subjektiv und unwissenschaftlich - Taylor GS mini vs. Harley Benton GS Travel

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erniecaster

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Tag zusammen!

Hier mal wieder eine Geschichte aus dem Leben des Erniecaster und seinem musikalischen Equipment. Es sind meine ganz persönlichen Meinungen und hochwissenschaftlich gesehen, ist das alles ohne jede Aussagekraft. Ohne weitere Vorrede hinein!

Wie ich hier schon berichtet habe, bestellte ich Anfang des Jahres eine Harley Benton GS Travel in Mahagoni mit Pickup. Ein tolles Instrument, nicht nur in Preisrelation sondern absolut. Machte mir Spaß, spielte sich wundervoll und klang prima. Das einzige, was mich wirklich störte, war der aufkeimende Gedanke, dass das Original von Taylor doch wohl erheblich besser sein müsse. Wie doof! Ich wollte eine Taylor GS mini und hatte gerade einen guten Hunderter vom Etat für die Harley Benton ausgegeben. Zur Finanzierung meines Taylor-Wunsches verkaufte ich die HB und noch zwei weitere Gitarren und legte Monat für Monat ein wenig Geld an die Seite.

Ich hatte lange vorher eine Taylor Academy mit einem wahrhaft grandiosen Pickupsound probiert, bei der allerdings der eingebaute Tuner unbrauchbar war, weil er einfach nicht stimmte. Genau der Pickup mit diesem Preamp ist aktuell auch in den elektrifizierten GS Minis eingebaut. Ich war guter Dinge und entschied mich für Fichte, Zargen und Boden aus Black Limba – eine limitierte Ausführung. Dann war sie da. Traumhaft verarbeitet, ganz tolle Hölzer und ab Werk perfekt eingestellt. Toll, aber es hat schon beim Auspacken einfach nicht gefunkt zwischen uns. Kein Prickeln, kein Kribbeln, kein Haben-Wollen mehr und erst recht kein Liebhaben. Bei den ersten Akkorden fiel mir dann der Unterkiefer fast herunter. Im Vergleich zu der Erinnerung an die Harley Benton war die mehr als sieben Mal teurere Taylor einfach eine blöde und topfig klingende Holzkiste. Wäre sie wenigstens einfach langweilig gewesen, nein, sie klang hundsmiserabel.

Weil ich dann doch neugierig war, habe ich die Taylor natürlich auch eingestöpselt. Wie schon erwähnt, hatte ich das System als wohlklingend empfunden. Bei der GS Mini war das anders, nämlich ein Desaster. Der eingebaute Tuner funktionierte zum Stimmen gut, nur gab es beim Ein- und Ausschalten einen fiesen Knackser durch den Amp, auch bei auf Null herunter gedrehter Lautstärke. Unbrauchbar. Komplett unbrauchbar. Der Sound war im übrigen so wie früher Piezosysteme klangen. Dünn, flach, drahtig, eklige Transienten und reichlich unnatürlich. Was habe ich es genossen, das auszustellen und einige Minuten der Stille zu lauschen.

Kurz und gut, vielmehr gar nicht gut, war die Taylor GS mini eine absolute Enttäuschung. Ich habe jetzt erneut eine Harley Benton GS Travel in Mahagoni gekauft, die ich in allen Belangen erheblich besser finde als die Taylor und sogar besser als die erste HB, die ich hatte.

Diese HB GS Travel gebe ich nicht wieder her.

Gruß

erniecaster
 
martin

martin

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Hallo Erniecaster,

im Ernst jetzt, du verkaufst eine Gitarre, die du magst, um dann ungesehen und ohne anspielen eine andere teure zu bestellen?

Die schickst du dann zurück und bestellst dir wieder ungesehen eine billige Gitarre (weil du mit einer anderen billigen mal Glück hattest)?

Na dann wünsche ich dir viel Glück dabei, mein Ding wäre diese Vorgehensweise nicht...

Gruß Martin
 
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erniecaster

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Hallo Martin,

so vereinfacht klingt das irre. Es fehlen aber dabei Faktoren.

Meine Yamaha AC3R lernte und lerne ich jeden Tag mehr zu schätzen. Meine Nummer eins der akustischen Gitarren.

Als ich die Harley Benton Travel kennenlernte und mochte, dachte ich, die Taylor sei so viel besser, dass sie quasi die zweite Nummer eins sein könnte.

Die Taylor ist aber nicht besser, im Gegenteil (Meinung).

Heute ist die Harley Benton eine wunderbare Nummer zwei.

Darüber hinaus glaube ich heute nicht mehr wirklich an Serienstreuung, mal abgesehen von Optik.

cu

erniecaster
 
martin

martin

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Ich mein ja nur, bei einer Gitarre die so billig ist wie die Harley Benton würde ich mir ja erst die neue kommen lassen und die alte erst dann verkaufen, wenn es die neue bringt.
 
martin

martin

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Hast du dich mal mit dem Stichwort Emergenz beschäftigt. Wenn man daran glaubt hieße das, dass das fertige Instrument mehr ist als nur die Summer seiner Einzelteile. Demnach klingt auch keine baugleiche Gitarre wie die andere. Was dann durchaus für eine Serienstreuung spräche...
 
BruderM

BruderM

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Zur HB kann ich nichts sagen, aber eine GS habe ich im Urlaub in einem Musikladen in San Francisco mal zufällig (ich kannte den Laden vorher nicht und hatte nichts recherchiert) angespielt und nach 1-tägiger Diskussion mit meiner Frau spontan gekauft.... das mache ich sonst nicht (Kaufen schon, aber nicht spontan). Das war eine rein akustische Version mit Fichtendecke, am Anfang gab es auch nichst anderes.
Ich hab die einige Jahre gespielt und geliebt, gute Verarbeitung, die kurze Mensur hat einen erstaunlich erwachsenen Ton produziert, es war meine Sofa/Urlaub/NurMalSo-Gitarre und hat das sehr gut gemacht.

Ich hab sie trotzdem verkauft, weil eine Blueridge-Parlor hier aufgetaucht ist, die genauo kompakt und transportabel ist, dabei aber mit ihrem 12-Bund-Charme einen grandiosen Ton hat, der mich immer wieder und noch sehr fläscht.

Da ich insgesamt permanent zu viele Gitarren und zu wenig Zeit habe, ist die GS dann gegangen, aber sie konnte nichts dafür.....
Alles gute für 2021
Marc
 
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erniecaster

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Hallo,

natürlich klingt meine Geschichte so vereinfacht sehr skurril und sie ist es bei Licht betrachtet wohl auch. Ein paar Aspekte möchte ich dazu aber einbringen.

Mein Plan mit der Taylor GS mini war, sie als vollwertige Live-Gitarre zu sehen. Leicht zu transportieren, leicht spielbar, irgendwie auch cool mit so einem Minidingens auf der Bühne und wohlklingend. Ich habe immer Geiger beneidet, die mit ihren kleinen Köfferchen ankamen, ein spilleriges Kabel in eine bereitstehende D.I. einstöpselten und fertig waren. You get the idea.

Ich musste allerdings erst einmal Geld zusammen bekommen. Es sammelten sich außerdem gerade - wie bei BruderM - mal wieder Instrumente bei mir zuhause, die zu wenig gespielt wurden. Ich habe dann ein interessantes Paket zum Verkauf geschnürt, bei dem ich mich preislich allerdings ein wenig vertan habe. Nach drei Tagen waren die Instrumente verkauft. Nun gut.

Im übrigen ist die 3 bei mir so eine magische Zahl. Zwei Gitarren kann ich gut händeln - wie meine Tele und meine Jazzmama. Kommt eine dritte dazu, bin ich schon in Entscheidungsschwierigkeiten, welche ich gerade spielen möchte - und ich kann immer nur eine spielen.

Okay, die GS mini sollte die Nummer zwei oder die "andere Nummer eins" auf der Akustikseite werden. Coronabedingt hatte ich aber auch wenig Neigung, Gitarren vor Ort auszuprobieren. "Vor Ort" bedeutet bei mir auch, gute 50 Kilometer nach Köln und später retour zu fahren. Das Probieren im Laden fühlt sich für mich mitterweile auch fremd an. Ich kann nicht mit meinen Instrumenten vergleichen, das elektrische Gerödel zum Anschließen fehlt und im Laden ist immer ein wenig zeitlicher Druck. Es ist schlicht unentspannt.

Meine Anmerkung zur Serienstreuung war gestern natürlich ein bisschen sehr kurz. Natürlich sind keine zwei Gitarren identisch, keine Frage. Wenn man die Gitarren aber erst einmal neu und identisch besaitet, sie anständig einstellt, sich selbst auf die Gitarre einstellt, Zerrer, Delay und Geflirre einschaltet und der Drummer bis vier gezählt hat, relativiert sich so einiges - hey, selbst dieselbe akustische Gitarre im selben Raum mit demselben Spieler klingt nach einer Zigarettenpause schon nicht mehr wie vorher. Man kann Sound nicht zu 100 Prozent festhalten und wenn man das einmal verinnerlicht und akzeptiert hat, kann man sich auch entspannen und mit dem gerade vorhandenen Sound Musik machen.

Ich kann mich gut an Aufnahmesessions erinnern, bei denen ich mich mehrfach verspielt habe und aus lauter Frust einfach die Gitarre gewechselt habe, woraufhin es dann lief. Ich erinnere mich aber nicht mehr, bei welchen Songs das war und bin auch selbst nicht in der Lage, genau herauszuhören, wo ich welche Gitarre gespielt habe. Und dann soll ich mir bei einer vermutlich größtenteils maschinengebauten Sperrholzgitarre Gedanken über Serienstreuung machen? Nah.

cu

erniecaster
 
 

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