Schlaganfall!

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thepale

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hallo zusammen!
ich hatte vor einem halben jahr einen ziemlich gruseligen schlaganfall, der mich links gelähmt hat. mittlerweile habe ich durch training vieles an beweglichkeit wieder erlangt. es ist noch ein weiter weg, aber das wird schon wieder. leider ist meine linke hand immer noch ziemlich unfähig. die kraft und die koordination fehlt, obwohl ich alles im kopf noch abrufen kann, was ich vorher spielen konnte.
hat jemand von euch erfahrung mit so einer situation? gibt es tipps, fürs richtige üben? ich bin für hilfe sehr dankbar, da ich derzeit nach ein paar minuten üben aufhören muß, weil mir die finger schnell steif werden. es ist aber mein herzenswunsch, wenigstens wieder ein bißchen spielen zu können.
ein erfahrungsaustausch mit anderen schlaganfall-betroffenen oder mit leuten, die unter ähnlichen handicaps leiden, wäre toll!
viele grüße,
matthias
 

Hallo in die Runde,
ich war schon lange nicht mehr hier, gehöre aber seit 15 Jahren zum Forum.
Mich hat es im Juni 2021 mit einem Hirnschlag erwischt.
Ich kann zwar alle Gräten irgendwie bewegen, gelte aber als halbseitig rechts gelähmt weil ich auf der rechten Körperhälfte keine oder nur minimale Sensorik habe. Laufen z.B. geht gut, aber ich würde nicht merken ob ich auf Matsch oder Eis stehe (und ausrutsche).
Die Finger der rechten Hand kann ich bewegen, Fingerpicking mit Daumen, Zeige-, Mittelfinger geht (mit 70% der Geschwindigkeit), Ring- und Kleiner Finger sind etwas unzuverlässig.
Slappen (Spiele mehr Bass als Git) geht nicht mehr, ich habe die natürliche Lockerheit im Handgelenk verloren.
Spielen geht nur noch sitzend (Gleichgewicht futsch).
Das Schlimmste sind aber die Nervenschmerzen: Jede Berührung (der Fingerkuppe mit der Saite z.B.) ist Schmerz! - Als fasste ich in eine Stahldrahtbürste.
Beim Bassspielen behelfe ich mir (je nach Wetterlage) mit einem dünnen Strickhandschuh (Gibts im 50er Pack bei amazon) - der verteilt den Schmerz etwas.

Davon abgesehen, hat mir geholfen:
a) div. Arten der Massage (um die Verspannungen aus den Muskeln zu bekommen).
b) Bewegung (sehr wetterabhängig), neben Laufen vor allem Fahrrad (Trike!) fahren.
c) Fitness-Studio (Gewichte schieben).
d) regelmäßig (abwechselnd) Gitarre und Bass üben (spiele Beide in jeweils einer Band)

Natürlich bin ich "EU", ich habe auch noch lange nicht alle Schäden aufgezählt, aber das würde zu lange dauern und dafür habe ich nicht die Konzentration und Ausdauer.
 

Auch von mir Alles Gute.
Nicht aufgeben, auch wenn's mal einen Schritt vor und zwei Schritte zurück geht, und freue Dich über jeden noch so kleinen kleinen Erfolg.
 
Hi Armin,
schöner Mist, aber macht mir auch Mut, weil du wieder spielst.
wie lange hat es bei dir gedauert, bis du wieder mit deinen Bands proben konntest? Bei mir ist an gemeinsames spielen noch nicht zu denken, weil mein Rhythmusgefühl auf Eis liegt seit dem Schlag .viele Grüße, jörg
 
hallo zusammen!
ich bins, matthias! ich bin gerade über diesen alten thread gestolpert! ist ein paar jahre her...
ich war ziemlich lange ziemlich down!
für die, die es interessiert und die ggf. leidensgenossen sind: bei mir hat sich in den vergangenen jahren noch ein bißchen was getan, aber die linke hand und der linke fuß sind leider dauerhaft im eimer! ich habe versucht zu üben, um meine früheren fertigkeiten wieder zu aktivieren. aber ohne erfolg, weil mein verdellertes hirn die leitung in die finger der linken hand einfach nicht mehr beschleunigt. meine finger öffnen sich nur sehr langsam und es kostet kraft, so daß ich für einen umgriff von e-dur zu d-dur einen moment brauche. die kraft und die konzentration auf die steife hand lassen "üben" über zwei/drei minuten einfach nicht zu. ich kann daher gar nicht mehr spielen, was mir, auch nach all den jahren, sehr zu schaffen macht!
die zeit fürs kreative, die ich ja habe, wollte ich mit anderem füllen. ich habe am rechner komponiert - das war zwar gar nicht schlecht - ersetzt mir aber das musik-machen als aktive tätigkeit nicht. als anderes instrument kommt lediglich noch trompete infrage. das scheiterte an einem schlimmen mangel an begabung und dem (freundlichen) widerstand der anderen hausbewohner. malen hab ich auch versucht, aber da war sogar die trompete besser...
mittlerweile ist das in meinem hirn soweit gediehen, dass ich meine eigene musik nicht mehr hören kann.
oder kurz: ganz schön elend, die fähigkeit zu musizieren zu verlieren! ich kanns nicht empfehlen!
wie gehts euch anderen hirnversehrten da draußen? ich hoffe, besser als mir und wenn nicht, hoffe ich, dass ihr mit euren schicksal gut umgehen könnt!!!
lasst mal was von euch hören - ich würde mich freuen!
gruß, matthias
 
Hallo Matthias,

schön von Dir zu hören, oder besser lesen.
Ja, was soll man da sagen? Ich bin kein Freund von hohlen Floskeln wie "Kopf hoch", "das Leben geht weiter" oder "das wird schon wieder" usw.
Man muss die Realität akzeptieren, auch wenn das in Deinem Fall den Verlust der geliebten Passion, dem Musizieren, bedeutet.

Ich kann, vermutlich nur in bescheidenem Rahmen, nachvollziehen wie Du Dich fühlst, da ich ebenfalls mit körperlichen Einschränkungen zurechtkommen, und deswegen auf zwei geliebte Hobbies verzichten muss. Gitarrespielen geht aber noch. Zwar sind die Finger nicht mehr so flink wie früher, aber für einen gemütlichen Blues-Rock-Abend reicht's noch.

Mir hat es nach tatsächlich langem psychischen leiden (wegen dem, was ich physisch nicht mehr kann) geholfen, dass ich mir gesagt habe "Ich bin klar im Kopf, und das ist das Wichtigste".

Du schreibst von "Schicksal". Dieses Wort klingt für mich immer so ein bisschen nach Verbitterung, verlorener Lebensfreude. Schreibe lieber von Realität, von dem was alles trotz Einschränkung gut ist, denn es kann nicht alles schlecht sein, sonst würdest Du hier nicht schreiben (können).

Gitarre geht nicht mehr, Komponieren nicht, Trompete nicht, Malerei auch nicht - das sind nur vier Sachen, die nicht gehen. Es gibt aber noch jede Menge anderer Beschäftigung. Da hast Du einiges zu tun, das Richtige für Dich zu finden.

Laß von Dir hören, was Du so ausprobierst.

Gruß
Horst
 
hallo horst!
danke für deine schnelle und mitfühlende reaktion!
der verlust des musizierens produziert bei mir sowas wie einen phantomschmerz. du schreibst von psychischem leiden wegen dem, was ich physisch nicht mehr kann. das trifft es ziemlich genau!
schicksal hatte ich - als bekennender atheist - nicht fatalistisch pseudoreligiön gemeint. es sollte einfach bezeichnen, was einen unabänderlich erwischt, mit dem man sich auseinanderzusetzen hat. und das ist auch das schlimmste: das pendeln zwischen verbliebener hoffnung und der zu akzeptierenden realität. aber das hier gerät mir gerade zu weinerlich. immerhin: wie du richtig schreibst, funktioniert meine birne noch. und das hätte auch anders kommen können!
also frischwärts auf zu neuen ufern - es gibt noch viel buntes zu entdecken. das jetzt klingt wie "conny wird erwachsen", aber vielleicht ist ja was wahres dran!
lasst es euch allen gutgehen und viele grüße, matthias
 
Hallo Matthias,
die Umstände kannst du nicht ändern, nur deinen Umgang damit.
Vielleicht ist es gar nicht so gut bei der Suche nach einem Ersatz fürs Gitarre spielen im musikalischen Umfeld zu bleiben.

In deinem Fall würde ich mir eine Werkstatt einrichten mit einer eigenen Hebebühne und endlich damit anfangen Oldtimer (bzw. Youngtimer aus den 70er/80er Jahren) zu restaurieren. Motoren auseinander zu nehmen und neu aufzubauen, Achsen und Querlenker neu machen, Schweißen lernen usw.

Das wäre zum Beispiel ein Traum von mir, den ich momentan nicht verwirklichen kann, weil die Musik einen wahnsinnig großen Raum in meinem Leben einnimmt.

Vielleicht gibt es ja etwas in deinem Leben, das ganz tief in dir schlummert und bisher noch keine Chance hatte von dir in die Tat umgesetzt zu werden, weil es zu verrückt und zu weit weg von deinem bisherigen Leben war.

Ich drücke dir die Daumen dass du deinen Weg finden wirst. irgendwie muss es ja weitergehen...

Viele Grüße
Martin
 
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