Review: Burny SuperGrade

Seite 1 von 1
Verfasst am:

Review: Burny SuperGrade

Moin.

Da man bei eBay immer mal wieder gebrauchte Burny Les Pauls findet und ich glücklicher Besitzer einer solchen bin, möchte meine Burny hier reviewen.
Geschossen habe ich sie bei eBay für 600 Öcken (inkl. Versandkosten).

Falls der Verkäufer hier mitliest: danke für dieses tolle Instrument ...



So viel des Vorgeplänkels, ab zum Review.

Model:
Burny Les Paul Standard Kopie. Auf der Kopfplatte steht "Super Grade" (liest sich fast wie Luper Grade). Eine genauere Modellbezeichnung oder gar Seriennummer hat meine Burny leider nicht. Farbe: siehe Bild. Alter: wurde laut eBay-Verkäufer Ende der 80er/Anfang der 90er gebaut. Ist aber in beinahe neuwertigem Zustand ...
Super Grade war die etwas gehobenere Baureihe. Meine Burny ist wohl die Luxusversion, erkennbar daran, dass das Halsbinding die Bundenden abdeckt, da das Binding an den Bünden höher ist (habe so ein Binding noch nie gesehen).

Konstruktion/Hölzer:
Wie es sich gehört ist der Hals der einteilige Hals eingeleimt; die Kopfplatte ist nicht angetzt. Der Korpus ist 2-teilig (oberes Drittel ist angesetzt). Die Decke aus Tigerahorn ist 2-teilig und mittig geteilt und"bookmatched". Die genaue Stärke der Decke kenne ich nicht. Hals und Korpus scheienen aus Mahagonie zu sein.
Die Elektrik ist LP-typisch: 2 HB, 4 Regler. Die Kondensatoren der Tone-Regler sehen aus wie Orange-Drops, die Volume-Regler haben kleine Kondensatoren damit beim Lautstärke-Zurückregeln keine Höhen verlorengehen.
Der Sattel scheint aus Plastik, die Bridge ist ne typische Stop-Tailpiece-Konstruktion, die Tuner sind Kluson-Kopien mit Plastik-Tulpenfügeln. Die Griffbrett-Einlagen scheinen perlmuttartig. Alles in allem also eine recht genaue Kopie der LP Standard.

Bespielbarkeit:
Zunächst fällt das immense Gewicht der Burny auf. Ich habe sie nicht gewogen, laut Verkäufer sind es 4,5 Kilo, und ich denke, dass es in gar keinem Fall weniger sind. Als Bandscheibenpatient hatte ich erst Bedenken, aber mit breitem Ledergurt hängt sie gut und die die leichte "Arschlastigkeit" wird kompensiert und das Gewicht ist auch für meine Bandscheiben erträglich. Im Sitzen gespielt (was ich selten tu) merkt man aber dass sie das genaue Gegenteil von kopflastig ist.
Die Bünde sind recht schmal und recht niedrig. Fretless wonder kommt mir spontan in den Sinn. Ich finde die Bünde gut spielbar,die Intonation ist recht sauber. Die Abrichtung scheint sehr gut, und die Bundenden sind wie oben erwähnt durch ein besonderes Binding abgeschlossen, so das eventuell schlecht abgerichtete Bundenden kein Thema sind.
Die Saitenlage ist ziemlich gut. Nicht hyperultraniedrig, aber recht niedrig, und das schnarrfrei.
Sehr geil finde ich die Halsform. Eigentlich liebe ich fette, runde Hälse wie sie meine Hoyer Eagle oder Salvarez-Paula hat. Der Hals der Burny ist schlanker, liegt aber dennoch super in der Hand; auch nach längerem Spiel tritt keine unnatürliche Ermüdung der Greifhand auf wie manchmal bei den fetten Hälsen.
Ich würde den Hals insgesamt als sehr gelungenen Kompromiss zwsichen fat neck und slim taper bezeichnen.
Die Bespielbarkeit ist unterm Strich super, nur das Gewicht ist halt heftig, auch für Leute ohne Bandscheibenvorfälle.
Besonders wer ne 3-Kilo-Klampe gewohnt ist und viel auf der Bühne rumhüpft, sollte ein Fitness-Studio besuchen, bevor er die Burny das erste Mal live spielt. ;)
Schwer ist mir persönlich aber lieber als Löcherkäse wie bei Gibson ....

So, und nu zum Wichtigsten, dem Klang:
Amps: Engl Straight 50 W 1X12-Combo, H&K Metalmaster (als Minihead am Speaker de Straight angeschlossen), Cry Baby95 und Marshall Gov'nor 1.

Trocken gespielt klingt sie recht ausgewogen und leicht brilliant, was kein strat-brilliant meint, sondern eine leichte Betonung der "warmen" oberen Mitten. Bässe und untere Mitten sind auch da, aber nicht überbetont. Höhen hat sie auch viele, klingt aber keinesweg spitz oder harsch, sondern einfach nur 'sweeeeet'. Das Sustain ist erwartungsgemäß sehr gut, die Ansprache ist eher weich als mega-direkt, aber nicht verwaschen. Sie klingt trocken schon eigenständig und wirklich gut; brilliant, klar und doch weich.
Auffällig ist, wie gut schon trocken artifial harmonics klingen.
Das kann nicht mal meine Hoyer annähernd so gut (und das war ne recht teure Oberklassenklampfe, als sie neu war)
Die Pickups sind laut Verkäufer Burny VH1. Und die klingen so richtig gut. Clean kommt der Trockensound ganz gut rüber, vielleicht noch mit minimal mehr Mitten und Bass. Sie klingt clean auch eher weich, reagiert aber sehr sehr gut auf den Anschlag, und da sie genug obere Mitten und Höhen hat, kann man auch etwas 'funken'. Das klingt nie nach Klingel-Strat, aber dennoch (oder gerade deshalb) recht gut in meinen Ohren. Am Hals-PU wird es bassiger, klingt aber nie mulmig oder matschig, sondern der Klang bleibt immer sauber artikuliert. Und der Klang ist sehr vielseitig. Jede Position des Toggleswitch klingt clean spürbar anders, jede klingt sehr sehr gut, und trotzdem hört man immer ihren 'sweeeeten' Grundcharakter raus. Clean also ein sehr feines und sehr gut klingendes Instrument, wobei mir das etwas ausgeprägtere Anschlag-Attack meiner Hoyer einen winzigen Tick besser gefällt.
So richtig geil wird es aber, wenn die Burny etwas Zerre bekommt. Das musss nicht mal wirklich viel sein (obwohl sie auch bei highgain artikuliert bleibt). Da geht dann echt sie Sonne auf. Sie singt, sie schreit, artificil harmonics sind die reine Wonne. Anschlagnuancen kommen extrem gut und variantereich rüber. Durch die gute Portion obere Mitten und Höhen klingt sie auch bei viel Gain nie mulmig, sondern stets akzentuiert. Auch verzerrt klingen alle 3 Stellungen des Toggleswtchanders und jede klingt geil. Mit dem Stegpickup kann man rocken bis der Arzt kommt, der Hals-PU bluest und jazzt das es es wahre Freude ist und die Zwischenstellung ist sowohl für Akkorde als auch für Singlenotes oder Doublestops ein Traum. Besonders die Zwischenstellung klingt geil, da man die Vorteile beider PU-Einzelsounds hat (Wärme und Bass vom Hals-PU, mehr Output und Hochmitten vom Steg).
Schon ohne die Regler zu bemühen kann man mit der PU-Auswahl und dem Anschlag sehr unterschiedliche Sounds erzeugen. Die sehr guten Regler geben aber noch viel mehr Möglichkeiten. Da die Burny mehr als ausreichend Höhenreserven hat, kann man sehr gut mit den fein und genau dosierbaren Höhenreglern arbeiten, ohne gleich matt zu klingen. Und durch die Treble-Boost-Kondensatoren bei den Lautsärkereglern kommen bei zurückgedrehter Lautstärke sogar noch etwas Höhen dazu, anstatt (wie sonst) zu verschwinden. Man verliert also auch bei zurückgedrehtem Volume keine Definition, und wenn einem das dann zu höhenreich klingt, dann hat man ja immer noch die sehr guten Höhenblenden.
Auffällig fand ich auch, dass bei zurückgedrehten Lautstärkereglern nix verloren geht, keine Nuance, es wird einfach nur leiser. Das kenne ich so nur von ganz wenig Klampfen.
Die Pickups sind sehr gut und relativ neutral und breitbandig, klingen aber immer warm. Der Output dürfte ungefähr PAF-Niveau haben, es sind also keine Distortion-Knaller. Dennoch rocken die PUs auch ohne Highgain-Amp echt ab. Und wer nen Amp hat, der zu wenig Zerre hat, kann ja nen guten Verzerren benutzen. Auch damit kommt die Burny bestens klar.

Fazit:
Ihr habt meine Begeisterung sicher herausgelesen.
Die Burny ist ein Traum. Sehr gut bespielbar und unglaublich guter, sehr vielseitiger Klang, der aber immer einen eigenen Charakter hat (obwohl sie natürlich nach Paula klingt). Wobei eigener Charkter nicht meint, dass die Burny den Klang verbiegt, sondern eher so, dass sie alles sehr akribisch rüberbringt, was der Spieler mit ihr macht, das aber stets mit eigener Note tut. Aussehen tut sie auch gut, aber da denk ich nicht dran wenn ich ihren schönen Klang genieße ...
Ich sehe eigentlich nur 3 Nachteile:
- das hohe Gewicht
- die PU-Polepieces lassen sich nicht verstellen
- wegen des besonderen Halsbindings dürfte eine Neubundierung schwierig und recht teuer werden.

Ansonsten: ein echter (und bezahlbarer) Traum. Ich kann jedem, der ne Oberklassen-Paula sucht, nur sehr empfehlen, eine Burny Super Grade anzutesten. Der eigene Charakter meiner Burny mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass man für den Preis einer Burny Besseres bekommt.

Tschö
Steve

http://www.image-hoster.de/preview.php?file=46d0db87a40ee49f56fc9405d.jpg
http://www.image-hoster.de/preview.php?file=44dc9bd45b42b05ec231f2df7.jpg
http://www.image-hoster.de/preview.php?file=52dcb6e04b8f433f0ed7b5be5.jpg
Verfasst am:

RE: Review: Burny SuperGrade

Hi Steve,

ja, ein Oberklasseinstrument für 600 Euro. Natürlich ist der Korpus Mahagoni. Ja, es sind Oranges drin. Und ja, sie ist arschlastig, aber das geht klar, denn so ein Instrument mußt Du bei Gisbon Dein Auto in Zahlung geben. Die Gitarre war schon mit Steve Lukather im Studio. Kein Witz, der Vorbesitzer hat Sachen mit Luke aufgenommen.
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.