Was macht eine gute Gitarre aus?


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Christof
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Moin,

ich war letzte Woche ein wenig auf Jagd nach einer richtigen guten Les Paul. Dabei habe ich u.a. auch ein paar 59er Reissues gespielt. Auch wenn ich KEINES von den Teilen kaufen würde ( die kosten ja so unendlich viel Kohle) so ist mir doch so einiges aufgefallen und ich behaupte jetzt mal in Hinblick auf Paula, Strat, Tele und andere Klassiker:

Gute E-Gitarren klassischer Bauform....
1. sind sehr gut ausbalanciert
2. haben eine kräftigen, sehr stabilen Hals. Der Hals muss nicht zwingend fett sein, sich aber sehr stabil und "bewegungsfrei" anfühlen.
3. klingen holziger und luftiger, wenn sie relativ leicht sind
4. haben mehr Druck und "Rockschmatz", wenn sie - relativ gesehen - schwerer sind
5. haben das beste Sustain, wenn sie mindestens 1.+2. miteinander verbinden.
6. klingen am ausgewogensten und besonders klassisch, wenn sie ein leichtes bis mittleres Gewicht auf die Waage bringen und eher verhaltene Tonabnehmer verwendet wurden
7. sprechen besser an, wenn kein tonnenschwerer Lack ihre Körper bedeckt.

Womit ich sagen will: es GIBT eine Formel, die offensichtlich funktioniert - vorausgesetzt, die Hölzer stimmen und ein Manufakteur, der die Materie und sein HAndwerk versteht, setzt die Teile zusammen.

Konsens? Unsens? Totaler Blödsinn? Sagt Ihr es mir...

Christof
 
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Meine Formel einfacher:

Wenn die Gitarre

1. dir persönlich gefällt
2. dir nach 4 h im stehen spielen noch nicht wehtut
3. in deinen Ohren auch nach Jahren schön klingt
4. du sie wegen 1. -3. niemals mehr hergeben würdest,

dann hast du eine gute Gitarre!

edit: die Liste ist nach eigenem Gutdünken beliebig erweiterbar... ;-)
 
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Hmmmm,
ne gute Gitarre sind für mich nur Klampfen, die mich von Anfang an ansprechen, nicht nur optisch ("liieeebe auf den ersten Blick")... und wenn dewr Preis dann noch stimmt, kommts auch nicht drauf an, was auf dem Kopf steht :)...
lg
 
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Christof":3dhcm15b schrieb:
Moin,

ich war letzte Woche ein wenig auf Jagd nach einer richtigen guten Les Paul. Dabei habe ich u.a. auch ein paar 59er Reissues gespielt. Auch wenn ich KEINES von den Teilen kaufen würde ( die kosten ja so unendlich viel Kohle) so ist mir doch so einiges aufgefallen und ich behaupte jetzt mal in Hinblick auf Paula, Strat, Tele und andere Klassiker:

Gute E-Gitarren klassischer Bauform....
1. sind sehr gut ausbalanciert
2. haben eine kräftigen, sehr stabilen Hals. Der Hals muss nicht zwingend fett sein, sich aber sehr stabil und "bewegungsfrei" anfühlen.
3. klingen holziger und luftiger, wenn sie relativ leicht sind
4. haben mehr Druck und "Rockschmatz", wenn sie - relativ gesehen - schwerer sind
5. haben das beste Sustain, wenn sie mindestens 1.+2. miteinander verbinden.
6. klingen am ausgewogensten und besonders klassisch, wenn sie ein leichtes bis mittleres Gewicht auf die Waage bringen und eher verhaltene Tonabnehmer verwendet wurden
7. sprechen besser an, wenn kein tonnenschwerer Lack ihre Körper bedeckt.

Womit ich sagen will: es GIBT eine Formel, die offensichtlich funktioniert - vorausgesetzt, die Hölzer stimmen und ein Manufakteur, der die Materie und sein HAndwerk versteht, setzt die Teile zusammen.

Konsens? Unsens? Totaler Blödsinn? Sagt Ihr es mir...

Christof

Hallo Christof,

zwei mal duchgelesen und gedacht: (Nr 7 fragwürdig*) Konsens! Ich habe nur leider schon bei M&T im Lager alle zu der Zeit vorhandenen Customshop '57 nebeneinander gespielt. (7 oder 8) Die Bauweise war identisch und entsprach in weiten Teilen Deiner Vorgabe. Die Streuung war unglaublich!
Dennoch - im Prinzip ....... Konsens!

* fragwürdig, weil hier immer viel Idiologie im Spiel ist. Z.B. ist Gibson Lack seit vielen Jahren nicht mehr NC und war niemals dünn!
 
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Hallo Christof,
schön, mal wieder was von Dir zu lesen.

Christof":1mwzr5ix schrieb:
Gute E-Gitarren klassischer Bauform....

Was ist für Dich klassisch? Eine 335 auch noch?

Christof":1mwzr5ix schrieb:
1. sind sehr gut ausbalanciert
2. haben eine kräftigen, sehr stabilen Hals. Der Hals muss nicht zwingend fett sein, sich aber sehr stabil und "bewegungsfrei" anfühlen.

Nach dieser Definition kann eine SG niemals eine gute Gitarre sein.
Ich würde Deine Aufstellung gerne noch um "Charakter" erweitern, aber dieser Begriff ist eher schwammig. Obwohl ich Dir im Grunde nicht widerspreche, habe ich das Gefühl, dass Instrumente, die ich sehr schätze, nicht darunter fallen. Haben wir dafür noch eine Nische?
 
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mad cruiser":35q3v54q schrieb:
Ich würde Deine Aufstellung gerne noch um "Charakter" erweitern, ...... Haben wir dafür noch eine Nische?
Zuverlässigkeit wäre mir noch fast das wichtigste Attribut....
 
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Ich glaube, dass die aufgeführten Kriterien weitestgehend zutreffend sind. Woraus auch ein stückweit abgeleitet werden kann, dass ganz objektiv gesehen, nicht immer ein hoher Preis ein hochwertiges Instrument ausmacht, aber die Wahrscheinlichkeit erhöht ein solches Instrument zu erhalten. (Man könnte sich bei höherem VK-Preis mehr auf o.g. Kriterien konzentrieren, Holzauswahl, etc., muss aber nicht sein. Wir alle kennen die Gegenbeispiele)

Wenn ich noch einen Punkt hinzufügen würde wäre das:

9." Voodoo". Etwas das man nicht genau beschreiben kann. Kein Stück Holz ist wie das andere und deswegen ist ein Ergebnis vielleicht nicht bis ins Letzte kalkulierbar! Ist vielleicht sowas wie eine Ahnung oder ein Gefühl, das der Erbauer oder auch Käufer (da der Erbauer durchaus auch und immer öfter eine Maschine sein kann) des Instrumentes hat und vielleicht den Unterschied zwischen einem mittelmäßig bis guten und einem großartigen Instrument macht. Dies mag auch ein etwas subjektiver Faktor sein, der von persönlichen Vorlieben mitgeprägt ist, aber so ließe sich z.B. die Streuung bei den von W°° getesteten ´57 erklären.

Tante-Edit: Sehe gerade, dass Mad Cruiser mit Charakter was sehr ähnliches meint.
 
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Christof
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Interessante Beiträge!

Ich würde sehr wohl eine 335 oder eine SG zu den klassischen Gitarren dazuzählen. Bis zum Punkt X gelten da doch auch die gleichen Gesetzmässigkeiten. Steifer Hals, gutes Holz, das richtige Gewicht etc...
Worauf ich hinaus wollte, sind eben die mehr oder minder messbaren Faustformeln, um dem individuellen Soundideal ein wenig näher zu kommen.

Wollte ich mir - was ich mir im Moment nicht leisten kann - eine LP-artige Gitarre bauen lassen, wüsste ich doch gern, welche Grössen ich zweifelsfrei bei einer Bestellung abgeben könnte. Abgesehen von Dingen wie Halsform, Mensur, Griffbrettradius und Farbe.

Dummerweise kann man Voodoo, Mojo und Charakter leider schwerlich beim Gitarrenbauer bestellen. Zu dumm... einfach zu dumm...
 
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Marcello":rxxsfqd3 schrieb:
9." Voodoo". Etwas das man nicht genau beschreiben kann. Kein Stück Holz ist wie das andere und deswegen ist ein Ergebnis vielleicht nicht bis ins Letzte kalkulierbar! Ist vielleicht sowas wie eine Ahnung oder ein Gefühl, das der Erbauer oder auch Käufer (da der Erbauer durchaus auch und immer öfter eine Maschine sein kann) des Instrumentes hat und vielleicht den Unterschied zwischen einem mittelmäßig bis guten und einem großartigen Instrument macht. Dies mag auch ein etwas subjektiver Faktor sein, der von persönlichen Vorlieben mitgeprägt ist, aber so ließe sich z.B. die Streuung bei den von W°° getesteten ´57 erklären.

Und genau DESWEGEN hab ich eine gewisse Abneigung gegen diese Modeling Gitarren. Sie mögen ja an und für sich nicht schlecht klingen, aber irgendwie fehlt ihnen IMHO das gewisse Etwas.... also der Charakter, Persönlichkeit oder halt wie du es nennst "Voodoo"!
 
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Christof
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Kalaidahn,

Eine "gewisse Abneigung" kann ich dir nicht verübeln.... aber es ging hier ja auch ursprünglich um gute Gitarren klassischer Bauart. :)
 
 

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