Flextone II durch DG Stomp + Amp + Floorboard ersetzen?

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steve_d
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Ich glaube, ich sollte und möchte meinen Amp-Fuhrpark mal ein wenig reduzieren und habe in diesem Zusammenhang mal eine Frage, die mich beschäftigt. Darum hier ein langer Text zu einer eigentlich simplen Angelegenheit.

Die Ausgangslage: Der Fuhrpark besteht aus zwei Marshall-Tops (JMP und JTM 45, beide schön, aber nicht für jeden Einsatzbereich passend), zwei Fender-Transistorcombos aus den 80ern (Stage Lead und Montreux - beide clean sehr schön, verzerrt aber nicht so schön), einem sehr gut erhaltenen Session 15:30-Röhrencombo aus den frühen 80ern, einem spottbilligen, aber ganz guten Tech 21-Clone (30 W) von Behringer und schließlich einem Line 6 Flextone II Plus (die Version mit Zusatzendstufe bei Stereobetrieb) nebst dazugehöriger 1 x 12-Erweiterungs-Box. Ach ja, und dann gibt es noch eine geschlossene Harley Benton 2 x 12er Box (derzeit mit einer gemischten Celestion/Jensen-Bestückung), ein bis zwei Dutzend Tretminen, ein (von mir noch immer sehr geschätztes) Rocktron Chameleon, ein Intellifex, eine nicht ganz zuverlässig funktionierende PCL Vintage MK III-Vorstufe sowie dies und das.

Thema ist hier aber der Flextone ("och, wie langweilig", höre ich schon einige sagen). Denn ich frage mich, ob ich den noch brauche. Gekauft habe ich ihn mir vor gut acht Jahren, um beim Gig mit Coverbands alles in fünf Minuten aufgebaut und stressfrei verkabelt zu haben. Das hat auch sehr gut geklappt (waren wirklich fünf Minuten, incl. Stimmen der Gitarren). Denn zusammen mit dem großen Floorboard (mit Volume- und Wah-Pedal) ist das Ding vor allem eins: unheimlich praktisch. Alle Brot- und Butter-Effekte in praxistauglicher Qualität (zugegeben, nicht in Fledermausohrenqualität) vorhanden, keine Verkabelungs-Orgien, ein für Live-Einsätze brauchbarer DI-Ausgang, über den sich auch PA-Menschen schon gefreut haben, etc, etc., alles in einer Kiste (bei Bedarf auch zwei) plus gut transportabler Kommandozentrale (=Floorboard). Bedienungskomfort beim Editieren am Verstärker selbst schlecht, Software dazu noch schlechter, aber das ist erstmal egal.

Was nun die 32 Amp-Models anbelangt, ist mir allerdings irgendwann aufgefallen, dass ich sie erstens kaum nutze, sondern meist ein Gerät im Bodentreter-Format (meist Seymour Duncan Twin Tube oder MEK TD-2) vor ein cleanes Amp-"Modell" des Flextone geschaltet habe und die Basis-Sounds (Crunch, Lead) mit der Tretmine mache. Gefiel mir am Ende besser als die entsprechenden Amp-Modelle. Der Flextone ist dann also nur noch für das Lautmachen, das Wah und einige Effekte zuständig. Zweitens fand ich auch, dass nicht alles, was mit dem Flextone in Zimmerlautstärke OK klingt, auch in Ernstfall-Lautstärke gut klingt. Mir schien es z.B. immer so, dass die Sounds bei Bandlautstärke leicht dazu neigen, dünner zu werden und das Fundament zu verlieren. Kann aber auch Einbildung sein (ich bilde mir überhaupt ein, dass beim Gitarrensound so manches Einbildung ist, aber das ist ein anderes Thema).

Nun ist inzwischen die Lage so, dass regelmäßige Band-Einsätze nicht mehr anstehen (ich mache derzeit nur noch Recording) und damit der Haupteinsatzbereich des Flextone wegfällt. Da man aber niemals nie sagen soll, überlege ich mir, wie ich - nur mal so für den Fall der Fälle - etwas ähnlich Praktisches aus meinen Resten zusammenstellen kann, wenn ich den Flextone mitsamt Zusatzbox und -brett verkaufen würde.

Beispielsweise hätte ich hier noch ein Yamaha DG Stomp, dessen Grundsound mir ohnehin mehr zusagt als der des Flextone (sofern man bei solchen Teilen überhaupt von einem "Grundsound" sprechen kann). Würde man nun einen der anderen Amps als reinen Lautmacher dafür verwenden (die alten Fender-Transistorcombos mit ihrem 1 x 12-Speaker könnten Kandidaten dafür sein - sehr kompakt, 15 kg leicht und mit so einem Modeller-Kasten auch über den Effekt-Return oder Endstufen-Eingang nutzbar), dann hätte man ja schon etwas Ähnliches wie die Line 6-Angelegenheit.

Wie das klingt, kann ich selbst rausfinden. Meine Frage in die Runde wäre eher die, mit welchen Mitteln man das DG Stomp so erweitern kann, dass die Fußschalter-Bedienung etwa der des Flextone mit Board entspricht. Vorhanden sein sollten also (1) Expression-Pedale für Wah (wichtig) und Volume (nicht ganz so wichtig), (2) eine Preset-Umschaltung, die etwas komfortabler ist als die beim DG Stomp integrierte (die finde ich etwas frickelig) sowie (3) auch sehr gern noch ein "Tretminen-Modus", also die Option, einzelne Effekte (z.B. Chorus, Comp, Tremolo, Delay) auf Wunsch per Board schalten zu können. Außerdem wäre ein separater DI-Ausgang mit Speaker-Simulation mit konstantem Pegel auch nett (in meiner Kleinteile-Box gibt es noch eine Behringer GI-100, die OK klingt, aber man müsste sie so in den Signalweg legen, dass ihr Pegel unabhängig von der Bühnenlautstärke ist, wie beim Flextone). Und dann sollte das alles auch preislich nicht gerade Boutique-Niveau erreichen, denn - siehe oben - es soll ja nur nur mal so für alle Fälle bereitstehen.

Beispielsweise lese ich öfter mal, dass das Behringer-Floorboard (FCB 1010, glaube ich) trotz des eher niedrigen Preises ganz OK sein soll. Könnte das in Kombination mit dem DG Stomp die oben gewünschten Features liefern? Oder was gäbe es sonst so? Ich hätte auch noch ein ganz altes Rockman-Midiboard, aber das hat eben keine Expression-Pedale. Aber es funktioniert immerhin.

Wie gesagt, es geht mir hier nicht um Ansätze wie "Nimm doch den Marshall und schalte ein Dutzend Bodeneffekte davor, klingt eh besser", sondern um eine leicht transportable und schnell einsatzfähige Lösung mit einigen Standard-Effekten (auch Reverb muss übrigens dabei sein), die aus möglichst wenigen Einzelteilen besteht und insofern schnell auf- und abgebaut ist. Das alles mit möglichst wenig Neuanschaffungen (deswegen hier auch die komplette Aufzählung des Fuhrparks).

Eine ganz andere Frage ist natürlich, ob der Verkauf eines alten Flextone II finanziell irgendwas bringt (aber es bringt etwas, wovon ich auch zu wenig habe: Platz!). Und wieder eine andere, ob das Teil mit irgendwelchen EPROM-Updates, über die ich mal was gelesen habe, vielleicht klanglich einen Riesensatz nach vorn macht. Aber diese Fragen hebe ich mir mal für später auf, falls sie sich dann überhaupt noch stellen...
 
Monkeyinme
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Moin,
prinzipiell tut es jede einfache Midi Fussleiste. Das Expression Pedal kannst du auch direkt an das DG Stomp packen, ist über MIDI aber komfortabler.
Ich denke, das preislich das FCB 101 ungeschlagen ist, aber zB das kleine Boss/Roland MFC50 (nur noch gebraucht) geht auch, halt ohne alle Stomp Box Möglichkeiten.
Die einzelnen Effekte an/aus machst du bei den kleinen Boards über das DG stomp selbst.
Hast du noch ein Midi Brett über? Scheinbar nicht. Am günstigsten wird ein FCB1010 sein, zusammen mit dem UNO Eprom, damit du auch einen Stomp Box Mode hast.
Habe allerdings die Kombination noch nie getestet, ist also alles gefährliches und angelesenes Halbwissen... ;-)
Ciao
Monkey
 
E
erniecaster
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Hallo!

Die letzten Flextones sind bei ebay zwischen 230 und 300 Euro weg gegangen. Dafür lässt du ein altes Arbeitspferd gehen und wirst dich später ärgern.

Ansonsten hast du alles, was du für Recording brauchst. Wozu brauchst du beim Aufnehmen einen Stompbox-Mode? Besorg dir ein Expressionpedal oder ein kombiniertes Wah/Volume-Pedal und du hast alles, was du brauchst - bis auf Platz...

Gruß

e.
 
Doc Line6forum
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Tja, für den Flextone II bekommt man in der Tat nicht mehr viel, und genau das ist der Grund, warum ich ihn nicht verkaufen würde, wenn er dir klanglich grundsätzlich zusagt.
Der Flextone II entspricht der Pod 2- Technologie von Line 6, und diese ist halt nun schon 11-12 Jahre alt.

Eprom- Updates (beim Pod 2 gab es das Eprom 2.1 bis 2.3) bringen/brachten in dieser Generation höchstens marginale Unterschiede, da ändert sich nicht viel und ist somit keine Soundveränderung zu erwarten.

Zu den Sounds, die bei größerer Lautstärke dünner werden: Das Stichwort ist Fletcher-Munson.
Viele neigen dazu, in Zimmerlautstärke Sounds zu erstellen, die dann in Band- Lautstärke sich nicht durchsetzen, weil zu wenig Mitten da sind und zu viele Höhen und Bässe.
Wer Sounds in Bandlautstärke baut, umgeht dieses Problem zumeist.

Meine persönliche Meinung: Wenn du Platz brauchst, trenne dich lieber von den Fender- Transen und dem Behringer- Amp.
 
S
steve_d
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@erniecaster
Den Marktwert des Flextone II schätze ich ähnlich ein wie Du. Und das Argument, dass man sich später ärgern könnte - nun ja, das ist wohl sowieso des Pudels Kern. 200-300 EUR sind nicht gerade ein Vermögen, und wenn man dann später feststellt, dass man das Ding doch hätte gebrauchen können, gibt man schnell mehr aus, um sich etwas Gleichwertiges zu beschaffen (es sei denn, der Marktwert eines Flextone sinkt nochmals um weitere 50% auf 100-150 EUR, da bin ich mir aber nicht so sicher).

Dass ich einen Stompbox-Mode fürs Aufnehmen suche, da hast Du mich vielleicht missverstanden - oder ich Dich: Diesen Modus möchte ich ja nur für den Fall haben, dass ich doch mal wieder was mit Band bzw. live mache. Fürs Aufnehmen brauche ich das nicht, auch kein Expression-Pedal (da kommt dann z.B. fürs Wahen ein ganz midifreies Cry Baby zum Einsatz).

@Doc Line6forum
Zum Erlös beim Verkauf: siehe oben. Der Hinweis, dass die Eprom-Updates nicht viel bringen, ist aber schon mal nützlich für mich, dann setze ich mich nämlich damit gar nicht erst auseinander.

Ich gebe Dir auch grundsätzlich Recht, dass der Fletcher-Munson-Effekt eine Ursache für das beschriebene Phänomen beim Flextone - und natürlich auch bei allen anderen Modelern, deren Sounds man vorzugsweise leise (und womöglich noch mit Kopfhörern, was die Sache nochmals beeinflusst) zu Hause zusammenschraubt - sein kann. Man baut halt zu Hause seine Sounds gewissermaßen mit "Loudness-Taste", und diese Sounds erweisen sich dann bei höheren Lautstärken als "falsch". Dennoch bleibt meines Erachtens beim Flextone diese Tendenz auch dann erhalten, wenn man die Sounds bei höheren Lautstärken entsprechend nachregelt.

Meine Fender-Transen verkaufen...naja. Von der Sache her vielleicht richtig, aber sentimentale Gründe hindern mich daran. Der eine von den beiden war mein erster richtiger Gitarrenverstärker. Lange vor der Volljährigkeit mit großen Augen (Fender!) neu im Laden gekauft, danach auf unzähligen Gigs benutzt, an vielen Orten dabeigewesen, wo man garantiert nicht noch mal sein möchte, und so weiter. Wenn ich den nun für 1 Appel + 1 Ei abgebe, muss ich glaube ich ein bißchen weinen (auch ohne Cry Baby). Platz hin oder her. Man kann ja schließlich auch gut drauf sitzen (auch wenn Bruce Springsteen mit der Textzeile "Come on baby, take a seat on my fender" was anderes meinte). Und der Behringer eignet sich zwar nicht so gut als Sitzgelegenheit (klar: "Come on baby, take a seat on my Behringer" hört sich ja auch dämlich an), bringt aber bei einem Neupreis von damals 95 EUR im Verkauf so gar nichts. Und er klingt auch noch gut (finden andere auch, aber nur, wenn man das B-Schild von der Front abmacht...).

Ich seh schon, am besten kauf ich mir einfach noch mehr Amps, dann ist die Sache gelöst.
 
E
erniecaster
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Hi Steve,

was ich sagen will: Für´s Recorden brauchst du den Stompbox-Mode nicht, lediglich noch Wah/Volume-Pedal.

Für live holst du den Flextone aus dem Keller, wenn es wieder mal so weit ist.

Räum lieber mal richtig auf, weg mit den alten Zeitschriften und anderem Kram. Dann hast du auch Platz für den Flex.

Gruß

e.
 
S
steve_d
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erniecaster":2hidjhs1 schrieb:
was ich sagen will: Für´s Recorden brauchst du den Stompbox-Mode nicht, lediglich noch Wah/Volume-Pedal.

Für live holst du den Flextone aus dem Keller, wenn es wieder mal so weit ist.

Ah, jetzt, ja!

Räum lieber mal richtig auf, weg mit den alten Zeitschriften und anderem Kram. Dann hast du auch Platz für den Flex.

Du kannst hellsehen. Aber nur fast. Hellsehen kannst Du, weil ich demnächst tatsächlich ca. 2-3 Jahrgänge "Fachblatt Musik Magazin" aus den 80er Jahren zu verschenken habe, die Platz wegnehmen (jemand Interesse?).

Nur fast hellsehen kannst Du, weil sie nicht bei mir zu Hause Platz wegnehmen, sondern ausgelagert sind. :-D

Es ist tatsächlich schon der Musik-Kram, der mehr Platz wegnimmt: Wenn ich meine Wohnfläche in qm durch die Anzahl der Gitarren und Amps teile, komme ich auf einen Wert von ca. 2. Wer bietet weniger? (Und wer hat einen Vorschlag, wie man diesen Wert benennen kann? Ich schlage WEIA vor: Wohnflächen-Equipment-Index-Angabe).
 
 

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