Cimar Modell 2070MH - Das Ende der gro├čen Unbekannten

DerOnkel

Power-User
26 Nov 2004
294
16
Ellerau
Cimar Modell 2070MH - Das Ende der gro├čen Unbekannten

Einleitung

Nichts ist mir mehr verha├čt, als im Besitz eines Instrumentes zu sein und nichts dar├╝ber zu wissen! Wer damals - also in den sp├Ąten 70ern und fr├╝hen 80ern - als Anf├Ąnger nach einer Elektrogitarre suchte, kam leicht in Gefahr, nicht wirklich etwas ├╝ber seinen Kauf zu wissen. Die Begr├╝ndung daf├╝r ist recht einfach:

Zum einen hatte man als kleiner Sch├╝ler nicht das Geld, um sich eine originale Gibson oder Fender leisten zu k├Ânnen. Folglich kamen nur Produkte der "billigen" Hersteller in Frage. Hier war auch damals schon der Markt recht un├╝bersichtlich und die Grenze zwischen brauchbar und Schrott war flie├čend. Aus dieser Zeit haben nur wenige Hersteller ├╝berlebt. Wer die "unglaublichen" Elektrogitarren von "Asco" noch kennt, ist wohl froh, da├č er sie heute nicht mehr kennen mu├č.

Zum anderen waren, au├čer ein paar raren Prospekten und manchmal zweifelhaften Aussagen der Verk├Ąufer, kaum Informationen ├╝ber die Instrumente verf├╝gbar. Dar├╝ber hinaus hat einen das in der Regel auch nicht wirklich interessiert. Hauptsache man hatte eine und sie war nicht so teuer gewesen!

Heute sieht das zum Gl├╝ck ganz anders aus. Im Zeitalter des schnellen Internet hat jeder Hersteller, der auch nur ein wenig auf sich h├Ąlt, eine entsprechende Pr├Ąsenz, auf der man zu jeder Zeit entsprechende Informationen abrufen kann. Dann sind da noch Foren, User-Groups und diverse Seiten von Privatleuten, die sich mit bestimmten Instrumenten besch├Ąftigen und die Ergebnisse ver├Âffentlichen. Wer heute also unwissend einen Kauf t├Ątigt, ist selber schuld, denn noch nie war es so einfach sich schnell Informationen und Meinungen zu einem bestimmten Produkt zu beschaffen. Man mu├č nur wollen!

Im Hinblick auf die Anwendung einer Elektrogitarre ist es gestern wie heute immer noch vollkommen ausreichend, wenn man das betreffende Instrument vor sich hat und am Verst├Ąrker ausprobieren kann. Wenn es gef├Ąllt, dann sind Namen eigentlich Schall und Rauch. Es gibt nat├╝rlich auch unter den Gitarristen Leute, die unbedingt "den Stern auf der Haube" oder die "Ringe am K├╝hler" haben m├╝ssen. Die zahlen dann mit sch├Âner Regelm├Ą├čigkeit drauf, denn ihren Namen lassen sich die gro├čen Hersteller gerne auch ohne zus├Ątzliche Leistungen bezahlen!

Der Weg zur Cimar

Des Onkels erste Elektrogitarre war eine wundersch├Âne weinrote japanische Kopie der Fender "Stratocaster" von "Oakland", wie sie im folgenden Bild dargestellt ist:

OklandStrat.jpg

Bild 1: Eine Oakland-Strat-Kopie von 1979

Es war der klassische Blindkauf, wie er wohl von jedem Anf├Ąnger durchgef├╝hrt wird, der einfach nur eine Elektrogitarre haben m├Âchte und nur ├╝ber beschr├Ąnkte Kenntnisse und Budget verf├╝gt. Immerhin hatte ich das Gl├╝ck schon ├╝ber einige Jahre "akustische" Erfahrungen zu verf├╝gen, aber was hei├čt das schon? Sie klang, wie eine E-Gitarre wohl klingen mu├čte, sie sah gut aus (fand der Onkel zumindest) und ich konnte sie bezahlen! Im Vorwege hatte ich bereits schon einige andere Strats in einem lokalen Musikgesch├Ąft ausprobiert (ja, so ein typischer Provinzladen mit Orgelunterricht und Hohner-Kindergitarren), aber die sagten mir alle nicht zu, was nicht nur am Preis lag.

Mit 595 DM lag die Oakland schon am oberen Ende der Einsteigerklasse, die damals bei 250 DM begann. Da├č man f├╝r so einen Preis nur teures Feuerholz erhielt, hatte ich gl├╝cklicherweise schon begriffen. "Fender" und "Gibson" waren gut, da├č hatte ich ebenfalls schon gelernt. Leider konnte ich auch lesen und wu├čte, was sich in meinem Portemonnaie befand. Also...

├ťber den Hersteller "Oakland" wu├čte ich damals nichts und es hat mich ehrlich gesagt auch nicht interessiert. Also her mit dem Teil, einen Koffer noch dazu und 10 Meter Kabel und dann pleite nach Hause. Heute ist mir zumindest bekannt, da├č viele Oakland-Gitarren ebenfalls in der japanischen Gitarrenmanufaktur Matsumoku produziert wurden. Es w├Ąre aus heutiger Sicht sicherlich interessant, sich diese Strat genauer anzusehen. Leider habe ich sie 1981 verkauft, um auf meine Aria Pro II ES-700 umzusteigen zu k├Ânnen.

Gleichwohl ich mit der ES-700 nach wie vor sehr zufrieden bin, ging mir die Strat doch nicht aus dem Kopf. 1983 habe ich dann zuf├Ąllig eine braune Stratocaster-Kopie bei Zinngrebe in Hamburg entdeckt. Aufgrund eines Lackschadens, war der Preis von 650DM auf 495DM runtergesetzt worden. Da├č da noch mehr "im Busche" war, was mir damals aber mangels Erfahrung nicht auffiel, ist hier nachzulesen.

Ich mu├č wohl etwas z├Âgerlich gewesen sein, denn der Verk├Ąufer beeilte sich mir mitzuteilen, da├č "Cimar" ein Ableger der japanischen Marke "Ibanez" sein und da├č diese Strat baugleich mit der Blazer-Serie w├Ąre. "Ah!", dachte ich, denn sowohl "Ibanez" als auch die "Blazer" waren mir ein Begriff und da mir das Instrument sowohl vom Klang, als auch von der Handhabung her gefiel, habe ich sie eben gekauft. Hier ist sie:

CimarStrat.jpg

Bild 2: Die Cimar-Strat von 1983 im baulichen Zustand vom Oktober 2008

Seitdem ist sie f├╝r mich immer die "Cimar-Strat" gewesen. Wie man dem Bild entnehmen kann, befindet sie sich nicht mehr im Originalzustand. Sie hat bis heute insgesamt 3 Modifikationen ├╝ber sich ergehen lassen m├╝ssen.

Die Entwicklung der "Stratocaster" bei "Cimar"

Wer nach Informationen ├╝ber "Cimar" sucht, der wird auch heute leider feststellen, da├č das Angebot sehr d├╝nn ist. Es gibt im Internet nur sehr wenige Seiten auf denen die entsprechenden Instrumente erw├Ąhnt werden. Sie stehen h├Ąufig im Zusammenhang mit "Ibanez" und werden in der Regel nur am Rande erw├Ąhnt. Es gibt leider keine Community, die sich die Instrumente von "Cimar" auf die Fahne geschrieben hat. Wer also noch ein Forschungsgebiet im Bereich der Gitarrengeschichte sucht, der findet hier ein anspruchsvolles T├Ątigkeitsfeld.

Unl├Ąngst sind mir jedoch ein paar Informationen zugeflogen, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Ganz offensichtlich handelt es sich bei "Cimar" um eine durchaus eigenst├Ąndige Marke hinter der sich vermutlich auch ein eigener Hersteller verbirgt. Gleichwohl man ├╝ber die Jahre eine ganze Reihe von Instrumenten findet, die eine direkte N├Ąhe oder gar eine absolute Vergleichbarkeit mit bestimmten Modellen von "Ibanez" aufweisen, existieren auch eine ganze Reihe anderer Gitarren, die man so niemals bei "Ibanez" findet.

Nach Aussage von Jeff Hasselberger, einem ehemaligen Elger-Mitarbeiter, der von 1973 bis 1982 auch ma├čgeblich an der Modellentwicklung bei "Ibanez" beteiligt war, hat "Cimar" f├╝r "Ibanez" einige einfache Kopien verschiedener Fender-Instrumente produziert. Im Gegenzug vertrieb "Hoshino" als Eigner der Marke "Ibanez" unter dem Label "Cimar by Ibanez" einige Modelle aus dem Einsteigerbereich. Damit erkl├Ąrt sich auch die teilweise identischen Modelle beider Hersteller. Hinzu kommt, da├č damals wie heute nur eine handvoll Fabriken existierte, die Instrumente f├╝r verschiedene Marken produzierten. Es ist also durchaus wahrscheinlich, da├č die "gleichen" Modelle von "Ibanez" und "Cimar" auch aus der gleichen Fabrik stammen.

In meinem Datenbestand finden sich erste Hinweise auf Cimar-Instrumente im Jahre 1975. Letzte Informationen stammen aus dem Jahre 1983. Hinweise auf diese Instrumente findet man sowohl im deutschen Sprachraum als auch in Australien. Damit ist gesichert, da├č der Hersteller oder die Marke "Cimar" f├╝r zumindest 8 Jahre auf dem Markt durchaus auch weltweit akiv war. Es handelt sich also definitiv nicht um eine Hausmarke, die speziell f├╝r den deutsch Markt geschaffen wurde, wie in einigen Quellen zu lesen ist.

Damit sollen die allgemeinen Betrachtungen zu "Cimar" abgeschlossen sein. Beschr├Ąnken wir uns nun auf die Kopien der "Stratocaster", die "Cimar" im Laufe der Jahre auf den Markt gebracht hat:

Der Reigen beginnt mit den Modellen "1940" und "1967", die nachweislich von 1975 bis 1977 produziert wurden.

CimarElectric1976.jpg

Bild 3: Cimar Modelle 1940 und 1967 (mitte) aus den Jahren 1975 bis 1977

In der Spezifikation wird sich ├╝ber die verwendeten H├Âlzer vornehm ausgeschwiegen. Lediglich beim Modell "1967" wird von einem einteiligen Ahornhals gesprochen. Bei "Ibanez" findet man aus dieser Zeit das Modell "2375" Hier wird ein Korpus aus Mahagoni mit aufgesetzter Birkendecke und Ahornhals erw├Ąhnt. Lediglich das Modell "2375ASH" bestand aus einem reinen Eschekorpus. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, da├č das Modell "1940" ebenfalls die f├╝r eine Strat ungew├Âhnliche Mahagoni-Birke-Kombination verwendet wurde.

Formal waren diese Cimar-Modelle aus optischer Sicht deutlich n├Ąher am Original, denn "Fender" hat noch nie eine Trussrod-Abdeckung bei der "Stratocaster" verwendet. "Ibanez" schon!

1979 hatte man der eigenen Strat ein kleines Facelifting verordnet. Der Korpus wirkte jetzt etwas gedrungener und weicht deutlich von den Proportionen einer "Stratocaster" ab. Die zwei Instrumente firmierten nun unter der Bezeichnung "XR-Serie".

CimarXRSerie1979.jpg

Bild 4: Die Cimar XR-Serie aus dem Jahre 1979

Auch hier findet man beim Modell "2075" einen Mahagonikorpus der auch mit einer Decke aus "Judas-Wood" versehen sein konnte. Vermutlich wurde die Verwendung beider H├Âlzer nur durch die Verf├╝gbarkeit bestimmt, wie man es auch noch heute bei verschiedenen Instrumenten von "Epiphone" findet. Das Modell "2076" verwendete wieder die klassische Esche. Beide Modelle wurden mit der sogenannten "XR-Bridge" ausger├╝stet, einer speziellen Konstruktion, die Saitenreiter aus Messing verwendete. Auf eine Vibratoeinheit wurde, vielleicht aus Kostengr├╝nden, verzichtet, was f├╝r die n├Ąchsten Jahre bei der "Strat" wohl Programm sein sollte.

Die XR-Serie zeigt auch bei "Cimar" den seit dem Lawsuit bei vielen japanischen Herstellern zu beobachtenden Trend hin zu eigenst├Ąndigen Modellen. Hier fand sich auch erstmals ein etwas schlankerer Kopf.

1980 findet sich das Modell "2077" als direkte Kopie des Originals. Auch hier wurde wieder Mahagoni oder "Judas-Wood" als Korpusholz verwendet. Eigenst├Ąndigkeit demonstrierte man hingegen mit der neuen "Stinger-Serie":

CimarElectric1980Stinger.jpg

Bild 5: Cimar Stinger-Serie aus dem Jahre 1980

Jetzt hatte der Korpus aus massiver Esche wieder die gewohnten Proportionen der Strat, allerdings hatte man der "Stinger" eine schlankere Taile spendiert. Erstmalig bot man jetzt mit dem Modell "2095" auch eine Version mit zwei Humbuckern an, w├Ąhrend das Modell "2096" ├╝ber die drei "klassischen" Single-Coils verf├╝gte. Beide Modelle betraten auch aus elektrischer Sicht Neuland, denn ein Phasenumkehrschalter war bis dahin nur bei wenigen Instrumenten zu finden. Wie schon bei der "XR-Serie" wurde die "Stinger" ebenfalls mit Saitenreitern aus Messing ausger├╝stet, wie es zu dieser Zeit auch bei Instrumenten vieler anderer Hersteller der Fall war.

1982 schien man sich wieder auf die klassische Form der "Stratocaster" besonnen zu haben. Allerdings wurde jetzt wieder Mahagoni f├╝r den Korpus verwendet.

CimarElectric1982.jpg

Bild 6: Cimar Modelle 2070, 2071 und 2072 aus dem Jahre 1982

Damit sind wir auch schon im Jahre 1983 angelangt. Jetzt tragen die Strat-Kopien die Bezeichnungen "2100", "2105" und "2125" und geh├Âren zur "Cimar Electric Guitar-Series". Der Korpus hat wieder eine leichte Modifikation bei den Cutaways erfahren. Er wirkt, zumindest auf den Fotos, wieder etwas gedrungener.

CimarElectric1983.jpg

Bild 7: Cimar Modelle 2100, 22105 und 2125 aus dem Jahre 1983

Im Katalog kann man ├╝ber diese Serie folgendes lesen:

...getting back to a basic guitar without all the special electronic circuitry and fancy flashing lights, just pure and simple electric guitar...

Hier findet sich in den Modellen "2105" und "2125" erstmalig wieder eine Vibratoeinheit. Die Saitenraiter aus Messing wurden ersatzlos gestrichen und durch solche der normalen Bauform ersetzt. Gleichwohl man sich damit wieder deutlich in Richtung originaler "Stratocaster" bewegte, blieb der interessierten Kundschaft der Korpus aus Mahagoni generell erhalten. Interessanterweise wurde hier auf die bei der Strat ├╝bliche zweite Tonblende verzichtet.

Wer sich diese Modelle genauer ansieht, dem f├Ąllt sofort eine gro├če ├ähnlichkeit mit der "Blazer" von "Ibanez" auf, die um 1981 erstmalig auf dem Markt erschien.

IbanezBlazerBL100TV.jpg

Bild 8: Ibanez BL-100TV

Neben dem Korpus besteht die gr├Â├čte Gemeinsamkeit bei der Kopfplatte. H├Ątte man auf einen Hals des Modells "2100" das Decal der "Blazer" aufgebracht, so w├╝rde man wahrscheinlich keinen Unterschied bemerkt haben.

Damit ist unser kleiner Ausflug in die Geschichte der Cimar-Strat (vorerst beendet).

Das Geheimnis wird gel├╝ftet

Wer bis jetzt aufmerksam gewesen ist, der wird beim Betrachten von Bild 6 gedacht haben: "Hoppla, die kenne ich doch!" So erging es auch dem Onkel! Und tats├Ąchlich ist in diesem Bild meine "Cimar-Strat" abgebildet. Es handelt sich also um das Modell 2070MH aus dem Jahre 1982. Das pa├čt, denn ich hatte die Strat ja 1983 gekauft. Nachfolgend die Spezifikationen der Modelle 2070 und 2071 laut Katalog:

Cimar2070Spec.gif

Tabelle 1: Spezifikation der Cimar 2070 und 2071

Als ich damals meine 2070 gekauft habe, hatte der H├Ąndler auch eine Version mit Vibrato im Angebot. Der entsprechende Katalog scheint also nicht vollst├Ąndig zu sein. Aber vielleicht hilft ja die Zeit...

Was ha'm wir denn?

Es ist schon ein komisches Gef├╝hl, wenn man sich nach nunmehr 25 Jahren erstmalig so richtig mit seinem Instrument besch├Ąftigt! Aber wie hei├čt es doch so sch├Ân? "Besser sp├Ąt, als nie!" Fangen wir also an:

Mechanisches:

Von der Optik her ist klar, was man da vor sich hat: Einen waschechten Klon der "Stratocaster". Lediglich der Kopf wurde etwas modifiziert und statt der Vibratoeinheit verf├╝gt die 2070 ├╝ber eine "Fixed Bridge" mit Saitenreitern aus Messing. Nimmt man das Instrument in die Hand, so f├Ąllt einem sofort das Gewicht auf. Mit 4,2kg ist die 2070 ein echtes Schwergewicht, was mit Sicherheit dem massiven Korpus aus Mahagoni zuzuschreiben ist.

Der einteilige Hals besteht aus Ahorn mit einem aufgesetzen Griffbrett aus dem gleichen Holz. Die Breite betr├Ągt gut 40mm am Sattel und 55mm am unteren Ende des Griffbretts. Der Sattel selber besteht aus Plastik, wie es bei einem Instrument dieser Preisklasse durchaus nicht ungew├Âhnlich ist.

Cimar2070HalsMass.jpg

Bild 9: Die Halsbreite am Sattel und am Ende des Griffbrett

Der Hals ist meiner Meinung nach eines der bemerkenswerten Features dieses japanischen Instrumentes. Meine Oakland hatte einen richtigen "Pr├╝gel", vermutlich ein fettes C-Profil. Die 2070 verw├Âhnt den Musiker mit einem relativ d├╝nnen und flachen D. Die Dicke des Halses betr├Ągt am Sattel rund 18mm und w├Ąchst bis zum 12. Bund auf 20mm an. Insgesamt also eine sehr bequeme Sache, was seinerzeit f├╝r mich der Hauptgrund des Kaufes war. Der Hals liegt einfach gut in der Hand!

Mit diesem Eindruck stehe ich anscheinend nicht alleine, denn bei Harmony-Central kann man in einem Review lesen:

The neck and the action are the strong points of this guitar, just beautiful to plan and as good to play as a USA Fender.... the action is a dream and guitar is pretty well finished.
Da die Kopfplatte etwas breiter als der Hals ist, wurde hier ein St├╝ck Ahorn angeleimt, was vermutlich bei vielen Strats so gemacht wird. Er ist deutlich schlanker, als beim Vorbild und in dieser Form auch bei einigen Instrumenten von Ibanez zu finden.

Cimar2070Kopf.jpg

Bild 10: Der Kopf der 2070

Die Saiten werden von sechs einfachen Mechaniken gehalten, die lediglich durch eine Staubschutzkappe gesch├╝tzt werden. Das verwendete Material scheint jedoch ├╝ber eine vern├╝nftige H├Ąrte zu verf├╝gen, denn die Mechaniken arbeiten auch heute noch einwandfrei. Der Achsdurchmesser einer Mechanik betr├Ągt 6mm und wird in einer Einpre├čh├╝lse gelagert, die in einer 8,5mm Bohrung steckt.

Cimar2070Mechaniken.jpg

Bild 11: Die Mechaniken der 2070

Der Korpus besteht vollst├Ąndig aus Mahagoni. Wenn man sehr genau hinsieht, dann ist zu erkennen, da├č insgesamt drei Teile verwendet wurden. Das einlagige schwarze Pickguard wird mit insgesamt 8 Schrauben am Korpus befestigt. "Fender" benutzt hier bekannterma├čen 11 Schrauben.

Cimar2070Korpus.jpg

Bild 12: Der Korpus der 2070 im Dezember 2008

Elektrisches:

Auch im Hinblick auf die verwendete Gitarrenelektronik weicht die 2070 nicht vom Original ab: Ein Lautst├Ąrkeeinsteller und je eine Tonblende f├╝r den Hals-und Mitteltonabnehmer. Der stets h├Âhenlastige Stegtonabnehmer braucht ja bei "Fender" schlie├člich auch kein "Tone".

Die Tonabnehmerauswahl erfolgt mit dem bekannten Blade-Switch mit f├╝nf Positionen, der die f├╝r eine Strat typischen Tonabnehmerkombinationen erm├Âglicht.

Im Inneren findet man drei Potentiometer mit einem Kennwiderstand von 250kOhm und logarithmischer Charakteristik. Irgendwelche Abschirmma├čnahmen sucht man, wie bei so vielen "Stratocasters", leider vergeblich.

Bei den drei Tonabnehmern f├Ąllt auf, da├č sich auf der Unterseite ein gro├čer "Klotz" befindet. Hier finden wir also eine erste wesentliche Abweichung, denn Cimar verwendet hier, vermutlich aus Kostengr├╝nden, balkenf├Ârmige Ferritmagnete. In den Spulen selber sitzen also keine AlNiCo-Magnete, sondern jeweils sechs einfache Weicheisenkerne.

Cimar2070Pickup.jpg

Bild 13: Ein Single-Coil der 2070

Man sollte diesem Unterschied allerdings keine so gro├če Bedeutung beimessen. Nat├╝rlich hat das Magnetfeld einen leicht anderen Verlauf. Vergleichende Simulationen haben jedoch gezeigt, da├č sich die klangrelevante magnetische Breite nicht signifikant ver├Ąndert. Lediglich die Weicheisenkerne f├╝hren zu einem h├Ârbaren Unterschied, denn aufgrund ihrer Leitf├Ąhigkeit entstehen dort Wirbelstr├Âme, die sich als D├Ąmpfung der G├╝te auswirken und so die Spitze der Resonanz etwas verringern.

Die Wicklung ist ziemlich massv ausgef├╝hrt und offensichtlich gewachst oder in Lack getaucht worden. Mikrofonie kennt dieser Single-Coil also nicht. Das bekannte Brummen nat├╝rlich schon, aber wie kann man immer lesen: "Wenn es nicht brummt, ist es kein richtiger Single-Coil!", eine Meinung, die ich ├╝brigens nicht unbedingt teile!

Ich habe die Tonabnehmer vor einiger Zeit im Labor mit Hilfe einer Me├čbr├╝cke charakterisiert und dabei folgende Daten ermittelt:
  1. Induktivit├Ąt: 2,77H
  2. Kapazit├Ąt: 82pF
  3. Gleichstromwiderstand: 4,74kOhm
Mit der typischen Beschaltung und einer kapazitiven Last von 700pF ergibt sich eine Resonanzfrequenz von 3,155kHz mit einer Spitze von 4,7dB, was einer G├╝te von 1,67 entspricht. Damit liegt dieser Single-Coil gleichauf mit dem "Tex-Mex Strat Pickup (Middle)" von "Fender". Seine Resonanz liegt unter der gleichen Bedingung bei 3,162kHz / 4,3dB. Wenn man sich vor Augen f├╝hrt, da├č "Fender" in den Tonabnehmern seiner Mexico-Modelle ebenfalls Weicheisenkerne mit zwei darunterliegenden Balkenmagneten verwendet (P-90-Aufbau), dann wird klar, da├č die beiden Tonabnehmer absolut vergleichbar sind.

Wie es klingt

Tja, wie klang die 2070 denn damals im Jahre 1983? Heute sind andere Tonabnehmer nebst einer umf├Ąnglichen Modifikation der Elektronik im Instrument enthalten. Es ist also nicht einfach den originalen "Sound" zu beschreiben.

Fakt ist, da├č ich die Cimar damals gekauft habe, weil ich den Klang einer "Stratocaster" wieder haben wollte und denn hat sie, trotz Mahagonikorpus, auch gebracht. Sie ist nicht so grell schreiend wie eine alte Strat aus den 50ern, was man auch schon den elektrischen Daten der Tonabnehmer entnehmen kann. Ich habe sie in den letzten Jahren immer dann eingesetzt, wenn ich den besonderen Sound einer Strat ben├Âtigte. Alte Aufnahmen von diesen Eins├Ątzen habe ich im Moment leider nicht gefunden.

Allerdings gibt es ein Tondokument aus dem Jahre 1984. Hier habe ich die 2070 zusammen mit einem Mesa Boogie Mark II im Ougenweide-Studio in Hamburg im Rahmen eines Chorprojektes kurz gespielt. Hier die Aufnahme:

2070 goes Solo

Das war zugegeben nicht ganz "mein" Sound, aber Wolfgang Henko, der das Projekt damals als Tontechniker betreute, wollte das so haben.

Fazit

Mit einem Neupreis von 650 DM geh├Ârte das Modell 2070 von "Cimar" damals schon zur "Upper Class" der Kopien. Verglichen mit meiner "Oackland" war sie f├╝r mich ein deutlicher Fortschritt und hat mich auch zur├╝ck zur Strat gebracht. Vergleicht man diese Strat mit der etwas teureren "Blazer" von "Ibanez", so ist festzustellen, da├č sich die 2070 keinesfalls verstecken mu├č!

Wer heute speziell nach einer Mahagoni-Strat sucht, der findet hier ein gutes Instrument. Allerdings ist eine Beschaffung heute nicht mehr ganz einfach. Zum einen ist das Angebot auf dem Markt relativ klein und zum anderen scheinen doch einige Leute ├╝ber die Qualit├Ąt dieser Instrumente informiert zu sein. Ganz billig wird man also nicht zum Ziel kommen, sondern man sollte sich auf 150 bis 300 Euro gefa├čt machen.

(Der vollst├Ąndige Artikel ist ebenfalls in der Knowledgebase der Guitar-Letters zu finden.)

Ulf
 
Hi Ulf,

ne Cimar hatte ich auch mal. Ganz in natur, wie das Modell hier in der Mitte - incl. dem 'Aschenbecher'
Damals, ich glaube es war '78, oder '79 neu gekauft im Angebot. Ich wei├č nur noch, dass ich heftig auf dem extrem hochglanz lackierten Hals regelrecht rumgerutscht bin - starker Handschwei├č eben. Das ging nicht lange gut und ich hab sie gegen eine Luxor Strat eingetauscht. Der damalige Kollege hat sie heute immer noch, er spielt sie mit abgebeiztem Hals :lol:

CimarElectric1976.jpg
 
Super Recherche- Arbeit! Danke!
Bei der Erw├Ąhnug der Blazer kommt bei mir etwas Wehmut auf und ich w├╝nschte, ich h├Ątte meine BL350 damals nicht verkauft...
 
Lieber guter Onkel!

Vielen Dank f├╝r diesen tollen Bericht!!! Jetzt wei├č ich auch mehr ├╝ber meine Cimar Strat. Es ist demnach eine 2070, allerdings mit einem vintage Trem und damals verchromten Reitern.
 
DerOnkel":g5lueyuy schrieb:
IbanezBlazerBL100TV.jpg

Bild 8: Ibanez BL-100TV

Exakt diese Gitarre habe ich einmal besessen. Irgendwann habe ich sie verschenkt an jemand, der ein paar Fr├Ąsarbeiten (Humbucker) daran vorgenommen hat.

Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.

Da hier von der Blazer die Rede ist noch ein kleiner Schlenker:

1997 brachte Ibanez die Blazer-Reissue heraus. Es gab zwei Modelle, die BL-850 und die BL-1050.

http://news.harmony-central.com/Newp/SN ... lazer.html

V├Âllig untersch├Ątzte, absolut gro├čartige Gitarren. 2-teilige, fein gemaserte Erle-Bodies, ein tolles, ziemlich fettes Halsprofil, Halsr├╝ckseite unbehandelt, Gotoh-Hardware bzw. Wilkinson-Hardware und Sperzel-Tuner.

Wem die Ibanez-Pickups (V7, V8) nicht gefallen, der baut was anderes ein, 2 P90 und einen guten SC in die Mitte, oder aber 3 SC`s.

Ich besitze eine BL-850 mit drei Leosounds-PU┬┤s, das ist jetzt eine Strat, die ich gegen keine Fender aus aktueller Produktion eintauschen w├╝rde, das ist nicht ├╝bertrieben.

Meines Wissens beendete Ibanez mit dieser Blazer Reissue-Serie endg├╝ltig das Zeitalter der Kopien und wandte sich ausschlie├člich eigenen Kreationen zu.

Tom
 
DerOnkel":z6y8wq9i schrieb:
Sascha┬┤s Strat":z6y8wq9i schrieb:
Jetzt wei├č ich auch mehr ├╝ber meine Cimar Strat. Es ist demnach eine 2070, allerdings mit einem vintage Trem und damals verchromten Reitern.
Da t├Ąten mich nat├╝rlich ein paar B├╝lder interessieren... ;)

Ulf

biddesehr!

Schlumpfblau und etwas verbaut...

4897.jpg


ich w├╝rde sie gerne in den Originalzustand zur├╝ckverstzen....
 
little-feat":19sbx6gs schrieb:
Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.
Bei einer Ibanez Blazer? Da bin ich aber sehr erstaunt, denn dieses Modell stammt aus den 80ern. Da sollten solche Schandtaten eigentlich Geschichte gewesen sein!

Sascha┬┤s Strat":19sbx6gs schrieb:
Schlumpfblau und etwas verbaut...
Von den Bedienelementen und der Farbe her, w├╝rde ich auf eine 2070 tippen. Allerdings st├Ârt mich da das Vibrato. Das f├╝hrt dann zu einer 2077 aus dem Jahre 1980 die es in BK, BS und WH gab. Wenn BS f├╝r blau steht, sollte einiges klar sein. Es bleibt dann die Frage des Korpusholz zu kl├Ąren. Bei der 2077 w├Ąre das Mahagoni oder Judas-Wood. Wie letzteres aussieht wei├č ich leider nicht. Vielleicht kann Walter hier ja helfen?

Frage hat Deine Cimar eine Seriennummer auf der Halsplatte?

Sascha┬┤s Strat":19sbx6gs schrieb:
ich w├╝rde sie gerne in den Originalzustand zur├╝ckverstzen....
Dann ben├Âtigst Du einen anderen Neck-PU. W├Ąre interessant, wie die Dinger von unten aussehen. B├╝lder??

Ulf
 
Die PUs sind alle nicht mehr original. Am Hals ist ein Lace Sensor Gold, ehemals der Mittel-PU einer Fender Highway One Tele, die beiden anderen sind nachtr├Ąglich eingebaute Shadows mit Inbusschrauben als Polepieces.
Zwei original PUs habe ich noch.

Die Mechaniken waren damals grottig, wackelig und ungenau. Hab sie vor ein paar Jahren gegen Klusons getauscht.

Der Korpus scheint Mahagoni zu sein, unter den Lackplatzern schimmert es r├Âtlich durch. Die Gitarre ist f├╝r eine Strat auch verh├Ąltnism├Ą├čig schwer- spricht ebenfalls f├╝r Mahagoni.

Eine Seriennummer ist nirgendwo vermerkt, leider.
Ich habe die Gitarre 1983 bekommen und damals als 12 J├Ąhriger selbst im Laden aussuchen d├╝rfen. Ich war stolz wie Oskar.


Die Gitte steht grad im Proberaum, wenn ich im Januar wieder hinkomme, nehm ich sie mit nach Hause und mach noch mal gescheite Fotos
 
Sascha┬┤s Strat":2m8gyvi1 schrieb:
Zwei original PUs habe ich noch.
GROSSE B├╝lda?

Sascha┬┤s Strat":2m8gyvi1 schrieb:
Der Korpus scheint Mahagoni zu sein, unter den Lackplatzern schimmert es r├Âtlich durch. Die Gitarre ist f├╝r eine Strat auch verh├Ąltnism├Ą├čig schwer- spricht ebenfalls f├╝r Mahagoni.
Das spricht dann alles f├╝r eine 2077BS aus 1980!

Ulf
 
DerOnkel":1mmeq9gp schrieb:
Das spricht dann alles f├╝r eine 2077BS aus 1980!

Ulf

28 Jahre!!! Dann kann ich ja bald ein H-Kennzeichen beantragen... :mrgreen:

Die Kopfplatte hat ├╝brigens das typische 80er Jahre Ibanez Design. Hilft das weiter?
 
DerOnkel":3d4w40p2 schrieb:
little-feat":3d4w40p2 schrieb:
Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.
Bei einer Ibanez Blazer? Da bin ich aber sehr erstaunt, denn dieses Modell stammt aus den 80ern. Da sollten solche Schandtaten eigentlich Geschichte gewesen sein!

Das sehe ich auch so.
Meine Blazer 350 hatte einen Erle- Body und einen one- piece- maple- neck.
 
DerOnkel":224j8i85 schrieb:
little-feat":224j8i85 schrieb:
Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.
Bei einer Ibanez Blazer? Da bin ich aber sehr erstaunt, denn dieses Modell stammt aus den 80ern. Da sollten solche Schandtaten eigentlich Geschichte gewesen sein!

Irrtum ausgeschlossen. Ich habe sogar noch ein Foto gefunden. Es war ├╝brigens kein Schichtholz, es war eine Art Spanplatte. Zumindest von gleicher oder ├Ąhnlicher Zusammensetzung.



Das gleiche galt ├╝brigens f├╝r eine Squier made in Japan, Fuji Gen Gakki, Seriennummer PXXXXXX.

Von den Fuji-Gitarren bin ich absolut begeistert (Fernandes, Greco, Burny usw.)

Aber diese Squiers hatte Fender wohl auf ausdr├╝cklichen Wunsch aus Schichtholz herstellen lassen.

Die klang ├╝brigens rattenscharf, aber ich Idiot habe sie verkauft, eben wegen dieses Papp-Bodys. Manchmal ist man wirklich zu d├Ąmlich.

Heute kann man mich, wenn es um eine Solid-Body geht, mit "Klangholz" nicht mehr beeindrucken.

Tom
 
gepresstes sperrholz hat schwingungseigenschaften, die n├Ąher an ein ideales schwingungsverhalten rankommen.

das heisst aber nicht unbedingt, dass sperrholz besser als erle klingt, das h├Ąngt von den wechselwirkungen zwischen allen komponenten ab.
 
DerOnkel":2if26c6c schrieb:
Von den Bedienelementen und der Farbe her, w├╝rde ich auf eine 2070 tippen. Allerdings st├Ârt mich da das Vibrato. Das f├╝hrt dann zu einer 2077 aus dem Jahre 1980 die es in BK, BS und WH gab. Wenn BS f├╝r blau steht, sollte einiges klar sein....
Ich mu├č mich doch noch einmal korrigieren. Zwei Gr├╝nde:

1. Die 2077 gab es nicht in Blau, denn BS steht f├╝r Brown Sunburst

2. Deine Cimar hat den neuen Blazer/Roadster-Kopf.

Demnach w├╝rde ich doch eher auf eine 2070BL tippen. Einziges Manko ist das Vibrato, welches im Katalog nicht erw├Ąhnt wird. Hmmm... ist halt ein schwieriges Kapitel! :cry:

Ulf
 
1983 habe ich eine Cimar Stratokaster 1940 gebraucht, aber in neuwertigen Zustand gekauft! Damals f├╝r rund 300,00 DM Das Pickguard ist mit 11 Schrauben (wie bei der Fender) am wei├č lackierten Mahagoni massiv Korpus befestigt. Die Reiter sind nicht aus Messing sonder verchromt. Ebenso der Hebel f├╝r das Vibrato ! Ich will Sie jetzt, neu besaitet nach 40 Jahren hergeben, am liebsten an einen Kenner, der die Historie um das Instrument und seine unbestreitbaren Qualit├Ąten zu sch├Ątzen weis, denn auf meinem AC 30 klingt sie ├╝berzeugend und auch brachial, Jimmi Page l├Ąsst gr├╝├čen !!
 
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Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.

[...]

Meines Wissens beendete Ibanez mit dieser Blazer Reissue-Serie endg├╝ltig das Zeitalter der Kopien und wandte sich ausschlie├člich eigenen Kreationen zu.
Mojn,

Der Body der Blazer war wie auch der der Roadster I aus Leimholz mit Furnier. Und als Nachfolge der Blazer Serie legte Ibanez noch einmal die Roadster II Serie auf, ebenfalls Strat-Kopien.

ne sch├Âne Jroo├č, Mathias
 

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