Akustik : Hummingbird-Kopie von Sigma


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schorsch27
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https://www.session.de/SIGMA-DM-SG5...MImNmL686k6AIVFqWaCh2rVgVEEAQYAiABEgKZm_D_BwE

Ich wollte eine nicht zu teure Gitarre, die ich auch mal bei Freunden oder im Wirtshaus unbeaufsichtigt in eine Ecke stellen kann, ohne in stetiger Angst vor Kratzern, Dellen oder Umfallern zu leben; das Ganze aber ohne große Kompromisse bei Klang und Ergonomie. Mein Ausschlußkriterium einer zupffreundlichen 45er Griffbrettbreite schränkte die Auswahl in dieser Preisklasse erheblich ein.

Nach diesem Vorspann hat mir mein Händler mit einer Geste der Alternativlosigkeit diese Gitarre in die Hand gedrückt. Sie ist rein äußerlich ein weitgehend originalgetreuer Nachbau der Gibson Hummingbird. Sie hat Volumen, die Zargen sind sogar noch etwas breiter als bei meiner Martin HD 16 R LSH. Hingegen ist die Mensur mit 628 mm angenehm kurz, was ein unangestrengtes und handliches Spielen ermöglicht.

In dem folgenden Link werden Original und Nachbau verglichen; Wiedergabe über HiFi-Anlage ist empfehlenswert, wenn man die Unterschiede hören will:

https://www.youtube.com/watch?v=VCvBbgVLFIo

Klanglich hat die Sigma weder die holzsatte Wärme meiner Martin noch die analytische Brillanz meiner Taylor 414 CE. Sie hebt "kultiviert" und eher samtig als perkussiv die Tiefmitten hervor und liefert Lautstärke und Sustain satt, womit sie meinen beiden anderen Kandidatinnen so ziemlich das Wasser reichen kann.

Der eingebaute Fishman Sonitone lässt sich im Schalloch weitaus bequemer bedienen als das in der Zarge liegende Piezo-Cockpit meiner Taylor. Klanglich enthalte ich mich da aber einer Beurteilung, weil ich den Sound von Piezos eigentlich generell nicht ausstehen kann – selbst wenn Herr Kottke sie mit Strom befüllt. Trotzdem wollte ich einen Tonabnehmer, einfach nur zum Lautmachen, falls das mal nötig sein sollte.

Der Original- Hummingbird mag man optisch noch eine gewisse Originalität zugute halten, aber sowas auch noch von chinesischer Hand zu kopieren grenzt so deutlich an Kitsch, dass es schon wieder Klasse hat. Optischer Overkill sind die üppigen Griffbrettmarkierungen und die weißen Griffbrettränder, die ein evtl . späteres Auswechseln der Bünde in einen Kostenrahmen treiben dürften, in dem sich eine neue Gitarre bewegt. Liebend gerne hätte ich das neckisch bevögelte Schlagbrett durch ein neutraleres ersetzt, aber dazu ist es zu großflächig. Seis drum, man gewöhnt sich an alles, die sonstigen Qualitäten der Gitarre machen die Cowboy-Optik mehr als wett. Decke, Zargen und Boden sind für eine Gitarre in dieser Preiskategorie hervorragend verarbeitet.

Dass das Griffbrett aus Micarta ist, hätte ich vielleicht garnicht gemerkt, wenn ichs nicht gewusst hätte. Das erwartete Plastik-Feeling hat sich nicht eingestellt. Mag sein, dass das im Sommer mit schwitzigeren Fingern anders ist. Etwas Nacharbeiten fielen für meinen Händler an: die hohe E-Saite lag zu tief und ein Bund war nicht ganz sauber gearbeitet. Ein paar Klebereste im Inneren hab ich problemlos selber entfernen können und die Inbusschraube für den Stahlstab ist etwas schwergängig – was aber besser ist als umgekehrt.

Der Hals ist angenehm flach und erinnert mich an meine Taylor. Mit dieser baugleich dürften auch die Mechaniken von Grover sein: supergenau ohne jegliches Spiel und weich wie Butter, sodass man das ständige Umstimmen von Standard noch Open E, G oder D garnicht erwarten kann. Der flache Griffbrettradius taugt gut zum Sliden, was aber oberhalb des 14. Bundes baubedingt etwas schwierig wird.

Trotz der genannten Kritikpunkte kann ich diese Gitarre nur wärmstens empfehlen. Ich habe in diesem Preisbereich noch keine derart solide Klampfe in der Hand gehabt (was aber nichts heißen muß :) )

Gruß Markus
 
bebob
bebob
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44,5 Griffbrettbreite am Sattel ist auf jedenfall auch für mich ein Kaufargument. Auch eine kürzere Mensur ist aus meiner Sicht von Vorteil, es sei denn, man hat echt sehr lange Finger. Weshalb Fender so eisern an seiner "Fendermensur" festhält, ist schon merkwürdig. Lediglich die Einsteigerinstrumente, wie die Mustang, haben diese eigentlich für Viele, die angenehmere Mensur. Dass eine Gitarre mit kurzer Mensur nicht klingen kann (frag mal Brain May), ist das gleiche Ammenmärchen, wie, "mit 12er Saiten kriegste erst den Ton" Gewäsch.

Schade finde ich, dass das Griffbrett mit Micarta bestückt ist. Micarta schwindet nicht, verzieht sich nicht, usw. Wer es mag, ok.
In dieser Preisklasse kann man echtes Holz verwenden, sogar einheimische Hölzer, wie zB Walnuss, wird für die Einsteigergitarren in der Akustikwelt verwendet. Auch Eiche kann gut als Griffbrettmaterial verarbeitet werden. Eichenholz gibt es als Parket oder als Dielenbretter zu kaufen, da sollte auch für Griffbretter genug verfügbar sein.
 
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Norbert.R
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Ich bin
Gitarrist
Ich habe ebenfalls vor etwa einem halben Jahr eine Sigma DM SG5 erworben und kann mich allgemein in Sachen Verarbeitung, Lack, Solidität des Korpus nur anschliessen, und das als sehr gut bezeichnen. Klanglich wirklich zu empfehlen wenn man einen deutlich vom heutige überwiegend höhenbetonten Sound verschiedenen, eher mittenbetonten Sound mit durchsetzungsfähigen Bässen sucht. Da ist sie dem eine velfaches teureren Gibson Vorbild sehr ähnlich.

Die Kurze Mensur wie beim Original sehe ich auch absolut als Vorteil.

Was an meinem Exemplar allerdings völlig unbrauchbarer Mist war, ist der Sattel der Gitarre. Was sicher kein Einzelfall ist. Wenn man die Erfahrung gemacht hat und weiß worauf man achten muss, fällt einem tatsächlich auf allen im Internet Vorhandenen Produktduktfotos auf, daß die Hohe E-Saite am Sattel fast am Rande des Griffbretts schon über dem Binding verläuft. Die Hohe E-Saite ist damit quasi nicht bespielbar. Die 44,5 er Sattelbreite reicht für einen Abstand der Saiten untereinander von gemessen 7,4 mm mm definitiv nicht aus. Ich hatte diesbezüglich auch Kontakt mit dem Sigma Customerservice. Die bedankten sich herzlich - ich hoffe Sie haben diesbezüglich auch was verbessert. Ich habe den werksseitigen Sattel, gegen einen mit Martinspezifischem Stringspacing ausgetauscht damit ist die Gitarre fantastisch. Zudem mussten auch die Halsbindings abgerundet und poliert werden, damit man sich daran keine Schwielen holt.

Also eine Gitarre, zum fertig bauen. Wenn man das nicht selber kann (das heisst Sattelfeilen im Werkzeugkasten hat), muss man sich bewusst sein, daß die notwendigen Arbeiten, um die Gitarre auch perfekt bespielbar zu machen durchaus mit weiteren 100-200 € zu Buche schlagen können. Bei einem guten Einkauf, ich erwarb das Exemplar für 540,-€ kommt man dann rechnerisch wieder ungefähr auf den Herstellerlistenpreis.
 
 
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