Schlaganfall! Tipps und Erfahrungen für Gitarristen?


thepale
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hallo zusammen!
ich hatte vor einem halben jahr einen ziemlich gruseligen schlaganfall, der mich links gelähmt hat. mittlerweile habe ich durch training vieles an beweglichkeit wieder erlangt. es ist noch ein weiter weg, aber das wird schon wieder. leider ist meine linke hand immer noch ziemlich unfähig. die kraft und die koordination fehlt, obwohl ich alles im kopf noch abrufen kann, was ich vorher spielen konnte.
hat jemand von euch erfahrung mit so einer situation? gibt es tipps, fürs richtige üben? ich bin für hilfe sehr dankbar, da ich derzeit nach ein paar minuten üben aufhören muß, weil mir die finger schnell steif werden. es ist aber mein herzenswunsch, wenigstens wieder ein bißchen spielen zu können.
ein erfahrungsaustausch mit anderen schlaganfall-betroffenen oder mit leuten, die unter ähnlichen handicaps leiden, wäre toll!
viele grüße,
matthias
 
martin
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Hallo matthias,

oh je, das ist genau das was man nicht erleben möchte...

Erfahrungen und Tipps habe ich keine, aber ich wünsche dir alles Gute, Kraft und viel Ausdauer auf dem Weg zurück an die Gitarre!

Viele Grüße
Martin
 
Ha.Em
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Hallo Matthias,

kein Schlaganfall und nicht die linke Hand, sondern Arbeitsunfall vor 3 Jahren und rechte Hand.

Vier Wochen nach der OP konnte ich noch nicht mal ein Plektrum halten. Keine Kraft. Rat vom Arzt: Üben, üben, üben. "Wenn die Hand schmerzt aufhören, sind die Schmerzen weg, weiterüben. Sie können an der Hand nichts kaputtmachen, Sie können auch nicht zuviel üben", war die Aussage.

Mit der Zeit wurde es immer besser, nach (ich glaube) vier Monaten konnte ich wieder einigermaßen die Akustik zupfen.

Problem bis heute: Der Kopf kann alles, aber die Finger sind beim Picking immer noch zu langsam, und manchmal fühlt sich das Zupacken/Greifen allgemein irgendwie unwirklich an.

Forstschritte gibt's abwechselnd mal schnell und mal langsam, mal große Schritte, mal kleine.

Mein Rat: Nicht an früher denken, nichts mit Gewalt versuchen, niemals aufgeben oder verzweifeln. Aus der Wut, wenn's nicht klappt Motivation entwickeln, und sich über jeden noch so kleinen kleinen Erfolg freuen.

Egal, wie das mit Deiner Hand weitergeht, irgendetwas musikalisches wirst Du schon zustande bringen. Vielleicht wolltest Du ja schon immer mal auf Sliding umsteigen?

Denk an Django Reinhard, Tony Iommi . . . Auch interessant:

https://www.musikmachen.de/fun/6-musiker-und-acts-mit-handicap-die-unbeirrt-die-weltbuehnen-eroberten/

Gruß

Horst
 
fabianb
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Hallo @thepale
ich wünsche dir auch erst mal alles Gute! Mein Vater ist Bassist und er hatte vor 2 Jahren auch einen Schlaganfall. Wegen der anrollenden Corona-Situation wollte er erst mal mit der Physiotherapie abwarten (es gab auch noch keinen Impfstoff). Der Arzt sagte ihm aber auf Nachfrage, dass das Bass-Spielen sicherlich auch gut für die Motorik ist.
Er hatte am Anfang immer nur kurz mit Pausen gespielt und jeden Tag etwas länger. Ich bin mir sicher, dass es für seine Genesung enorm wichtig war.

Hoffe das wird bei dir auch wieder wie vorher!

Liebe Grüße
Fabian
 
thepale
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hallo zusammen!
erstmal danke für eure genesungswünsche und die motivation!!!
ja, ich weiß, das wird dauern. seis drum! ich üb ja weiter und mache mikro-fortschritte. leider vergleiche ich natürlich fast immer, was in meinem kopf noch geht, die finger und die verbindung hirn-hand aber nicht mehr hinkriegen.
ein neurologe hat mir geraten immer weiter zu üben, egal ob es ersichtlich was bringt, weil es gut für den wiederaufbau der hirnverbindungen ist. also dann: weiter!
es ist nur manchmal sehr frustrierend, aufnahmen aus dem proberaum zu hören und ungläubig wahrzunehmen, dass ich das war...
eine besonders merkwürdige angelegenheit ist, wenn mich leute fragen, welche folge vom schlag am schlimmsten ist und ich sage, dass ich nicht mehr spielen kann. viele lachen dann und sagen mir, sie hätten noch nie spielen können. ich sage dann immer: eben!
euer zuspruch hat mir wirklich gutgetan!
gruß,
matthias
 
mr_335
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Matthias, ich wünsche Dir viel Kraft und Ausdauer! Unser Hirn ist ein wundervolles Organ und passt sich auch neuen Herausforderungen an und der Neurologe hat vollkommen recht: Bleib dran und übe.
Meine Schwester hatte letztes Jahr einen Schlaganfall und mit viel Arbeit ist sie wieder bei 95% ihrer früheren motorischen und auch kognitiven Fähigkeiten.
 
thepale
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hallo rolli!
das freut mich sehr für deine schwester! wie lange hat sie gebraucht, um das zu erreichen?????

hallo fabian!
wie lange hat dein vater gebraucht, bis er wieder spielen konnte???

ich weiß zwar, dass man das nicht vergleichen kann, aber ich habe so gar kein maß dafür, wie lange es dauern könnte, falls es überhaupt je wieder wird. daher würde es mir helfen, zu wissen, wie "schnell" sowas gehen kann.
 
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fabianb
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wie lange hat dein vater gebraucht, bis er wieder spielen konnte???
Ich schätze mein Vater hat nach ca. 2 Monaten wieder langsam angefangen und es dauerte halt ein paar Monate, bis es wieder einigermaßen ging. Glaube aber Bass und Gitarre kann man hier nicht wirklich vergleichen. Alleine weil es 2 Saiten weniger sind und weil Akkorde in dieser Situation schwieriger zu spielen sind als einzelne Töne (nichts für Ungut, liebe Bassisten).
Aber das mit dem Gehirn und der Neuvernetzung hatte mein Vater bzw. sein Arzt auch gesagt.

Dran bleiben – alles Gute!
 
Woody
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Es gibt von Thomas Offermann im Schott-Verlag das Buch "Moderne Gitarrentechnik".
Thomas Offermann ist Dozent für klassischer Gitarre an der Hochschule in Rostock, und er hat 1996 ebenfalls eine Erkrankung gehabt, die zu einer halbseitigen Lähmung führte. Daraufhin hat er sich das Gitarrespielen wieder auf hohem Level beigebracht, und die Überlegungen, Methoden und Techniken in diesem Buch gesammelt.

Das Buch ist um die Technik der klassischen Gitarre geschrieben, viele Überlegungen lassen sich aber auch auf die E-Gitarre übertragen. Der menschliche Körper bleibt ja derselbe, und damit sind Gedanken zu Spielhaltung und Ergonomie, Bewegungsökonomie und Propriorezeption (also, taktiles Feedback aus den Fingern vor dem Anschlag) sind weitgehend übertragbar.
Das menschliche Hirn ist ja erstaunlich formbar.
Da geht bestimmt noch was!
Viel Erfolg!
 
thepale
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hallo zusammen!
kurzer zwischenbericht: das buch - die empfehlung von woody - ist zwar große klasse, bringt mir aber derzeit noch nix, weil die übungen für meine beweglichkeit noch zu anspruchsvoll sind. bis ich dahin komme, wird es noch dauern.
das übungsding, das den fingern wieder etwas kraft einhauchen soll, ist allerdings prima! das bringt mich in homöopathischen dosen voran.
so bin ich nach wie vor auf der suche nach der ersten langsamen, aber flüssigen linie...
trotzdem: aufgeben is nich!
gruß,
matthias
 
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Ich wünsche @thepale auch baldige Erfolge und Besserung!

Bin bei dem Thema ziemlich ängstlich, und kann nicht mehr dazu schreiben.

Dran bleiben! :)

Gruß, U.
 
J
Jojostrummer
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Hallo mathias,
Bei mir war es ein Schlaganfall (Hirnblutung rechts) mit linksseitiger Lähmung im August 2017. laufen hab ich dank hervorragender Physiotherapie wieder ein bisschen gelernt. Arm und Hand links DIN völlig schlaff. Da geht gar nix. Ich hab auch kei gefühl in der linken Hand. Kraft und Koordination fehlen völlig. Ich kam nicht mal emoll Greifen. Ich werde es mal mit dem Buch ausprobieren. Ein orthopädie Techniker hat mir da „myomo“(myopro) System gezeigt, das rundem brim Armheben und zugreifen hilft. Die komplexen Bewegungen fürs Gitarre spielen kann das aber nicht. Ich lese hier weiter mit und bingespannt.
Im Krankenhaus hatte ich musiktherapie. Die Therapeutin hat mich auf die Arbeit von Professor Ekkehard altenmüller inHannover hingewiesen. Der ist Musiker und Neurologe. Klingt interessant.
 
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Das Thema geht mir nicht aus dem Sinn und ziemlich an die Nieren, sorry!

Ich habe überlegt, was ich in der Situation machen würde, falls mein Hirn noch einigermaßen funktioniert, aber meine Motorik nicht so, wie ich will?

Da ich auf der Gitarre immer recht gut Improvisieren konnte und Griff- und Läufemuster fast blind spielen, würde ich versuchen, genau Das wieder in langsamen, mühsamen Versuchen, aber in meinem Tempo...

Ist nur eine Idee von mir, vielleicht hilft es ja ein Bisschen, wenn man auch seine ehemaligen Stärken versucht, sie wieder aufzubauen?

Ich hoffe, habe 'den Pfälzer' und Jojostrummer und Andere nicht verärgert, oder vor den Kopf gestoßen.

Wünsche baldige Besserung! :)

Grüße, U.

P.S.: Ganz schön ruhig im Board geworden...
 
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bebob
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Hallo Matthias,
auch von mir gute Besserung und alles Gute.
Ich habe herausgelesen, dass dir die Kraft in den Fingern fehlt.
Es gibt diese Fingertrainer, speziell für Gitarristen, wovon ich eigentlich nicht viel halte, aber in Deinem Fall, könnte es womöglich eine Besserung bringen.
Es gibt auch Anderes, so etwas wie Schaumbälle etc, oder Kraftringe, die die Hand trainieren.
Ich hatte vor vielen Jahren einen Fahrradunfall und bin tiemlich blöd auf den Ellbogen gefallen, der Arm war ca für ein Jahr nicht brauchbar, Gitarre spielen betreffend.
Ich habe viel mit diesen Schaumbällen gemacht, die es in unterschiedlichen Stärken gibt und habe für mich viel erreicht, heute bin ich wieder auf dem Stand vor dem Unfall.
Dran bleiben, Alles Gute
 
bebob
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Auch ist es gut, wenn der "Kopf" wie früher arbeitet, das halte ich für enorm wichtig.
Ich zb habe nach meinem Unfall nie wirklich daran gezweifelt, wieder in die alte Form zu kommen, ich wollte einfach nur. Tatsächlich konnte ich zeitweise nicht mal einfachste Akkorde greifen.
Wenn der Kopf will, fügt sich der Körper.
 
thepale
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hallo mal wieder!
vielen dank für euren zuspruch! und ganz besonders: nur das beste für Jojostrummer!

falls es wen interessiert, hier mal ein paar zeilen darüber, wie es mir ergangen ist. wen das langweilt, bitte einfach drüberscrollen - danke! also: es hat mich am 15.7. des vergangenen jahrs plötzlich erwischt, dann ist einiges versemmelt worden, so dass am nächsten tag das linke bein beinahe bewegungsunfähig, der rechte arm komplett weg war. gefühl war drin, aber keine regung. das kam dann peu á peu durch training und gute therapie wieder, so dass ich derzeit hier, im pfälzer wald, wieder 7 - 8 km mit 200 höhenmeter schaffe. zwar noch mit fußheberorthese und oben angekommen mit dem sound einer alten und leicht defekten dampflok, aber immerhin! ich bin stolz drauf. normale tätigkeiten, kaffeekochen, arbeiten (am rechner), hund ausführen, grillen etc. klappen, aber eben langsamer und beschwerlicher als früher. schuhe binden geht auch wieder, dauert aber etwas. ich habe mir sagen lassen, dass, gemessen an dem saftigen schlag, den ich hatte, mein zustand im derzeit neunten monat, ziemlich gut ist.

so, zum eigentlich: ich mache schon seit der pubertanz musik. ab und zu mal ne coverband, seit 1992 nur noch eigene sachen im art-rock und prog-rock bereich. daher naturgemäß erstaunlich erfolglos, aber immerhin mit ein paar alben, die sogar international ein bißchen gingen. das meiste waren meine songs, text und musik, daher war mir das stets als ausdrucksmöglichkeit extrem wichtig. der schlag hat mir die fähigkeit, meine eigenen songs zu spielen, genommen. das ist schmerzhaft. außerdem habe ich u.a. meinem neffen ein bißchen unterricht gegeben, damit der junge lernt, wie großartig die beatles waren. das machen wir weiter, obwohl ich ihm nur noch erklären kann, wies geht. damit sind wir beim zweiten aspekt: im kopf kann ich alles noch! ich hab sogar neulich geträumt, wir, die band, wären auf der bühne und es lief ausgezeichnet! der pfropf im hirn hat mir also nur das können genommen, nicht das wollen! die neurologin meines vetrauen hat gesagt, das sei ein gutes zeichen. im moment kann ich akkorde einigermaßen greifen - kein barré - aber wechseln dauert. einfache tonleitern und skalen gehen schlecht und langsam und nach ca. 3-4 min. ist die hand steif. mit dem, übrigens ausgezeichneten buch, das mir gereon empfohlen hat, komm ich noch nicht klar, weil da meine beweglichkeit noch nicht ausreicht. den gripmaster, auch eine empfehlung, hab ich im dauergebrauch. das scheint was zu bringen. schaumbälle und so benutze ich auch, kaffeetassenstemmen mach ich dauernd - mit links gar nicht so einfach, wie das für euch klingt! und bebob hat recht: ohne den willen, geht gar nix! im april nehme ich an einer studie teil, die arm- und handbeweglichkeit mit hilfe von vr-anwendungen trainiert. mal sehen, was das bringt.

ich danke euch allen für euren zuspruch und das mutmachen! ich freue mich darüber, dass ihr an meinem schicksal teilnehmt! und ich wünsche allen ebenfalls betroffenen und sonstig versehrten alles gute!
bleibt oder werdet gesund!
matthias
 
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kleiner nachtrag: gereon hat mit seine zeit und expertise zu verfügung gestellt - dafür nochmal vielen dank! - und mir eine neue herangehensweise gezeigt. das trainiere ich jetzt. mal sehen, ob demnäxt wieder was geht. ich bleibe dran...
gruß,
matthias
 

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