Review: neues Pedalboard - goil!

therealmf

Power-User
Vorbemerkung: das wird eine Vorstellung meines Pedalboards und der GerĂ€te darauf. Ist 'n bißchen lang geraten, ich hoffe, es langweilt niemanden...Aber vielleicht ist ja das eine oder andere interessant fĂŒr Euch. Ich wĂŒrde mich ĂŒber RĂŒckmeldungen sehr freuen!

Nachdem ich nun mehrere Monate lang equipmentsuchend und -wechselnd hier und anderswo unterwegs war, muß ich doch mal berichten, was sich so getan hat bei mir. Ich habe nĂ€mlich den Verdacht, daß das mit uns diesmal was ernstes ist...
Kurz zur Vorgeschichte: ich spiele Top 40-Covermusik, insbes. Pop, Rock, Classic Rock, Soul. Hatte jahrelang diverse mehrkanalige Amps, was aber immer nur in einem von 2 oder maximal 2 von 3 KanĂ€len zufriedenstellend war, manchmal nicht mal das. Bin dann auf Modeller gewechselt und habe mehrere Jahre das 11R gespielt. Im Prinzip ne super Sache, aber was mich schließlich kirre gemacht hat war die Schwierigkeit, das Ding auf der BĂŒhne zu verstĂ€rken. Egal wie: es klang nie so (gut) wie zuhause ĂŒber die Abhöre. Und jedesmal wenn ich dann wieder meinen Fender Princeton angeschlossen habe, dachte ich: Hmmmmh, so was kann kein Modeller.
Irgendwann begann der RĂŒckweg: Princeton fĂŒr Clean war gesetzt und eine Myriade angetestete Verzerrer davor. Es ist eine Legende, daß Blackface-Amps sich mit vielen oder allen Zerrern vertragen wĂŒrden. Das Gegenteil ist der Fall. Entsprechend langwierig war die Suche.

Gelandet bin ich jetzt bei einem quasi Mehrkanal-System. D.h. ich nutze die Pedale so als wÀren es ein Clean-, Crunch-, Overdrive- und Solokanal eines Amps.
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Möglich wird das durch ein geniales, kompaktes, leicht bedienbares und dazu auch noch gĂŒnstiges GerĂ€t, das die Schaltzentrale darstellt: das MoenFX GEC 438. Gekauft fĂŒr schlappe 195 € bei Frank Post (loopersparadise), den ich sehr empfehlen kann. Das GerĂ€t ist ein 4fach Looper, dessen Loops in 8 verschiedenen Presets in Kombinationen von je 3 Loops abgespeichert werden können. D.h. 3 der 4 können maximal gleichzeitig aktiviert werden, diese an-aus-Stellungen der Loops können auf 8 SpeicherplĂ€tzen abgelegt werden. Und das beste: die Reihenfolge der Loops kann beliebig verĂ€ndert werden. Ich kann also in einem Preset Loop 1 vor Loop 2 haben und in einem anderen Loop 2 vor Loop 1.
Das Ganze extrem schnell bedienbar (ĂŒber Minitaster, siehe Bild, und ohne "Save" oder "Edit" oder so). Dazu gibts einen Buffer, wahlweise aber auch einen ungebufferten Eingang, einen Tuner-Out mit separatem Taster, der gleichzeitig den Signalweg stumm schaltet, und leichtgĂ€ngige Taster, die kein hartes "Klicken" erzeugen.
Die Programmierung geht so schnell und einfach, daß man das auch zwischen den Songs auf der BĂŒhne machen kann, wenn man mal mehr als die 8 Presets braucht. Und der gerade aktive Loop kann mit erneutem Tritt ausgeschaltet werden, so daß man den puren Amp hört.
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Soweit zum Hirn, jetzt zu den BrĂŒsten:
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ich wollte einen "Clean"-Loop fĂŒr den Chorus, den ich praktisch nie in Verbindung mit Zerrern einsetze. Chorus macht bei mir seit neuestem der Mooer Ensemble King. Tolles GerĂ€t, winzig klein, viele unterschiedliche Chorus-Sounds machbar. Ich warte noch auf den Eleclady Flanger, der soll noch daneben. Dank der kleinen GehĂ€use geht das auch.
Daneben sitzt ein Moen Jimi Zero Vibe. Das kann auch Chorus, ist aber im Vibe-Modus richtig gut. Dank des Bias-Reglers ist die VariabilitĂ€t enorm groß. Ich bin noch dabei mit dem Ding zu experimentieren, aber ich freu mich schon auf "Hotel California"...
Loop 2 ist mein "Crunch-Kanal". In ihm stecken ein Wampler Tweed 57 und ein Weehbo Plexdrive. Wampler kannte ich schon lĂ€nger, den Plexidrive (mit i) von Wampler habe ich jahrelang gespielt, tolles Ding. Der Tweed hat mich mithilfe des Mike Hermans-Videos fĂŒr PrymaxeVintage ĂŒberzeugt, als ich ihn dann hatte, musste ich aber doch erst mal lĂ€nger damit warm werden. Aber er ist ein toller Tweed-Zerrer, der Ă€hnlich aufgebaut ist wie ein Tweed-Bassman (Normal, Bright und "Linked"-Modus), dazu eine sehr flexible Klangregelung. Wenn man ein bißchen damit schraubt, geht vom pseudo-cleanen, leicht knuspernden Bassman bis zum Keith-Richards-Sound alles. Er hat dann auch dieses typische wuschelig-unklare im Bass und kann auch die "kotzende Kuh", die man manchmal bei voll aufgedrehten Tweed Amps hört.
Der Plexdrive daneben ist sozusagen die Erstinfizierung mit den GerĂ€ten der deutschen Firma Weehbo, in die ich mich schlagartig verliebt habe. Auch hier hat Mike Hermans mit einem Video fĂŒr GAS gesorgt und ich habe einfach aufgrund der Unsicherheit, wie die verschiedenen Weehbos sich voneinander unterscheiden, einfach mal Plexdrive, JCMDrive und Mastiff zum Test bestellt. Und was soll ich sagen...sie sind alle drei geblieben.
Die Dinger haben tolle, teilweise ungewöhnliche Features, etwa die interne Spannungsverdopplung auf 18 V, die sie deutlich dynamischer und amp-Àhnlicher macht. Oder die "input"-Regelung, mit der die Eingangsimpedanz geÀndert wird, der Ton wird also bassiger und lauter, je weiter man aufdreht.
Der Plexdrive macht bei mir die etwas hĂ€rteren Crunch-Sounds. Damit meine ich nicht "mehr verzerrt", sondern hĂ€rter im Klang. Der Bass ist hier viel stabiler und der ganze Sound knalliger als beim Wampler Tweed. Eine gute Variante, wenn's wirklich crunchen und nicht nur knuspern soll. Der integrierte Booster erlaubt es, da auch noch eine zweite LautstĂ€rkevariante vor-einzustellen, wobei schon minimales Aufdrehen eine Anhebung gegenĂŒber dem ausgeschalteten Boost bedeutet. Das dĂŒrfte fĂŒr meinen Geschmack subtiler sein. Als Klangregelung hat der Plexdrive einen mit "Tone" bezeichneten Treble-Regler und einen Presence-Regler. Den finde ich nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig effektiv, ein Mittenregler wĂ€re hier besser. DafĂŒr macht aber der "less/more Gain" Schalter richtig nen Unterschied! Vom Plexdrive gibt es ĂŒbrigens auch eine kleinere Version ohne den Booster und die 18-Volt-Schaltung.
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Soweit zum Crunch-"Kanal". Im Overdrive-Loop (Nr.3) hĂ€ngt nur der JCM Drive, und das ist ein Knaller. Input, Gain, dazu eine 3-Band-Klangregelung mit Frequenz-Umschalter fĂŒr die Mitten (tief/mittel/hoch) und statt des Boost ein Mode-Schalter um zwischen JTM und JCM hin und her zu schalten, außerdem auch wieder der Umschalter zwischen 9 und 18 Volt. Der JTM Sound hat deutlich weniger Gain, die beiden Modes sind aber so gut abgestimmt, daß man den Schalter gut zum Wechsel von Rhythmus und Solo benutzen kann. Und er klingt sowas von gut...ich hatte vorher und teilweise gleichzeitig u.a. die Box of Rock, den besagten Wampler Plexidrive, die MI Audio Crunchbox, den Mooer Cruncher (Clone davon) und das Tech21 British. Alles gute Pedale, aber alles nix gegen den JCM Drive. Sowas von amp-artig und dynamisch. Insbes. im 18-Volt-Modus wirkt das nicht wie ein Zerrpedal, sondern wie ein Kanal eines Amps. Toll. Toll toll toll. Auch den JCM Drive gibt es kleiner ohne die Umschaltung JTM/JCM und den 18-V-Modus. FĂŒr mich der schlechtere Kompromiß, auch wenn er dadurch billiger wird. Beide features sind so klasse, darauf wĂŒrde ich nicht verzichten.

Im "Solo-Kanal" habe ich ein TC Nova Delay. FĂŒr mich das richtige Delay, weil ich so ein paar Settings abspeicherbar haben wollte, etwa fĂŒr "Pride", fĂŒr "With or without you" oder fĂŒr "Tage wie diese". Dazu hat es Modulation, Tonblende, Triolen-Modus, Taptaste usw.
Außerdem hĂ€ngen in dieser Loop zwei verschiedene Zerrer fĂŒr Solo-Sounds - weil sie nunmal meist zusammen mit dem Delay benutzt werden. Dabei handelt es sich um einen Weehbo Mastiff und ein GTRWRKS b5 (oder auch "flat five").
Den Mastiff hatte ich zum Testen einfach mal so mitbestellt und war spontan begeistert. Er klingt wie eine "Mehr-Gain-Version" des JCM Drive, nicht so brutal und ultramodern wie z.B. der Suhr Riot, den ich auch schon mal hatte. Ich bin kein Rectifier-Fan und mag eher die "konservative AusprÀgung von Hi Gain", insofern waren mir die Riot-Àhnlichen Pedale alle zu heftig. Der Mastiff klingt runder, weicher, hat aber dank der 3-Band-Klangregelung viele Soundvarianten an Bord. Hier gibt es nur die "kleine Version", also das kleine GehÀuse ohne den 18V-Modus.
Der GTRWRKS b5 ist vielleicht noch ein bißchen exotischer, manche kennen vielleicht das Video von Allan Hinds (Hammer!). Ich kann das was dort beschrieben wird, nur unterstreichen. Ich kenne keinen Zerrer, der Ă€hnlich fett und dick klingt, ohne topfig oder bratzig zu werden. Wer Dumble-Sounds mag, die gĂ€ngigen Pedale aber zu wenig organisch und zu "plastik" findet, der sollte mal einen b5 ausprobieren. Sehr cool ist auch die Tonregelung. Sie hebt die oberen Mitten an und sorgt so dafĂŒr, daß der Sound sich in jedem BandgefĂŒge durchsetzen kann. Sehr klasse.
Um zu erlĂ€utern, was der b5 kann: ich hatte das Video zum Lovepedal Englishwoman gehört, wo Josh Smith "Politicians" spielt. Das hat mich total fasziniert, und ich habe dann auch ein Englishwoman ergattert (fĂŒr teuer Geld...). Die EnttĂ€uschung war dann als ich merkte, daß ich diesen Sound aus dem Pedal gar nicht rausbekomme...es klang immer dĂŒnner, bratziger, fuzziger als bei Josh Smith.
Mit dem b5 krieg ich sowas aber hin. FĂŒr meinen Geschmack ein toller Zerrer fĂŒr Dumbliges oder auch fĂŒr die Sounds, die Lance Keltner mit seinem Bludotone zaubert. Passt perfekt zu P 90-Pickups...ah, dazu muß ich dann auch nochmal was schreiben...

Soweit mal die Tittenshow...montiert ist das ganze "Gelersch" (wie man hier in Rhoihesse sagt) auf einem Pedaltrain Pro, als Stromversorgung dient ein Voodoo Lab Pedal Power 2, das zwar aus-, aber nicht ĂŒberlastet ist. Ich habe mit dem Setup jetzt ca. 5 Gigs bestritten (ĂŒber einen Fender Princeton mit 12" Greenback, danke dafĂŒr an GitarrenrĂŒbe!) und bin jedesmal mit breitem Grinsen von der BĂŒhne gekommen. Der Princeton hat so wenig Leistung, daß ich ihn bei fast allen Gigs in den Bereich fahren kann, wo er ganz leicht in die Knie geht, aber gerade noch clean bleibt. Klingt super. Und die Zerrer fĂŒgen sich so gut ein, daß ich nicht mehr das GefĂŒhl habe, hier stoßen jetzt verschiedene Soundwelten aufeinander.

Ich hatte noch nie so anhaltend und intensiv die Erfahrung, wie es ist, wenn die Sounds einfach bei jedem Song passen. Toll!
Ich hoffe, ich schaffe es nĂ€chsten Sommer mal zur Session, dann dĂŒrft ihr gern mal teilhaben an dem Genuß. Achso: ich bin ĂŒbrigens mit Weehbo nicht verwandt oder sonstwie verbandelt - aber ich glaub die bauen richtig geiles Zeug!

So, ich hoffe ich habe nur auf unterhaltsame Weise gelangweilt...schönen Abend noch...ich muß mal mein Pedalboard anschließen und rumnudeln...;-)
 
Hi,

nix Langeweile, ich lese Berichte ĂŒber Stressbretter immer gern. Sieht schick aus und macht bestimmt Spaß...und ist bestimmt grĂ¶ĂŸer als der Amp, vor dem es betrieben wird :-D

Viele GrĂŒĂŸe,
Andreas
 
Hi Markus,

toller Bericht, danke dafĂŒr :top:

Ich hab das mal in die passende Ecke verschoben.
 
Hallo Markus,
schöner Bericht.
Den Mastiff hatte gerade kĂŒrzlich auf probiert (also den baugleichen Mosquito Domina,
den auch Eike Hintzen gebaut hat, beide sind ĂŒbrigens fast 1:1 Klones vom Okko Dominator).
FĂŒr mich hat der nicht gefunzt. Aber das ist ja das schöne, die Treterwelt ist groß und bunt :-D.
Ein ĂŒberschaubares Board mit Ă€hnlichem Ansatz bin ich mir auch grad am zusammenstellen.
So als bunte Spielwiese fĂŒr diverse Gelegenheiten. Allerdings n bisschen kleiner ...
Ähnlicher Ansatz (diverse Zerrer via Looper) mit anderer BestĂŒckung.
Werd ich die Tage mal vorstellen ...
 
Hallo Markus, sehr schön :dafuer: Wo bekommt man dieses GTRWRKS b5 ?
Ich habe mir mal die Videos bei Youtube angesehen, das Teil klingt ja Àhnlich wie das Fetto , ich hoffe nur der Preis ist nicht auch so fett

VG Garry
 
Mein lieber Mann! Da hat sich jemand Gedanken gemacht! Sieht sehr gut aus! Bei Covermusik fĂŒr jeden Song den richtigen Sond parat zu haben ist aber auch wirklich schwer. Ich hab das damals immer mit meinem M13 gemacht. Das klang aber wahrscheinlich nicht ansatzweise so satt wie Deine Kombination.
 
@ alle: danke fĂŒr das nette Feedback!
@ Garry: das GTRWRKS gibt es, soweit ich sehen kann, nur aus zwei Quellen: entweder bei GTRWRKS direkt oder ebay.
Ich habe meins ĂŒber ebay gekauft (eben dieser HĂ€ndler) und das lief einwandfrei.
ich finde ĂŒbrigens nicht, daß es Ă€hnlich klingt wie das Fetto. Das Fetto ist ein Marshall-style-Verzerrer mit viel Draht und Transparenz. Das b5 ist ein eher Bludo- oder Dumble-Ă€hnlicher Zerrer mit viel FĂŒlle und Dicke. Es ist vielleicht nicht "ganz Dumble", aber geht deutlich mehr in die Richtung. Meiner Meinung nach sind das zwei verschiedene Welten. Vielleicht meinst du ja ein anderes Himmelstrutz-GerĂ€t?
@ MichaGitarre: ich wollte halt unbedingt etwas speicherbares vermeiden, damit ich jederzeit auf alle Parameter Zugriff habe. Man hat halt doch immer wieder mal Nuancen, die nicht passen, und wenn ich dann ein speicherbares GerĂ€t hĂ€tte, mĂŒsste ich 1. immer den Sound aktiviert haben, den ich editieren will und 2. mich durch die MenĂŒs steppen. So kann ich einfach hingreifen und dran schrauben (daher auch der Vergleich mit Hirn und BrĂŒsten...;-)
 
Kleiner Nachtrag nach einer kurzen Mail-Konversation mit Eike Hintzen von Weehbo: ich scheine einen etwas Ă€lteren Plexdrive zu besitzen. Er sagte mir, bei den spĂ€teren Modellen hat er genau den von mir bemĂ€ngelten Boost modifiziert, so daß man bei Linksanschlag etwa Unity Gain hat. Und das Beste: "Schick mir deinen zu, dann modifizier ich den nachtrĂ€glich, kein Problem!" Das nenn ich Service ;-)
 
Hey, cooles Board und cooles Review... Ich mache auch Cover und schwanke immer zwischen Einzelpedalen und Modeler - richtig zufrieden bin ich bisher noch mit nichts gewesen.

Im Moment hat das Fender Mustang Floor wiedermal die Einzelpedale abgelöst welche wiederum zuvor das NovaSystem von t.c. verdrÀngt haben... unendliche Geschichte.

Ganz toll wĂ€re jetzt natĂŒrlich noch ein kleines Audio- oder Videofile, in dem man die Kombinationen hören kann.

Weiterhin viel Spass damit! LG Hannes
 

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