Satire / Eine Einschätzung zur ICH AG

W¬į¬į

Power-User
4 Feb 2002
4.954
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1
D√ľbelhausen
Aktien!
Ein Wort, was einem verkatert pelzigern Belag nach durchzechter Nacht gleich, kaum von der Zunge geht. Eine Horde schmieriger, aufgeblasener Krawattenaffen, die ihr wirtschaftliches Allgemeinwissen aus einer der vielen hippen Gazetten bezogen, in denen wiederum nur devote Karriereschwachmaten jeden Unsinn niederschreiben, f√ľr den es Geld und Leser gibt - diese gurkenbl√∂den Schleimbeutel im Zweireiher haben binnen weniger Jahre eine Summe Kapitals im "neuen Markt" verdampft, f√ľr das man Europa kaufen k√∂nnte.
Neben den Freig√§ngern, den Dr√ľckern - also den privaten "Anlageberatern", eine Sorte Kriminelle, die bis dato Reiser√ľcktrittsversicherungen an Querschnittsgel√§hmte, oder Haftpflichtversicherungen f√ľr Kleinkinder versemmelt hatte, taten sich vor allem die Nadelstreifen - Haie aus Banken und Versicherungen dadurch hervor, besonders freiz√ľgig und ungezwungen mit dem ersparten Kapital anderer Leute zu spekulieren.
Manchem war es ein innerer Reichparteitag, die blasierten und jetzt blamierten Finanzgenies mit hektischen Flecken stammelnd im Eigenurin dampfen zu sehen. Ich hatte selber nicht einen Cent auf das Gl√ľcksrad Aktien gesetzt, rieb ich mir freudig die H√§nde und hoffte auch eine Wiedereinf√ľhrung von Lynchjustiz und eiserner Stute. Leider kam es anders:
Die gesamte Wirtschafts-Intelligenz der Republik, also all die Gestalten, die f√ľr entsprechendes Sol√§r Waffen, Drogen, Kinder und ihre engsten Anverwandten verschieben, sind kollektiv, wie Kinder mit gl√ľhenden Wangen, Seifenblasen nachgelaufen. Man konnte nicht die gesamte F√ľhrungsriege von Bundeskanzler √ľber Minister bis zu den Aufsichtsr√§ten raus schmei√üen. Ein einzelner Bl√∂der war in der Masse der Schwachmaten nicht mehr aus zu machen und den Bl√∂desten zu k√ľren, h√§tte ein schlechtes Licht auf den gro√üen Rest geworfen. Auch der kleine Mann, der sonst schon mit Revolution bei Erh√∂hung der Benzinpreise droht, r√§usperte sich nur leise. Wer h√§ngt sich schon gerne aus dem Fenster und tut √∂ffentlich kund, dass er als Feierabend - Broker mal eben 50 Tausend Schleifen f√ľr Aktien eines Ladens verzockt hat, der vor dem B√∂rsengang noch aus einer Garage und zwei L√∂tkolben bestand.
Und so schauten sich die fein betuchten Aasgeier der Republik auf die pissnassen Schuhe, nestelten ein wenig an den Fingernägeln und zischten leise durch die Zähne.
Kollektive Blödheit kann verbinden!
Man schraubte den Designer Anzug wieder hinter den polierten Schreibtisch und tat allenthalben, als sei nichts geschehen.
Dummerweise waren bei der √∂ffentlichen Kapitalverbrennung so ziemlich alle R√ľcklagen der Banken, Versicherungen und Privatleute in Rauch aufgegangen. Die 10 Tausend Oberzecken, die das statistische Durchschnittseinkommen von 80 Millionen B√ľrgern in der ersten Zahl um die Gr√∂√üe 1,5 erh√∂hen, kamen nicht umhin, an das Tafelsilber von Banken und Versicherungen zu gehen. Consultings, eine Horde pickeliger Hochschulabg√§nger im Einheitsanzug, gingen wie die roten Khmer durch die Betriebe und hinterlie√üen verbrannten, kostenreduzierten Boden. Aber erst, als die ehedem hochgelobte Lebensversicherung auf die Rendite eines Postsparbuchs st√ľrzte und die Regierung diesen Anlagecoup noch steuerpflichtig machen konnte, war die Sicherheit des vierten Ferienhauses - vielleicht mal eines in der Toskana - sichergestellt. (Ein FDP Politiker hatte √ľbrigens vor seinem harten Aufschlag 26 H√§user und Wohnungen in Europa - aber das nur nebenbei...)
Die cleveren Oberstudienr√§te und Angestellten, die im Fokus gelesen hatten, wie man einen auf dufte machen kann, standen auch alle da, als h√§tten sie bei der Proste keinen hoch bekommen und dummerweise schon vorher bezahlt. Ihre Sicherheiten waren "abgeschmolzen", wie der Bankier einen nagelfesten Beschiss umschreibt und die geplanten Bauvorhaben mussten darum "verschoben" werden. Alle Eink√§ufe, die sich der B√ľrger mal eben so leistet, finden ohne Sicherheitspolster nicht statt.
Seit dem sitzt die Republik auf den Händen, hält derweil mit der rechten das Portemonnaie fest, und wartet...
Die bedauerlicherweise nicht gelynchten Versager aus den wirtschaftlichen F√ľhrungsetagen der Republik umschreiben diesen Zustand mit "Depression". Das klingt nach Krankheit, Trauer und Selbstverschulden. Vielleicht trifft dieser Begriff die deutsche Seele. Wir haben zwei Weltkriege verloren, einige Diktaturen √ľberstanden, wir deutsche sind ja Leiderprobt...
Mir persönlich wäre eine handfeste Revolution ja lieber, aber darauf wartet man hier zu lande, wie auf einen Schneesturm in der Sahara.

Statt dessen bieten uns die Audi fahrenden Sch√∂ngeister jetzt ICH AGs an ! Aktiengesellschaften mit L√∂tkolben und Handlampe! Mehr kann ICH mit zwei H√§nden ja nicht tragen. Ist das ein Witz? Machen sich die "Leistungstr√§ger unserer Republik" auf der Veranda ihrer geschenkten Villa auf Gran Canaria dar√ľber lustig, dass 5 Millionen arbeitsloser sich gegenseitig Garagen, Handlampen und L√∂tkolben abkaufen - und das mit dem Handgeld, was sie f√ľr den Ausstieg aus dem Sozialsystem hingeworfen bekamen?
Hurra! Das ist ein Deal!
Herr Bundeskanzler! Ich biete ihnen Vorzugsaktien f√ľr meine ICH AG an. 30 Euro das St√ľck - steigend! Steigen auch Sie ein - ich habe eine Handlampe und einen Freund, der mir seine Garage vermietet. Das geht ab, wie verr√ľckt - Sie werden sehen - der DAX bekommt Haare - viele Haare!
Und wo wir gerade bei Haaren sind..
Vergessen Sie bitte den pelzigen Belag auf der Zunge!





Gr√ľ√üe aus dem milden Westen.

W¬į¬į
 
<table border="0" width="90%" align="center"><tr><td class="quote">Zitat:
Herr Bundeskanzler! Ich biete ihnen Vorzugsaktien f√ľr meine ICH AG an. 30 Euro das St√ľck - steigend! Steigen auch Sie ein - ich habe eine Handlampe und einen Freund, der mir seine Garage vermietet. Das geht ab, wie verr√ľckt - Sie werden sehen - der DAX bekommt Haare - viele Haare!
</td></tr></table>

Kraushaare!

Ich finde, Du solltest Kolumnist bei der TAZ werden ...

Hier noch etwas zum Thema, wie man es auch machen kann, wenn man denn gen√ľgend Idioten anschreibt, die dann auch drauf eingehen, weil die Sauberm√§nner meinen, so endlich ein paar "Sozialhilfeempf√§nger" von der Backe zu haben. Bitte nichts √ľberweisen. Und wenn doch, kann ich Euch auch meine Bankverbindung durchgeben. Ich meine f√ľr den Bio-Hof im Westerwald...:

E-mail vom 26.07.2003

* - Spendenaufruf - * (rein privater Natur! nicht gewerblich! keine Werbung! Kein spam!)

(Bitte drucken Sie diese Email aus und zeigen Sie allen Verwandten und Bekannten, oder kopieren Sie sie und geben sie mit der Bitte um Beachtung weiter.)

Dies mag zwar ein ungewöhnlicher Weg sein, aber es ist leicht nachzuvollziehen, dass man in einer Situation der Arbeitslosigkeit und des akuten Geldmangels keinerlei Anzeigen in
Zeitungen und auch Videoclips im Fernsehen oder Spots im Radio finanzieren kann.

Die einzige M√∂glichkeit, die einem noch bleibt, sein privates Anliegen in der √Ėffentlichkeit bekannt zu machen ist, dieses via Email, m√∂glichst vielen Menschen auf dem Planeten Erde
zuzusenden, in der Hoffnung, dass diese es lesen, verstehen und vor allem auch helfen.

Dies ist leider nur noch so lange möglich, bis uns der Strom abgestellt, oder der Internetzugang abgeschaltet wird.

Wir sind eine kleine Gruppe von arbeitslosen Deutschen, die sich zum Ziel gesetzt hat, ein kleines Restaurant auf der Canareninsel Gran Canaria, mitten in einem florierenden
Touristenzentrum zu √ľbernehmen, um unsere Arbeitslosigkeit zu beenden, unsere Existenz zu sichern und auf ein gutes Fundament zu stellen (... "wir-ag" ...)

Derzeit bezieht ein Teil von uns Arbeitslosengeld bzw. -hilfe, Sozialhilfe, oder gar keine Leistungen von öffentlichen Stellen (die ohne "Einkommen" werden von den anderen
durchgef√ľttert...).

Zu unserer Gruppe geh√∂ren sowohl Leute mit mehrj√§hriger Canaren-Erfahrung, als auch Leute mit mehrj√§hriger Gastronomie-Erfahrung in allen Bereichen (inkl. OSHO)- (kleine Anmerkung: Osho ist der Name, der Baghwan Shree Rashneesh nach seinem Ableben gegeben wurde. Das war der Guru mit den unz√§hligen Rolls-Royce und der drogens√ľchtigen Vertreterin Sheela) an.

Zur Übernahme eines bestimmten Restaurants in San Fernando benötigen wir mindestens 150.000 EUR (172.200 USD; 232.000 CHF; 106.600 GBP ...).

Wegen der hohen Bankgeb√ľhren m√∂chten wir Sie bitten, ihre Spenden entweder via American Express Traveller Cheque, entweder in US-Dollar oder EURO ab 50,00 (gerne auch
höhere Beträge...), sowie Bargeld in Noten (Euro, Dollar, Schweizer Franken oder Pfund Sterling) per Post an folgende Adresse zu senden:

K. MICHAEL (Existenzgr√ľndung)
POSTFACH 654
D-79006 FREIBURG IM BREISGAU
GERMANY

F√ľr Spendenzuwendungen per Bank√ľberweisung aus Deutschland:

Empf√§nger: K. MICHAEL (Existenzgr√ľndung)
Konto: xxx xxx xxx (damit Ihr wirklich nix √ľberwei√üt [;)])
BLZ: 500 105 17
Bank: DIBA
Verwendungszweck: SPENDE

F√ľr Spendenzuwendungen per Bank√ľberweisung aus der Schweiz:

Empf√§nger: K. MICHAEL (Existenzgr√ľndung)
Konto: xx xxx xxx xx (damit Daniel & Wu-Lee auch nix √ľberweisen)
BCN: 770
Bank: BKB
Verwendungszweck: SPENDE

F√ľr Spendenzuwendungen per Bank√ľberweisung aus der Europ√§ischen Union:
(nach den neuen Richtlinien der Europ√§ischen Union, g√ľltig ab 01.07.2003, bis zu einem Betrag von 12.500,00 Euro, mittels EU-√úberweisungsvordruck "EU-STANDARD")
(VERORDNUNG (EG) Nr.2560/2001 DES EUROP√ĄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 19. Dezember 2001 √ľber grenz√ľberschreitende Zahlungen in Euro)

Empf√§nger: K. MICHAEL (Existenzgr√ľndung)
IBAN: DE 60 xxxxxxxx xxxxxxxxxx BIC: GENO DE 61 FR 1
Bank : Volksbank
Verwendungszweck: SPENDE

F√ľr Spendenzuwendungen per Bank√ľberweisung aus allen anderen L√§ndern die nicht zur Europ√§ischen Union oder der Schweiz geh√∂ren (bitte m√∂glichst nicht unter 100 USD!!!):

Empf√§nger: K. MICHAEL (Existenzgr√ľndung)
IBAN: CH 57 00770 xxxxxxxxxxxxx
SWIFT/BIC: BKBB CH BB xxx
Bank: BKB
Verwendungszweck: SPENDE

Nat√ľrlich k√∂nnen Sie auch groessere, erheblich groessere Geldbetr√§ge √ľberweisen, per Traveller-Cheque oder Bargeld senden.

Uns ist nat√ľrlich daran gelegen, so schnell wie m√∂glich die erforderliche Summe zur √úbernahme des Restaurants zusammenzubringen, um so schnell wie m√∂glich mit der
Arbeitsaufnahme zu beginnen, und um so schnell wie m√∂glich die Sozialleistungen der BRD zu beenden, denn davon kann man nun wirklich nicht vern√ľnftig leben, und das kann es ja
nun wirklich auch nicht sein, oder was meinen Sie?

Anstatt ihre Spendengelder irgendwo auf dem Planeten hinzuschicken, wo sie wieder mal im Sande versickern, k√∂nnen Sie hier wirklich und direkt, einigen bed√ľrftigen, arbeitswilligen
und motivierten "Europäern" unter die Arme greifen, bevor wir als Sozialleichen enden.

Bitte helfen Sie uns!

K. MICHAEL (und die hoffentlich zuk√ľnftige Crew des La Caberna Sur)


PS:
Alle Spender werden mit Namen und Betrag auf einer speziellen Website ver√∂ffentlicht, √ľber die wir Sie nach erfolgreichem Ende der Spendenaktion via Email informieren.
Falls ein Spender die Ver√∂ffentlichung seines Namens nicht w√ľnscht, bitten wir um kurze Mitteilung!


Ist das nicht schön ... , wenigstens weniger Schreibfehler als die sonstigen elektronischen Belästigungen.

Mit besten Empfehlungen

Doc
 
@w¬į¬į :womit wir wieder beim "backwahn" w√§ren :)))

@doc :darf ich auch einen spendenaufruf machen ? ich bin zwar noch nicht arbeitslos, aber man könnte das ganze ja schon mal rein prophylaktisch ...? muss mir aber erst noch ein sonniges plätzchen suchen,wo ich dann meine ich-ag namens "loki" (oder so) errichte.
ich sch√§tze ne` halbe mille d√ľrfte es f√ľr den anfang tun[:eek:)]
aber das ganze bitte nur in Euro ... hopphopp![:0]

gruss daggy
 

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