Hi Leute,
ich habe einige Gitarren und auch andere Gegenstände über Ebay ge- und verkauft.
Folgende Erfahrungen habe ich gemacht:
2003 habe ich eine 78er
Gibson Les Paul 25/50 Anniversary mit allem seinerzeit zu dieser Gitarre mitgeliefertem Originalzubehör und Paperwork vom Erstbesitzer aus einer Sammlung erworben. Die Gitarre und der Koffer waren unbenutzt, nicht ein Kratzer oder sonst eine Gebrauchsspur war vorhanden. Sogar die Saiten waren noch von 1978. Preis: 2200 €.
Aus der gleichen Quelle erwarb ich kurz darauf eine 82er SG „The SG“ Deluxe Firebrand in gleichen Zustand für 750 €. Außer mir hatte niemand ein Gebot abgegeben.
Wenn man sich nur auf die Preise bezieht, mag man sagen, das seien keine Schnäppchen gewesen. Wesentlicher scheint mir, dass die Gitarren – obwohl ziemlich alt – im Neuzustand waren. Angesichts dieser Tatsache waren die Gitarren mit dem Startpreis nach meiner Meinung und Marktbeobachtung deutlich unterbewertet. Tatsächlich werden für wesentlich schlechtere 25/50 bis 3000 € gezahlt. Die teuerste, die ich sah, wurde in den USA für 5800 $ versteigert. Und auch die erreichte nicht ganz den Zustand meiner Gitarre.
Beim Verkauf erlebte ich andere Schnäppchen.
Ich bot meine 81er Ovation Electric Legend Custom mit Stereotonabnehmer und Goldhardware an, keine Macken, nur leichte Gebrauchsspuren, mit Case und Paperwork. Ich war Erstbesitzer, Startpreis: 499 € - kein Gebot. Bei der Beantwortung einer Anfrage verursachte ich einen Lackschaden am Hals. Weil ohnehin kein Gebot vorlag, cancelte ich die Auktion kurz vor offiziellem Ende, ließ den Schaden reparieren und bot sie danach wieder an. Selbstverständlich habe ich den Schaden in dieser Auktion mit Vorher-Nachher-Bildern und Text dokumentiert. Startpreis: 1 €. Ergebnis: 39 Gebote, 1034 €. Der Käufer holte die Gitarre am gleichen Tag ab.
Ich bot 2 mal eine 76er Gibson J200, ungespielt im Originalzustand mit Case und Paperwork mit einem Startpreis von 890 € an. Kein Gebot. Die 3. Auktion ging mit 1 € los. Ergebnis: 54 Gebote, 1810 €.
Weitere Beispiele: Meine 67er Rolleiflex mit Zubehör wollte keiner, jedenfalls nicht zum Sofort-Kaufen-Preis von 499 €, Startpreis 449 €. Die Versteigerung der einzelnen Gegenstände brachte allein für die Kamera 806 €, das Zubehör weitere 400. Eine ungespielte 89er USA - Les Paul Standard – sie war dort beim Großhändler in Vergessenheit geraten und lagerte deshalb bis 2002 hinter Regalen – wollte für 1300 € niemand ersteigern. Mit Startpreis von 1 € kam sie dann nach 47 Geboten auf 1890 €. Meine Verkaufsliste könnte ich noch fortsetzen, stets war die Erfahrung vergleichbar.
Fazit:
Offenbar schrecken viele potenzielle Käufer prinzipiell zurück, wenn der Startpreis mehr als 1 € beträgt. Das scheint nicht klug; denn zumeist erreichen solche Auktionen Höchstpreise. Als Verkäufer begrüße ich das natürlich. Als Käufer brauche ich mich bei Auktionen mit höherem Startpreis eher selten mit anderen Interessenten konkurrieren.
Ich persönlich schaue beim Kauf nicht nur auf den Startpreis. Vielmehr bewerte ich zunächst den Kaufgegenstand und betrachte ihn erst danach in Zusammenhang mit dem Startpreis. Nur dann weiß man, ob der Kauf trotz eines hohen Startpreises noch ein Schnäppchen darstellt – wenn sich dieser nicht mehr wesentlich verändert.
Ich betrachte Ebay-Auktionen immer noch als Möglichkeit, das eine oder andere Schnäppchen zu machen. Das gilt vor allen Dingen für Gegenstände, die eher selten sind und regional so gut wie gar nicht angeboten werden.
Gruß
frank