Honeymoon-Review - Spielzeugwochen bei erniecaster

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Honeymoon-Review - Spielzeugwochen bei erniecaster

Hallo zusammen!

Ursprünglich wollte ich eine richtige, eine ernsthafte Akustikgitarre kaufen. Meine beiden Akustikgitarren haben klanglich ordentlich Pfund, von mir aus auch Wumms. Ich wollte gerne eine klanglich leichtere, luftige Alternative und war auch bereit, dafür Geld auszugeben. Zwei Versuche waren nicht von Erfolg gekrönt, dann kam ich auf die Idee, ein 073er Plektrum zu probieren. Mit dem diesem Plektrum bekomme ich genau das, was ich als Alternativsound gesucht habe. Das war schonmal ziemlich preiswert.

Aber, ach, money burns a hole in my pocket. Und ich wollte auf jeden Fall noch eine extrem handliche Gitarre für die Terrasse. Also habe ich hier geklickt: https://www.musicstore.de/de_DE/EUR/Jack-Danny-AP-5-Parlor/art-GIT0040097-000;pgid=CtMgkEYXFi5SRpt_qpwmKDGN0000MrF37xmX

Die Gitarre sieht im Original erheblich besser aus als auf den Fotos. Die Lackierung ist irgendwo zwischen offenporig und seidenmatt, sie ist optisch sehr gut und fasst sich fantastisch an. Toll. Die Mechaniken sind nicht toll aber brauchbar. Den Sattel könnte man tiefer feilen, das wird noch ein Projekt. Die Halsform geht Richtung E-Gitarre, das macht richtig Spaß. Das Griffbrett war wüstentrocken. Ich habe natürlich intensiv geölt, das hat aber noch nicht gereicht. Holzart? Irgendein schwarzes Bananawood. Die Bundierung ist eine absolute Frechheit. An den überstehenden Bundstäbchen konnte man sich ernsthaft verletzen und die Oberflächen waren nicht mal im Ansatz glatt. Nach Schleifen und Polieren der Bünde spielt sich die Gitarre jetzt wirklich angehm. Allerdings muss ich auch nochmal an die Stegeinlage ran, da die Oktavreinheit nicht wirklich gut ist.

Frage mich keiner, was da ab Werk für Drähte drauf waren. Die waren erstens ziemlich steif und zweitens auch schon ein wenig angerostet. Mit neuen Saiten und nachgearbeiteten Bünden stand dann einem ernsthaften Anspielen auch nichts mehr im Weg.

Die AP-5 ist überraschend laut. Sattes Bassfundament? Mal im Ernst, erwartet bei der Korpusform und -größe doch wohl niemand. Mitten? Jede Menge aber (Achtung Modewort:) transparent. Höhen? Die Gitarre ist aus Sperrholz, angeblich Sapele, was ja wohl Richtung Mahagoni geht und da können wir jetzt auch keinen seidigen Glanz obenrum erwarten. Gibt auch keinen. Dennoch lässt sich der Klang schön formen, das ist überhaupt nicht eintönig oder eine langweilige Mittenhupe.

Es ist noch Honeymoon - aber ich mal die Kleine jetzt schon.

Und weil sie so wenig Geld gekostet hat, habe ich auch noch ein Zoom G3n geordert. Das gefällt mir überhaupt nicht und geht retour.

Grüße

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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RE: Honeymoon-Review - Spielzeugwochen bei erniecaster

Ach Matthias. Das mit den 0.73er Plektren hätte ich Dir schon längst verraten, wenn Du gefragt hättest. Ich spiele die, seit mir 1983 eins in die Finger kam. Ansonsten machhst Du Spaß, oder? Hoffe ich zumindest. Wobei sie in Green Sparkle lackiert vermutlich zumindest lustig aussehen würde. :D
 
At the end of the day, a guitar is a piece of wood, and you either have good wood or bad wood. Quite often you change your pickups and electronics anyway, so really, having that little transfer on the headstock makes zero difference. (Steve Rothery)
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RE: Honeymoon-Review - Spielzeugwochen bei erniecaster

trekkerfahrer schrieb:
Ach Matthias. Das mit den 0.73er Plektren hätte ich Dir schon längst verraten, wenn Du gefragt hättest. Ich spiele die, seit mir 1983 eins in die Finger kam. Ansonsten machhst Du Spaß, oder? Hoffe ich zumindest. Wobei sie in Green Sparkle lackiert vermutlich zumindest lustig aussehen würde. :D


Hallo,

naja, die Geschichte ist eigentlich noch etwas länger. Wie gesagt, wollte ich alternativ zu meinem sonst eher großen und pfundigen Sound alternativ was Leichtes. Ich habe auch ein paar hochpreisige Akustikgitarren probiert, fand aber nichts, was mir gefallen hätte. Da kam die Idee mit den dünneren Plektren.

Ich spiele seit Ewigkeiten 1.00 mm Plektren. Vor ca. einem Jahr bin ich auf 0.88 mm runter, nachdem ich mich endlich davon frei gemacht habe, dass richtige Männer dicke Picks benutzen, weil man ja sonst keinen dicken Ton bekommt. 0.73 mm ist für mich halt schon so richtig dünn. Tja, und das ist eben der Alternativ-Sound, den ich haben wollte.

Es wäre doch auch irgendwie bescheuert, wenn ich mir noch eine teure Akustikgitarre kaufen würde, die dann auch nicht besser oder auch nur anders klingt als meine schon vorhandene Gitarre mit dünnen Picks, oder? Nachdem dieser Plan verworfen war, beschloß ich, mir tatsächlich ein Spielzeug zu kaufen.

Die Jack & Danny ist wirklich lustig, da wollte ich keinen Spaß machen. Sie erinnert mich an alte deutsche Schlaggitarren, die auch so einen eigenen Sound haben. Kann man nicht überall brauchen, für einen ganzen Abend ist das viel zu wenig und so richtig vielseitig einsetzbar ist sowas natürlich nicht. Dicker, großer Hifi-Ton ist absolut nicht drin. Aber der Besitzer eines Steinway-Flügels hat vielleicht auch Spaß an dem leicht verstimmten Honky-Tonk-Piano im Gartenhaus. Ist halt nix für Chopin, dafür klingt der Ragtime auf dem Steinway deplatziert.

Ich mag diese kleine Gitarre. Ernsthaft.

Beste Grüße

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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RE: Honeymoon-Review - Spielzeugwochen bei erniecaster

auge schrieb:
Bestell dir eine Europa beim Walter und alles ist gut....


Lieber auge,

es IST ja schon alles gut.

Beste Grüße

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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RE: Honeymoon-Review - Spielzeugwochen bei erniecaster

Haha! Sehr gut! Viel Spaß damit!
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RE: Honeymoon-Review - Spielzeugwochen bei erniecaster

Hallo,

Nachtrag zur Jack und Danny.

Ich muss dringend an die Einstellung der Saitenlage, war aber bislang zu faul dafür. Es sind auch 12er Saiten drauf und ich bin 11er gewohnt. Mit anderen Worten spielt sich die Gitarre mit "Werkseinstellung" nicht wirklich freundlich. Die Halsform allerdings ist wirklich toll und nach Einstellung dürfte somit alles gut sein. Anders formuliert ist die Gitarre ohne Nacharbeit - und ich habe ja schon Bundstäbchen an den Ecken abgerundet und etwas poliert - schlecht spielbar.

Zum Sound. Wie alle kleinen und wenig kostenintensiven Gitarren wenig Bässe, etwas nöckige Mitten und keine ganz hohen Höhen. Es ist immer ein wenig Dobro im Ton, ein bisschen Mandoline, ein bisschen Banjo und sehr wenig Unterfütterung mit Sustain. Riffs auf den Basssaiten machen Laune und wenn es ans Solieren geht, müssen Double-Stops ran, sonst wird es etwas mager. Mir macht das durchaus für einige Sachen wirklich viel Spaß. Nein, keine "Lagerfeuergitarre" für die Songbegleitung, nein, keine Gitarre für orchestrales Fingerpicking - aber durchsetzungsfähig und wie gesagt charmant.

Kommen wir zur Tonformung. Hier muss ich kämpfen. Um weiche Töne rauszuspielen, ist viel Arbeit nötig. Damit es in Maßen "schön" klingt, muss ich arbeiten. Für aggressive Töne muss ich wirklich in die Saiten dreschen. Ja, man kann dynamisch arbeiten, nein, es ist nicht einfach.

Fazit? Macht Spaß. Ist direkt nach dem Auspacken nicht spielfertig. Nicht sehr flexibel, eher was für die klangliche Nische. Das ist vor allem und insgesamt überhaupt keine Gitarre für einen Anfänger.

Soviel zur Ratio. Ansonsten: Geile Gitarre, das macht deutlich mehr Laune als eine "normalere" Gitarre der oberen unteren preislichen Mittelklasse. Für nicht mal hundert Euro einfach ein tolles Spielzeug.

Nein, dieses Mal kein Pickupeinbau.

Beste Grüße

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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