wieder mal Saitenstärke

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wieder mal Saitenstärke

Hallo!

Vorgestern habe ich statt der üblichen 11er auf meine Ibanez Artcore (siehe Galerie) mal 10er aufgezogen und seitdem frage ich mich, warum ich das nicht schon lange mal gemacht habe.

Das Sustain ist deutlich länger als vorher, das Ansprechverhalten knackiger, es klingt verstärkt "elektrischer" als vorher. Für jazzige Sounds nicht so gut (da waren die 12er Flatwounds wiederum der Bringer), für "das Brett" aber ein absoluter Fortschritt.

Vorher "verspannte" sich die Gitarre bei leichtem Anzerren, wenn man dann Gain dazu gab und eine gewisse Grenze überschritt, fühlte sich das Instrument wieder frei an. Schwer zu beschreiben. Jetzt ist das gesamte Gainspektrum problemlos zu händeln. Lediglich weiche, cremige Sounds sind nicht drin - die Gitarre rotzt, beißt und schreit.

Klar - auf Archtops gehören dicke Saiten. Sagt jeder, ist im WWW überall zu lesen und auch ich hab das geschrieben und nachgeplappert. Es ist aber absolut einen Versuch wert, mal dünne Drähte zu nehmen. Könnte sein, dass die vorher furchtbar langweilige Gitarre auf einmal ein richtiger Kracher ist.

Warum habe ich Idiot mit diesem Versuch so lange gewartet?

Gruß

erniecaster
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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RE: wieder mal Saitenstärke

Die besten Saiten sind immer die, mit denen man selbst am besten zurechtkommt und die bei einem selbst am besten zum Klang beitragen.

10er Saitensätze sind aber auch nicht sooo dünn, es gibt ja auch noch 8er

Ich hab über Jahre lang nur Semis (ES135) gespielt. Alles was unter 11er Sätzen war klang fürchterlich dünn und schwammig. Ich haue aber auch meist immer feste rein und spiele dicke und harte Pleks. Da spielte ich aber meist clean bis max angefettet clean. Da hört man die Unterschiede IMO am meisten.
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RE: wieder mal Saitenstärke

...Saitenstärken sind bei mir immer ein Kompromiss zwischen Spielbarkeit und Sound. Eigentlich mag ich bei meinen Solid Body Gitarren am liebsten den Sound von 009ern. Sie klingen für mich am ausgewogensten mit bestem Sustain, ohne bei Verzerrung bratzig zu werden. Leider neige ich als Grobmotoriker aber sehr stark dazu, heftigst zuzupacken. Das führt dann zu Intonationsproblemen (Ich mag Jumbobünde) und "Überbenden" beim Saitenziehen.
So habe ich mich dann beim besten Kompromiss in Form von 010ern eingependelt. Aber lieber hören mag ich, wie gesagt, 009er.
 
Gruss, tommy
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RE: wieder mal Saitenstärke

Ich hab mal spaßeshalber die 7er "Rev. Willy" Saiten von Dunlop ausprobiert.

Klanglich es geht das auch, man muss halt am Amp nachregeln.

Trotzdem, ich zieh die erst wieder auf wenn ich 80 bin und Gicht in den Fingern hab.

Ansonsten habe ich die gleiche Erfahrung gemacht wie erniecaster:
Dünnere Saiten (von 10er auf 9er) bringen mehr als dickere Saiten.

Gruß,
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Re: wieder mal Saitenstärke

erniecaster schrieb:
Vorgestern habe ich statt der üblichen 11er auf meine Ibanez Artcore (siehe Galerie) mal 10er aufgezogen und seitdem frage ich mich, warum ich das nicht schon lange mal gemacht habe.

Die Frage ist berechtigt, Ernie;
jedenfalls spätestens seitdem der Pfälzer sich hier die gleiche Frage gestellt hat.
Er hat sich nämlich auch gewundert, warum er in jeder Hinsicht besser mit 10ern bedient wurde als mit 11ern.
Sprich, es gibt es einen Thread von ihm, in dem auch Erklärungsansätze für das "Phänomen" geliefert worden sind.

Mit ist das alles Wurscht, ich spiele seit Jahr und Tag 10er.
 
Gruss
frank
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RE: wieder mal Saitenstärke

Hi,

bei meiner ES 135 war der Schritt von 0.10 zu 0.11 eine Offenbarung.
Die Gitarre gab mir viel mehr Rückmeldung. Ist schon ne ganze Weile her. Zwischendurch mal wieder aufgezogene 0.10 bestätigten das.

Bei mir ists also anders herum

Auf den Fender Gitarren spiele ich aber auch 0.10.
Allerdings 0.10 bis 0.52. Den XL140 Satz von Daddario.

Gruß Diet
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RE: wieder mal Saitenstärke

tommy schrieb:
...Leider neige ich als Grobmotoriker aber sehr stark dazu, heftigst zuzupacken. Das führt dann zu Intonationsproblemen (Ich mag Jumbobünde) und "Überbenden" beim Saitenziehen.


so gehts mir auch. Dünne Saiten über Jumbo Bünden und Kraft in den Wurstfingern geht gar nicht. Und so ne fette Telli mit beefy Neck muss man einfach hart anpacken

Wir leben in guten Zeiten und es gibt Saitenmarken, -Typen und -Stärken wie Sand am Meer.
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RE: wieder mal Saitenstärke

Magman schrieb:
so gehts mir auch. Dünne Saiten über Jumbo Bünden und Kraft in den Wurstfingern geht gar nicht. Und so ne fette Telli mit beefy Neck muss man einfach hart anpacken

immer ein Kompromiss zwischen Spielbarkeit und Sound.
Und darum geht es doch im eigentlichen, was das Werkzeug anbelangt. Wenn man mit dem Instument um "DEN TON" kämpfen will braucht es...
Das muß jeder für sich rausfinden. Das ist auch immer eine Frage der Hörgewohnheiten

und der richtigen Farbe



frank schrieb:
Mit ist das alles Wurscht,
und ohne Wust ist alles Käse
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RE: wieder mal Saitenstärke

Ich frage mich schon lange, weshalb diese Meinung vorherrscht, dass dicke Saiten zum besseren Ton beitragen. Dickere Saiten sind sicher lauter, aber eben, wie Erniecaster schon sagt, ist das Sustainverhalten, damit die Tonentfaltung ansich nicht gerade vorteilhaft. Es gab hier im Forum schon mal eine Diskussion darüber, es wurden auch physikalische Rechnungen aufgestellt, die das bessere Schwingverhalten dickerer Saiten belegen (sollen). Tatsache ist, dass dünne Saiten länger ausschwingen. In meinem Bekanntenkreis spielen viele 11er oder 12er, wenn ich mit 9er oder 10er ankomme, werde ich oft belächelt, ich muss aber feststellen, dass diese "ganzen Kerle" sicher deutlich mehr Spieltechnik entwickeln könnten, wenn sie nicht mit dicken Stahlsaiten kämpfen müssten.
Cheers
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RE: wieder mal Saitenstärke

Ich frage mich schon lange, weshalb diese Meinung vorherrscht, dass dicke Saiten zum besseren Ton beitragen.


Wegen SRV vielleicht ??


Es heißt doch überall, dass er 13er Saiten aufgezogen hatte....

( ich wollte das selbst dann nicht probieren, wenn sie (so wie damals bei ihm) um einen Halbton runtergestimmt wären.....)

In einem Buch von Helmuth Lemme über das Thema "Sound" steht, dass (zumindest bei halb- akustischen Gitarren) der Korpus durch dickere Saiten "besser" zum "Schwingen" gebracht werden könne....
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RE: wieder mal Saitenstärke

Zak McKracken schrieb:
Ich frage mich schon lange, weshalb diese Meinung vorherrscht, dass dicke Saiten zum besseren Ton beitragen.


Wegen SRV vielleicht ??


Es heißt doch überall, dass er 13er Saiten aufgezogen hatte....

( ich wollte das selbst dann nicht probieren, wenn sie (so wie damals bei ihm) um einen Halbton runtergestimmt wären.....)

In einem Buch von Helmuth Lemme über das Thema "Sound" steht, dass (zumindest bei halb- akustischen Gitarren) der Korpus durch dickere Saiten "besser" zum "Schwingen" gebracht werden könne....


Vielleicht, jedenfalls werden dicke Saiten einen Tonkörper stärker zum schwingen bringen, ich jedenfalls kann mit sowas nicht umgehen und sehe bei vielen Gitarristen, dass sie sich irgendwie schwer tun, weil sie denken, dass das so sein muss, aber jeder wie er kann und will.
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RE: wieder mal Saitenstärke

Naja die meisten Leute machen dickere Saiten drauf weil es andere auch tun...

Es kommt immer auf die Spieltechnik und die Musik an die man macht. Motorik und Ergonomie spielen auch eine große Rolle. Leute die kräftig zupacken und eher in die Saiten hauen anstatt sie zu streicheln benötigen auch fettere Saiten, sonst klingts halt gern schräg.

SRV hatte kräftige Hände, einen extrem harten Anschlag und stimmte seine Gitarren immer runter. 10er Saiten hätten bei ihm keine 5 Minuten überlebt.

Ob nun dicke oder dünne Saiten, jeder wie er es mag und vor allem kann. Dabei gibt es keine Norm!
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RE: wieder mal Saitenstärke

Magman schrieb:
Naja die meisten Leute machen dickere Saiten drauf weil es andere auch tun...


...und weil es immer wieder Bekloppte gibt, die meinen, dünnere Saiten hätten etwas Mädchenhaftes. Zarte Gemüter passen sich dann dementsprechend an, um als harte Player zu gelten (alles wirklich erlebt).

Wer kennt sie nicht, die sagenumwobenen SRV Storys mit dem Sekundenkleber, wo die Erzähler in Ehrfurcht erstarren.
 
Gruss, tommy
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RE: wieder mal Saitenstärke

Meiner Meinung nach sollte man sich gar nicht unbedingt festlegen. Ich habe (hatte) Gitarren die mit sich 10ern am besten spielen lassen und klingen, andere mit 09ern und wieder andere mit 11ern. Eine meiner Strats z.B. klingt mit 10ern und auf Eb am Besten. Stimme ich die auf E kommt die irgendwie nicht gut. Merkwürdig!

Ich habe vor kurzem eine fremde Gitarre fit gemacht, auf die 09er sollten. Da ich das Spielgefühl gut fand, hab ich eine meiner, sonst nur rumstehenden, Gitarren auch mal mit 09ern bestückt und muss sagen, dass die 1. keinen Deut schlechter oder "dünner" klingt als voher und dass sie ich sie seitdem viel öfter spiele.

Schon einige Male habe ich erlebt, dass jemand Gitarren/Saiten/Plektren/Amps... ausprobiert und schon nach sehr kurzer Zeit für sich entscheidet, dass das nichts für ihn ist. Ich bin jedoch der Meinung, man sollte sich ruhig ab und an mal auf eine längere Gewöhnungsphase einlassen. Nach einer Woche spielen unter anderen Bedingungen, andere Halsmaße als gewohnt etc., verfliegt der, zuerst sehr deutlich wahrgenommen, Unterschied meist.
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RE: wieder mal Saitenstärke

Hallo, es gibt von D'Addario auch EXL110+ -
.0105,.0135,.018,.028,.038 und .048 .
Um die Verwirrung zu komplettieren...
V.H.
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RE: wieder mal Saitenstärke

Magman schrieb:
SRV hatte kräftige Hände, einen extrem harten Anschlag und stimmte seine Gitarren immer runter. 10er Saiten hätten bei ihm keine 5 Minuten überlebt.


Hallo Martin,

hier muss ich Dir leider widersprechen: Stevies Anschlag war alles andere, als "extrem hart" - wenn Du Dir z. B. den Anfang von seiner berühmten Tokyo-Performance anschaust, siehst Du, dass die Arbeit seiner rechten Hand immer dynamisch, dabei aber locker und "federnd" war. Der Kardinalfehler, den viele machen, wenn sie versuchen, SRV zu spielen, ist der Umstand, dass sie wie die Wilden losdreschen und dabei die Gitarre fast vergewaltigen. Stevies mächtiger Ton war das Ergebnis seiner extrem lauten Amps und eben der dicken Saiten. Daneben benutzte er ja fast durchgehend die "Raking"-Technik, um seinem Ton noch mehr "Beef" zu geben. Sein Anschlag hört sich aggressiv an, ist aber in Wirklichkeit eher locker und rhythmisch.

Zu den Saiten: Stevies Entscheidung, schwere Saiten zu spielen, war nicht auf die Größe bzw die Kraft seiner Hände, sondern einfach auf die Tatsache zurückzuführen, dass er ein Mann war, der bei seinem Sound keine Kompromisse zuließ. Oft erklärte er gegenüber seinen jungen Fans sinngemäß: Heavy Strings - that's the only way! Und er gab oft in Interviews unverblümt zu, dass auch er mit den schweren Saiten zu kämpfen hatte. In diesem Zusammenhang geht nichts über die eigene Erfahrung: wer schon einmal eine Strat mit 12ern oder 13ern gespielt hat, weiss genau, dass so nicht nur der Sound, sondern auch das Spielgefühl ein ganz anderes ist.

Übrigens: seine "Lenny", die er ja für cleane Parts verwendete (Riviera Paradise und eben Lenny) war meistens mit etwas leichteren Saiten bespannt - Stevie wusste wohl, warum: wenn du Dir die Studio-Version von Lenny anhörst, merkst Du, dass sein Sound etwas weniger voluminös ist, dafür aber mehr "klingelt" - und das nicht nur, weil er dort clean spielt.

Bitte nicht böse sein und meinen Beitrag nicht als "Besserwisserei" abtun - wollte nur eine Gegenmeinung abgeben.

Mark
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RE: wieder mal Saitenstärke

Rude Mood schrieb:
... Stevies Anschlag ...

Diese Legendenbildungen sind immer sehr interessant.

Wichtig ist für MICH, was sich für MICH gut anfühlt und bei MIR gut klingt.
Ich habe in den letzten 25 Jahren von 009 - 011 immer wieder gewechselt.
011er sind es bei MIR nicht.
010er momentan, und auch schon was länger.
Was ich NIE feststellen konnte ist eine deutliche Veränderung des Sounds durch Saitenstärke.
Spielgefühl, Saitenzug, Möglichkeiten für Drop-Tunings etc. - JA.
Sound ? Nicht in relevantem Maß (also fetter, mehr Druck oder so ...)
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
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RE: wieder mal Saitenstärke

gitarrenruebe schrieb:
...
Ich habe in den letzten 25 Jahren von 009 - 011 immer wieder gewechselt.
...

Was ich NIE feststellen konnte ist eine deutliche Veränderung des Sounds durch Saitenstärke.
Spielgefühl, Saitenzug, Möglichkeiten für Drop-Tunings etc. - JA.
Sound ? Nicht in relevantem Maß (also fetter, mehr Druck oder so ...)


1+

Ich denke manchmal, dass oft von der Akustik bekannte Erfahrungen auf die E-Gitarre übertragen werden ohne zu bedenken, dass wir ja Verstärker haben

Viele Grüße,
gp
 
Früher dachte ich, dass alle Musiker nette, freundliche und intelligente Menschen sind.
Dann fing ich an, selbst Musik zu machen.
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