Wie strukturiert Ihr Solos?


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!Buenas Dias!
Hat jemand ein tolles Rezept, um Solos zu strukturieren?
Ich meine jetzt eher ein "ganzheitliches" Konzept,
also kein "F#m7/9-lokrisch im 2. Takt und dann den Change auf die III.
im 4 Takt".

Flüssig spielbare Licks aus dem eigenen Repertoire mit Zwischentönen, um zum Startpunkt des nächsten Licks zu kommen wäre ein Konzept. Ich fürchte, das ist mein Konzept [xx(].

Ich hatte mal ’ne "3h-Clinic" (heisst das so?) bei ’nem Super-Super-80er-Fusion-Mukker, der spielt u.A. nach demEd went to the store-Konzept; ich krieg das nicht mehr ganz zusammen, aber es geht wohl darum, dass der besagte Ed durch ein Geschäft geht und verschiedene Sachen sieht (Frauen, ein einstürzender Stapel Dosensuppe, einkaufende Bauarbeiter, ...); diese Sachen probiert man im Solo Szene für Szene nacheinander irgendwie rüberzubringen.
Mit dieser Geschichte kann man eine Art Dramaturgie aufbauen.
Hoffe, ich hab das richtig in Erinnerung. Kennt das vielleicht jemand?

Hat noch jemand pragmatische oder emotionale Solo-Konzepte?
Oder denkt Ihr bei Solos gar nix und spielt einfach drauf los?

Danke,
elvis

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LYRICS? WASTED TIME BETWEEN SOLOS!
 
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Hi Elvis,
bekannterweise führen viele Wege nach Rom. Bei den vielen Stilrichtungen kann man sich aber noch nicht mal auf eine Hauptstadt festlegen und was im Country gilt, ist im Metal vermutlich unbrauchbar. MIR gefällt ein Solo, wenn es eine Weiterführung der "Geschichte" ist. Dabei ist der Spannungsbogen wichtig. Ein gutes Solo im Pop soll sich vorstellen, eine Geschichte erzählen, und bei Ende nahtlos vom Song übernommen werden.
Hier ein Beispiel: http://www.kraushaar-gitarren.de/Transport_How.mp3
Im Fusion Jazz ist es wieder ganz anders. Da laufe ich gerne mit der "Taschenlampe" umher und beleuchte harmonische Ecken, die mir interessant, oder witzig erscheinen.
Viele Wege - viele Wahrheiten, viele Städte...

Krauts!! - Kehren kommen!
Grüße aus dem milden Westen.
W°°
 
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<table border="0" width="90%" align="center"><tr><td class="quote">Zitat:Original erstellt von: badmatafaka
das zauberwort heisst PENTATONIK!!!

http://www.gitarrenlinks.de/workshops/g_stufenakk3.htm

noten in beliebiger reihenfolge ergeben ein solo, dass einfach nur harmonisch klingen kann (zumindest der theorie nach...)

stay rockin’
</td></tr></table>
Hi bad!

Ich spiele, grob überschlagen, seit 10 Jahren Gitarre und hab’ Pentatonik, mit und ohne Chromatik, und Kirchentonleitern alles mal "angespielt" (kannst Du ja nicht wissen). Trotzdem danke für den Link.
Mir gehts weniger um die Töne an sich, eher um das gesamte Konzept, die Linienführung, wenn Du verstehst, was ich meine.

Hi W°°!
Dein "Spannungsbogen" war in dem "Ed ..."-Konzept so realisiert, dass Ed erst zum Supermarkt hingehen muss und, nach dem Bezahlen(?), wieder heim geht, glaube ich. Wie dem auch sei, "Spannungsbogen"
heisst beim Solieren wohl auf jedenfall das Zauberwort; das hatte ich verdrängt. Ich glaube, ein "Gag" vom Ed war, dass er im Supermarkt öfter was ähnliches, aber nie exakt das gleiche sieht, und deshalb
so durch Variationen einen Stil, eine Linie finden und durchziehen kann. Fusion spiele ich jetzt nicht, aber die Idee mit der Taschenlampe gefällt mir; genau so was mein’ ich mit "ganzheitlichem Konzept". Danke, auch für das MP3, ich verstehe, was Du meinst.
Das Einbetten in den Song erscheint mir auch sehr wichtig;
nicht umsonst finde ich "Hotel California" so klasse.

Geht noch jemand mit Ed und seiner Taschenlampe einkaufen?

Gruß,
elvis

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Moin Elvis,

ich geh da mit Walter kondom, wobei ich dem guten Walter in einer Vermutung widersprechen würde. Was im Country gilt muß nicht im Metal unbrauchbar sein. Ich empfinde es eher als spannend genau diese Grenzen zu brechen. Weniger im Sinne von Fusion, als im Brechen von Hörerwartung. Aber dazu gleich noch etwas. Zuersteinmal versuche ich ein Solo als verlängerten Arm des Gesangs zu sehen. Ich versuche, die Geschichte des Songs und die Gesangslinie aufzunehmen und mit ihr zu spielen. Dabei hab ich im Laufe der Jahre eine gewisse Lust am "zitieren" gewonnen. Da gibt es derer zwei Möglichkeiten. Zum einen frage ich mich öfters: "Was hätte Gitarrist XY zB an dieser Stelle gesagt". Oft enstehen dann völlig neue Ideen in einem Song. zB: ein schleppender Wüstenrocker mit einem ziemlich düsteren Text, den ich letztens mit meiner Rotzrockband probierte und beim Solo in einer Einbahnstrasse landete. Ich hab im geistigen Ohr erstmal alles an Kyuss und QOTSA abgespielt und war nicht auf der richtigen Spur. Dann hab’ ich mich plötzlich gefragt: "Was würde Marc Ribot jetzt sagen?" und schwupps war die Lösung da. Eine minimale kleine "kranke" Disonanz und schon funktionierte das Solo. "Krank" im übrigen als Antwort auf den Songtitel: "Du bist meine Medizin". Enden tut der Song dann mit einer simulierten Herzkontrollmaschiene, mittels Feedback und Toggleswitch On/Offs. Eine andere Art des "zitierens" ist das Einfügen von typischen Stilistiken bestimmter Gitarristen (so "beklaue" ich zB gern Scotty Moore, Billy Gibbons, Riff Kiffhard und bereits zitierten Marc Ribot)oder bestimmte Melodiebögen. Ein Beispiel: Wir covern mit besagter Rotzrockband einen Song von Hermann Brood. "Saturday Night" in einer deutschsprachigen Version. Nun ist Hermann ja schon etwas länger tot, tragische Figur mit einem tragischen skurillen Ende. Brood sprang vom Hilton-Amsterdam und hinterließ einen Zettel auf dem angeblich stand: "Ich kann nicht mehr... Feiert die Party ohne mich weiter". Sex and Drugs and Rock’n’Roll. Und eben diesen Dury Song "zitiere" ich als Melodie in dem Solo....

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bO²gie
 
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Hallo Elvis,
eines habe ich noch vergessen, aber es fiel mir heute morgen während einer erbärmlichen Übungsstunde wieder ein; es hat nichts mit Struktur, sondern mit innerer Einstellung zu tun.
Ich nenne es die Entschiedenheit des Tons.
Ich glaube nicht, daß der Ton aus den Fingern kommt. Er ist in uns, bevor wir ihn spielen. Hinter einem guten Solo steht auch der Wille eine klare Aussage zu machen.
Wenn man, wie ich vorhin, seiner Sätze nicht sicher ist, gerät man über das eigene Genuschel ins Stolpern.
Das ist es, was große Musiker in meinen Augen so außergewöhnlich macht: Sie lassen zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran, daß der nächste Beat entschieden an diesen Platz gehört.

Krauts!! - Kehren kommen!
Grüße aus dem milden Westen.
W°°
 
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Moin Walter,

absolut 101% agree. Ich hab’ mich öfters nach Gigs gefragt warum ich immer wieder Anfragen nach Gitarrenunterricht bekomme. Das obwohl ich selbst ein sehr minimalistisches Repertoire an handwerklicher Fähigkeit habe. Irgendwann beantwortete einer der Nachfrager meine Frage: "Das überzeugt mich, was du spielst".

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bO²gie
 
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<table border="0" width="90%" align="center"><tr><td class="quote">Zitat:Original erstellt von: bO²gie
Moin Walter,

absolut 101% agree. Ich hab’ mich öfters nach Gigs gefragt warum ich immer wieder Anfragen nach Gitarrenunterricht bekomme. Das obwohl ich selbst ein sehr minimalistisches Repertoire an handwerklicher Fähigkeit habe. Irgendwann beantwortete einer der Nachfrager meine Frage: "Das überzeugt mich, was du spielst".

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bO²gie
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Hi Boo.. und Woo.. :D

ich spiele noch nicht so lange Gitarre, erfreue mich aber an jedem Tone, der den Speaker so verläßt, wie ich ihn auch formen wollte...
Ich beherrsche weder Noten/Skalen/Modis - außer die absoluten Grundsätze, welche Akkorde in etwa zusammen harmonieren.

Als Herausforderung sehe ich es auch (ähnlich wie Boogie) jedes Gesetzt zu brechen.
Bei den meisten Brüchen bekomme ich es wahrscheinlich gar nicht mal mit, da ich das "Gesetz" nicht kenne.

Da ich nach Gehör spiele, strukturiere ich Melodieläufe auch nicht vor, sondern habe ein bestimmtes Gefühl, wenn ich einen Ton zu einem
Akkord oder eine Akkordfolge setzte.
Es läßt sich schwer beschreiben, weil es nur innerlich bei mir abläuft. Der Charakter des Tones (ob verzerrt, lieblich oder sonst wie) passt zu dem, was ich spielen will und fühlen will, oder nicht - solange wird rumverstellt.
So versuche ich eine Melodie so zu gestalten, daß sie das Gefühl was ich dabei empfinde trägt, solange, bis es zeit für ein anderes Gefühl ist...
Als Vorlagen habe ich Sound und Tonfragmente, die durch Hören und Gehörtes im Kopf lagern und irgendwie rauswollen.

Hört sich alles nen bissel verworren an, oder liest sich verworren, aber es ist nicht so leicht in Worte zu fassen..

ciao
Oliver

Feel the Tone!
 
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<table border="0" width="90%" align="center"><tr><td class="quote">Zitat:Original erstellt von: W°°
Hallo Elvis,
eines habe ich noch vergessen, aber es fiel mir heute morgen während einer erbärmlichen Übungsstunde wieder ein; es hat nichts mit Struktur, sondern mit innerer Einstellung zu tun.
Ich nenne es die Entschiedenheit des Tons.
Ich glaube nicht, daß der Ton aus den Fingern kommt. Er ist in uns, bevor wir ihn spielen. Hinter einem guten Solo steht auch der Wille eine klare Aussage zu machen.
Wenn man, wie ich vorhin, seiner Sätze nicht sicher ist, gerät man über das eigene Genuschel ins Stolpern.
Das ist es, was große Musiker in meinen Augen so außergewöhnlich macht: Sie lassen zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel daran, daß der nächste Beat entschieden an diesen Platz gehört.

Krauts!! - Kehren kommen!
Grüße aus dem milden Westen.
W°°
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Hallo Walter!
"Struktur" war das falsche Wort im Betreff dieses Themas, aber Ihr habt es richtig verstanden und mir gute Anregungen geliefert.
Was mir eben zu dieser Aussage von Dir beim Hören von B.B. King aufgefallen ist: Der lässt auch keinen Zweifel oder keine Unsicherheit daran erkennen, dass jeder Ton genau dahin gehört, wo er ihn spielt. Dieses bewusste Spielen jedes Tons finde ich ziemlich bewundernswert und viele viele Musiker können sich da ´ne Scheibe abschneiden; damit meine ich nucht nur Shredder, sondern auch mein persönlicher Favorit SRV spielt für meinen Geschmack manchmal zu viele unwichtige/aussagelose Fülltöne.
Gruß,
elvis


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Anonymous
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Hallo Walter!
"Struktur" war das falsche Wort im Betreff dieses Themas, aber Ihr habt es richtig verstanden und mir gute Anregungen geliefert.
Was mir eben zu dieser Aussage von Dir beim Hören von B.B. King aufgefallen ist: Der lässt auch keinen Zweifel oder keine Unsicherheit daran erkennen, dass jeder Ton genau dahin gehört, wo er ihn spielt. Dieses bewusste Spielen jedes Tons finde ich ziemlich bewundernswert und viele viele Musiker können sich da ´ne Scheibe abschneiden; damit meine ich nucht nur Shredder, sondern auch mein persönlicher Favorit SRV spielt für meinen Geschmack manchmal zu viele unwichtige/aussagelose Fülltöne.
Gruß,
elvis


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Hi Elvis,

Ich finde auch unwichtige Fülltöne wichtig. Denn ohne "normale" Töne kann man die "spannenden" Töne meiner Meinung nach nicht so gut vergleichen. [xx(]
Oder: Ein Buch das durchweg Spannungsgeladen ist, ist auch langweilig.
Und man muß ja auch mal was zum Ausruhen in einem Lied haben...

Martin
 
 

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