Scheithauer Hot jr

Hersteller
Scheithauer Guitars
Baujahr
2019
Juli 2019. Ich stolpere rein zufällig darüber, dass Ronny Scheithauer den Bau eines DC-Prototypen begonnen hat. Aha! Ich verfolge den Bau interessiert (und leicht angefixt) aus der Ferne. Oh je, jetzt wird das Ding auch noch Babyblau. Find ich optisch mega. Mist. Es erscheint ein Video, in dem Ronny „nur“ ein paar Malcolm-artige Akkorde schrammelt. Au weia. Ich frage, ob das Instrument käuflich zu erwerben ist … ja. Ok. Wenige Tage später ist sie bei mir. Geliefert wird das Instrument in einem Rechteckkoffer mit Instrumenten-Urkunde, ein paar kleinen Goodies und einer ausführlichen Anleitung zum richtigen Einstellen von Gitarren.

Facts:
Leichter Korinabody, mehrteiliger Mahagonyhals, Palisandergriffbrett, ½ Tele-Bridge mit kompensierten Messingreitern, Kluson-Tuner, ein einsamer Hot P90 von Häussel (mit Anzapfung). Erinnert mit auch ein bisschen an das DC-Konzept, das Deimel macht. Aber halt: Deimel macht bei seiner Doublestar auch geschraubte Hälse. Die Scheithauer hat einen eingeleimten Hals, „long tenon“, der geht tief in den Body rein. Die Gitarre wiegt knapp 3 kg, und ist rundherum erstklassig verarbeitet. Toller Fretjob, alles akribisch gearbeitet, super Setup, dafür schon mal volle Punktzahl.

Sounds:
Trocken klingt sie genauso, wie man das erwartet: Schnelle Ansprache, viel (ich trau mich kaum das zu schreiben) Twang, sie löst Akkorde sehr gut auf, und trotz alledem ein dickes Fundament im Tiefmittenbereich. Perfekte Basis, damit der Häussel zeigen kann, was über den Amp so geht. Die Gitarre ist sicher nicht die erste Wahl, wenn man seine Pferdedecke über den LAB-Amp werfen möchte, um gepflegt ein wenig Fahrstuhl-Jazz zu klimpern. Trotzdem, die Gitarre klingt clean klasse. Gerade, wenn der cleane Ton an einem Amp hängt, der schon ein klitzekleines bisschen in der Endstufe mitarbeitet. Dann hat man für soulige Sounds a la Motown/Stax genau das richtige parat. Oder Stones-Klassiker wie “You can´t always get what you want“ bzw. „Gimme Shelter“. Ja, das hat nix mit 80s Clean zu tun. Aber so „old school“ Sachen, grandios. Geht man Gain-mäßig ein bisschen weiter, ist man schnell im Bereich, der einerseits AC/DC kann (wenig Gain, laut, also eher so die Rhythmus-Sounds von „Hard like a rock“ oder das Nonstop-H-Riff von „Thunderstruck“), andererseits aber auch perfekt Sounds a la Tom Petty oder John Mellencamp bietet. Etwas mehr Gain, und man ist beim Riff von „All you zombies“. Damit (und etwas härterer rechter Hand) gehen dann auch die Malcolm-Sounds mit etwas mehr Fett (z.B. Alben „Highway to hell“ und „Back in Black“). Leadsounds sind klasse, singen halt nicht so geschmeidig-PAF-esque, sondern haben eine etwas gröbere Struktur. I like. Kurze Info zur Elektrik: Es ist ein Push-Push-Volume-Poti verbaut, um von volle Kanne auf die Spulenanzapfung umzuschalten. Das ist in der Tat eine prima Sache, beide Sounds klingen gut und sind gut nutzbar. Weiter ist ein 50s Wiring verbaut, Volume- und Tonepoti arbeiten gut und feinfühlig miteinander, das Runterregeln des Volume klart wunderbar auf. Das Tonepoti werde ich kaum nutzen (einige meiner Gitarren haben das erst gar nicht), denn mit dem Volumepoti alleine kann ich alles machen, was ich von dieser Gitarre erwarte.

Fazit:
Eine super Gitarre. Erstklassig verarbeitet, hervorragend bespielbar, für den Typ Gitarre mit einem Sound, der kaum besser geht.

Meine ganz persönlichen Punkte, wo ich Veränderungen vorgenommen habe:

1) Austausch der Tuner zu Gotoh Magnum Locktunern – ist überhaupt nicht nötig, aber eine Marotte von mir: Ich mag dieses „Saite durchziehen, festklemmen, halbe Umdrehung auf der Achse, Dehnen-Stimmen-Fertig“. Das wäre wirklich NUR ein ganz individuelles Ding von mir.

2) Der P90: Der Häussel P90 Hot klingt SAUGUT. Aber er ist ein Single Coil, und je nach Gain, Position etc. brummt es. Das mag ich nicht. Er wurde gegen einen (sensationell klingenden) Rautia Rail90 Hot ausgetauscht. Das vorhandene Push-Poti schaltet nun den PU zwischen seriell (fetter) und parallel (schlanker).

3) Die "normale" 1/2 Telebridge habe ich gegen eine Schroeder USA (die bei späteren Überlegungen ein Bigsby nach zu montieren dafür schon geeignet wäre) getauscht. Super Teil, leider auch teuer... Das Aging der Bridge habe ich mit Essigdampf selbst gemacht, gefällt mir gut so.

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