Preamp-Pedale "für direkt innet Pult"

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Preamp-Pedale "für direkt innet Pult"

Wie vor einiger Zeit angekündigt hier ein kleiner Bericht zum Test der Preamp-Pedale zum Einsatz direkt ins Mischpult (also mit Speakersimulation).
Hintergrund: ich brauche ein ultrakompaktes kleines Set für Gigs, bei denen nur sehr wenig Platz auf dem Bühnenboden bzw. auf der Bühne ist, die Gitarre nicht so die Hauptrolle spielt und ich daher ohne Amp spiele.
Bislang hatte ich dafür ein Tech21 Blonde (auch dank der vielen Berichte hier im Forum - danke schön mal dafür!), das ich quasi als Amp-Ersatz benutzt habe und mit 1-2 Verzerrern davor ergänzt habe. Allerdings habe ich festgestellt, daß es nicht so ganz einfach ist, Zerrer zu finden, die damit harmonieren.
Daraufhin war ich zunächst auf ein programmierbares Pedal verfallen und habe das Fender Mustang Floor auch noch hier stehen (Kaufinteresse? Bitte melden!). Damit bin ich aber nicht warm geworden. Weniger wegen des Sounds, sondern weil ich gemerkt habe: ich bin so piepsig bei den Sounddetails, daß ich die Parameter unbedingt als Regler alle vor mir haben will, um schnell eingreifen zu können. Es reicht mir nicht, zu merken "Oh, der Crunch-Sound ist zu dumpf", den Song zu Ende zu spielen und dann über Edit - shift - delete - F7 usw. den Sound zu verändern.
Also müssen Einzeleffekte her bzw. Pedale für clean, crunch und Overdrive.

Bei der Suche bin ich auf zwei Kandidaten gestoßen, die mir interessant schienen: den Randall RG 13 und den AMT SS 11 in der "Traditional"-Version. Es gibt auch noch eine "modern", aber ich mag's eher vintage.

Ich habe mir beide bestellt und mit dem Tech21 Blonde verglichen.

Erster Eindruck:

Randall: built like a battleship, groß, schwer, dickes Metallgehäuse, schräge Leiste vorn mit Switches, von oben nur schwer ablesbare Druckschalter. Großes Netzteil mit dreipoligem verriegeltem Stecker, 17,5V (nicht genormt), zusätzlicher 9V-Out für andere Pedale. Netzschalter. Ground Lift.



AMT: im Vergleich zum RG 13 winzig (1/3 der Größe), auch aus Metall, leicht, eng stehende, aber trotzdem gut bedienbare Potis, winzige Kippschalter, kleines und leichtes Steckernetzteil, 12 V Standard-Stecker 2,1cm. Kein Netzschalter.

Blonde: gleiche Größe wie AMT, noch leichter, 9V Standard-Stecker 2,1cm. Fußschalter für on/off. Meine Version hat zusätzlich noch einen Ground-Lift-Schalter für den nachträglich eingebauten zusätzlichen symmetrischen Ausgang.

Anschlüsse
Randall: sym. XLR-Out mit Simulation und Groundlift, dazu noch ein unsym. Klinken Out ohne Simulation (also gedacht für das parallele Ansteuern eines Amps), 1 W Poweramp Out, FX Loop (= Boost = Tuner Mute, dazu gleich mehr).

AMT: 1 Klinke Out mit abschaltbarer Sim, 1 FX Loop mit in und out, alles Klinke

Blonde: Klinke in und out

Konzept

Randall: das RG 13 ist dreikanalig aufgebaut, es gibt eine gemeinsame Klangregelung sowie Klangswitches (Bright im Clean-Kanal, Mid Scoop, Bass Boost) und einen Presence-Regler. Der Effektloop kann als Loop ODER als (regelbaren) Boost für Solo-Lautstärken ODER als Tuner-Mute-Ausgang genutzt werden. Hier muß man sich entscheiden. Das schränkt die Nutzbarkeit des tollen Features natürlich stark ein.
Außerdem hat das RG 13 eine 1-W-Endstufe mit an Bord, die ausreicht, um einen Speaker im Wohnzimmer anzutreiben, die aber auch als klangformende Komponente genutzt werden kann.
Daneben gibt es einen Stereo-Miniklinken-Eingang für mp3-Player o.ä.

AMT: Der AMT ist ein Röhrenpreamp, in seinem Innern werkeln 2 12AX7 Röhren. Ob das eine pure Röhrenschaltung ist, wage ich zu bezweifeln, aber immerhin. Das Ding ist auch dreikanalig, mit zwei getrennten Klangregelungen (clean und crunch/lead). Separate Gain- und Master-Regler, ein Bright-Switch im Clean-Kanal, 2 Fussssschalter für Clean/verzerrt und Crunch/Lead. Die Potis sind eng beieinander, daher auch recht schmal ausgeführt, lassen sich aber gut bedienen. Sie werden durch einen stabilen Metallbügel vor Fußtritten geschützt.

In Sachen Ausstattung hat also der Randall die Nase vorn - allerdings ist der eine Pluspunkt des AMT, die separate Klangregelung, natürlich etwas, was mit noch so vielen Soundswitches nicht aufzuwiegen ist. Die Röhrenausstattung nehme ich mal so hin, entscheidend ist "aufm Platz", sprich: was besser klingt.

Zum Vergleich das Tech21 Blonde: hier gibt es nur einen Kanal, der aber üppig ausgestattet ist. Der Drive-Regler macht daraus wahlweise einen Clean-, Crunch- oder Leadkanal, der Character-Regler bestimmt ob das eher blackface- oder tweed-artig klingen soll, die 3-Band-Klangregelung ist (das ist ja hier vermutlich nix neues) der absolute Hammer in Sachen Effektivität. Ein Millimeter drehen - total anderer Sound. Nicht leicht zu bedienen, aber extrem flexibel.
Keine weiteren Ausstattungsmerkmale (die neuere Serie hat eine schaltbare Speakersimulation, meine nicht, dafür aber wie angesprochen den nachgerüsteten symmetrischen Ausgang mit Ground Lift).


Soundtest
(angeschlossen an ein Presonus Studiolive (kein EQ, nur ein wenig Hall) und abgehört mit Sirups SXM 8A Studio-Monitoren)

Clean

Blonde:
komplexe Klangregelung
gute Möglichkeiten zum Feinjustieren der Mitten (Character und Mid)
guter Blackface-artiger Clean-Sound
vielleicht etwas zu "klein" klingend, zu gepresste Mitten und Bässe. Das ist Jammern auf recht hohem Niveau, im direkten Vergleich zu einem gemoddeten Fender Princeton. Trotzdem fehlte mir bei den vielen Live-Einsätzen, die ich damit gemacht habe, manchmal die geniale Mischung aus Dynamik und Kompression, die einen guten Fender-Amp auszeichnet. Aber es klingt schon sehr nach Fender. Und die stufenlose Überblendung in Richtung Tweed ermöglicht es, ein ganz ganz leichtes "Knuspern" dazu zu bekommen, ohne den cleanen Grundcharakter zu verlieren.

Randall:
sehr moderner Grundsound, viele Höhen
auf Anhieb frischer, "größer"
Mittenregler viel weniger effizient als beim Blonde, beim Absenken noch besser als beim Anheben (…worauf läuft das hinaus? Scoop!!)
Bass-Boost hörbar, aber eher nuancenartig

Ich habe den Verdacht, hier steht ein Gerät das auf Metal konzipiert ist. Der Randall zeigt sich wenig flexibel was die Mitten angeht, da hilft kein Drehen.

AMT:
spitz, scharf
Treble Regler beisst sehr stark, weit aufdrehen ist kaum möglich
Mid-Regler bringt nicht Dicke, Wärme, sondern kantige Hochmitten (ca. 1 Khz)
Bass-Regler muß voll auf, um nicht dünn zu klingen
erster Eindruck: keine Chance

nach längerem Spielen und Drehen wandelt sich das Bild:
- beim AMT hilft der Bright switch, wenn man Treble zurücknimmt, Gain weit aufdreht (da kommt kein Zerren, er bleibt clean), Mid zurückhaltend einstellt und den Bass voll aufdreht. Dann wird der Sound "runder" und ausgeglichener, klingt frischer als das Blonde und vermittelt subjektiv ein Spielgefühl von mehr Dynamik.

Crunch
- geht beim Blonde ja nur, wenn man den Cleansound "aufgibt", d.h. nicht zusätzlich. Dann klingt das Blonde im mittleren Regelweg des "character"-Reglers (zwischen 11 und 1 Uhr) und entsprechend aufgedrehtem Drive-Regler recht Bassman-artig, mit einem transparenten Anzerren, aber nicht dick oder satt. Geht man weiter in die Tweed-Richtung (character auf 1-2 Uhr, Drive weiter auf) wird es "Layla"-artig, also aufgedrehter Tweed-Champ. Sehr gut, aber eben kein "allround"-Sound und (wie gesagt) nur als Alternative zum Cleansound, also entweder-oder.
- der Randall scheidet hier aus dem Rennen aus, zumindest für mich: er hat viel zu viel Gain im 2. Kanal, das ist schon ein riff-Sound à la klassischem Hardrock. SRV oder Hendrix ist hier nicht zu machen. Wenn man den Gain so weit zurück nimmt, daß das denkbar wäre, stirbt der Ton ziemlich ab. Auch der EQ kann nix reißen, keine luftigen Höhen, kein Glanz ohne zu beißen. Hier wird also "Crunch" offenbar aus der Sicht der Metallgewerkschaft definiert.

- AMT: auch hier hat der 2. Kanal viel Gain, SRV oder Jimi geht aber bei 9 Uhr-Stellung des Gain-Reglers. Der Ton ist auch hier wieder sehr scharf, Treble 10 Uhr ist das Maximum der Gefühle vor Ohrenbluten. Der Mid-Regler ist auch hier wieder relativ hoch angesetzt, der Wirkungsgrad desBass-Reglers ist eher schwach, also voll aufdrehen. Die Lautstärkereserve des Crunch Kanals ist sehr begrenzt, man muß ihn voll aufdrehen und Clean auf maximal 2 Uhr, um ausbalanciert zu sein beim Hin- und Herschauten. Von den Gain-Reserven her reicht der Crunch-Kanal auch für klassische Rocksounds oder mittelstark verzerrte Soli.

Lead
- hier lassen wir das Blonde mal außen vor. Es produziert nicht wirklich flexibel einsetzbare Leadsounds, wenn man Top40-Mucke will. Das ist gar nicht so schlimm, es wird ja auch nicht als Alleskönner promotet, sondern als Fender-Amp-Simulator.

Randall: Das RG 13 liefert hinsichtlich des EQ-Charakters echten metal-Sound, in beiden overdrive-Kanälen ist das aber eine relativ grobkörnige, harte Verzerrung. Es klingt, als liefe parallel zum cleanen Signal eine Spur mit Bzzzzzz durch - so wirkt das fast fuzz-artig wobei aber der Eigenklang der Gitarre irgendwie "darüber" liegt. Mag sein, daß das für drop-d-Spieler ein beliebter Sound ist, aber ich kann damit nix anfangen. Mir fehlt das weiche, smoothe, runde, wo die Verzerrung sich um den Ton schmiegt.

AMT: der Lead-Kanal hat wie der Crunch-Sound viel Rain. Der Groundsound ist hier dumpfer als im Crunch-Kanal, eigentlich würde ich gern die Höhen mehr anheben, dann wird aber der Crunch zu scharf (gemeinsame Klangregelung für beide). Das AMT liefert einen guten singenden Leadsound mit einer viel feineren Zerrung als das Randall, ist aber trotzdem bissig und eher marshall-artig als Boogie o.ä. Auch hier ist die Lautstärke-Reserve wieder begrenzt, also muß man das im Zweifel durch Rücknahme des Clean-Volumes angleichen. Geht aber.
Die Abstimmung der beiden Zerr-Kanäle ist kompromißbehaftet, geht aber doch ganz gut. Es braucht nur ein wenig Zeit, bis man die Charakteristik der Regler und ihre Interaktion in den Griff bekommt.

Nach einigem Experimentieren habe ich am Pult eine leichte Anhebung von 185 hz (6 db) und Absenkung von 6 Khz (4 db) eingestellt, um mehr Dicke und weniger Glanz zu bekommen. Das betrachte ich als unproblematische Korrektur. Zum einen weil das Presonus-Pult das kann und zum anderen weil man wohl auch mit jedem anderen halbwegs ernstzunehmenden Pult solche Korrekturen vornehmen kann.
Bei der Bassanhebung würde ich aber doch abwarten, wie die Gitarre im Bandkontext klingt, evtl. kann das schon zuviel sein.

Mein Fazit
Das Randall scheidet für mich völlig aus. Mir gefällt zwar seine Bauweise und Solidität, auch einige integrierte Ideen sind originell (Boost, direkte Umschaltung von jedem Kanal in jeden anderen), aber der Grundsound ist einfach nicht meins.
Das AMT hat mich erstmal begeistert durch die kompakten Ausmaße. Dann war ich etwas enttäuscht, weil der Grundsound nicht auf Anhieb so war wie erhofft. Und dann, nach einigem Rum probieren (hicks) und Austesten, schien es mir doch viel besser nutzbar zu sein als im ersten Augenblick gedacht. Und dann hatte ich auch den Eindruck, daß es dem Tech21 Blonde in Sachen Spielgefühl und Dynamik überlegen ist.
Die Soundcharakteristik ist recht ausgewogen und eignet sich für viele Stilrichtungen.

Am Ende habe ich das Randall zurückgeschickt und das AMT behalten. Ich habe damit plus einem Delay nun ein ultrakleines und kompaktes "generic" Setup, womit ich zur Not oder bei kleinen Gigs das gesamte Repertoire meiner Coverband abdecken kann. Da keimt schon der nächste Gedanke: …sowas in Verbindung mit einem mini-Multieffekt wie dem neuen Zoom? hmmm…

Das Blonde hat trotzdem seine Berechtigung, es ist ein Spezialist und macht seine Sache sehr gut. Vielleicht werde ich in einigen Wochen nochmal diverse Zerrer vor dem Blonde mit dem AMT vergleichen.
 
Gruß
Markus


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RE: Preamp-Pedale "für direkt innet Pult"

Hallo Markus,

ich habe Dein Review gerne mit wachsendem Interesse gelesen; da ich das "Blonde" kenne, kann ich mir die anderen Pedale nun recht gut vorstellen.

Danke für die Mühe,

Batz.
 
EGAL, WIE DICHT DU BIST - GOETHE WAR DICHTER!
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RE: Preamp-Pedale "für direkt innet Pult"

Danke für dein Review Markus - liest sich gut und man hat ne Vorstellung. Auch ich kenne ja das Blonde (und auch DIE ).

Hätte ich von deinem Vorhaben eher gewusst, so hättest du auch mal (m)einen Tubeman MKI mit in deinen Test einfließen lassen. Wenn du trotzdem mal testen und vergleichen magst gib ein Zeichen
Verfasst am:

RE: Preamp-Pedale "für direkt innet Pult"

Hallo!

Wer "Blonde" sagt, sollte auch "Liverpool" sagen.

Ich habe erst das Blonde gehabt und war mehr als zufrieden. Weiß der Geier, warum ich das Liverpool auch gekauft habe aber es war eine wunderbare Idee.

Das Blonde funktioniert bei mir mit Zerrern nicht so sehr gut und den internen Crunch-Sound finde ich auch nicht so super. Das sieht beim Liverpool völlig anders aus - das cruncht von leichtem Knuspern zu sattem Anzerren und deutlich darüber hinaus. Und Zerrer frisst das Liverpool mit deutlichem Vergnügen. Kurz: Im Vergleich zum Liverpool ist das Blonde ein One-Trick-Pony.

Wenn ich heute entscheiden müsste, würde ich sofort das Liverpool behalten und mich vom Blonde trennen.

Gruß

erniecaster
 
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