Fingerstyle - Unabhängiger Daumen


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Hallo,

ich habe da ein kleines Problem. Es fällt mir, nachdem ich nun gut zwei Jahre Gitarre spiele, immer noch schwer den Daumen unabhängig von den restlichen Fingern zu benutzen. Ich übe halt die Lieder stur ein, so daß sie so klingen wie sie sollen. Aber das ist kein wirklich befriedigendes Gefühl. Richtig Schwung bekommt die Sache doch erst, wenn man einfach einen Wechselbass spielt und eine beliebige Melodie dazu spielt.

Habt ihr gute Tipps, wei ich das hinbekomme? Wie machen die Drummer das eigentlich?

Viele Grüße
 
Rat Tomago
Rat Tomago
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Beim Schlagzeugspielen lernt man es (vereinfacht ausgedrückt) indem man sämtliche Kombinationen erstmal in einer Rhytmischen Gruppierung übt und wenn das klappt auch zu zB 8teln 16tel dazu nimmt und lernt sie an jeder Stelle verschieden verteilt einzubauen...

Komplett unabhängig Schlagzeug spielen dauert auch Jahrzehnte... ;-) --> Unabhängigkeit: Marko Minnemann

Gruß Mo
 
cook
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Eine sehr gute Übung für den Daumen ist, ihn an eine Kreisbewegung zu gewöhnen. Das vorderste Gelenk bleibt dabei ruhig, während die Bewegung aus dem Handballen kommt (ich weiß, das ist etwas unglücklich ausgedrückt). So hat für mich vor langer Zeit das Abenteuer Gitarre in der ersten Unterrichtsstunde angefangen.

Zum Thema Wechselbass und Folk-Picking kann ich das Buch "Picking Basics" von Hans Westermeier empfehlen. Echt super!
 
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Hallo cook,

bleiben die restlichen Finger bei der Übung gestreckt oder läßt man sie locker? Was genau bewirkt die Übung in Bezug auf das Unabhängige spiel?

Viele Grüße
 
frank
frank
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Hi Chet,

sag mal, mit wie vielen Fingern zupfst Du denn? Grundsätzlich werden beim Folk-Picking nur Daumen, Zeige- und Mittelfinger benutzt. (Es gibt natürlich auch Ausnahmen, z.B. Doc Watson, der meist nur mit Daumen und Zeigefinder spielt, es geht aber auch mit 4 Fingern.)

Zumeist spielt der Daumen gar nicht so unabhängig wie es zunächst scheint, sondern ist eingebettet in sogenannte "Rolls", in denen alle Finger in ziemlich fest angeordneten und regelmäßigen Abläufen bewegt werden.
Die Melodie wird nicht nur gezupft, sondern (weil im Roll-Ablauf gerade kein geeigneter Finger zur Verfügung steht) durch Hammering-On, Pull-Off und Slides dargestellt. Wesentlich ist dabei grundsätzlich, dass Bass und Melodie gemeinsam "swingen". Zu diesem Swing kommt man, indem zum einen die Rolls wirklich korrekt im Takt gespielt werden, und zum anderen die Bass-Note insbesondere durch eine Melodienote oder einen Füllton besonders betont wird. Technisch ist das gar nicht sooo schwer. Hör mal in entsprechenden Beispielen darauf, was unmmittelbar vor oder nach oder auch gleichzeitig mit dem Basston (achte auf Hammering/Pull Off) passiert. Dann magst Du verstehen wovon ich rede.

Ich habe vor vielen Jahren zunächst angefangen, mehrere unterschiedliche Rolls bis zur Bewußtlosigkeit zu trainieren und dann miteinander zu kombinieren. 3 oder 4 solcher miteinander kombinierter Rolls ergeben bereits eine erstaunliche Vielfalt. Das war zwar nicht schlecht, es fehlte jedoch noch etwas: Der Swing!

Also trainierte ich eine Betonung zur Bassnote (quasi als "Gegentakt"), damit es swingt (musiktheoretisch ist das vermutlich völlig falsch, ich bitte um Nachsicht).
Man kann durchaus einen Ton des Wechselbasses auslassen und durch einen Melodieton ersetzen (Motto: Im Ablauf des Rolls ist jetzt wieder der Daumen dran, aber zur Abwechselung nicht auf der Basssaite). Alternativ wird die Bassaite nicht gewechselt, sondern die gleiche Saite zwei mal angeschlagen. Auch das lässt`s swingen. Nun ja, und ganz plötzlich plötzlich war er da, dieser Swing.

Und damit ist es mir wohl so gegangen, wie es auch Werner Lämmerhirt beschreibt, der vor allem auf seinen alten Platten aus den 70ern gute Beispiele liefert. Diese sind vor allem deshalb gut als Hör-Beispiele geeignet, weil seine Gitarre nicht durch andere Instrumente oder mehrere Spuren überlagert wird. So wie er mir mal erzählte, war das seinerzeit eine ziemlich schlichte Aufnahmetechnik, in der allenfalls das Mikro übersteuert worden ist, damit sein Sound möglichst gut rüberkommt.

Er hat seinerzeit auch ein Songbook geschrieben, in dem er erklärt, wie man zu dem Swing kommt. Schau mal, ob Du so etwas ergattern kannst.
Ich erinnere den Titel des Songbooks nicht, es sind darauf u.a. enthalten: Elenor Rigby, 900 Miles, Windy and Warm, All Along the Watchtower.

By the Way: Lämmerhirt bietet hin und wieder einen Workshop an. Kosten und Termine sind mir nicht bekannt, bei Interesse suche mal in Net.

Von Doc Watson gibt/gab es ein Lehr-Video: "Doc`s Guitar" vom Smithsonian/Folkways -Verlag. Vielleicht kannst Du es bei Amazon-USA bestellen? Achtung: Kommt vermutlich im (amerikanischen) NSTC-Format, kann also nicht mit jedem (europäischen) Recorder abgespielt werden. Vielleicht kommt es heute auch als DVD? Und: Doc zeigt in beeindruckender Manier, was er kann. Leider sind die Erklärungen sind mehr als dürftig. Selbst wenn er ankündigt, ejtzt mal ganz langsam zu spielen, kann man seinen Fingern kaum folgen (vermutlich kann er das gar nicht, langsam spielen). Jedoch kann man sehen, dass auch er sich in den Bahnen von Rolls bewegt, allerdings nur mit 2 Fingern und ungemein virituos.

Tut mir leid, dass ich Dir es nicht besser erklären kann. Dieser verdammte Swing ist eine ziemliche Gefühlssache, jedenfalls nach meiner Meinung. Aber vielleicht hilft`s trotzdem ein wenig weiter.
 
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Hi frank,

vielen Dank für deine Infos.

Ja, nur Daumen und zwei Finger. Wenns nicht anders geht, natürlich auch den dritten Finger.

Ich hab schon den starken Eindruck, dass bei den guten Gitarristen der Daumen absolut unabhängig den Basspart übernimmt, während die dann mit den Fingern die Melodie spielen. Gerade deswegen, denk ich kommt dieser "swingende" Bass zustande, denk ich zumindest. Aber kann mich auch täuschen.

Spielt DocWatson nicht sone Art Hybrid-Picking? Also gar nicht mit dem Daumen sondern mit dem Plektrum?

Ich werde mich mal nach den Lämmerhirt Workshops umsehen, danke.

Viele Grüße
 
frank
frank
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Chet":385dkltq schrieb:
Ich hab schon den starken Eindruck, dass bei den guten Gitarristen der Daumen absolut unabhängig den Basspart übernimmt, während die dann mit den Fingern die Melodie spielen. Gerade deswegen, denk ich kommt dieser "swingende" Bass zustande, denk ich zumindest. Aber kann mich auch täuschen.


Hi Chet,

lass Dich nicht bluffen. Das hört sich zwar so an, beruht aber wirklich nur auf diesem Ding, das ich "Swingen durch Gegentakt" nennen möchte. Es ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch des Timings. Wenn Du die Technik gut beherrschst, klingt der Roll gut und rund. Aber er swingt noch nicht. Erst der richtig getimte "Gegentakt", der bringt`s.

Mal sehen, ob sich noch andere Mucker zu diesem Thema zu Wort melden. Ich will nicht ausschließen, dass ich mit meiner Erklärung, wie man zum Swingen kommen kann, völlig falsch liege. Sicher bin ich mir nur in einem: Wenn es nicht swingt, dann klingt es zwar schon gut, aber auf Dauer doch irgendwie unbefriedigend.

Chet":385dkltq schrieb:
Spielt DocWatson nicht sone Art Hybrid-Picking? Also gar nicht mit dem Daumen sondern mit dem Plektrum?

Nun ja, der kann auf jede Art spielen. Manches ist so schnell, das geht überhaupt nur mit Plektrum bzw. als Hybrid-Picking.
Aber wenn Doc Watson im Stil des 3-Finger-Picking spielt, dann allerdings bevorzugt und fast ausschließlich mit 2 Fingern.

Das ist gar nicht so schwer, wie es zunächst erscheint. Eigentlich ist es nur eine Frage der Sicherheit, mit der man die Rolls beherrscht. Mit zunehmender Sicherheit habe ich auch angefangen, den Mittelfinger weniger zu benutzen. Aber bei weitem nicht in dem Umfang wie Doc.
Einen dritten Finger benutze ich beim Picking nie, dann komme ich völlig aus dem Roll. Lämmerhirt hat`s mal mit 4 Fingern versucht. Er hat`s auch geschafft, schrieb einen Song im 3/4-Takt, den er dann "den verflixten Ringfinger" taufte, weil der ihm auch das Leben schwer gemacht hat. Seither bleibt er auch beim klassischen 3 Finger-Picking.

P.S.: Der Basspart wird nicht selten durch einen Anschlag des Zeigefingers auf einer Basssaite ergänzt. Ebenso benutzt man dann und wann den Daumen für`s Melodiespiel. Eine starre Regel Bass=Daumen, Melodie=Finger gibt es nicht und macht auch keinen Sinn.
 
cook
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Hallo Chet,

wirklich gesteckt/steif sind die Finger an der Gitarrre ja eigentlich nie. Ich finde es aber sehr sinnvoll, das Handgelenk nach Art der Konzertgitarristen weit nach vorne zu schieben. Das führt automatisch dazu, dass die Finger relativ gestreckt sind.

Die Übung dient dazu, die Beweglichkeit des Daumens zu erhöhen. Zudem hilft sie, einen kräftigen Anschlag zu entwickeln. Viele Gitarristen machen gerade am Anfang den Fehler, zu sehr aus dem vordersten Daumengelenk zu "zupfen/reißen".
 

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