Sieh an! Oder wenn die Augen mal nicht mithören


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Hallo...
heute hatte ich Probe und die hat mir sehr zu denken gegeben...
Das wollte ich mal berichten :)

Seit vielen Jahren spiele ich E-Gitarre und in dieser Zeit "natürlich" Röhrenamps.
Gestern hatte ich einen Auftritt, da ist kurz vor dem Soundcheck bei meinem Lieblingsamp, einem Fender Deluxe Reverb, die Sicherung durchgebrannt. Eine Ersatzsicherung war nicht vorhanden, wohl aber ein "Ersatzamp". Den, einen Peavey Classic 30, habe ich heute zur Probe meiner Soul/Funk/Jazzrock-Band mitgenommen, angemacht, es gab ein seltsames Geräusch und lautes Brummen... eine Röhre kaputt. Erstzröhren habe ich zu Hause, aber nich dabei. Also muß schon wieder Ersatz her.
Im Proberaum steht zum Glück ein kleiner Dean Markley Transistoramp, der der Sängerin gehört. Immerhin - den mußte ich dann naserümpfend "wohl oder übel" benutzen.
Mein übliches Effektbrett davor, ein wenig an den Knöpfen gedreht...sieh an - das geht ja... schöner Ceansound, Zerre über Pedale...
Einen Song gespielt, etwas nachgeregelt... und dann war - jedenfalls wenn man nicht hinguckte - irgendwie alles im Wesentlichen so wie immer und es klang sogar richtig gut... und das aus so einem "doofen" Kistchen, das nicht mal Röhren hat.
Ja aber hallo! Kann das denn sein? DARF das denn sein?
Ok - es klang schon etwas anders. Ich will auch nicht sagen (oder wahr haben?), dass es mit dem Teil genau so gut klang wie über "meinen" Amp (mit Glaskölbchen drin)... Aber warum schleppe ich denn seit Jahren (mehr oder weniger) schwere Röhrenamps mit mir rum, kaufe "gematchte" Röhren... wenn es auch so geht...???
Jetzt überlege ich doch ernsthaft, ob ich nicht mal ein paar nette kleine, leichte Transistoramps anchecke und mir das Schleppen - zumindest für Proben - künfig erspare... (und zu Proben dieser Band werde ich demnächst keinen eigenen Amp mehr mitnehmen)

Machts gut,
Klaus
 
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Klaus,
tu das nicht! :shock:

Wenn Transitoren auf dem Boden liegen, dann ist das geil.
Wenn sie noch grün verpackt sind, sind sie sogar wertvoll und geil.

Grün verpackte Transistoren vor einem Röhrenverstärker sind die Destillation allen guten Tons auf Erden!


Danach kommen vielleicht noch Verstärker, bei denen wenigstens Röhren zu sehen sind, wie die Legende unter Rockverstärkern, der Marshall JCM800, dessen Verzerrung zwar von Dioden kommt, der Röhrensound aber aus glühenden Kolben - vor allem ist es ein Marshall!

Wehe aber, wenn unwissende Cretins Transistoren in Vor- und Endstufen bauen!
Sie ignorieren die Schaltkreise von bekannten Verzerrern, weil sie in schwarzen Gehäusen nicht klingen können - schon gar nicht, wenn sie nicht auf dem Boden liegen! Mehr noch: Sie bauen absichtlich, alle Kenntnisse und Fähigkeiten ignorierend, unbrauchbaren Mist in ihre billigen Kisten.
Warum? Aus Niedertracht und galoppierender Blödheit! Darum!

Damit grüße ich in die Runde und trinke jetzt einen Rotwein, der ja bekanntermaßen (im Gegensatz zu der gepanschen billigen, weißen Plörre) der einzig Gute ist.

Prost ;-)

Walter
 
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Viele Musiker hören mit den Augen, entsprechend klingt Ihre Musik.

Das is was für "amen" ;-)

Gruß, Uwe
 
doc guitarworld
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... schöner Thread! Eine Art Abgesang auf den Wahnsinn von G.A.S.,
Relic Gitarren und Boutique Sammlerteilen ...
 
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Hallo, @W°° bist du nebenberuflich Satiriker ?
@all : wenn man alte Röhrenamps 'rumschleppt, tut man das nicht
zum Muskelaufbau. Man muss aber mit so'ner Panne rechnen, wenn
diese alten Geräte mal Husten haben. Besser (leichter) als ein Transeamp ist
eine Vorstufe (oder auch ein Modeller) mit der man im Ersatzfall direkt
ins Pult kann, um wenigstens den Gig zu retten.
Ich gebe aber zu, dass ich lange über eine Transe gespielt habe -
war einfach billiger, ging nie kaputt und Rhythmusgitarre+Phaser klingt
genauso über Silizium. Schlagt mich. Ich habe den aber verkauft...
V.H.
 
Rabe
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Danach kommen vielleicht noch Verstärker, bei denen wenigstens Röhren zu sehen sind, wie die Legende unter Rockverstärkern, der Marshall JCM800, dessen Verzerrung zwar von Dioden kommt, der Röhrensound aber aus glühenden Kolben - vor allem ist es ein Marshall!
Lieber W°°, ich finde auch, dass man es mit Röhrengläubigkeit übertreiben kann, aber man kann auch mit Polemik danebenzielen:

:idea: *Klugscheißmodus an* :idea:

Es gibt insgesamt 5 verschiedene Marshalltopteilmodelle, die die Aufschrift JCM800 tragen, zwei davon haben im Leadkanal tatsächlich leistungsbegrenzende Dioden, die wohl für einen Teil der Verzerrung verantwortlich sind: der 2205 (50Watt) und der 2210 (100Watt).
Die anderen Modelle der Baureihe haben nur einen Kanal und der ist halbleiterfrei.

Diese Modell sind:
2203 (100Watt)
2204 (50Watt)
JCM800 SuperBass (kann man auch für Gitarre benutzen)
Diese ganzen Teile (außer Superbass) gibt es auch als Combo, da fallen mir aber die Modellbezeichnungen nicht ein.

Der JCM800 den man als "die Legende unter den Rockverstärkern" bezeichnen könnte ist der einkanalige und im Signalweg halbleiterfreie 2203, der erste Marshall mit Mastervolumen.

:idea: *Klugscheißmodus aus* :idea:

Ich persönlich habe mir meinen JCM800 mit den Ohren ausgesucht:
Den JCM800 2205 im Original Marshall-Look verkaufe ich gerade, da ich einen Petersburg P-100 besitze, der zwar richtig scheiße aussieht aber geil klingt, und (sorry) keine Dioden im Signalweg hat. Das ist halt Geschmackssache und der Petersburg hat den Vorteil gebraucht richtig billig zu sein (um 400Euro).

Transistoren und Dioden auf dem Boden vor dem Amp haben den Vorteil, dass man sie sehr leicht und ohne Lötkolben aus dem Signalweg entfernen kann.

Ich habe nichts gegen gut klingende Transistoramps, warum auch? Aber momentan sind Vollröhreneinkanaler für mich die einfachste Möglichkeit die von mir gewünschten Sounds zu erzeugen.

Ich verstehe auch, dass einem der "kein-Sand-im-Signalweg"-Faschismus tierisch nerven kann, aber warum muss man das so unsachlich zum Ausdruck bringen?
Grüsse

Ralf
 
little-feat
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kk":3vym12ag schrieb:
Jetzt überlege ich doch ernsthaft, ob ich nicht mal ein paar nette kleine, leichte Transistoramps anchecke

Na denn.

Genieße die paar ruhigen Stunden, die Dir noch bleiben. Spätestens ab morgen, später Vormittag, werden sie über Dich herfallen.

Die Glaskolben-Junkies und Glühfaden-Fetischisten. Wenn die Halbleiter hören, ist jegliche Toleranz für die Tonne, verlaß Dich drauf.

Aber zumindest Walter und ich sind ja bei Dir, fürchte Dich nicht.

Nach etwa 20 Jahren Live-Musik hat sich bei mir ja auch so einiges Röhriges angesammelt. deLuxe, Twin, ProSonic......und einiges Hübsches mehr.
Und wenn man genau hinhört, dann klingt das unterm Strich schon besser als eine Halbleiterkiste.

Die Frage ist nur, ob die Leute im Publikum das auch hören. Vergiß es, sie hören es nicht.

Für einen anständigen, durchsetzungsfähigen Gitarrensound innerhalb eines Bandgefüges braucht es keine Glaskolben.

Und so ist es jahrelang immer wieder auf meine beiden Fender Princeton Chorus oder den alten Ampeg SS-70 rausgelaufen, einen ordentlichen Röhrenzerrer (Budda/Ibanez Tube-King) davor und gut iss.

Und wenn mir irgendwann mal wieder ein guter gebrauchter Halbleiter-Rath über den Weg läuft, dann schlage ich zu......die sind nämlich auch Extraklasse.

Aber.....Röhre hat schon was - wenn ich für mich alleine koche.

Schöne Grüße

Tom
 
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Rabe":6r80pgqq schrieb:
Es gibt insgesamt 5 verschiedene Marshalltopteilmodelle, die die Aufschrift JCM800 tragen, zwei davon...........

Aber Ralf, das weiß der Walter doch alles........vermutlich.

Deutsche haben keinen Humor (sagt man), aber man muß es ja nicht ständig aufs Neue beweisen.

Tom
 
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Hallo!
Ob jetzt der kleine Transistoramp wirklich genau so (gut) klingt, wie mein üblicher Deluxe Reverb, weiß ich gar nict. Direkt vergleichen konnte ich sie ja nicht.
Aber auf jeden Fall klang er richtig gut! Nicht mehr und nicht weniger. Gut genug für eine Probe und Auftreten würde ich mit dem Sound auch.
Ich weiß nicht mal wie das Teil genau heißt. Aber ich werde es mi nächstes Mal notieren und dann mal Ausschau halten nach so einem Amp.

Mir ging es bei dem Thread mehr darum, dass man mitunter festgefahrene Vorstellungen im Kopf hat (Röhre = gut, Transistor = schlechter) ohne das ab einem gewissen Punkt zu hinterfragen.

Sicher kann man gezielt Röhrencharakteristika einsetzen, wenn man zB "stufenlos" von Clean über Crunch zu heftiger Zerre will regeln können. Aber ich denke wenn man das nicht ständig macht, und man mehr einen schönen Cleansound braucht und Solo(zerr)sound über ein Pedal macht (das mache ich auch bei meinem 1-kanaligen Röhrenamp so) dann tut es so ein Amp, wie ich ihn am Wochenende gespielt habe, allemal.
Schöne Grüße,
Klaus
 
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kk":1tmxy17l schrieb:
Mir ging es bei dem Thread mehr darum, dass man mitunter festgefahrene Vorstellungen im Kopf hat (Röhre = gut, Transistor = schlechter) ohne das ab einem gewissen Punkt zu hinterfragen.


Schöne Grüße,
Klaus

Meinst du, dass alteingesessene Glaskolbennazis da ein Einsehen haben? Ich bezweifle das... ;-)
 
Rabe
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Aber Ralf, das weiß der Walter doch alles........vermutlich.

Das glaub ich irgendwie auch, aber ob alle die das lesen, das auch wissen, weiß ich nicht.

Deutsche haben keinen Humor (sagt man), aber man muß es ja nicht ständig aufs Neue beweisen.

Ich habe überhaupt nichts gegen eine Polemik wider den Röhrenfaschismus und wenn sie lustig ist umso besser,
... aber muss ich denn, nur weil mit deutschem Pass bestraft, alles lustig finden, was aufgrund falscher Tatsachenbehauptungen einen undifferenzierten Angriff gegen ein ziemlich spinnertes, meist sympathisches, aber auf jeden Fall erschreckend harmloses Völkchen von durchgeknallten frühsteinzeittechnischen Bastlern und Sammlern, führt, deren Hauptvergehen doch darin besteht, sich darüber Gedanken zu machen, welche ECC83 am hellsten glüht oder nach dem Schaltplan eines Röhrenautoradios (von dem es, vermutlich völlig zu recht, nur 2,5 erhaltene Exemplare gibt) zu suchen?
....wär' vermutlich besser.
Grüße
die Spaßbremse

Edit: Habe übrigens herzlich über die "Laienreperatur"-Beobachtungen desselben Autors gelacht!
 
jaydee65
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V.H.":29rhuxqw schrieb:
Besser (leichter) als ein Transeamp ist
eine Vorstufe (oder auch ein Modeller) mit der man im Ersatzfall direkt
ins Pult kann, um wenigstens den Gig zu retten.

...hatte das Vergnügen als mein Sound City mitten im Gig die Rente einreichte, seitdem hab ich immer den Tubeman2 griffbereit als 1.Hilfe,
hab zwar jetzt einen neuen Marshall DSL100, den Tubeman hab ich trotzdem immer "gigbereit" ;-)
und ne Röhre ist ne Röhre + bleibt ne Röhre,
selbst mein Trace Elliott Twin Tube mit Alibivorstufenröhre
kommt da nicht ran, und der klingt schon echt geil !!
 
S
Schnabelrock
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Da fällt mir mein Gallien Krueger ML 250 von früher ein. Keinerlei Röhre aber ein abslot hervorragender Sound ...
 
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jaydee65":3pitfxvm schrieb:
und ne Röhre ist ne Röhre + bleibt ne Röhre,

Ein Satz, wie ihn Inge Meysel nicht schöner hätte sagen können! ;-)

Dass jemand SEINE Anlage am Ton wiedererkennt, halte ich für nicht unwahrscheinlich.

Dass jemand EINE Anlage am Ton erkennt, wenn er davor steht, ist schon kaum mehr möglich. Wir hatten auf der Burg mal Thomas Blug zu Gast, der Modeler und Röhre von H&K spielte. Ohne direkten A/B Vergleich hätten wir Gitarristen ganz schön auf dem Schlauch gestanden.

Dass aber jemand eine Anlage INNERHALB EINER PRODUKTION erkennt, ist gänzlich unmöglich. Ich habe schon Soundpäpste und Fledermausohren aufs Eis geführt. Keiner kann das.

Abschließend sei bemerkt, dass "Röhre" ein BauPRINZIP ist, wie "Ottomotor". Es gibt nicht nur einen Haufen diffenter Bauformen, es gibt sie auch in unüberschaubarer Menge an Chareakteren und Qualitäten.
Echolette hat genauso Röhrenverstärker gebaut, wie Guiatone, Fender hat fürchterliche Zerren (85) Boogie mittige Hupen (Son of the Original) und Marshall nervige Sägen (800) gebaut. AC30 und Fender sacken in der Endstufe zusammen, Engl hat im Zerrkanal keine Bässe, Twins klingen topfig, Rectis haben schwer zu kontrollierende Bässe und eine unbrauchbare Klangregelung.... ich kann die Seite hier voll schreiben...

Das alles ist "echt Röhre".
Was also ist gemeint, wenn jemand vom "Röhrensound" salbadert?

Ich stehe übrigens auf echten Gitarrensound!
Es ist nun mal so: Gitarre ist Gitarre und bleibt Gitarre.
 
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Moinsen.

Ich mag guten Röhrenklang, sehe aber keinen Grund zu Dogmatismus.
Es gibt Röhrenamps die klingen irgendwie leblos, steril.
Und es soll Transenamps geben, die wirklich gut klingen.
Man sagt, Rath-Amps und PCL Vintageamps seien solche.

Wer tief in die Tasche greift bekommt auch Transen-Bodenzerrer, die mindestens so gut klingen wie Glaskolben-Zerrer á la Ibanez Tubeking.

Das Publikum (oder ein Großteil davon) hört bewußt sicher keinen Unterschied.
Was das Publikum unbewußt aber wahrnimmt ist die Dynamik im Klang, das Abkippen in Obertöne usw.
gerade bei Dynamik und dem Obertonverhalten haben Transenamps oft (aber nicht zwangsläufig immer) Nachteile.

Die Sache ist meiner Meinung nach die: am Markt (egal ob neu oder gebraucht) gibt es recht viele gut klingende Vollröhrenamps und nur relativ wenige wirklich überzeugende Transistoramps.

Bei Zerrer-Tretern ist das umgekehrt: da ist die Auswahl gut klingender Transentreter wesentlich höher als bei von gut klingenden Röhrentramplern.

Was eigentlich zeigt, dass die Frage Halbleiter/Röhre weniger mit der Technik an sich was zu tun hat als vielmehr mit der Frage, was der Markt will und was ergo herhestellt wurde und wird.

MfG
NdM
 
gitarrenruebe
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W°°":2mtae1cq schrieb:
jaydee65":2mtae1cq schrieb:
und ne Röhre ist ne Röhre + bleibt ne Röhre,

Ein Satz, wie ihn Inge Meysel nicht schöner hätte sagen können! ;-)

Da sage ich als Gitarrenruebe mal ganz charmant:
Eine Möhre ist ne Möhre + bleibt ne Möhre !!! :lol: :lol: :lol:

W°°":2mtae1cq schrieb:
Dass aber jemand eine Anlage INNERHALB EINER PRODUKTION erkennt, ist gänzlich unmöglich. Ich habe schon Soundpäpste und Fledermausohren aufs Eis geführt. Keiner kann das.
Bei so´ner Aktion bin ich selbst mal aufs Glatteis geführt worden. Verursacher war damals ein Pearce G2R (oder so ähnlich) 19" Transistortop, dass sehr geil geklungen hat und den Vergleich zu Röhrengeräten ziemlich aufgeweicht hat. Der Amp hat Anfang der 90er damals aber auch schon 2000 DM gekostet. Der Amp hatte übrigens einen eigenen Sound, und hat nicht kopiert, was ich auch sehr angenehm finde. Eine Charakternase halt.

Schnabelrock":2mtae1cq schrieb:
Da fällt mir mein Gallien Krueger ML 250 von früher ein. Keinerlei Röhre aber ein abslot hervorragender Sound ...

Ja, die Gallien Krüger 250er Amps (Top wie Mini-Combo) finde ich auch sehr gut. Ebenfalls ein eigener Sound, der für sich alleine teilweise gewöhungsbedürftig ist, im Bandkontext aber dann überzeugt.


W°°":2mtae1cq schrieb:
... und Marshall nervige Sägen (800) gebaut ...
Stop, da muss ich einhaken. Ich hatte, auch durch die AC/DC-Coversache, sehr viele dieser Amps selbst bzw. habe auch bei ehemaligen Bandkollegen und bei anderen Gitarristen viele der 800er gehört. Wie ich schon an anderer Stelle im Forum geschrieben habe, muss man bei diesen Amps zwischen den reinen Einkanalern (2203 und 2204, die wirkliche Röhrenamps sind) und den wirklich brizzeligen Zweikanalern (Modelle 2205 und 2210) unterscheiden. Die Zweikanaler taugen maximal als Mono-Endstufe, da man in den seriellen FX-Loop schön mit einer anderen Vorstufe reingehen kann. Als Topteil ist dieser Amp aus meiner Sicht schlichtweg unbrauchbar. Die Einkanaler, die ich bislang gehört habe und bei denen ich mal an den Knöppen drehen durfte, klangen alle gut, viele sogar sehr gut. Grund: Viele trauen sich nicht, die Höhen an diesem Amp auch mal fast komplett wegzudrehen. Mit folgender Standardeinstellung klangen fast alle JCM800-EInkanaler sehr gut: Preamp Gain um die 14 Uhr, Bässe Vollanschlag, Mitten zwischen 9 und 10 Uhr, Höhen zwischen 8 und 10 Uhr, Presence zwischen 8 und 10 Uhr, Master muss schon ein bisschen aufgerissen sein - ist ja kein Wohnzimmeramp. Mit dieser Einstellung klangen diese Amps fett, warm, mit Druck ohne Ende. Man konnte dann mit dem Volume-Poti der Gitarre von "fast clean" (7-ender, nicht Fender-Clean sondern Oasis-Clean ;-) ) stufenlos über viele Crunch-Schattierungen zum fetten Rockbrett überblenden. Da dann ein Overdrive davor als Booster (oder ein Treblebooster, ober ein kleiner Boden-EQ mit fettem Ausgangspegel ...) und der Marshall singt im Solo wie die Nachtigall. Bei diesen Marshalls sind von Haus aus Treble, Middle und Presence frequenzmäßig sehr eng zusammen, wenn man sich mit diesen Amps kurz mal befasst, klingen die tatsächlich sehr geil. Entgegen der landläufigen Gerüchte, dass die Klangregelung eines Marshall nur Zierde sei, darf man die Regler trotzdem gerne mal bemühen.

Diese Aussage "Marshall sägt" kommt eben wirklich nur von den (wieder meine Meinung) unsäglichen 800er-Zweikanalern und den völlig doofen 900ern. Letztere taugen aus meiner Sicht ebenfalls nur als Mono-Endstufen (gleiches Spiel wie oben schon beschrieben).

W°°":2mtae1cq schrieb:
Es ist nun mal so: Gitarre ist Gitarre und bleibt Gitarre.
Wie wahr.

Letztendlich ist es doch egal, mit was man einen Sound bekommt, der einem gefällt. Ich freue mich jedenfalls immer mal, wenn ich irgendwo auf einer Bühne einen Gitarristen sehe, mit mit "unkonventionellem" Kram richtig verbindlich klingt. Da weiß man dann wieder, dass der Ton aus den Fingern kommt.

Am Rande und völlig OT:
Ich durfte am Sonntag Abend einen sehr netten Forumsgenossen auf einer akustischen am Grill spielen hören, er hat für zwei kleine Kids "spontane" Kompositionen aus dem Nichts erfunden (z.B. das hitverdächtige "Kartoffelbrei-Lied"). So beseelte, leichte und melodiöse Sachen habe ich lange nicht mehr von jemand anderem auf einer elektrischen Gitarre gehört ...



Ich muss nachher mal wieder an meine Stoll ...
 
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gitarrenruebe":zs5jinj0 schrieb:
"fast clean" (7-ender, nicht Fender-Clean sondern Oasis-Clean ;-) )

OK, so lass ich es gelten ;-)

Ich mag, wenn es um Cleansounds geht, den Roland Jazzchorus sehr gerne. Auch völlig röhrenbefreit...
 
 

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