Spontane Gigs im Duo

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Anonymous

Guest
Hallo Leute,

da ich hier immer wieder gern die Live-Geschichten von Auge und auch anderen gelesen habe, es aber inzwischen leider ein wenig ruhig in dieser Rubrik wurde, schreibe ich halt selbst mal bissl was.

Vielleicht fühlt sich der eine oder die andere dann auch motiviert hier ein paar Geschichten von Live-Auftritten rein zu stellen :dafuer:

Nach vielen Jahren der Live-Abstinenz habe ich vor einigen Monaten wieder in einer Rock- Hardrock-Coverband angefangen. Ein Bekannter von mir spielt dort 2. Gitarre und singt und fragte mich ob ich nicht an der Lead-Gitarre einsteigen mag, was ich dann auch tat.

Leider gab es mit dieser Formation erst einen Auftritt. Es war eine Benefiz-Veranstaltung mit dem Titel "Young Rock against Cancer", wo außer uns noch 5 Bands spielten. War nach so vielen Jahren (ca 15) ohne Live-Auftritt sehr geil wieder mal auf der Bühne zu stehen und ich konnte vieles (eigenes Setup zu leise, Monitoring nicht genug eingefordert,...) mitnehmen, dass ich die nächste Male hoffentlich besser machen kann.

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Unser Sänger spielt nebenbei (sehr häufig) gemeinsam mit einer Sängerin/Gitarristin im Duo - gemütlich/akkustisch.

Nach ein paar (leider probelosen) Monaten rief er mich an, wer hätte einen Gig mit dem Duo aber leider ist seine Sängerin krank, ob ich nicht einspringen wollte. Nach kurzem Überlegen sagte ich zu, mit der Auflage, dass ich mit der E-Gitarre statt A-Gitarre spielen darf (ich bin für A-Gitarre inzwischen irgendwie einfach zu faul). Einmal vorher getroffen und ein wenig drüber gesprochen, was so gespielt werden soll - das eine oder andere Lied angespielt und gut war.

Der Auftritt selbst war dann die musikalische Untermalung einer Eröffnung eines Freibades, welches gut besucht war. Wir haben an diesem Abend auf Wunsch des neuen Kantinenbetreibers dann sehr viel Austropop und CCR gespielt, was auch bei den Gästen gut angekommen ist. Von Lied zu Lied bin ich mehr in die Sache reingekommen, bis ich dann auch mitsingen konnte, da ich ans Gitarre spielen nicht mehr denken musste. Insgesamt war das eine echt coole Erfahrung, welche mir zeigte, dass so Gigs im Duo durchauchs interessant sind.

1 Monat (wieder probelos) später rief er mich wieder an - selbe Situation: Gig gebucht, Sängerin krank. Diesmal war's ein Feuerwehrfest/Weinkost. Nach bissl überlegen auch hier zugesagt - jetzt wusste ich ja bereits was auch mich zukommt. Aufbau (Bose L1) schnell erledigt und begonnen. Wir spielten wieder einige Austropop-Songs, die von den Gästen mitgesungen werden konnten. Neben den CCR Klassikern auch diverse Pop und Rocksongs von Kings of Leon, Radiohead, FourNonBlondes, Liquido und GreenDay - tw. in sehr ruhigen und Arrangements.

Ich habe mich bei diesem Gig um Welten wohler gefühlt als beim 1. Auftritt dieser Art - konnte somit viel mehr mitsingen, mehr Soli spielen, Strophen mit kleinen Melodien unterlegen und vor allem viel besser mit dem Publikum arbeiten => das klappt in so kleiner Besetzung natürlich viel besser als in einer 7-köpfigen Band, da man auf Zwischenrufe der Zuhörer viel leichter und spontaner reagieren kann.

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Fazit: Die Zuhörer, die auch die normale Besetzung kannten waren der Meinung, dass die E-Gitarre dem ganzen einen viel breiten und volleren Klang verleiht und das ganze durch Einsatz diverser Effekte auch viel abwechslungsreicher macht als 2 A-Gitarren, 2 Stimmen. Was mir besonders gefiel, ist die Tatsache dass die rockigen Songs (auf die ich bestand und die mir auch den meisten Spaß beim Spielen bringen) wie Summer of 69, Rocking in the free world oder HonkyTonk Woman beim Publikum am besten ankamen.

Habt ihr ähnliche Auftritte hinter euch? Wie waren eure Erfahrung? Schreibt doch auch ein wenig über eure Live-Erfahrungen!

Grüße aus AT, Hannes
 
Hi!

Letzten Endes beschreibst du sehr dankbare Gigs: Einer macht die ganze Arbeit (Gesang und basics an der Gitarre) und man selbst setzt die Kirsche auf den Kuchen mit Backgroundvocals und ein paar Fills oder cleveren Akkorden.

Wenn beiden hören und interagieren, ist das super.

Das Publikum kann dann auch sehen und hören, was passiert. Das auch noch live - keine Konserve, keine Nachproduktion, keine App. Handgemacht.

So etwas funktioniert im Regelfall ganz gut, wenn auch nur für eine Weile. Nach einer Stunde möchte das Publikum wieder Rihanna. Naja, wenigstens eine Stunde gerettet...

Gruß

erniecaster
 
Hey Hannes,
Das klingt nach einer feinen Sache.
Ich hab gar nicht so mitbekommen, dass es bei dir so eine lange Bühnenabstinenz gab. Das ist ja kaum auszuhalten.

Diese Duosachen sind natürlich fein zu verkaufen weil es wenig Platz, wenig Anlage, wenig Lautstärke und wenig Geld für den Veranstalter bedeutet. Und man kann, wenn man gut zusammengespielt ist, auch fein musizieren und Spass haben.
Ich hab selber grade sowas begonnen allerdings mit einer Sängerin. Die ersten Gigs sind fixiert. Mehr dazu werd ich demnächt im eigenen Blog schreiben.

Für mich ist es allerdings, das merke ich, nur ein Kompromiss der der Marktwirtschaft geschuldet ist. Eine richtige Band is eine richtige Band ist eine...

Jedenfalls viel Spass im Duo wünsch ich dir und hoff wir lesen bald mal wieder etwas von dir.

LG
Auge
 
Habe so etwas Ähnliches letztens bei uns Im Krankenhaus gemacht, im Rahmen eines kleinen Marktes auf dem Gelände. Unsere Chefin hat den Musiktherapeuten und mich gefragt, ob wir nicht etwas "leichte" Musikuntermalung dort machen könnten.
Der Musiktherapeut mit Ukulele, ich mit Akustikgitarre.
Wir hatten (natürlich) kaum Zeit, uns vorzubereiten.
...ich bin jetzt nicht der große Improvisierer, muss mich etwas vorbereiten.
Wir hatten so fünf Stücke, die wir gemütlich in Schleife gespielt hatten.
Ich hatte noch "16 tons" von Tennessee Ernie Ford vorgeschlagen, das einzige Gesangsstück. Wollte ich, weil ich so etwas sonst NICHT mache. Hat ganz gut geklappt alles, ich habe spielrisch etwas profitiert, den Leuten hat`s gefallen.
War alles innerhalb der Arbeitszeit. :) Hihi!
Also, es war nicht der Superknaller, aber es hat Spaß gemacht.
Unkompliziert.
Aber, ja, mit Band knallt das alles mehr!
 
erniecaster schrieb:
Hi!

Letzten Endes beschreibst du sehr dankbare Gigs: Einer macht die ganze Arbeit (Gesang und basics an der Gitarre) und man selbst setzt die Kirsche auf den Kuchen mit Backgroundvocals und ein paar Fills oder cleveren Akkorden.

Wenn beiden hören und interagieren, ist das super.


Gruß

erniecaster

Genauso ist es Ernie, aber genau dieses interagieren fand ich echt super - sowohl mit dem Sänger als auch mit dem Publikum. Und genau das war beim 2. Auftritt schon viiiiiieeeeel besser als beim 1. Gig.


auge schrieb:
Für mich ist es allerdings, das merke ich, nur ein Kompromiss der der Marktwirtschaft geschuldet ist. Eine richtige Band is eine richtige Band ist eine...

Sehe ich genauso - ich mag die Gigs mit der ganzen Band auch lieber. Aber wie Du schreibst, das Duo ist bzgl. Platz, Anlage, Lautstärke, Kosten usw. viel besser zu verkaufen und macht auch Spaß.


Hallmarksweptwinger schrieb:
Für mich ist es allerdings, das merke ich, nur ein Kompromiss der der Marktwirtschaft geschuldet ist. Eine richtige Band is eine richtige Band ist eine...

siehe vorige Antworten :p

Grüse Hannes
 
Hallo!

Mal ein Gedanke: Der Drummer und der Bassist sind richtig gut zusammen, Sänger und Keyboarder sind gut drauf, der Soundcheck war super, die eigene Anlage ist feinjustiert und tut, was sie tun soll. Jeder kennt jeden Song, alle sind bis unter die Haarspitzen fit in ihren Parts. Beste Voraussetzungen in einer Band.

Das macht natürlich einen Riesenspaß, keine Frage.

In den Antworten hier schien so durch, dass dann keine Interaktion mehr passiert oder man einfach nicht mehr so "frei" ist.

Das entspricht meiner Wahrnehmung. Bei der ersten Audition für eine Band ist man mit kleinem Besteck unterwegs, hat ganz spitze Ohren, ist voll mit Adrenalin und es ist richtig spannend. Später wird alles bestens vorbereitet und geprobt -"the thrill is gone"?

Sind deshalb die kleinen, fast ungeprobten Gigs spannender, weil man eben nicht weiß, was passieren wird? Wenn das so ist, und man die Spannung, die Interaktion und das Unerwartete liebt, wie kann man das dann in den Bandbetrieb bringen?

Ich glaube, dass das ein Konzentrationsproblem ist. Wenn alle Beteiligten hellwach sind und ihre Parts hochkonzentriert spielen (und auch so meinen!), dann ist das was anderes als wenn alle ihre Parts runterspulen und dabei an Schmetterlinge, den nächsten Urlaub oder den letzten Kinobesuch denken. Vielleicht ist es eine Lösung, viel weniger gemeinsam zu proben und auch live mal Songs zu spielen, bei denen eigentlich alles wackelt.

Mich würden eure Meinungen dazu mal interessieren.

Gruß

erniecaster
 
Moin,

einmal im Jahr stellt unsere Band ein kleines privates Open Air auf die Beine. Unkommerziell, nur befreundete Bands, Bekannte, Verwandte usw.. mit richtiger wetterfester, gar nicht mal so kleiner Bühne, amtlicher Backline und Spielmöglichkeit für Bands bis zu 6 Musikern. Dazu Pavillons, Gartenmöblierung und eigens konstruiertes Wc.
Das war jetzt gerade am Wochenende.
Da wirklich alles handgedengelt ist, kann man sich vielleicht vorstellen, dass die Nummer mindestens 4 Tage harte Arbeit bedeutet.
Abgesehen von einer durchaus netten Partyberieselung und dem Drumherum, ist unser persönlicher Nutzen auf einen einzigen ca. 1stündigen Auftritt reduziert. Dafür hatten wir auch gut geprobt.
Leider hat unsere Sängerin und Bassistin, die auch mein Eheweib ist, z.Z. schwere gesundheitliche Probleme. Sie ist in der Beziehung zwar ein echter Pittbull, trotzdem war es schon im Vorwege nicht klar, ob sie den Auftritt komplett schaffen würde.
Wir legten also tapfer los und spielten einen streckenweise grottigen Gig! Während die Gute augenscheinlich tapfer gegen ein Umkippen ankämpfte, fraßen mich die Sorgen um sie nahezu auf. Ich war teilweise so neben der Spur, dass ich Stücke, die ich normalerweise im Schlaf spiele, versemmelte. Auch der Rest der Band war höchst verunsichert. Mit Ach und Krach kämpften wir uns durch das komplette Programm. Anschließend musste ich meine Frau hinter der Bühne erst einmal versorgen.
Das Open Air war für uns eigentlich gelaufen.

Inzwischen sitze ich hier mit einer ziemlichen Sinnkrise. Mit zunehmenden Alter werden die diesbezüglichen Probleme eigentlich immer Größer. Ich habe einfach keinen Bock mehr auf organisierte Auftritte! Es wird immer beschwerlicher und irgendwas ist immer!

Szenenwechsel:

Spontane, kleine Geschichten wie z.B. der improvisierte Akustikjam bei der Grillparty oder im Stadtpark, ja selbst bei Schwiegermutters 75ten, sind zunehmend ein Genuss für mich. Es steckt weder ein Muss dahinter noch hat man ein Auf- und Abbaugerödel in den Knochen. Die anwesenden Zuhörer sind auch stärker "bei einem" und machen begeistert mit. Der Überraschungsfaktor, das Interagieren, die glücklichen entspannten Gesichter machen mich glücklich und zugleich nachdenklich!

Sorry, wenn ich diesen Thread möglicherweise etwas missbraucht haben sollte, um mich auszukotzen.


Mein Fazit:

Werdet nicht alt und schafft Euch Roadys an!






:(
 
Mittagspause in Rübenhausen = Zeit für einen kleinen Beitrag:

Spontane Sachen mag ich generell auch, und für das Adrenalin mach ich ab und an mal eine Aushilfe:
Da wird mit wenig Vorbereitungszeit meist ein kompletter Abend bestritten, das ist schon ab und an abenteuerlich.

Zu Tommy´s Anmerkungen:
Ich habe überhaupt keinen Bock mehr, Musik zu machen, nachdem ich stundenlang
tonnenschwere Technik gewuppt habe und beim Gigbeginn total am Arsch bin.
Ich verzichte zu Gunsten eines guten externen Beschallers sehr gerne auf Gage.
Gigs, wo mit eigener Anlage riesiger Bohei betrieben werden soll, sind mir ein Graus!

Und: Worauf zunehmend weniger Bock habe, ist, mich mit Veranstaltern wg. Geld oder Inhalten rum zu ärgern.
Deshalb spiel(t)en wir mit der Britpop-Coversache relativ wenig, was aber auch noch andere Gründe hat(te).
Das soll ein bisschen mehr werden, aber die Kompromissbereitschaft in Sachen Gage steigt,
wenn ich im Gegenzug uneingeschränkt "mein Ding" machen kann und mir keiner in die Musik reinredet.
Jetzt wird nach der Urlaubspause das Programm mit einem neuen Drummer eingeprobt, und dann schau mer mal,
ob wir ein paar mal mehr als bisher rauskommen.

Ein zweites Projekt ist nun auch am Start:
Da sind zT schon richtig gute Leute dabei, die das zT lange professionell gemacht haben,
die nun aber allesamt einem "geregelten Tagwerk" nachgehen und Familie haben.
Priorität hat, dass "die Chemie stimmt", d.h. wir uns gut verstehen, und das ausschließlich Musik gemacht wird,
auf die wir Bock haben. Einmal in der Woche regelmäßig Musik machen, mit andren, nur zum Spaß.
Keine Kompromisse an irgendwen. Und wenn es das Projekt auf die Bühne schaffen sollte, wird das genau so laufen.
Und: Ich kann bei denen Jungs (so der bisherige Probenverlauf) ziemlich viel lernen.
Nebenbei gefällt denen meine Art Gitarre zu spielen, ich hab alle Freiheiten, muss mich nicht an originale Vorgaben halten.
Ihr merkt ... Honeymoon :)
 
Also irgendwie nagen wir eh alle an den gleichen Sachen.

Auch bei uns ist in der Band gerade die Luft draußen. Der Rest der Band (außer mir) spielt in der Besetzung seit ca. 5 Jahren und da gibt's inzwischen auch ziemliche Reibereien persönlicher Art. Nach meinem Einstieg hat sich das für kurze Zeit gebessert da alle (deren Aussage) durch meinen Input frischen Elan hatten. Inzwischen sind die Proben wieder sehr rar geworden und auch meine eigene Freude hält sich in Grenzen weil die Stimmung natürlich immer mitschwingt.

Die spontanen Sachen sind somit eine willkommene Abwechslung. Durch das Duo-Ding fällt auch der ganze Auf- und Abbau, wie von
tommy schrieb:
4 Tage harte Arbeit
und
gitarrenruebe schrieb:
tonnenschwere Technik gewuppt
beschrieben, weg. Dadurch ist es ein Gitarren bringen und stimmen - spielen/Spaß haben - Gitarre ausstecken und fertig Ding und alles dazwischen ist interessant weil neu und spannend...

@ tommy: alles gute Deiner Holden!!!
@ gitarrenruebe: drück die Daumen dass die neuen Sachen gut werden!
 
Hi,
die Post von Tommy und Rübe kann ich nachvollziehen.
Ich habe auch keinen Bock mehr auf Equipmentorgien und Schlepperei. Am liebsten sind mir die Gigs wo ich mit leichtem Gepäck möglichst mit den Öffentlichen ankomme und mich voll auch die Musik und auf das Publikum einlassen kann.
Aus dem Alter wo man um 5 in der Früh nach einem Gig das tonnenschwere Equipment im Proberaum abgestellt hat bin ich raus.
Gruß
 

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