Hallo!
An diesem Thread will ich mich schon seit Urzeiten beteiligen. Nur geht es einfach nicht, weil ich keine Lieblingsgitarre habe.
Am deutlich längsten besitze ich meine Lakewood M32, nämlich seit 1992. Ich habe sie damals neu gekauft und mittlerweile hat sie jede Menge Spielspuren, Kratzer und Macken, wurde von mehreren Gitarrenbauern überholt und mehrfach neu bundiert. Ich habe mit der Gitarre zuhause und auf Gigs gespielt, geprobt und Aufnahmen gemacht. Für verstärkte Proben und Gigs nehme ich jetzt eine andere Gitarre. Wenn ich sie aber in die Hand nehme, freue ich mich immer wieder „nach Hause“ zu kommen. Sie ist wie ein betagter Konzertflügel, den man nicht mehr Strapazen aussetzen mag. Selbst, wenn ich mal beschließen sollte, nur noch für mich zuhause und alleine Musik zu machen, wird sie sicherlich bei mir bleiben.
Aber wenn es laut und ruppig wird, dann greife ich zu meiner elektroakustischen Bühnenschlampe, die eher ein „gitarrenförmiges Objekt“ (gifO) als eine Gitarre ist: Meine
Yamaha APX, irgendwann um 2005 gebraucht gekauft. Umhängen, über das niedrige Gewicht freuen, einstöpseln, zwei Akkorde greifen und über die leichte Bespielbarkeit und den problemlosen Sound freuen. Mit ihr habe ich tolle und furchtbare Proben und Gigs gespielt. Diese Gitarre hat mich auf meine erste musikalische Auslandsreise begleitet und den Transport im Flugzeug lässig hingenommen. Handwerklich gesehen und akustisch gespielt eine Katastrophe und ich liebe dieses Ding dennoch.
Beide Akustikgitarren können aber meine
Ibanez Artcore nicht ersetzen, die ihr übrigens in der Galerie findet und die ich länger besitze als die APX, also auch gegen 2005 gekauft habe, damals neu. Dieser ES-175-Verschnitt in gretsch-orange war ein Blindkauf. Eine andere Stromgitarre kann ich mir für mein Trio gar nicht vorstellen. Sie ist optisch sehr markant, spielt sich abgesehen vom Gewicht sehr angenehm und ich bin immer wieder erstaunt, wie viele tolle Sounds aus dieser Gitarre kommen. Auch bei dieser Gitarre habe ich das Gefühl, zuhause zu sein – wenn ihr auch etwas fehlt.
Auf der Artcore kann man nicht richtig brettern und Soli gehen nicht gerade leicht von der Hand. Sie kann keine Solidbody ersetzen – aber dafür habe ich ja jetzt meine Tele – siehe Galerie. Das ist sicherlich das handlichste Instrument in meinem Fuhrpark, eine Gitarre, mit der man überhaupt nicht kämpfen muss. Natürlich ist das im Moment noch „die Neue“, schließlich habe ich sie erst seit ein paar Wochen.
Ich spiele also meine Tele mit großer Begeisterung. Wechsele ich sie gegen meine Artcore, geht mir wieder das Herz auf. Wechsele ich zurück zur Tele, genieße ich, dass sie so ganz anders ist als die Artcore. Wenn ich dann von der Probe in meine Wohnung komme, die beiden Elektrischen an die Seite stelle und ein paar Töne auf der Lakewood spiele, habe ich schon wieder fast eine Gänsehaut. Und greife ich zur Yamaha, komme ich aus dem Grinsen nicht mehr raus.
Nein. Ich habe keine Lieblingsgitarre. Ich habe vier.
Gruß
erniecaster