Lanikai LU-21T - Doppelt hÀlt besser

DerOnkel

Power-User
26 Nov 2004
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Ellerau
Lanikai LU-21T - Doppelt hÀlt besser

(Der vollstÀndige und stets aktuelle Artikel ist ebenfalls in der Knowledge Database der Guitar-Letters zu finden.)

Heute startet eine mehrteilige Serie ĂŒber die Tenor-Ukulele LU-21T, die der Onkel vor fast vier Jahren kĂ€uflich erworben hat. Aus GrĂŒnden, die im Laufe dieser Serie noch genannt werden entstand die Idee, ein kurzes Review zu verfassen. Wie beim Onkel ĂŒblich, ist es dann natĂŒrlich doch etwas lĂ€nger geworden und lag darĂŒber hinaus lange und vergessen auf Platte. Nun wird das also wirklich Zeit...

Vorwort

Selbst die hÀrtesten Vertreter der sechssaitenzupfenden elektrischen Musiker ertappt man schon seit Jahren immer hÀufiger beim Fremdgehen. Sie stellen ihre geliebte Elektrogitarre einfach in den StÀnder und greifen zu akustischen Instrumenten.

Insbesondere fĂŒr Balladen im Bereich der Rock-Musik hat sich die sechs- oder zwölfsaitige Westerngitarre schon lange einen festen Platz auf den BĂŒhnen erobert, sind mit ihr doch Klangfarben möglich, die eine massive Elektrogitarre - trotz aller Technik - nie wird liefern können. Schöne Beispiele fĂŒr Rock-Balladen mit akustischen Gitarren findet man zum Beispiel bei "Bon Jovi", "Europe" oder den "Scorpions". Aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Es gibt kaum eine Band aus dem Rock-Bereich, die auf solche Balladen verzichtet. Selbst im Metal gehören sie als Kontrastprogramm einfach dazu.

Das Thema Zupfinstrument in der Rock- und Popmusik erschöpft sich jedoch nicht mit der zu den Kasten-Halslauten gehörende Gitarre in ihren unterschiedlichen AusprĂ€gungen. Bei "Styx" und natĂŒrlich bei "R.E.M." wird zum Beispiel hĂ€ufig eine Mandoline eingesetzt. Bands die im weitesten Sinne auch im Country oder Folk verwurzelt sind, schĂ€tzen dann auch schon mal das Banjo - auch eine Laute, die allerdings zu den Spießlauten zĂ€hlt.

Durch Gruppen, wie das "Ukulele Orchestra of Great Britain", den durch YouTube bekannt gewordenen Hawaianer Jake Shimabukuro und natĂŒrlich durch den Titel "Over The Rainbow" des bereits 1997 verstorbenen Hawaianers Israel Kamakawiwo'ole erlebt die Ukulele seit einiger Zeit eine gewisse Renaissance. Ihr Einsatz ist dabei nicht mehr auf die traditionelle Musik beschrĂ€nkt, sondern man spielt mit ihr quasi alles, was einem "vor die Finger" kommt.

FĂŒr einen Gitarristen, der ja die grundlegende Spielweise eines bundierten Zupfinstrumentes beherrscht, ist es nicht besonders schwer, sich auch mit Mandoline, Banjo oder Ukulele vertraut zu machen. Steht man in einem GeschĂ€ft vor so einem Instrument, so unterliegt man leicht der Versuchung. Wenn dann noch der Reiz des Neuen dazukommt, dann ist es eben geschehen...

So geschah es unlÀngst auch dem Onkel. Wie es ihm mit seiner Neuerwerbung ergangen ist, erzÀhlt dieses "etwas andere Review". Wie immer hart aber fair...

1. Vorgeschichte

Was tun, wenn man von netten Menschen einen Gutschein ĂŒber fĂŒnfzig Euro erhĂ€lt, der dann bei Just Music in Hamburg einzulösen ist, man dort aber nichts zu kaufen hat? Nun...

Gitarren seiner Wahl kauft der Onkel - nach ausgiebiger Recherche und alter VĂ€ter Sitte - in der "Bucht" des Internet und fĂŒr die Verschleißartikel, wie zum Beispiel Saiten, gibt es das große "T". Es fand sich dann aber doch noch ein Grund fĂŒr einen "analogen" Kauf vor Ort: AnlĂ€ĂŸlich eines informellen Besuches im Dezember 2010 (nur mal gucken) hatte der Onkel die Guitalele GL-1 von Yamaha in der Hand. "Niedlich, das wĂ€re doch was fĂŒr den MiniOnkel!", so dachte er.

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Abbildung 1-1: Die Guitalele Yamaha GL-1

Auf der Heimfahrt fiel dem Onkel dann auf, daß der Preis ja wunderbar zum Gutschein paßt. Na bitte! Und außerdem konnte er damit ja auch spielen - im Urlaub zum Beispiel. Also gab es am nĂ€chsten Samstag einen kleinen Familienausflug zum Heiligengeistfeld nach St. Pauli.

"Einmal Guitalele bitte und schön einpacken! Was, eine Tasche ist auch dabei? Um so besser!"

Aber was hing denn da an der Wand? Jede Menge kleiner, quitschbunter Ukulelen. SpĂ€testens seit der Onkel das "Ukulele Orchestra of Great Britain" entdeckt hat, findet er diese kleinen "hĂŒpfenden Flöhe" klasse!


Video 1-1: The Ukulele Orchestra of Great Britain - The Good, The Bad and The Ugly (Youtube)

Aber was da in bunter Vielfalt als U-30G fĂŒr nur 19,90 Euro an der Wand hing, schrie geradezu: "Nimm’ mich mit! Ich bin schön und billig!"

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Abbildung 1-2: Sopran Ukulele U-30G von Mahalo

Gegen solche Argumente ist der Onkel allerdings schon seit langem immun und der Plastik-Look tat sein Übriges. Geiz ist zwar geil, aber billig ist nicht immer gut! Mit "schön billig" sind diese Ukulelen auch schon erschöpfend behandelt. Richtig spielen jedoch... Aber da gibt es bestimmt noch andere Ukes...

Ja, zum Beispiel die fĂŒr 29 Euro. Die mĂŒssen ja schon deutlich besser sein, denn der Preis ist ja um 50% höher und sie sind genauso schön bunt! Also, schnell mal anfassen. Reaktion: "Och nö!" Aber das hat der Onkel natĂŒrlich nur gedacht, denn er ist ja ein höflicher Onkel!

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Abbildung 1-3: Sopran-Ukulele U1S von Baton Rouge

In der Hand erinnern diese Instrumente jedoch auch noch an ein Spielzeug und nicht an ein ernsthaftes Instrument. Der Klang ist flach und ausdruckslos und irgendwie wie... naja, eben Plastik!

Daß hier nur die billigsten Saiten verwendet werden, verwundert nicht. In den verschiedenen Online-Foren wird daher empfohlen, die Werksbesaitung solcher Ukes umgehend zu ersetzen.

"Teuer" gleich "Besser"? Nun, einen wirklichen Mehrwert konnte der Onkel bei der U1S leider nicht feststellen! Je bunter das Instrument, desto weniger scheint es fĂŒr seine eigentliche Bestimmung geeignet zu sein. Der Vertrieb bietet diese billigen und bunten Ukulelen im Sechser- oder Zwölferpack an. Wenn man in diesem Zusammenhang an instrumentelles SchĂŒttgut denkt, liegt man damit wohl nicht so verkehrt!

Wer auf der BĂŒhne werbewirksam ein Instrument zertrĂŒmmern möchte, ist mit diesen Billig-Ukes sicherlich gut bedient. Möchte man sich jedoch ernsthaft mit der Ukulele beschĂ€ftigen, so sollte man von diesen spaßbremsenden "Farben" lieber Abstand nehmen! Aber da gibt es bestimmt noch andere Ukes...

Stimmt! Da waren doch tatsĂ€chlich noch ein paar Exemplare in richtiger Holz-Optik! Kurze Probe: Klingt ganz ordentlich, lĂ€ĂŸt sich brauchbar bespielen und die Stimmung wird auch gut gehalten. Die Saiten... nun ja, man kann eben nicht alles haben!

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Abbildung 1-4: Kohala HU-212

Also verschwand der Onkel mit zwei Instrumenten unter dem Arm. Eine Sopran-Ukulele von Kohala war da rein zufĂ€llig fĂŒr 49 Euro in seiner Tasche steckengeblieben... Das war wie mit seinem Kollegen, der sich einen Gitarrenkoffer kaufte und Zuhause erstaunt feststellte, daß da doch eine Gitarre drinnen lag! Komisch!

Kaum war der Laden jedoch verlassen, ging das Theater schon los: "Du bist ein Idiot!", schimpfte sich der Onkel auf der RĂŒckfahrt. "Du lernst sowieso keine neuen Akkorde und dann liegt das Ding schnell wieder in der Ecke. Schade um das schöne Geld!"

Aber schon am nĂ€chsten Abend saßen die ersten Griffe, es war kein Problem neue zu erlernen und Spaß machte es auch noch. Was hatte der blöde Onkel eigentlich zu meckern?

Nach ein paar Tagen hielt sich die Begeisterung jedoch schon wieder in Grenzen, denn es war nicht nur etwas schwierig auf der HU-212 zu spielen (die Uke ist sehr klein und der Onkel sehr groß, was insbesondere fĂŒr seine HĂ€nde gilt), sondern das Instrument intonierte auch nicht sauber. Schon ab dem dritten Bund gab es Probleme, sodas die Akkorde alle ein wenig unrein wurden. Auch die Oktavreinheit war nicht ganz einwandfrei, was das Problem natĂŒrlich noch verschĂ€rfte.

Wenn man die kurze Mensur der HU-212 bedenkt, dann wird schnell klar, daß schon leichte Abweichungen bei der Positionierung von BĂŒnden und Steg zu hörbaren Problemen fĂŒhren. Da ist wirklich PrĂ€zision gefragt und ob man die fĂŒr 49 Euro zuverlĂ€ssig ĂŒber die gesamte Streuung einer Produktion erwarten kann, ist durchaus fraglich. Einen entsprechenden Test zur QualitĂ€tssicherung wird sich der Hersteller aus KostengrĂŒnden sicherlich ersparen. Also schnell wieder zurĂŒck zu Just Music und...

Nein, der Kauf wurde natĂŒrlich nicht rĂŒckgĂ€ngig gemacht! Der Onkel hatte sich mittlerweile mit dem Thema Ukulele etwas intensiver beschĂ€ftigt und wußte in etwa um die Schwachstellen dieser Instrumente. Und dann war da noch die neu entstandene Begeisterung und eine braune Tenor-Ukulele. Sie entsprach in ihren Abmessungen ziemlich genau der Guitalele...

Also gab es ein Update und noch eine Tasche fĂŒr 15 Euro dazu. Insgesamt wurde der Gutschein mehr als dreimal umgesetzt. Arme FrauOnkel!

Die Tenor-Ukulele LU-21T von Lanikai sollte jedoch noch zu einigen Aufregungen fĂŒhren! Aber alles der Reihe nach...

2. Lanikai

Die hawaiianischen Ortschaft Kailua an der OstkĂŒste der Insel O'ahu, 25 Kilometer von der Hauptstadt Honolulu entfernt, wird auch als "Lanikai" bezeichnet. Dieser Ort ist vor allem fĂŒr seine StrĂ€nde, die "Lanikai Beaches" berĂŒhmt.

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Abbildung 2-1: Lanikai Beach, da will DieTochter auch gern' hin!

Wer das Bild betrachtet und dabei an Musik denkt, der wird ganz schnell einen bestimmten Sound im Ohr haben und an nette blumenbekrÀnzte Hula-MÀdchen denken, die unter Palmen Musik machen


Hawaii trifft sich thematisch sehr gut, denn hier erhielt das im Jahre 1879 von portugiesischen Einwanderern mitgebrachte Instrument seinen heutigen Namen: Ukulele, der "hĂŒpfende Floh", weil die Finger des Musikers sich so schnell ĂŒber das Griffbrett bewegten. So erzĂ€hlt es jedenfalls die Legende oder besser gesagt eine von mehreren Versionen.

"Lanikai" ist aber auch eine Marke der "Hohner Musikinstrumente GmbH & Co. KG" mit Sitz im schwĂ€bischen Trossingen, die seit dem 22. Oktober 2000 unter diesem Namen "zufĂ€llig" Ukulelen vertreibt. Der Name ist hier also Programm. Die Firma Hohner selber erlangte Anfang des 19. Jahrhunderts weltweite BerĂŒhmtheit durch ihre produzierten Mundharmonikas, die besonders in den USA reißenden Absatz fanden.

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Abbildung 2-2: Verschiedene Mundharmonikas von Hohner

Auf anderen GeschĂ€ftsfeldern war man allerdings weniger erfolgreich und als nach dem zweiten Weltkrieg das Interesse der Menschen an Mundharmonikas sank, sank auch der Stern von Hohner. Im Jahre 1997 wurde die Aktienmehrheit von dem 1930 gegrĂŒndeten taiwanesischen Hersteller KHS ĂŒbernommen, der seit 1969 unter anderem mit Yamaha zusammenarbeitet, und die Familie Hohner zog sich aus dem GeschĂ€ft zurĂŒck.

Seit 1999 schreibt Hohner wieder bescheidene Gewinne, wie es im Artikel "Ein BlĂ€sle fĂŒr Freund und Feind" zu lesen ist. Von den ehemals 5000 Mitarbeitern der weltweit grĂ¶ĂŸten Harmonikafabrik sind heute nur noch ein paar Hundert in Trossingen ĂŒbriggeblieben, die Instrumente produzieren und an Neuentwicklungen arbeiten. Der Großteil der Instrumente wird mittlerweile in asiatischen Fabriken produziert, wie es heute auch bei vielen anderen deutschen Herstellern (leider) gute Sitte ist.

3. Ukulelen von Lanikai

Unter der Marke "Lanikai" wird heute eine Vielzahl von Ukulelen angeboten. Auf der deutschen InternetprÀsenz fanden sich im Dezember 2010 vier Serien und zwei weitere Instrumente, die unter dem Namen des erloschenen hawaiianischen Vulkans "Kohala" als eigene Marke firmieren.

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Abbildung 3-1: Banjolele LBU-C

Die gesamte Bandbreite des Angebotes offenbarte sich jedoch erst nach einem Besuch der englischen InternetprÀsenz. Hier fanden sich noch vier weitere Serien sowie eine Banjolele (engl. Ukulele-Banjo). Bekanntlich lernte der junge Brian May auf so einem Instrument seine ersten Akkorde. SpÀter setzte er die Banjolele im Titel "Good Company" ein.


Video 3-1: A Night At The Opera - Good Company (Youtube)

Dieses Video ist besonders bemerkenswert, weil Brian May hier auch etwas ĂŒber die Jazz-Band erzĂ€hlt, die er bei Good Company mit seiner Gitarre imitiert.

3.1 All over the world

Das gesamte weltweite Angebot von Ukulelen durch Lanikai bestand Ende des Jahres 2010 aus insgesamt 51 Instrumenten und setzte sich wie folgt zusammen:

Tabelle 3-1: Ukulelen-Serien von Lanikai
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FĂŒr eine Ukulele kann man durchaus bis zu 1000 Euro ausgeben. Wo innerhalb dieser Preisspanne positioniert sich "Lanikai"? Eine Preisanalyse zeigte deutlich, daß Hohner mit dieser Marke hauptsĂ€chlich den mittleren Marktbereich adressiert. Gut 80% der Instrumente befanden sich dort.

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Abbildung 3-2: Marktsegmentierung der Lanikai Ukulelen

Dabei war eine eindeutige Dominanz des oberen Mid-Range festzustellen. In etwa 60% aller Ukulelen sind dort angesiedelt. Im unteren Mid-Range verbleiben dann 22%.

Aus dieser Verteilung ist zu schließen, daß sich die Marke "Lanikai" keinesfalls als "Budget-Label" versteht. UnterschlĂ€gt man die zwei Instrumente der "Kohala-Serie", die ja nur "by Lanikai" sind, dann bleiben fĂŒr das Low-End lediglich 6% oder 3 Instrumente von insgesamt 51 ĂŒbrig. Diese sind vermutlich nur als "Appetithappen" zu verstehen, die ein Marketier wohl als "Enabler" bezeichnen wird.

FĂŒr den amerikanischen Markt wird eine deutlich grĂ¶ĂŸere Vielfalt angeboten, was mit großer Wahrscheinlichkeit auch historisch begrĂŒndet ist. Hier findet man Instrumente mit massiven Decken aus Zeder, Fichte, Koa, Mango und anderen exotischen Hölzern. Die Marktsegmentierung der beiden TeilmĂ€rkte folgt der gesamten Verteilung. Man kann also nicht sagen, daß in den USA generell die besseren und in Deutschland die billigeren Ukulelen angeboten werden.

3.2 Weltweite Tenöre

Im gesamten Angebot von Lanikai waren, mit Stand vom Dezember 2010, fĂŒnfzehn Tenor-Ukulelen im klassischen Sinne enthalten. Viele von ihnen werden auch als elektrisches Modell angeboten. Die sieben rein akustischen "Tenöre" in der bekannten "Achter-Form" sind im nachfolgenden Bild zusammengestellt:

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Abbildung 3-3: Verschiedene Tenor-Ukulelen von Lanikai

Die Preisspanne aller Tenor-Ukulelen reicht von 119 Euro bis 329 Euro. BezĂŒglich der Marktsegmentierung findet man die schon bekannten VerhĂ€ltnisse.

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Abbildung 3-4: Marktsegmentierung der Lanikai Tenor-Ukulelen

Interessant ist, daß das untere Mid-Range allein aus der LU-21T und ihren beiden elektrifizierten Schwestern besteht. Damit stellt dieses Instrument also den Einstieg zu den Tenor-Ukulelen von Lanikai dar.

3.3 BrĂŒder und Schwestern

Ukulelen gibt es mittlerweile in den unterschiedlichsten Variationen. Abgesehen von den verschiedenen Formen und Stimmungen ist das Hauptunterscheidungskriterium die GrĂ¶ĂŸe des Instrumentes. Im Laufe der Entwicklung haben sich vier GrĂ¶ĂŸen etabliert. Neben der bekannten Sopran-Ukulele, die gleichzeitig der kleinste Vertreter dieser Instrumentengattung ist, gibt es noch die Register Konzert, Tenor und Bariton.

Lanikai deckt mit der LU-Serie alle vier Register teilweise sogar mehrfach ab. Innerhalb der LU-21-Gruppe findet man Ukulelen aller GrĂ¶ĂŸen mit den gleichen Ausstattungsmerkmalen. Das folgende Bild zeigt die vier Vertreter im maßstĂ€blichen Vergleich:

[img:700x485]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb3_5_UkulelenImVergleich.jpg[/img]
Abbildung 3-5: Bariton-, Tenor-, Konzert-, und Sopran-Ukulele im GrĂ¶ĂŸenvergleich

Neben der von der Gitarre bekannten "Achter-Form", findet man auch einen ovalen Korpus, der an eine Ananas erinnert. Diese "Pineapple Ukulele" ist allerdings nicht so hÀufig anzutreffen

Eine Baß-Ukulele gibt es eigentlich nicht. Wie es auf Wikipedia nachzulesen ist, handelt es sich bei dem sogenannten "U-Bass" eigentlich um eine Baß-Gitarre mit den Abmessungen einer Bariton-Ukulele.

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Abbildung 3-6: Bass-Ukulele KA-UBASS-FS von Kala

Aufgrund der geringen Nachfrage, ist eine Standarisierung der Abmessungen der Baß-Ukulele bisher nicht erfolgt. HĂ€ufig wird einfach eine akustische Baß-Gitarre verwendet, die freilich deutlich grĂ¶ĂŸer ist. Das ist zum Beispiel auch fĂŒr das bekannte "Ukulele Orchestra of Great Britain" der Fall. Der Instrumentalist Jonty Bankes sagte dazu am 20. November 2007:

...a guitar has six strings, whereas this instrument has four strings, the same number as the ukuleles my colleagues are playing, so therefore this is a bass ukulele. It is the future...

Nun, an Selbstbewußtsein mangelt es dem guten Jonty wirklich nicht...

Ulf

(Weiter geht es in ein paar Tagen)

(Der vollstÀndige und stets aktuelle Artikel ist ebenfalls in der Knowledge Database der Guitar-Letters zu finden.)
 
Lanikai LU-21T - Doppelt hÀlt besser (Teil 2)

(Der vollstÀndige und stets aktuelle Artikel ist ebenfalls in der Knowledge Database der Guitar-Letters zu finden.)

4. Die Tenor-Ukulele LU-21T

4.1 Spezifikation und ermittelte Daten

Die LU-21T stellt das drittgrĂ¶ĂŸte Instrument der LU-Serie dar. Die technischen Daten sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt, in denen die Herstellerangaben durch eigene Messungen und Beobachtungen ergĂ€nzt wurden:

Tabelle 4-1: Daten der LU-21T
[img:551x630]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Tab_4_1_Daten_LU_21T.jpg[/img]

Diese Abmessungen zeichnen das Bild einer normalen Tenor-Ukulele, deren LĂ€nge und Mensur auf Wikipedia mit 66cm und 43cm angegeben werden. Ganz offensichtlich scheinen einige Daten auf der Webseite des Herstellers nicht so ganz zu stimmen oder die vorliegende LU-21T weicht von dieser Spezifikation ein wenig ab.

4.2 Die Hölzer

Wie man der Spezifikation entnehmen kann, wird fĂŒr die LU-21T hauptsĂ€chlich Nato verwendet. Unter dieser Bezeichnung werden, nach Wikipedia zwei Hölzer der JohannisbrotgewĂ€chse (Caesalpinioideae), nĂ€mlich Mora Excelsa und Mora Gonggrijpii, gefĂŒhrt, die aus der Karibik und dem nördlichen SĂŒdamerika, also im weitesten Sinne aus der gleichen Region, stammen.

[img:600x219]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb4_1_AllesNato.jpg[/img]
Abbildung 4-1: Alles Nato oder was?

Neben diesen beiden Holzarten gehören noch fĂŒnf weitere Arten dieser Unterfamilie an, die im Instrumentenbau jedoch keine Bedeutung haben [Wikipedia].

Die in SĂŒdostasien beheimatete Gattung Peninsular Malaysia aus der Familie der SapotengewĂ€chse wird als "Nyatoh" bezeichnet und firmiert hĂ€ufig auch unter dem Begriff "Nato". FĂŒr diese Gehölze werden regional unterschiedlich auch die Namen "Pali", "Riam", "Taban", "Chay", "Balam" oder "Padang" verwendet. Diese drei Hölzer Ă€hneln zwar dem hĂ€ufig im Instrumentenbau verwendeten sĂŒdamerikanischen Mahagoni, sind mit diesem jedoch nicht verwandt, denn diese relativ streng geschĂŒtzte Holzart gehört zur Gattung der Meliaceae.

Die unter dem Sammelbegriff "Nato" gefĂŒhrten Hölzer werden gerne fĂŒr die Produktion preiswerter Gitarren verwendet. Sie eignen sich generell sehr gut fĂŒr die Fertigung von Musikinstrumenten, sind allerdings deutlich weicher als Mahagoni. Wie man hört, sollen BrĂŒche in Hals und Kopfplatte bei solchen Instrumenten "schon mal vorkommen". "Nato" wird hĂ€ufig zu einer dunklen, rotbraunen Farbe abgetönt, damit es dem teuren Mahagoni Ă€hnlicher sieht. Der Begriff "Nato-Mahagoni" wird in diesem Zusammenhang immer wieder von einigen Herstellern genutzt, um dem Verbraucher zu suggerieren, daß hier tatsĂ€chlich Mahagoni verwendet wird. Diese irrefĂŒhrende Bezeichnung ist jedoch eine klare VerbrauchertĂ€uschung!

Unter der Bezeichnung "Palisander" (engl. Rosewood) sammeln sich ebenfalls verschiedene Hölzer. Sie alle gehören jedoch der Gattung der Dalbergien an. Nachdem Brasilien 1968 ein Ausfuhrverbot fĂŒr das begehrte Rio-Palisander (Dalbergia Nigra) erlassen hatte und die Gattung 1992 unter Artenschutz gestellt wurde, hat sich der Musikinstrumentenbau auf die Nutzung von ostindischem Palisander (Dalbergia Latifolia) konzentriert. Dieses Holz ist aber auch schon selten geworden und so wird es seit den 80er Jahren auf Plantagen außerhalb von Indien nachgezĂŒchtet und unter dem Namen "Sonokeling" vertrieben.

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Abbildung 4-2: Griffbrettrohlinge aus Sonokeling

Gleichwohl es sich bei diesem Holz aus biologischer Sicht um ostindischen Palisander handelt, weist Sonokeling angeblich nicht die gleichen guten Eigenschaften wie die Hölzer aus Indien auf, was in erster Linie auf die klimatischen Bedingungen an den Standorten der neuen Plantagen zurĂŒckzufĂŒhren sein dĂŒrfte.

4.3 Optischer Eindruck und Verarbeitung

Schmuck sieht sie ja aus, die LU-21T. Das rötlichbraune Finish von Korpus und Kopf steht in einem schönen Kontrast zum dunkleren Griffbrett ĂŒber das die vier weißen Kunstdarmsaiten der italienischen Firma Aquila in der typischen Stimmung g, c, e, a verlaufen.

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Abbildung 4-3: Lanikai LU-21T

Die Zargen sind beidseitig durch ein einfaches weißes Kunststoff-Binding aus einem StĂŒck sauber eingefaßt. Da gibt es keine "Haken und Ösen"; Binding und Zargen gehen glatt ineinander ĂŒber. Eine Stoßstelle ist nicht zu entdecken. Diese befindet sich anscheinend unsichtbar unter dem Halsfuß. Ganz offensichtlich wurde der Korpus vollstĂ€ndig erstellt, bevor der Hals montiert wurde.

Auf dem Boden finden sich zwei "Äste". So etwas sollte eigentlich nicht sein, ist angesichts des Preises jedoch zu verschmerzen. Ein Blick in den Korpus zeigt jedoch, daß diese "Äste" dort nicht zu sehen sind. Ein deutlicher Hinweis darauf, daß Decke und Boden wohl nicht massiv sind, sondern aus einem Laminat bestehen. SelbstverstĂ€ndlich gibt es Ukulelen mit massiven Decken und Böden, aber natĂŒrlich nicht fĂŒr den Preis der LU-21T.

Der gesamte Korpus ist seidenmatt lackiert und faßt sich nicht schlecht an, gleichwohl ein paar kleine "Pickel" darauf hindeuten, daß man beim Schleifen wohl etwas "schnell" war. Dieser Eindruck wird in einer Kundenbewertung bei Thomann bestĂ€tigt. Eine homogene und glatte FlĂ€che ist jedenfalls etwas anderes. Das Argument des Kostendrucks kann man hier schlecht vorbringen, denn die Guitalele vom Konkurrenten Yamaha offenbart diese SchwĂ€chen nicht und kostet doch nur die HĂ€lfte der LU-21T!

Der Hals besteht aus drei Teilen: Die abgewinkelte Kopfplatte wurde an den eigentlichen Hals als TrĂ€ger des Griffbretts angeschĂ€ftet. Gleiches gilt fĂŒr den Halsfuß. Beides ist wieder ein ZugestĂ€ndnis an den Preis, denn ein einteiliger Hals muß aus dem Vollen herausgearbeitet werden, was wesentlich mehr Holzverlust nach sich zieht und somit die Kosten erhöht.

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Abbildung 4-4: AngeschÀftete Kopfplatte

Im dunklen Griffbrett finden sich vier eingelegte einfache Dots als Bundmarkierung an den Positionen 5, 7, 10 und 12. Ein zweiter Dot am zwölften Bund fehlt leider, ist jedoch zu verschmerzen. Daß entsprechende Markierungen an der Seite des Griffbretts fehlen, ist da schon Ă€rgerlicher. Warum man das vergessen hat, ist die große Frage. So teuer kann das eigentlich nicht sein!

Laut Spezifikation besteht das Griffbrett aus Palisander. Ein Vergleich mit einem Rohling ergibt eine große Ähnlichkeit. Die farblichen Unterschiede sind mit Sicherheit dem Weißabgleich der Kamera bei Kunstlicht zuzuschreiben.

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Abbildung 4-5: Griffbrett der LU-21T und Griffbrettrohling aus ostindischem Palisander (Sonokeling) im Vergleich

Sieht man sich das Griffbrett einmal genauer von der Seite an, so stellt man fest, daß die Linie zwischen Griffbrett und Hals ein wenig schwankt. Eigentlich sollte sie wie mit dem Lineal gezogen sein, da Halskantel und Griffbrett vor dem Verkleben ja plan geschliffen werden. Da entsteht doch der Verdacht... Also her mit der Kamera und ein Makroaufnahme gemacht...

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Abbildung 4-6: Das Griffbrett von der unteren Zarge aus gesehen

Ganz augenscheinlich ist hier Farbe im Spiel, die zumindest im unteren Bereich des Griffbretts nicht sauber aufgetragen wurde und auch die Enden der BunddrĂ€hte bedeckt. Unter UmstĂ€nden könnte sich darunter auch ein schmales Furnier befinden. Ein massives Griffbrett muß man nicht auf so eine Weise "verstecken". Wenn das Griffbrett aus einem mehrteiligen Laminat bestĂŒnde, dann hĂ€tte man dadurch auch eine ErklĂ€rung fĂŒr die fehlenden Bundmarkierungen am Griffbrettrand.

Am sechzehnten Bund ist das gesamte Griffbrett gerade mal 3,47mm dick und wird - oh Überraschung - in Richtung Sattel immer dicker. Direkt am Sattel sind es dann tatsĂ€chlich 4,45mm - wenn man der Dicke des Farbstriches glauben darf. Möglich, daß es nicht ganz einfach ist, in so ein dĂŒnnes Laminat entsprechende Bundmarkierungen einzuarbeiten.

Interessant ist auch, daß die Griffbrettlackierung an der einen Seite unterschiedlich ausfĂ€llt: Bis zum vierzehnten Bund ist sie leicht glĂ€nzend. Danach nur noch matt. Entweder wurde der Klarlack dort vergessen oder er konnte nicht mehr aufgebracht werden, um den Korpus nicht noch einmal zu lackieren. Da dieser Unterschied nur an der unteren Seite des Griffbretts zu finden ist, liegt hier wohl eher Vergeßlichkeit vor!

Die achtzehn BĂŒnde sind allesamt sauber eingesetzt. Da steht nichts am Rand ĂŒber.

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Abbildung 4-7: Sauber abgerichtete BĂŒnde

Blutige Finger wird man sich an der LU-21T also nicht holen! Gleichwohl das Griffbrett mit seinen BĂŒnden durchaus ĂŒber leichte "Höhen und Tiefen" verfĂŒgt, ist das nur optisch, denn alle Bundpositionen sind ohne Schnarren oder Scheppern zu greifen. Man sollte hier also nicht pĂ€pstlicher als der Papst sein und dabei auch den Preis der LU-21T nicht vergessen!

Eines der absoluten Highlights dieser Tenor-Ukulele sind mit Sicherheit die vier ölgelagerten Mechaniken! Ihre Gangbarkeit lĂ€ĂŸt sich durch eine kleine Schraube am FlĂŒgel der Mechanik einstellen. Einen solchen Luxus findet man sonst nur bei deutlich teureren Instrumenten.

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Abbildung 4-8: Einstellbare Mechanik

Diese Wahl "rĂ€cht" sich dann auch prompt! Die Mechaniken lassen sich butterweich bedienen und das Instrument hĂ€lt sauber seine Stimmung. Auch nach einem Jahr intensiver Nutzung sind keine Probleme festzustellen, was fĂŒr ein Instrument dieser Preisklasse durchaus bemerkenswert ist. Hier gibt es also absolut keinen Grund zur Klage, sondern es ist vielmehr ein großes Lob fĂ€llig!

Wie wichtig gute Mechaniken sind, kann man schnell feststellen. Wenn das Instrument die Stimmung nicht hĂ€lt, wird besonders ein AnfĂ€nger schon nach kurzer Zeit verzweifeln und das Instrument wieder in die Ecke stellen. Bei Lanikai scheint man das erkannt zu haben und gibt der Zielgruppe ein vernĂŒnftiges "Werkzeug" an die Hand!

Auch ĂŒber die BrĂŒcke der LU-21T gibt es nicht viel zu meckern. Sie besteht, - laut Spezifikation - und auch augenscheinlich, aus einem palisanderartigen Holz. Die glattgeschliffene BrĂŒcke wurde sauber mit der Decke verklebt. Spalte sind nicht zu erkennen. Allerdings findet man zwischen der Befestigung der ersten und zweiten Saite doch ein paar Schwachstellen im Holz und in der Kunststoffeinffassung. Hier wurde ein spanabhebendes Werkzeug wohl zu intensiv genutzt. Die FunktionalitĂ€t ist davon nicht betroffen; der Eindruck einer gewissen NachlĂ€ssigkeit bleibt aber bestehen. So etwas sollte bei einer QualitĂ€tskontrolle eigentlich auffallen und nicht zur Auslieferung gelangen!

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Abbildung 4-9: Die BrĂŒcke der LU-21T mit leichten MĂ€ngeln

Die Stegeinlage - auch als Untersattel bezeichnet - besteht aus weißem Kunststoff. Die bei Gitarren ĂŒbliche Neigung zur Kompensation der Mensur ist nicht vorhanden. Zum einen, weil Nylon-Saiten keine so starke Kompensation benötigen und zum zweiten, weil dann ein Problem mit der dĂŒnnen G-Saite entstehen wĂŒrde. Die Oktavreinheit ist trotzdem akzeptabel und durchaus mit dem zu vergleichen, was man bei guten Konzertgitarren erwarten kann.

4.4 Bespielbarkeit und Klang

Sie liegt gut in der Hand, das kleine Leichtgewicht aus dem Hause Lanikai. Bei gerade mal 537g benötigt man keinen Gurt zum Tragen. Wie alle Ukulelen wird auch die LU-21T auf der einen Seite durch die Greifhand gestĂŒtzt, wĂ€hrend der Ellenbogen das Instrument gegen den Körper des Instrumentalisten preßt.

[img:600x420]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb4_10_Uke_Haltung.jpg[/img]
Abbildung 4-10: Die Haltung einer Ukulele

Dieser Druck sollte jedoch nicht zu stark sein, denn er ĂŒbt durchaus einen Einfluß auf den Klang aus! Je stĂ€rker der Druck, desto bedeckter klingt das Instrument. Das ist logisch, da durch den Druck die Decke in ihrer SchwingfĂ€higkeit behindert wird. Eine DĂ€mpfung der hohen Frequenzen ist dann zwangslĂ€ufig die Folge. Im Sitzen lĂ€ĂŸt man den Korpus einfach auf einem Schenkel ruhen.

Einmal gestimmt, offenbart die LU-21T einen vollen und ausgewogenen Klang. Das so ein kleines Instrument so laut sein kann...

Satte BĂ€sse darf man von ihr allerdings nicht erwarten, aber dieses gefĂŒhlte "Manko" ist konstruktionsbedingt. Es gibt keine Tenor-Ukulele, die mit BĂ€ssen aufwartet, das sagt ja schon der Name aus. Wer die Überzeugung vertritt, ein Instrument mit laminierter Decke wĂŒrde nicht gut klingen (können), wird hier eindeutig eines besseren belehrt! Dieser Effekt ist sicher zum großen Teil auch den Aquila Nylgut-Saiten geschuldet, die unter Musikern mittlerweile einen hervorragenden Ruf genießen und fĂŒr viele "die" Ukulelen-Saiten schlechthin sind. Im Konzertgitarren-Forum war dazu am 06.02.2006 folgendes zu lesen:

... schon beim aufziehen stelle ich fest, dass die saiten erstaunlich stimmungsstabil sind...
... klanglich allerdings kann ich ansonsten nur gutes berichten. ganz prĂ€gnant ist die sehr hohe lautstĂ€rke der saiten, ich habe wohl noch niemals zuvor eine solch kraftvolle diskant-saite erlebt... die klangfĂŒlle ist schlichtweg als "verbĂŒffend" einzustufen...
... ich musste mich fast zurĂŒcknehmen, beim spiel... der hohe pegel der klangstĂ€rke wird zudem "mĂŒhelos" erzielt... brillant, klar, tonschön, stimmungsstabil, ĂŒberaus kraftvoll...
saite der absoluten spitzenklasse, ganz excellent

Diese Aussagen betreffen zwar einen Satz fĂŒr die Konzertgitarre, können aber auch so fĂŒr die Saiten der LU-21T stehen bleiben.

4.5 Die Stellung im Markt

Die Frage, ob ein Instrument billig ist oder nicht, lĂ€ĂŸt sich leicht durch einen Blick auf das Preisschild und den Inhalt des eigenen Geldbeutels prĂŒfen. Herrscht "Ebbe" in der Kasse, dann können selbst zehn Euro teuer sein. "Billig" ist folglich eine eher subjektive Festlegung. Ob das Instrument preiswert, also seinen Preis wert ist, steht indes auf einem anderen Blatt. "Billig" und "teuer" kann in diesem Zusammenhang in beiden FĂ€llen durchaus preiswert bedeuten - oder auch nicht!

Interessant ist in jedem Fall, wie das Instrument preislich im Markt einzuordnen ist. Um diese Frage zu beantworten, wurden die Straßenpreise von insgesamt 33 Tenor-Ukulelen ohne Tonabnehmer mit Stand vom 22.12.2010 ermittelt und eine Segmentierung erstellt:

[img:553x299]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb4_11_MarktsegmentierungTenorUkulelen.jpg[/img]
Abbildung 4-11: Marktsegmente fĂŒr Tenor-Ukulelen

Die ermittelte Preisspanne reichte dabei von 73 Euro bis 960 Euro. Dabei wurde das mitgelieferte Zubehör in der Bewertung nicht berĂŒcksichtigt. Das verzerrt das Bild natĂŒrlich etwas, denn eine Ukulele, die mit einer Tasche ausgeliefert wird, ist effektiv billiger, als ein gleichpreisiges Instrument ohne Tasche. Diese Verzerrung ist natĂŒrlich um so grĂ¶ĂŸer, je geringer der Preis des Instrumentes ist.

Hier ist zu bemerken, daß bei den meisten Konkurrenten eine Tasche im Lieferumfang enthalten ist. So teuer kann das eigentlich nicht sein, denn auch die nur halb so teure Guitalele vom Yamaha bringt eine Tasche mit. Das wĂŒrde der LU-21T sicherlich auch gut zu Gesicht stehen!

Man erkennt in Abbildung 4-11 deutlich, daß die LU-21T wieder knapp in das untere Mid-Range fĂ€llt. Die Bewertung des Instrumentes sollte also grundsĂ€tzlich vor dem Hintergrund dieser Einordnung erfolgen, denn ein Vergleich mit der "Honu Deluxe Tenor" fĂŒr 960 Euro ist mit Sicherheit weder fair noch gerechtfertigt!

[img:600x279]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb4_12_HonuDeluxeTenor.jpg[/img]
Abbildung 4-12: Honu Deluxe Tenor TRC KXXX

Unterstellt man, daß QualitĂ€t und GĂŒte eines Instrumentes grundsĂ€tzlich mit dem geforderten Preis korrelieren, dann kann die LU-21T eigentlich nichts Besonderes sein. Ausnahmen bestĂ€tigen jedoch immer die Regel. Diese kleine Lanikai punktet insbesondere mit den sehr guten Mechaniken, der als gut zu bezeichnenden Verarbeitung und dem guten Klang. Von daher ist sie also nicht nur preiswert, sondern doch etwas Besonderes.

Ulf

(Weiter geht es in ein paar Tagen)

(Der vollstÀndige und stets aktuelle Artikel ist ebenfalls in der Knowledge Database der Guitar-Letters zu finden.)
 
Wow, Hochachtung fĂŒr die wirklich umfangreiche Arbeit!

Ich spiele schon lange mit dem Gedanken, mal wieder eine Ukulele anzuschaffen, so was fehlte als Ansporn ;-)
 
Lanikai LU-21T - Doppelt hÀlt besser (Teil 3)

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5. Was die anderen sagen...

Wer sich, wie der Onkel, beruflich mit ProduktqualitĂ€t beschĂ€ftigt, der weiß, daß es sehr gewagt ist, von den festgestellten Eigenschaften einer Stichprobe auf die Eigenschaften der gesamten Produktion zu schließen. Hinter diesem komplizierten Satz verbirgt sich eine einfache Frage: Ist die LU-21T des Onkels einmalig oder verhalten sich alle diese Instrumente so? Da der Onkel aus verstĂ€ndlichen GrĂŒnden nicht die gesamte Produktion aufkaufen kann, bleibt nichts anderes ĂŒbrig, als die Meinung anderer Nutzer zur Abrundung hinzuzuziehen. Hier eine kleine Auswahl:

philxbx's (Ukulele Underground):
...I had heard that this series were hit-and-miss regarding quality, but glad to say mine are fine.
The sound is stunning for a cheap Uke, (ÂŁ90) lovely bright tone, with a good level of sustain. Folks at my club are surprised, as it sounds better then ukes around the ÂŁ200 area.

Hastour (Ukulele Underground):
I have compared it with many more expensive instruments, but it still suprises me with how good, loud and clean its sound is. Sadly, intonation is far from perfect, although acceptable. But it's still a really good instrument at this price.

Anonym, (Musicians Friend):
I've owned a lot of Ukes over the years and this one is superior to any of the others... The tone is beautiful and the workmanship great.

Roblofosho, (Musicians Friend):
For the first couple of days the ukulele wouldn't stay in tune but I thought the tuners were messed up and not holding the strings in place but it was the strings that are stretchy and after a week it stays in tune for the longest time.

l7YaRossV, (Musicians Friend):
...The price is too much for this. The tuners are loose, the bridge is off, and the strings it comes with are terrible. I know the stock strings aren't the best, but these are just horrible. I can't tune the 4th and 1st strings without them affecting each other because of the poor tuners and bad bridge. It makes it virtually unplayable, I may have gotten a bad uke or something, but I'm sending it back regardless.

Tschebberwooky, (Ukulelenclub Diskussionsforum):
...teilweise rauhe OberflÀche, macht den Eindruck einer nicht so guten Verarbeitung...
Die Lanikai wĂ€re von Anfang an die richtige Wahl gewesen. Sie ist zwar etwas einfacher als die Stagg, ist aber meiner Meinung nach das bessere Instrument fĂŒr AnfĂ€nger. Vor allem die Leichtigkeit des Instruments und die Aquila-Saiten machen Spass.

Charlie Cycle (Los Angeles, CA):
The build quality though not perfect, is great for a practice ukulele. You can see dried glue marks in the right light and the finish isn't top quality, but keep in mind the low price. All in all worth the money...

Molly K Johnston (PINEHURST, NC, US):
...After getting the strings stretched and holding tune it sounded great. I returned it because the quality of the instrument was low. I know this isn't a high end Uke but the fret board was smeared with the frets cut off improperly. The body of the instrument had saw marks that were sanded down before finishing but you could tell it wasn't good enough. The tuning pegs were out of alignment as well.

Wenn man noch etwas weiter recherchiert, ließe sich diese Liste beliebig fortsetzen, ohne sie jedoch inhaltlich signifikant zu verĂ€ndern.

Tja, was soll man nun dazu sagen? Das Ergebnis ist, sagen wir einmal, durchwachsen. Auf der einen Seite wird der LU-21T durchwegs ein guter bis sehr guter Klang attestiert und auf die gute Verarbeitung hingewiesen. Auf der anderen Seite wird die VerarbeitungsqualitÀt allerdings auch in unterschiedlichen Stufen bemÀngelt. Zwischen "sehr gut" und "sehr schlecht" scheinen alle Varianten vertreten zu sein. Als weiterer optischer Nachweis mag ein Bild aus dem Shop von "Elderly Instruments" dienen. Auch bei diesem Instrument scheint das Schleifpapier nicht mit ausreichender Dauer und Hingabe zur Anwendung gekommen zu sein.

[img:600x300]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb5_1_PickelBruecke_LU-21T.jpg[/img]
Abbildung 5-1: Die BrĂŒcke einer LU-21T mit Pickeln (rechts)

Diese Tatsache ist, zusammen mit den gezeigten Kritiken, ein deutlicher Hinweis darauf, daß es in der Produktion der LU-21T zu deutlichen Streuungen kommt. Ein entsprechender QualitĂ€tstest scheint nicht vorhanden zu sein oder aber er greift nicht.

QualitĂ€t hat ihren Preis und das im wahrsten Sinne des Wortes! Wenn ein Hersteller die Schwankungen in seiner Produktion nicht in den Griff bekommt, dann fĂŒhrt ein QualitĂ€tstest immer zu massiven Ausbeuteverlusten. Es entstehen dabei also Kosten fĂŒr den Test und den Ausbeuteverlust. Beides muß dann im Preis fĂŒr das Produkt berĂŒcksichtigt werden. Folge: Entweder steigt der Preis oder der Gewinn sinkt. Beides ist gerade bei niedrigpreisigen Produkten nicht erwĂŒnscht und kann leicht dazu fĂŒhren, daß der sogenannte "Business Case" nicht mehr aufgeht und man die Gewinnzone fĂŒr das Produkt nicht mehr erreichen kann. Viele Hersteller verzichten daher aus KostengrĂŒnden auf QualitĂ€tskontrollen und setzen darauf, daß der Endkunde, angesichts des niedrigen Preises, diese Produktionsschwankungen stillschweigend in Kauf nimmt.

FĂŒr den Endkunden ist das natĂŒrlich unschön, denn der ĂŒbliche "blinde" Kauf im Internet birgt dadurch ein gewisses Risiko. Es bleibt dann nur eine Möglichkeit: Wenn man nicht zufrieden ist, wird das Instrument zurĂŒckgegeben. Kommerzielle Anbieter sind heute in Deutschland gemĂ€ĂŸ §312 BGB und der "BGB-Informationspflichten-Verordnung" zur RĂŒcknahme, auch ohne Angabe von GrĂŒnden, verpflichtet.

Die verwendeten Saiten auf der LU-21T werden fast durchgĂ€ngig positiv beurteilt. Das Review von "l7YaRossV" bildet da eine große Ausnahme. Aus Abbildung 5-1 ist jedoch deutlich zu erkennen, daß hier, aus welchem Grund auch immer, nicht die weißen Aquila-Saiten verwendet wurden. Wenn man ein solches Instrument erhĂ€lt, ist ein Vergleich natĂŒrlich nur schwer möglich und eine eventuelle negative Erfahrung lĂ€ĂŸt sich keinesfalls auf die Gesamtheit aller LU-21T ĂŒbertragen!

Mit der Bewertung solcher User-Reviews muß man also sehr vorsichtig sein. Man sollte unbedingt deren nĂ€heres Umfeld in Augenschein nehmen. DurchgĂ€ngig positive Rezensionen, die sich auf Internetseiten von Herstellern oder HĂ€ndlern finden, sollte man grundsĂ€tzlich mit großer Skepsis begegnen. Gleiches gilt fĂŒr Reviews auf privaten Webseiten, auf denen direkte Links zu HĂ€ndlern wie Amazon vorhanden sind. Von so einem Review ist es bis zu einer versteckten Produktwerbung leider nicht sehr weit.

Ulf

(Weiter geht es in ein paar Tagen)

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Lanikai LU-21T - Doppelt hÀlt besser (Teil 4)

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6. Wie sich der Hals vom Korpus trennt

Im Laufe der nĂ€chsten Tage erfreute sich die LU-21T wachsender Beliebtheit in der Familie des Onkels. Sogar FrauOnkel probierte ein Weihnachtslied... Sechs Tage ging alles gut und dann kam der Onkel am Freitag abend in seinen Keller und fand zu seiner Überraschung eine "zweiteilige" Ukulele vor...

6.1 Ursachenforschung

Erster Gedanke: "Die lieben Kleinen! Die soll doch gleich..." Aber halt, die lieben Kleinen waren schon den ganzen Tag unterwegs und noch nicht wieder im Hause und selbst wenn sich einer der Beiden auf das Instrument gesetzt hĂ€tte, dann wĂ€re Kleinholz zwingend die Folge gewesen. "WĂ€re ja schließlich nicht das erste Mal!", dachte der Onkel. War es aber nicht, denn der Korpus war leider absolut unversehrt! Die Fische im Aquarium werden wohl auch kaum mal eben schnell... Es mußte also eine andere ErklĂ€rung geben!

Ah, Erinnerung! Seit gestern war das Instrument statt auf G auf A gestimmt. Das gibt natĂŒrlich eine etwas grĂ¶ĂŸere Spannkraft, die dann auf Hals und Korpus wirkt. Sie erhöht sich ganz genau um 26%. Aber ist das daraus resultierende Drehmoment am Halsfuß ausreichend, um fĂŒr eine gewaltsame Trennung zu sorgen? Das darf eigentlich nicht sein, denn A ist auch noch eine Standardstimmung fĂŒr eine Ukulele dieser Klasse. Da stimmt also was nicht...

Der Onkel ist jetzt nicht nur Àrgerlich, sondern auch neugierig und das ist in jedem Fall eine "schlechte" Kombination! Sehen wir uns das Ganze also etwas genauer an:

[img:600x359]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb6_1_DieKonstruktionHalsbefestigung.jpg[/img]
Abbildung 6-1: Die Konstruktion der Halsbefestigung

Betrachtet man die Innenseite des Halsfuß, so fĂ€llt auf, daß nur im oberen Bereich wirklich Bruchreste von der Korpuszarge zu sehen sind. Der untere Teil des Halsfuß ist "sauber". Vermutlich wurde hier die Verleimung nicht einwandfrei ausgefĂŒhrt. Der Halsfuß wird mit Hilfe zweier DĂŒbel am oberen Stock des Korpus befestigt, die einem Drehmoment an dieser Stelle natĂŒrlich nur geringen Widerstand entgegensetzen. Warum die DĂŒbel nicht mittig angebracht wurden, ist sicherlich eine gute Frage, spielt fĂŒr die StabilitĂ€t der Verbindung jedoch keinerlei Rolle.

Deutlich besser als die einfache gedĂŒbelte Verbindung, wĂ€re zum Beispiel ein sogenannter "Schwalbenschwanz". Hier wird der Hals mit Hilfe eines Zapfens mit dem oberen Stock des Korpus fest verbunden. Diese Art der Verbindung kennt man hauptsĂ€chlich von deutschen Meistern. Der "spanische Halsfuß" dient gleichzeitig als oberer Stock fĂŒr den Korpus und wird zum Beispiel bei den hochwertigen klassischen Akustikgitarren nach spanischer Bauart verwendet. Aber das alles ist sehr aufwĂ€ndig und kostet natĂŒrlich...

[img:320x210]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb6_2_Halsbefestigung.jpg[/img]
Abbildung 6-2: Schwalbenschwanz und spanischer Halsfuß

Interessant ist auch der Blick auf das Griffbrett, welches genau am fĂŒnfzehnten Bund glatt gebrochen ist. Es besteht aus insgesamt fĂŒnf verschiedenen Schichten. Hier ist ganz eindeutig ein Laminat verwendet worden. Lediglich die beiden oberste Schichten scheinen aus einem dĂŒnnen Palisanderfurnier zu bestehen, von denen das Oberste zusĂ€tzlich dunkel eingefĂ€rbt erscheint.

[img:600x514]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb6_3_Griffbrettaufbau.jpg[/img]
Abbildung 6-3: Aufbau des Griffbretts

Die Bundschlitze selber reichen bis zur halben Dicke des Griffbrettes hinunter. Seine Festigkeit wird also maximal durch die unteren drei Schichten bestimmt! Eine besonders große StabilitĂ€t darf man von einer solchen Konstruktion folglich nicht erwarten. Sie ist eigentlich auch nicht notwendig, da die entstehenden KrĂ€fte vom Halsfuß aufgenommen werden sollen.

Soweit also die Theorie. Die Praxis zeigt jedoch, daß der Halsfuß dieser Aufgabe offensichtlich doch nicht so recht gewachsen war!

Ein Mitarbeiter von Just Music Ă€ußerte den Verdacht, daß unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten von Korpus und Halsfuß zu Spannungen in der Hals-Korpus-Verbindung gefĂŒhrt haben. Zusammen mit der fehlerhaften Verleimung und der erhöhten Saitenspannung hĂ€tte sich dann die Verbindung gelöst und in der Folge konnte das schwache Griffbrett dem anliegenden Drehmoment wohl nicht mehr standhalten. Normalerweise wĂŒrde man in so einem Fall den Bruch am vierzehnten Bund erwarten, da hier der Halsfuß endet. Daß der Bruch dann jedoch am fĂŒnfzehnten Bund auftrat, spricht fĂŒr eine besondere SchwĂ€chung an gerade dieser Position.

Wie Abbildung 6-3 deutlich zeigt, sind lediglich die unteren beiden Schichten gebrochen, wobei dann auch ein Teil des Deckenlaminates abgerissen wurde. Die oberen drei Schichten weisen saubere Schnittkanten auf. Offensichtlich handelt es sich dabei um die Wand des eingesÀgten Bundschlitzes.

6.2 Ergebnisse

So wie sich die Dinge darstellen, scheint die LU-21T am fĂŒnfzehnten Bund, unterhalb des Hals-Korpus-Übergangs, ĂŒber eine konstruktionsbedingte Schwachstelle zu verfĂŒgen. Zusammen mit der fehlerhaften Verleimung und der vergrĂ¶ĂŸerten Saitenspannung, die hier als Auslöser gewertet werden muß, kam es zum Abriß der verbliebenen Verleimung am Halsfuß mit nachfolgendem Bruch des Griffbrettes.

Als Ursache des Schadens ist mit großer Wahrscheinlichkeit die fehlerhaften Verleimung von Halsfuß und Korpus anzusehen. Das dĂŒnne Griffbrett konnte dem anliegenden Drehmoment keine ausreichende Gegenkraft mehr entgegensetzen und zerbrach folglich an seiner dĂŒnnsten und damit auch schwĂ€chsten Stelle, an der gleichzeitig das fast grĂ¶ĂŸte Drehmoment wirksam wird.

6.3 Nachgefragt

Die Firma Hohner teilte zu diesem Schaden am 30.11.2010 folgendes mit:

Die glĂ€nzende Innenseite des Halsfusses deutet darauf hin, dass die Klebeverbindung nicht stabil ausgefĂŒhrt worden ist. Die Lackierung wird grundsĂ€tzlich erst nach der Verbindung von Hals und Korpus durchgefĂŒhrt. Möglicherweise wurde nicht genug Kleber aufgetragen, so dass beim SprĂŒhlackieren Lack in den Spalt gezogen wurde.
Der Halsfuß, nicht das Griffbrett, muss die Hebelwirkung der Saitenspannung aushalten.
Die 2 Halbtöne höhere Stimmung der Nylgut oder Nylon Saiten ist ... kein signifikant höherer "Stress" fĂŒr die Ukulele und ist sicherlich nicht der Grund fĂŒr den Halsbruch.
...Beim SĂ€gen der BundstĂ€bchen-Schlitze wird das Griffbrett aufgespreizt. Das wird durch das Einpressen der BundstĂ€bchen wieder kompensiert. Das EinhĂ€mmern/Einpressen der BundstĂ€bchen trĂ€gt zwar zur Steifigkeit des Halses bei, hat aber keine "Haltefunktion" am Hals-Korpus Übergang. Wie gesagt – die Klebestelle und die sog. "Pins" haben diese Aufgabe.

Diesen Aussagen kann der Onkel voll und ganz zustimmen. Ob der Halsfuß der LU-21T die entstehende "Hebelwirkung" der Saitenspannung besonders gut "aushĂ€lt" bezweifelt er jedoch. Die gesamte Verbindung wird auf Zug belastet. Der Großteil der entstehenden Last wird von der Verleimung aufgenommen und auf die OberflĂ€che der Zargen verteilt. Die beiden "Pins" werden da sicherlich keine große "Hilfe" sein!

NatĂŒrlich hatte es das mehrteilige Griffbrett dem Onkel auch angetan und prompt landeten entsprechende Fragen bei der Firma Hohner, die dazu am 30.11.2010 folgendes mitteilte:

GemĂ€ĂŸ unserer Spezifikation und den Fertigungsunterlagen aus der Fabrik wird fĂŒr die Griffbretter Sonokeling aus Indonesien verwendet (Dalbergia latifolia). Diese Holzart wird auch als Ostinidischer Palisander bezeichnet.

Gut, dagegen ist nichts einzuwenden. Sonokeling ist lediglich ein anderer Name fĂŒr den ostindischen Palisander, der jetzt allerdings nicht mehr in Indien wĂ€chst...

Was dann folgt ist jedoch schon viel interessanter:

In dieser Preisklasse ist es ĂŒblich, dass die Griffbretter laminiert aufgebaut sind...
Ein massives Palisander-Griffbrett wĂ€re sicher hochwertiger, wirkt sich aber in Materialkosten und -verfĂŒgbarkeit aus. Wir haben uns dagegen entschieden. Deswegen steht in der Beschreibung auch lediglich "rosewood" und nicht "solid rosewood".

Diese letzte Aussage ist tatsĂ€chlich sehr bemerkenswert. Der Onkel wird folglich demnĂ€chst bei Gibson anfragen, aus welchen Hölzern das Palisandergriffbrett der "Eric Clapton 1960 Les Paul" besteht, denn diese amerikanische Firma sprach oder besser gesagt schrieb im Januar 2011 hier auch nur von "Rosewood Fingerboard" und vermeidet, auch heute noch, das Attribut "solid" bei allen anderen Instrumenten konsequent! Vielleicht ist es in dieser Preisklasse ($8,468) ja auch ĂŒblich, daß das Griffbrett laminiert...

Die altgediente Traditionsfirma Gibson ist mit diesem Vorgehen jedoch nicht allein. Fender, Gretsch, Rickenbacker, Ibanez und noch viele andere sprechen heute lediglich von "Rosewood" oder "Palisander". Das haben sie ĂŒbrigens auch schon in der Vergangenheit so gehalten! Der Onkel wird also noch viele Anfragen schreiben mĂŒssen...

Jetzt aber genug der Ironie. Kommen wir wieder zur Sache:

So unbefriedigend konnte der Onkel das leider nicht stehen lassen und in der Folge wurde bezĂŒglich der Griffbrettkonstruktion noch einmal bei Hohner per E-Mail nachgehakt. Allein die Frage, ob man auf diese etwas "intime" Frage ĂŒberhaupt eine Antwort erhalten wĂŒrde, war spannend. Hohner teilte dazu am 03.01.2011 folgendes mit:

...Ich habe Ihre Frage an die Produktion weitergeleitet. Bisher ging ich davon aus, dass die Farbunterschiede durch unterschiedliche Beize und Faserrichtung bedingt sind. In meinen Unterlagen ist nur Sonokeling aufgelistet. Ich lasse jetzt prĂŒfen, ob sich das tatsĂ€chlich auf alle Schichten bezieht.

Schwingt da eine gewisse Unsicherheit mit? Offensichtlich. Warum man Hölzer fĂŒr ein Laminat vor der Verleimung beizen soll, ist dem Onkel aber nicht ganz klar, denn im Zweifel wĂŒrde dadurch doch die Haftung des Leimes auf der HolzoberflĂ€che eingeschrĂ€nkt. Aber genug der Spekulation. Jetzt hieß es wieder: Warten!

Am 07.01.2011 wurde das Warten belohnt und der Onkel nahm mit einem befriedigendem "Wußte ich’s doch!" folgendes zur Kenntnis:

Ihre Vermutung war richtig, dass die laminierten Griffbretter der LU Serie aus verschiedenen Hölzern zusammengesetzt sind.
Die oberste Schicht ist wie angegeben Sonokeling, jedoch fĂŒr die anderen Schichten wurde den aktuellen Infos zufolge "Basswood", also eine Lindenart, verwendet.

"Woll'n doch mal seh'n!", dachte der Onkel und suchte nach einem Bild von Lindenholz. Hier ist eines, zusammen mit dem Querschnitt des Griffbretts:

[img:600x223]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/Abb6_4_Griffbrett_Lindenholz.jpg[/img]
Abbildung 6-4: Lindenholz und Griffbrett der LU-21T

Von der Farbe her könnte es sich bei den zwei untersten Schichten tatsÀchlich um Linde handeln. Die leicht unterschiedliche FÀrbung ist dabei vielleicht eine Folge von verschiedenen FaserverlÀufen. Wenn das Laminat gesperrt aufgebaut wurde (Sperrholz), um die StabilitÀt des Griffbretts zu erhöhen, ist das sogar sehr wahrscheinlich.

Die obersten beiden Schichten sind fĂŒr Linde eindeutig zu dunkel, die zweite Schicht ein wenig zu rötlich. Hier spricht alles fĂŒr Sonokeling, das ganz oben offensichtlich dunkel eingefĂ€rbt wurde. Da Linde deutlich weicher als Palisander ist, dĂŒrfte es schwierig sein, die BĂŒnde darin dauerhaft und ausreichend fest im Holz zu verankern. Es steht daher zu vermuten, daß auch die zweite Schicht aus dem hĂ€rteren Sonokeling besteht.

FĂŒr die Mehrzahl der Hersteller sind die Begriffe "Palisander" oder "Rosewood" im Zusammenhang mit dem Griffbrett immer mit dem Attribut "massives Holz" verbunden. Das ist quasi der Standard und fĂŒr die Verbraucher gilt dieser Zusammenhang folglich auch! Nutzt ein Hersteller fĂŒr das Griffbrett eine andere mechanische Konstruktion und Materialkomposition, wie es hier offensichtlich der Fall ist, so sollte er das in der Spezifikation seines Instrumentes auch deutlich darlegen. Andernfalls setzt er sich dem Verdacht der VerbrauchertĂ€uschung aus!

Diese BefĂŒrchtung teilt man bei Hohner (damals) zumindest auch und antwortete am 07.01.2011 weiter:

Ich nehme dieses Ergebnis zum Anlass, in den nÀchsten Wochen unsere veröffentlichten Spezifikationen nach und nach Korrektur zu lesen und ggf. zu korrigieren bzw. zu ergÀnzen.

Na, da bleibt der Onkel doch am Ball und wird von Zeit zu Zeit mal nach dem "Rechten und dem Linken" sehen!

BezĂŒglich des weiteren Verfahrens teilte Hohner schon am 30.11.2010 mit:

Grobe Herstellungsfehler dieser Art werden bei Lanikai trotz des großen Verbreitungsgrades und der erheblichen StĂŒckzahlen nur sehr selten gemeldet. Ich bin jedoch der Meinung, dass es sich hier um einen Garantiefall handelt und dass Sie Anspruch auf den Austausch Ihrer LU21T haben. Ihr Exemplar entspricht offenbar nicht den QualitĂ€tsansprĂŒchen, die Hohner an die Lanikai Ukulelen stellt. Bitte kontaktieren Sie dazu den HĂ€ndler, bei dem Sie das Instrument erworben haben. Der HĂ€ndler wird die Reklamation entgegennehmen und ĂŒber den regulĂ€ren Großhandelsvertriebsweg (Fa. Musik-Meyer in Marburg) zu Lasten von Lanikai abwickeln.

Und so geschah es! Die LU-21T ging ein paar Tage spĂ€ter zurĂŒck zu Henner bei Just Music und nach einer guten Woche hielt der Onkel erfreut eine neue und "einteilige" LU-21T in seinen HĂ€nden.

Ende gut, alles gut!

Oder?

(Weiter geht es in ein paar Tagen)

(Der vollstÀndige und stets aktuelle Artikel ist ebenfalls in der Knowledge Database der Guitar-Letters zu finden.)
 
Mein Vorschlag an Hohner fĂŒr die zukĂŒnftige Kennzeichnung solcher Griffbretter: Hanuta Palisander :)
Schöner Artikel, lange nix mehr gehört.
 
Ja nun geht es auch noch weiter? Mir schwant da Böses...

Ich hĂ€tte ja nun beinahe eine LU-21C oder T bestellt, da das Christkind noch auf einen Wunsch von mir wartet. Es muß wohl weiter warten, erstmal.
 
blowfire schrieb:
Ja nun geht es auch noch weiter? Mir schwant da Böses...

Ja, es geht tatsÀchlich noch weiter, aber das wird jetzt wirklich noch ein paar Tage dauern...

blowfire schrieb:
Ich hĂ€tte ja nun beinahe eine LU-21C oder T bestellt, da das Christkind noch auf einen Wunsch von mir wartet. Es muß wohl weiter warten, erstmal.

So schlimm ist das wirklich nicht. Des Onkels LU-21T is still alive. Kuckst Du hier:

[img:600x531]http://www.guitar-letter.de/Knowledge/Review/Images/OnkelUkes.jpg[/img]
Die Ukes des Onkels (rechts LU-21T)

Also, wenn Du gar nicht still sitzen kannst... Der Onkel wird Dich nicht hindern! ;-)

Ach ja, in diesem Zusammenhang wĂŒrde mich schon interessieren, was W°° zu dieser Art der Halsbefestigung zu sagen hat. Mal seh'n, ob er vorbeikommt...

Ulf
 

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