den Wert von "akademischem Malen". Und in Schriftstellerkreisen wird z.B. die Leipziger Autorenausbildung durchaus zwiesp√§ltig betrachtet.
Ich beziehe hier keine Position in der Sache, wollte nur der Behauptung widersprechen, dass nur bei Gitarristen das "unverbildete Originalgenie" oder der "geniale Dilettant" gefeiert wird. Das gibt es √ľberall, au√üer bei Rechtsanw√§lten, Apothekern und Zahn√§rzten. Aber dilettieren dann ja in der Freiziet in verschiedenen K√ľnsten.
 
Rabe schrieb:
Woody schrieb:
groby schrieb:
Was ist - und wie entwickelt sich - ein eigener Stil?
Und wie stabil ist er?

Kurze Antworten:
Machen! und
Ja!

So ein bisschen ist die Frage nach der Stabilität des eigenen Stils ja eine andere Formulierung der Behauptung, dass Theorie die Imspiration(TM) kaputt macht.

Kein Autor käme auf die Idee, man könne zu viel lesen oder schreiben, und wäre danach als Autor nicht mehr erkennbar.
Kein Bildhauer meint, er k√∂nnen zu viel lernen √ľber sein Fach.
Aber Gitarristen feiern mal wieder den naiven Idioten...

Bei Malern gibt es √ľbrigens zu verschiedenen Zeiten durchaus eine Kontroverse √ľber den Wert von "akademischem Malen". Und in Schriftstellerkreisen wird z.B. die Leipziger Autorenausbildung durchaus zwiesp√§ltig betrachtet.
Ich beziehe hier keine Position in der Sache, wollte nur der Behauptung widersprechen, dass nur bei Gitarristen das "unverbildete Originalgenie" oder der "geniale Dilettant" gefeiert wird. Das gibt es √ľberall, au√üer bei Rechtsanw√§lten, Apothekern und Zahn√§rzten. Aber dilettieren dann ja in der Freiziet in verschiedenen K√ľnsten.
Danke f√ľr die Sch√ľtzenhilfe.
Es ist ein Unterschied ob ich vom handwerklichen können oder der echten unbeeinflussten Unvoreingenommenheit rede.
 
erniecaster schrieb:
"Dich hört man eh immer irgendwie raus", war ein gängiger Tenor. [ ... ] Ist das jetzt ein eigener Stil?

Ich w√ľrde sagen ja.

Martin und Michael (jacuzzi) kenne ich √ľber die Aussensaiter, martin noch von Sessions aus dem Nachbarort. Beide geh√∂ren zu den begnadetsten Gitarristen und Musikern, die ich kenne. Wenn ich bei Aussensaiter-Sessions auf dem Flur bin, w√ľrde ich - und andere auch - heraush√∂ren, wenn einer der beiden spielt, denke ich. Beide haben Wiedererkennungswert.
Auch, wenn die jeweils eigene Sicht darauf verschieden sein mag - ist der Wiedererkennungswert f√ľr andere nicht ein wesentliches Kriterium f√ľr eigenen Stil?

Die Wege dorthin und der Umgang damit und die eigene Erkenntnis / Wertschätzung dessen (auch durch andere) können deutlich differieren, haben wir gesehen.

Grobys Punkt war nun, ob diese Wiedererkennbarkeit verblasst, wenn man sich technisch weiterentwickelt.
Ich w√ľrde sagen, wenn es falsch l√§uft, ja, wenn es richtig l√§uft, nicht.
Falsch l√§uft es, wenn aus einem geschmackvollen Pentatonik-Spieler ein Skalen-rauf-und-runter-Shredder wird. Gut l√§uft es, wenn man sich neue Tonfolgen und Akkordfarben aneignet, weil sie es erlauben, sich selbst besser, passender, genauer als sich selbst auszudr√ľcken.


Wie seht ihr das?
 
Rabe schrieb:
Bei Malern gibt es √ľbrigens zu verschiedenen Zeiten durchaus eine Kontroverse √ľber den Wert von "akademischem Malen". Und in Schriftstellerkreisen wird z.B. die Leipziger Autorenausbildung durchaus zwiesp√§ltig betrachtet.
Ich beziehe hier keine Position in der Sache, wollte nur der Behauptung widersprechen, dass nur bei Gitarristen das "unverbildete Originalgenie" oder der "geniale Dilettant" gefeiert wird. Das gibt es √ľberall, au√üer bei Rechtsanw√§lten, Apothekern und Zahn√§rzten. Aber dilettieren dann ja in der Freiziet in verschiedenen K√ľnsten.

OK, alle Frotzelei mal zur Seite,
Du nennst Diskurse, die sich mit institutionalisierter Ausbildung beschäftigen.
Die Frage, ob es dem eigenen Stil f√∂rderlich ist, sich einem jahrelangen standardisierten und kanonisierten Ausbildungsprogramm zu unterwerfen, dem man seine eigene Impulse, Neigungen und Ideen auf lange Sicht unterordnen muss ist ja eine v√∂llig andere, als die Frage, ob nicht grunds√§tzlich fremde Ideen und Einfl√ľsse die eigene Identit√§t verwischen.

Ich glaube auch, dass diese Diskussionen mehr aus "epidemiologischer" Perspektive gef√ľhrt sind, also, brauchen wir massenhaft neue AutorInnen und K√ľnstlerInnen, die die gleichen Standards reproduzieren k√∂nnen?
Jede/r f√ľr sich kann ja entscheiden, was er/sie draus macht.
"Ich habe jetzt gelernt, dass ich die Pentatonik zur Bluesscale erweitern kann.
Finde ich das geil?
Nö?
Ok, dann spiele ich eben nur Penta."

Wie habe es ja sprichwörtlich in der Hand, was wir spielen wollen.
Auch Pat Metheny kann den ber√ľhmten einen Ton spielen, wenn er will.
Und BB King kannte bestimmt noch einen zweiten Ton. Da bin ich mir recht sicher. ;-)

Viele Gr√ľ√üe,
woody


PS Was macht denn eigentlich die gebildete k√ľnstlerische √Ąu√üerung denn nun weniger wertvoll als die naive?
Und warum ist sie weniger w√ľnschenswert?
Ist das nicht k√ľnstlerischer Trumpismus? Gegen die "Eliten"?
 
Der Zusammenhang zwischen gebildet/ausgebildet und musischem Ausdrucksvermögen ist sehr vage.

Handwerkliche Berufe profitieren von einer Ausbildung weil es dort klare, erlernbare Handlungsabl√§ufe gibt deren Befolgen zu einem klar definierten Erfolg f√ľhrt.

Musische Tätigkeiten profitieren davon nur bedingt und persönlichkeitsabhängig und auch der Begriff "Erfolg" ist hier streitbar.

Man kann akademischen Institutionen (also Lehrplänen/Akademien/Ausbildungsgängen) nicht vorwerfen, dass es Leute gibt, die ohne sie auch spannend sind und dass sie Absolventen produzieren die trotz einer Ausbildung nichts spannendes zu sagen haben.

Es ist immer wieder interessant zu sehen wie manche Leute ein Studium durchlaufen und dort alle Kästchen abhaken ohne dass es ihre Weltsicht oder ihren Horizont sinnvoll erweitert. Bildung hat nichts mit ihnen gemacht, sie sind einfach durchgefahren wie ein Auto durch eine Landschaft. Gebildet aber tumb.

Interessant und ausdrucksstark kann man werden. Langweilig muss man man schon selber sein.
 
groby schrieb:
Interessant und ausdrucksstark kann man werden.

Now we're talking.
Wie wird man interessant und ausdrucksstark?

Ausdruck hat ja zun√§chst was mit Kommunikation zu tun, man will ja etwas ausdr√ľcken und das soll verstanden werden.
Es gibt damit gewisse kommunikative Rahmenbedingungen f√ľr k√ľnstlerisches Handeln.
Die lernt man ja nicht "aus sich selbst", Kunst- oder Musikschaffen geschieht also schon immer vor einem Mindestmaß an Bildungshintergrund, oder?



Viele Gr√ľ√üe,
woody


(Ich stimme Deinem letzten Posting √ľbrigens voll und ganz zu.)
 
Woody schrieb:
Die lernt man ja nicht "aus sich selbst", Kunst- oder Musikschaffen geschieht also schon immer vor einem Mindestmaß an Bildungshintergrund, oder?
Da die meisten Leute "Bildung" als schulische oder akademische Bildung verstehen w√ľrde ich sagen: Eher nein und man kann Kunst oder Musik schaffen ohne jedwege Bildung.

Das einzige was es braucht ist ein Mindestmaß an motorischem Geschick und der Wunsch, ein "Werk" zu schaffen.

(Egal jetzt mal, ob Blockfl√∂tenimprovisation in der Fussg√§ngerzone oder ProgRock-Konzeptalbum. Da lauert aber ein riesiges Fass um die Ecke, n√§mlich wieder mal die Frage, was Kunst √ľberhaupt ist, wo sie beginnt und ob Wissen oder K√∂nnen - oder √ľberhaupt Absicht! - daf√ľr notwendig sind und wer das dann definiert und anhand von was und ich kriege auch schon wieder Kopfschmerzen. Gleich mal mit der Blockfl√∂te in der Fussg√§ngerzone abreagieren und Tauben dabei anschreien. Selbst-Therapie oder Performance Art? Das Ordnungsamt ist geteilter Meinung.)
 
Woody schrieb:
...


PS Was macht denn eigentlich die gebildete k√ľnstlerische √Ąu√üerung denn nun weniger wertvoll als die naive?
Und warum ist sie weniger w√ľnschenswert?
Ist das nicht k√ľnstlerischer Trumpismus? Gegen die "Eliten"?....

Ich hab mich ja vor ein paar Jahren an der Jazzuni mit dem Sax herumgetrieben.
Das dort erlernte Handwerk ist auf jeden fall sehr fein. Die geforderten grundsätzlichen Handwerklichkeiten sind cool und absolut brauchbar.
Der Pool an Musikern die sich ausschliesslich mit Jazz besch√§ftigen f√ľhrt zu grossem kreativem Output.
Also ein Pro Jazzuni
Kontra?
Die dadurch von den Studenten empfundene √úberlegenheit ist charakterlich unangenehm und oftmals nicht wahr.
Auch ausserhalb der Uni kann man ein sensationeller Musiker werden.
 
Okay, ich schlage mal vor, wir klammern Kunst aus und besch√§ftigen uns mit Musik und da haupts√§chlich mit im weitesten Sinne mainstream-artiger Musik oder zumindest dem, was wir tats√§chlich so machen. Also irgendwo das, was man so √ľblicherweise "Musik" nennt.

(Sonst sind wir bei irgendwelchen Avantgard-Beispielen wo Stockhausen per Zufallsgenerator kleine K√§tzchen mit Pizzatellern bewirft und das dann "Symphonia Cato #9" nennt. Oder so. Das ist sicher f√ľr alle Beteiligten ein k√ľnstlerisches und pr√§gendes "Ereignis" - insbesondere f√ľr die K√§tzchen - aber Absurdes oder Extremes hilft ja beim Diskutieren nicht.)

Also okay.

RoterFadenBisHierhin: Eigener Stil -> Frage nach Weiterbildung und Stil-Treue -> Frage nach Notwendigkeit von (Aus-/Eigen-/Selbst-/Weiter-)Bildung.

Ist Bildung in irgendeinem Sinne √ľberhaupt notwendig um Musik zu machen?

Pauschal w√ľrde ich sagen, nein.

K√§me auf die Musik an und was f√ľr einen Anspruch oder Verst√§ndnis als Teilnahmevoraussetzung sie hat.

Aber: Wenn Leute wie (als Beispiel) John Petrucci sagen, sie spielen nur "from the heart", dann ist das f√ľr Naivlinge extrem missverst√§ndlich. Es w√§re schon alleine missverst√§ndlich, wenn Slash das sagen w√ľrde, weil sogar er als nicht-technisch geltender Musiker mindestens eine Ahnung von T√∂nen und Zusammenh√§ngen hat. Ob er das jetzt durch ein Jazzkonservatorium oder zuhause vorm Radio mitspielend oder durch Peter Burschs flimsige Wabbel-Lernschallplatten gelernt hat, w√§re ja zweitrangig. Aber auch das w√ľrde ich im woodyschen Sinne als Bildung ansehen.



...hmmmm....




Vielleicht habe ich mich gerade selbst vom Gegenteil meiner eigenen These √ľberzeugt.
Das muss ich erstmal sacken lassen.
 
ferdi schrieb:
groby schrieb:
die Frage, was Kunst √ľberhaupt ist

Ein Ereignis! Ein Ereignis!

Yeah,

da ist ja auch immer so ein bisschen was Geschm√§cklerisches mit im Spiel: Mir pers√∂nlich zB ist das meistens eher etwas zuwider, wenn Leute von "Kunst" reden und das zu allem √úberfluss auch noch irgendwie auf sich selbst beziehen. Aber das ist wirklich sehr subjektiv. Man muss da ja auch nicht dr√ľber streiten, sondern kann ganz leise den Raum verlassen.

Was mir aber sehr gefallen hat: Dass sich der Begriff "Kunst" als ein zusammenfassender Singular erst aus den verschiedenen "K√ľnsten" herausgebildet hat, die bis dahin gar nichts miteinander zu tun gehabt und zB auch so etwas wie "Handwerkskunst" umfasst hatten. Irgendwann kommt es dann zu diesem Abstraktionsvorgang und pl√∂tzlich hat man "die" eine "Kunst". (Bei"der" "Wissenschaft" war's ganz √§hnlich: Da hatten zuvor auch Philosophie, Theologie und was-wei√ü-ich unverbunden nebeneinander existiert, und pl√∂tzlich: plopp!)

Wie irref√ľhrend das Wort "Kunst" ist, merkt man auch, wenn man es √ľber den hier anfangs nachgefragten "Wiedererkennungswert" legt: Viele t√§ten heute m√∂glicherweise ganz selbstverst√§ndlich davon ausgehen, dass eine gewisse Individualit√§t und ein damit verbundener Wiedererkennungswert irgendwie zu "Kunst" dazugeh√∂ren. Das war aber beileibe nicht immer so und ist heute in au√üereurop√§ischen Kulturkreisen auch anders.

"Kunst" sagen ist dann eben doch wie Strähnchen reinmachen: Irgendwie fancy, aber das war's dann auch schon.

Yeah,
M.
 

√Ąhnliche Themen

Zur√ľck
Oben Unten